Andreas Dresen


  • Geburtstag
    16.08.1963
  • Geburtsort
    Gera

Andreas Dresen


  • Geburtstag
    16.08.1963
  • Geburtsort
    Gera
 

Sein Interesse und seine Liebe gilt den kleinen Leuten, die Geschichte an der Peripherie erleben. Über sie, teils die Verlierer der Gesellschaft, erfindet er Geschichten, die in ihrem atemberaubenden Wahrheitswert packen und die das Spektakuläre im Alltag herauskitzeln. Andreas Dresen beobachtet sie mit Sinn für groteske Details in ihrem Überlebenskampf, in emotionalen Krisenstadien, in Trennungszeiten, auf Odysseen der Not, während kurzer glücklicher Momente und auch vor dem Abgrund. Dabei entstehen keine Psychostudien klassischer Prägung, sondern skizzenhafte Charakterisierungen, die den Menschen ihre Würde und vor allem einen großen Rest Geheimnis lassen.
Andreas Dresen wurde 1963 in Gera geboren und durch das Ende der DDR geprägt. Der Sohn des Theaterregisseurs Adolf Dresen und Absolvent der Regieklasse der Potsdamer Filmhochschule "Konrad Wolf" drehte mehrere mit Preisen ausgezeichnete Kurzfilme und debütierte 1992 mit dem Spielfilm "Stilles Land": Am Beispiel einer Theatertruppe in der nordostdeutschen Provinz, die im Herbst 1989 während der Proben zu Becketts "Warten auf Godot" aus der Lethargie gerissen wird, erzählt er eine Parabel über den schwierigen deutschen Einigungsprozess. In den folgenden Jahren entstanden Fernsehfilme, von denen "Raus aus der Haut", in dem zwei Schüler ihren parteihörigen Direktor entführen, Aufsehen erregte.
Seinen Durchbruch erlebte Dresen 1999 mit "Nachtgestalten", der kunstvoll die Schicksale mehrerer ungewöhnlicher Paare während der Nacht, als der Papst Berlin besucht, verknüpft. Mit Handkamera und improvisierten Szenen entstand wie im Folgefilm "Die Polizistin", der eine junge idealistisch geprägte Beamtin auf ihren Wegen durch Rostock verfolgt, ein hautnaher Zugriff auf Realitäten und die Schattenseiten der Gesellschaft. Mit "Halbe Treppe", gedreht mit der digitalen Videokamera, gelang Dresen ein erstes Meisterwerk: Zwei Paare in Frankfurt an der Oder durchleben schmerzhafte Trennungs- und Bewusstseinsprozesse zwischen Hochhauswohnung, Fernsehturm, Imbissbude und Truckerhafen. "Willenbrock", Dresens erste Literaturverfilmung (nach Christoph Hein), macht aus einem gewieften Gebrauchwagenhändler einen tragikomischen Helden, dem seine ganz persönliche "heile Welt" systematisch entgleitet.
2005 erhielt Andreas Dresen den Bayerischen Filmpreis und ein Jahr später den Ernst-Lubitsch-Preis für seinen bitter-komischen Film "Sommer vorm Balkon". Im Gedächtnis bleiben den Zuschauern neben der bemerkenswert natürlichen Darstellung der beiden Hauptfiguren Nadja Uhl und Inka Friedrich auch der Soundtrack mit seinen Reminiszenzen an den deutschen Schlager. In "Auge in Auge" (2008), einer Dokumentation über die Liebe zum Kino, kommt Dresen neben Kollegen wie Dominik Graf und Wim Wenders zu Wort. "Wolke Neun" ist sein bisher letzter Film, der 2008 in Cannes seine Weltpremiere hatte und dort mit minutenlangen Standing Ovations gelobt und einem Sonderpreis geehrt wurde. Ursula Werner spielt die verheiratete 60-jährige Inge, die sich in den 76-jährigen Karl verliebt und ihren Mann verlässt, der daraufhin Selbstmord begeht. Der Regisseur setzte sich mit der Liebesfähigkeit im Alter auseinander und stellte klar, dass Liebe und Sex bei älteren genauso gelebt und thematisiert wird wie bei jüngeren Menschen.
Dresens Werke, mit Bundesfilmpreisen, Darstellerpreisen, Kritikerpreisen und Festivalpreisen ausgezeichnet, zählen zu den meistprämierten deutschen Filmen. Wegen ihrer ästhetischen Offenheit gehören sie zu den aufregendsten Seherlebnissen des deutschen Films, weil sie mit Freiräumen und Leerstellen arbeiten und absurde Momente in realistischen Settings einfangen. Dazu gehört der Mut, anzuecken, und die Freiheit, improvisierte, aus Arbeitssituationen heraus entstandene Szenen zu filmen. Dresen: "Kinobilder sind für mich Bilder, die mich ergreifen, die etwas über andere erzählen, die mir einen inneren Raum eröffnen."

