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J.J. Abrams über "Super 8"

"'Star Wars' hat mich fasziniert"

Mit "Super 8", einer Hommage an das Kino von Steven Spielberg, hat J.J. Abrams, Regisseur von "Star Trek" und Schöpfer von Serien wie "Lost" und "Fringe", seinen bislang persönlichsten Film gedreht. In den USA schlug er bereits ein und hat nach zehn Tagen 72 Mio. Dollar eingespielt.

Staunen wie in den Siebzigern: Großansicht

Staunen wie in den Siebzigern: "Super 8" von "Lost"-Macher J.J. Abrams bietet SciFi-Mystery alter Schule (Foto: Paramount)

"Super 8" funktioniert wie eine Zeitreise. War das Ihre Absicht?
J.J. ABRAMS: Meine Absicht war es, den Zuschauer für zwei Stunden in einer Zeit leben zu lesen, die für mich sehr bedeutend war. Ich hatte damals, in den späten Siebzigerjahren, meine intensivsten Kinoerlebnisse. Wichtiger ist aber eigentlich, dass ich damals auch selbst angefangen habe, erste Super-8-Filme zu drehen. Ich sehe "Super 8" also weniger als spezifische Hommage an das Kino von Steven Spielberg und Amblin Entertainment, sondern an eine Zeit, die für meine Erweckung für die Magie des Kinos steht.

Was hat Sie damals am meisten geprägt, am stärksten berührt?
Filme sehen und Filme machen, das waren damals die zwei wichtigsten Sachen für mich. Ich war nicht gerade der Beste in der Schule, keine Leuchte im Sport. In diesem Alter kommt alles recht, was einem hilft, sich im Leben zurechtzufinden, was einem Selbstvertrauen und Erfüllung bietet. Für mich war das die Flucht in die Welt des Filmemachens. Alles, was man brauchte, war eine Idee und etwas Beharrlichkeit. Das Ergebnis war nie so gut, wie man sich das erhofft hat. Aber das war egal. Man hatte einen Beweis in Händen, dass man zu etwas gut ist. Das wurde sehr schnell der Hauptinhalt meines Lebens. Und er ist es bis heute geblieben.

Ein Merkmal des Kinos in dieser Zeit war, dass es den Zuschauer noch staunen ließ.
Stimmt, das konnten Kleinigkeiten sein. Nehmen Sie nur "Krieg der Sterne". Da waren all diese riesigen Raumschiffe, Planeten, die man noch nie gesehen hatte. Aber was mich am meisten beeindruckte, waren diese schwebenden Autos, mit denen man sich in Tatooine fortbewegte. Es erwies sich als ganz simpler Spiegeltrick, aber ich war fasziniert.

Lässt sich das heute, in der Zeit der Computereffekte, die alles möglich machen, noch reproduzieren?
Vor ein paar Jahren war ich bei einer Wiederaufführung von Harold Lloyds Komödie "Ausgerechnet Wolkenkratzer", ein 80 Jahre alter Film, schwarz-weiß, ohne Ton. Das Publikum hielt den Atem an, applaudierte, lachte - man wusste, dass es da kein Netz, keinen doppelten Boden gab. Wenn man "Ausgerechnet Wolkenkratzer" heute drehen würde, würde sich niemand dafür interessieren. Weil niemand glauben würde, dass es echt ist. Heute hat man es mit einem Publikum zu tun, das alles schon gesehen hat, das die atemberaubendsten, gefährlichsten Dinge als gegeben voraussetzt. Wir leben in einer Zeit, in der Werbespots bessere visuelle Effekte haben, als es für die teuersten und fortgeschrittensten Filme vor gerade einmal zehn Jahren möglich gewesen wäre. Ich glaube, einer der Gründe, warum es mir so wichtig war, "Super 8" im Jahr 1979 spielen zu lassen, ist das Bedürfnis, einen Eindruck zu vermitteln, wie sich Kino in der analogen Ära angefühlt hat. Ich liebe Technologie und die Möglichkeiten des digitalen Kinos, aber ich vermisse diese Zeit.

Was genau?
Ich vermisse, dass man nicht alles sofort haben konnte. Wenn man heute einen Film sehen, ein Lied hören, ein Buch lesen will, dann muss man nur ein paar Knöpfe drücken, und man ist am Ziel der Wünsche. All diese großartigen Dinge zu erleben, ist zu einer kalten, leeren Erfahrung geworden, in die man nichts mehr investieren muss. Natürlich ist die Entwicklung auch großartig, weil das Erlebnis sich auf das Wesentliche reduziert: Das Lesen, Sehen und Hören steht im Mittelpunkt. Aber das Leben sollte mehr bieten als nur das bloße Resultat. Wir leben in einer Zeit, in der das Resultat so sehr das einzige Ziel geworden ist, dass wir ein wenig aus den Augen verloren haben, wie wertvoll die Freude und auch der Schmerz, die Unvorhersehbarkeit des Vorgangs an sich ist. Vielleicht sehe ich das verklärt. Aber mir gefällt die Reinheit und Unschuld der Zeit, in der ich ein Jugendlicher war. Wenn man mit seinen Freunden reden wollte, musste man sich aufs Fahrrad setzen und sie besuchen. Wenn man einen Film gemacht hat, musste man eine Woche warten, bis man ihn belichtet zurückbekam. Mir gefällt diese Zeit, in der man sich noch nicht fühlte, als würde einem nicht alles zustehen.

Sie verfolgen mit Ihren Fernsehserien und Filmen einen ganz eigenen Weg, den Konsumenten wieder stärker in die Inhalte zu involvieren. Ist es das, was Sie unter der "Mystery Box" verstehen?
Der Spaß an Mystery ist ganz simpel: Der Zuschauer soll sich im Vorfeld Fragen stellen und ausmalen, was ihn erwarten könnte. Ich will ihn wach kitzeln. Aber so cool und toll und unterhaltsam ich Mystery finde, es ist doch nur ein Katalysator, der das Publikum ins Kino oder vor den Bildschirm bringen soll. Dann muss der Film überzeugen, dann zählt das Geheimnis der Figuren: Wenn ich keine emotionale Bindung aufbaue, lässt mich der Kinobesuch kalt. Und emotional verbunden fühle ich mich den Figuren, nicht der Mystery. Die Kreatur in "Super 8" ist als solches nicht so wichtig. Dagegen ist sie entscheidend als Metapher, als greifbare Manifestation der Ängste und Bedürfnisse der Hauptfiguren.

Wenn man Spielbergs alte Filme heute ansieht und einfach das Spektakel beiseite lässt, ist man erstaunt, wie traurig sie sind.
Weil es im Grunde immer um zerbrochene Familien geht, es sind schreckliche Szenarien, die er erträglich macht, weil seine Filme immer ein großes Herz haben. Das erste Bild, das ich für "Super 8" vor Augen hatte, war ebenfalls durch und durch traurig: der Junge in seinem schwarzen Anzug, der von der Beerdigung seiner Mutter kommt und sich völlig allein fühlt, weil ihm sein Vater immer fremd war. Wenn das allein die Geschichte des Films wäre, fände ich ihn schon interessant. Ich habe versucht, dem Wesen der Amblin-Filme gerecht zu werden: "Super 8" sollte also nicht nur traurig sein, sondern auch aufregend und lustig und emotional. Ich bin kein Sadist, der sein Publikum traktieren will. Wie Steven will ich von Ausdauer und Beharrlichkeit erzählen, von persönlichen Triumphen im Angesicht tragischer Ereignisse.

Thomas Schultze, 06.07.2011, 10:17
 
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