Story

Josh Brolin im Gespräch

"Vorteil aus Angst und Gier"

In "Wall Street 2" schluckt Josh Brolin als skrupelloser Bankchef Bretton James schwache Firmen. In der Realität musste der Star schon einmal seine Farm verkaufen - aller Börsenerfahrung zum Trotz.

Jeder Zoll ein Mistkerl: Josh Brolin als Bankchef Bretton James in Großansicht

Jeder Zoll ein Mistkerl: Josh Brolin als Bankchef Bretton James in "Wall Street 2" (Foto: Fox)

Mr. Brolin, Sie haben selbst an der Börse gehandelt. Haben Sie diesen Adrenalinrausch genossen?

Josh Brolin: Nein. Die Leute sagen immer, dass Traden wie Zocken ist - aber so habe ich es nie gesehen. Da gibt es Muster, die du lernen kannst, Kurven, die du studieren kannst. Was ich darin sehe sind vor allem bestimmte Verhaltensmuster: Angst, Gier, Angst und dann wieder Gier. Und ich konnte meinen Vorteil aus Angst und Gier anderer Leute ziehen.

Wie lange haben Sie als Börsenhändler gearbeitet?

Ungefähr dreieinhalb Jahre - gelegentlich handle ich sogar immer noch. Allerdings nicht mehr so viel wie früher. Erstens bin ich beschäftigt und zweitens traue ich dem nicht, was sich wirtschaftlich gerade so abspielt. Für eine ganze Weile war es meine Haupteinnahmequelle. Aber das hat sich geändert.

Kennen Sie Menschen, die im Crash alles verloren haben?

Ja, Familienmitglieder. Das ist schrecklich, absolut grauenhaft. Allerdings kann ich hier nicht wirklich mitreden. Ich habe ja kein Geld verloren - ich habe verdient.

Mit Shia LaBeouf und Michael Douglas jongliert Brolin Milliarden (Foto: Fox) Großansicht

Mit Shia LaBeouf und Michael Douglas jongliert Brolin Milliarden (Foto: Fox)

Haben Sie aufgrund der Börsenerfahrung ihre Rolle in "Wall Street - Geld schläft nicht" leichter in den Griff bekommen?

Nein, das ist eine völlig andere Welt. Das ist Hochfinanz, richtig großes Geld. Und das ist noch einmal etwas komplett anderes. Hier reden wir davon, mit Milliarden Dollar zu handeln. Solche Leute zu treffen war für mich aber sehr aufschlussreich. Hochinteressant zu sehen, was für kleine Ticks diese Jungs haben und was ihnen etwas bedeutet. Wir sind mit ihnen essen gegangen, haben ein paar Flaschen Wein bestellt um sie betrunken zu machen - am Anfang ist da immer noch viel Fassade. Aber dann findet du raus was wirklich läuft und ich habe sie gefragt: "Macht ihr das eigentlich wirklich gerne?" Sie haben geantwortet: "Ich hasse es, verd… noch mal. Ich würde liebend gerne raus aus dem Business. Es bringt mich um - und mein Familie zerbricht auch daran." Und du denkst dir: "Wow - alles klar…"

Mit Oliver Stone haben Sie zwei Mal gearbeitet: Bei "W. - Ein missverstandenes Leben " und "Wall Street - Geld schläft nicht". Was gefällt ihnen daran?

Wir arbeiten einfach gut zusammen. Ich liebe alles an der Zusammenarbeit mit ihm. Er ist eine feste Instanz und tut alles dafür, dass die Leistung eines Schauspielers sich so organisch wie möglich entwickelt. Er kümmert sich um die Leute. Dazu macht er diese Filme, die auf eine Art auch gesellschaftliche Kommentare sind und sich auch mit Menschen und Außenseitern beschäftigen. "Wall Street" handelt von Menschen, die am "Big Money" oder an den Investment-Banken zerschellt sind, die auf dieses sehr zerbrechliche, sehr offensichtliche Gebilde aus waren, dem wir eigentlich alle nacheifern: nach mehr auszusehen, als wir tatsächlich sind.

Ein Leben auf der Überholspur - aber die Welt der Hochfinanz hat auch ihre Ölspuren (Foto: Fox) Großansicht

Ein Leben auf der Überholspur - aber die Welt der Hochfinanz hat auch ihre Ölspuren (Foto: Fox)

Der Wechsel von der Arbeit mit Oliver Stone zu Woody Allen und seinem "Ich sehe den Mann deiner Träume" muss ein ziemlicher Stilbruch gewesen sein.

Da gibt es aber auch Gemeinsamkeiten. Beide sind besessen vom Filmemachen und Geschichtenerzählen. Ich war schon lange ein Fan von Woody Allen. Aber anfangs waren mir seine Bücher vertrauter als seine Filme. Sein Buch "Nebenwirkungen" habe ich mir am Drehende von signieren lassen. Das war für mich eine Riesensache.

Vor ein paar Jahren haben Sie gesagt, dass Sie ihre Farm verkaufen mussten - aber hofften, sie irgendwann wieder zu bekommen. Haben Sie es schon geschafft?

Das war vor fünf Jahren. Und nein, noch nicht. Aber vielleicht in der Zukunft...

Mussten Sie diese aus finanziellen Gründen verkaufen?

Ich war nicht in dem Sinn pleite. Aber ich konnte die Farm nicht länger betreiben - sonst hätte Geld mit Filmen verdienen müssen, die ich einfach nicht mehr machen will.

16.02.2011, 16:17
 
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