Andreas Dresen

  • Geburtstag
    16.08.1963
  • Geburtsort
    Gera
  • Geburtsland
    DDR

Stars und hoffnungsvoller Nachwuchs beim Festival de Cannes

Auf dem Festival de Cannes, das am Mittwoch zum 64. Mal eröffnet wird, lässt sich alljährlich ein interessantes Schauspiel verfolgen. Frauen in schicken Abendroben und Männer in Smokings stehen mit sehnsüchtigen Augen vor dem Festivalpalais, in der Hand ein Pappschild mit der Aufschrift "Ich suche eine Einladung"…

Highlight an der Croisette: Woody Allens "Midnight in Paris", u.a. mit Frankreichs Superstar Marion Cotillard und Owen Wilson (Foto: Concorde) Großansicht

Highlight an der Croisette: Woody Allens "Midnight in Paris", u.a. mit Frankreichs Superstar Marion Cotillard und Owen Wilson (Foto: Concorde)

Sie hoffen, irgendwie in die heiligen Festivalhallen zu kommen. Die Chancen sind nicht groß, werden die Premierenkarten doch nur an einen ausgesuchten Kreis an geladenen Gästen vergeben. Doch die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Darum werfen sich die Cinephilen und Schaulustigen vorsorglich schon mal in Schale, denn ohne festliche Garderobe wird man - mit oder ohne Einladung - nicht eingelassen.

Selbst lässige Typen wie den Hamburger Filmemacher Fatih Akin, der sonst im Kapuzenshirt anzutreffen ist, sieht man hier im Smoking. Berühmt sind die Geschichten von Premierengästen, die sich in letzter Sekunde eine Fliege besorgen mussten - vorsorglich kann man diese inzwischen sogar am Einlass erwerben.

Aber auch außerhalb der Absperrungen des roten Teppich lässt sich an der Croisette zumindest ein Blick erhaschen auf Stars und Sternchen. In diesem Jahr wird einiges an Starpower aufgefahren: Brad Pitt - und Angelina Jolie -, Johnny Depp, Owen Wilson, Jude Law, Uma Thurman, Sean Penn, Jurypräsident Robert De Niro und Woody Allen sind nur einige der klingenden Namen, die erwartet werden.

Europäische Grandezza entfaltet das Festival etwa dank Catherine Deneuve, Ludivine Sagnier, Penélope Cruz, Antonio Banderas - und natürlich Frankreichs First Lady Carla Bruni-Sarkozy. Sie hat einen Gastauftritt im Eröffnungsfilm, Woody Allens "Midnight in Paris", den der New Yorker in der französischen Hauptstadt gedreht hat, mit Owen Wilson, Rachel McAdams und Marion Cotillard. Zur Premiere wird also auch Staatspräsident Nicolas Sarkozy erwartet. Er wiederum wird im Verlauf des Festivals in dem Spielfilm "La Conquête" (Die Eroberung) porträtiert, der seinen Weg an die Macht nachzeichnet. Ein Streit um die Goldene Palme muss das Präsidentenpaar übrigens nicht ausfechten - beide Filme laufen außer Konkurrenz.

