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"Wolfman" scheint wirklich alles zu haben, was ein gelungenes Remake benötigt: Düstere Settings im viktorianischen Zeitalter, oscar-geadelte Darsteller wie Anthony Hopkins und Benicio Del Toro, atemberaubende Spezialeffekte. Was das Remake vom Original jedoch unterscheidet, ist ein ganz wesentlicher Aspekt: "Der Wolfsmensch", Horrorklassiker aus dem Jahr 1941, ist nicht nur für Werwolf-Fans von Interesse, er ist ein Muss für jeden Filmfreak.
Nachdem Universal sechs Jahre zuvor mit "Der Werwolf von London" einen eher mäßigen Beitrag zu dem Subgenre abgeliefert hatte, hauchte "Der Wolfsmensch" dem animalischen Horrorfilm neues Leben ein. Tricktechnik und Make-Up waren nicht nur auf der Höhe der Zeit, sondern lange Zeit stilbildend für das Genre. Hinzu kam die Leistung von Hauptdarsteller Lon Chaney jr.: Qualen und Gebrochenheit der Titelfigur kamen in seiner Performance perfekt zur Geltung. "Der Wolfsmensch" war zudem der erste Film, der die Verwundbarkeit durch Silberkugeln und die gewaltsame Körpermutation unter Vollmondeinfluss auf die Leinwand brachte.
Moderne Klassiker
Lange Zeit galt "Der Wolfsmensch" als das Nonplusultra des cineastisch aufbereiteten Werwolfthemas. Fortsetzungen wie "Frankenstein trifft den Wolfsmenschen", "Draculas Haus" und insbesondere die Komödie "Abbott und Costello treffen Frankenstein" waren zumeist reine Geldmacherei - dem Genre taten sie ebenso wenig gut wie dem immer wieder von den Toten zurückkehrenden Wolfsmensch-Darsteller Lon Chaney. Insgesamt sollte es ganze 40 Jahre dauern, bis mit "American Werewolf" ein neuer Klassiker auf die große Leinwand kam.
Was den Film von John Landis so besonders macht, ist seine Herangehensweise an die Geschichte. Er bediente sich nicht einfach der mythischen Story, er transformierte sie in die Gegenwart und würzte das Ganze mit einer gehörigen Prise schwarzen Humors. Kombiniert mit den noch immer sensationellen Transformationsszenen und dem Spagat zwischen Horror, Komik und Mitgefühl ergibt sich das perfekte Genrehighlight.
Die Faszination des Düsteren
Kein Werwolf-Film im klassischen Sinne ist bei genauerer Betrachtung "Underworld". Wie bei den meisten Filmen, in denen Vampire eine Rolle spielen, geht es eher um die Optik. Der Unterschied zwischen den beiden Erzfeinden kristallisiert sich hier jedoch besonders stark heraus. Vampire stellen die aristokratisch-elitäre Gesellschaft, Werwölfe sind getriebene Unterweltkreaturen. Ästhetischer als hier sind die gegensätzlichen Welten nie aufeinandergeprallt.
Und auch "Wolf" gebührt ein Platz unter den modernen Klassikern. Hauptdarsteller Jack Nicholson, von Natur aus ein durch und durch animalischer Mime, verleiht der Figur des Werwolfopfers eine vollkommen neue Charakterebene. Nicht nur bei Vollmond erwachen seine tierischen Instinkte, auch im Alltag machen sie sich bemerkbar und verhelfen ihm zu Erfolg im Berufs- und Beziehungsleben. Auch wenn so mancher Fan sein Problem mit dieser modernen Wolfsfigur hat - innovativ bleibt sie. Und niemand außer Nicholson hätte sie besser spielen können.
Weibliche Wölfe
Bliebe noch die Frage nach der weiblichen Seite des Werwolfs. Die kommt eher selten zum Vorschein. Seltsamerweise. Denn ein Werwolf auf Jagd wird wohl kaum einen Unterschied machen zwischen weiblichen oder männlichen Opfern. Andererseits stellt man sich im Körper eines so gewaltigen Wesens wie dem Werwolf nun mal den Mann in all seiner Ungezügeltheit vor. Stichwort Nicholson.
Christina Riccis Versuch, in "Verflucht" einen weiblichen Wolf darzustellen, fällt dann auch eher in die Kategorie "gescheitert". Im Indiegenre allerdings findet sich mit "Ginger Snaps - Das Biest in Dir" ein wirklich gelungener Ansatz zur Erneuerung des Genres. Nicht nur stehen zwei junge Schwestern im Mittelpunkt des Undergroundhits, das Werwolfthema wird auch als ironische Metapher für Pubertät und Teenagerängste verwendet. Klingt erst mal schräg, war aber beim Fantasy Filmfest 2000 zu Recht ein Tipp, der seinen geheimen Status bald verloren hatte. Aber Achtung: "Ginger Snaps" ist definitiv nichts für zarte Gemüter.
bdu, 12.02.2010, 12:18