Palmenchancen haben in diesem Jahr dagegen viele berühmte Altmeister. Darunter der amerikanische Ausnahmefilmemacher Terrence Malick, der seinen lang erwarteten neuen Film "The Tree of Life" zeigt, eine poetische Geschichte über eine Familie in den Sechziger Jahren - mit Brad Pitt, Jessica Chastain und Sean Penn.

Der Palmengewinner von 2000, Lars von Trier, ist schon zum neunten Mal (!) in Cannes dabei, zuletzt sorgte er mit "Antichrist" für einen Skandal. Jetzt zeigt er "Melancholia", ein Sci-Fi-Drama mit Kirsten Dunst, "24"-Star Kiefer Sutherland und Charlotte Gainsbourg, in dem die Erde mit einem anderen Planeten zusammenzustoßen droht. "Ein wunderschöner Film über den Untergang der Welt" wie der dänische Filmemacher ankündigt.

Ein Wiedersehen gibt es auch mit dem Spanier Pedro Almodóvar, er gewann mit "Alles über meine Mutter" 1999 den Regiepreis und hat einen Großteil seiner Filme in Cannes gezeigt. Dieses Jahr geht er mit "Die Haut in der ich wohne" ins Palmenrennen, in dem Antonio Banderas einen Schönheitschirurgen spielt, der sich an dem Vergewaltiger seiner Tochter rächen will.

Der entspannte Finne Aki Kaurismäki kehrt mit dem französischsprachigen "Le Havre" zurück, in dem er auf gewohnt lakonische Art von einem Schuhputzer (André Wilms) in der titelgebenden französischen Hafenstadt erzählt, der sich um ein Einwandererkind kümmert.

Sean Penn spielt nicht nur im erwähnten "The Tree of Life" mit, sondern auch in "This Must Be The Place" mit, einem Film des italienischen Regisseurs Paolo Sorrentino, der vor drei Jahren mit der Polit-Satire "Il Divo" in Cannes ausgezeichnet wurde. Penn - der hier äußerlich auf den The Cure-Sänger Robert Smith getrimmt ist - spielt einen alternden Popstar, der sich auf die Suche nach dem Nazi-Peiniger macht, der seinen Vater einst quälte.

Italien ist noch mit einem zweiten Film am Start: Nanni Moretti (Goldene Palme 2001 für "Das Zimmer meines Sohnes") spielt in seinem in Italien bereits erfolgreich angelaufenen "Habemus Papam" einen Psychiater in wichtiger Mission: Er soll den angehenden Papst dazu bringen, sein Amt anzutreten - dieser er hat nach der Wahl kalte Füße bekommen.

Zurück an die Croisette kehrt auch eine spannende junge Regisseurin aus Schottland: Lynne Ramsay, die mit "Ratcatcher" oder "Morvern Callar" ungeschminkt von der britischen Jugend erzählte. In der Romanverfilmung "We Need to Talk About Kevin" geht es jetzt um einen Amoklauf an einer Schule. Tilda Swinton spielt die Mutter des jugendlichen Attentäters, die mit Trauer und Schuldbewusstsein kämpft. Die Musik des Films hat Jonny Greenwood von Radiohead beigetragen.

Lynne Ramsay ist eine von nicht weniger als vier Regisseurinnen im Wettbewerb - eine beeindruckende Zahl im männerdominierten Cannes. Im letzten Jahr etwa war etwa kein einziger Film einer Frau im Palmen-Rennen. Diesmal treten neben Ramsey die Japanerin Naomi Kawase, die Französin Maiwenn und die Australierin Julia Leigh an. Letztere hat mit "Sleeping Beauty" einen erotischen Thriller mit Emily Browning ("Sucker Punch") gedreht, dessen Trailer sehr viel versprechend ist.

Neben "Sleeping Beauty" ist mit "Michael" ein zweiter Erstlingsfilm im Rennen. Er kommt von dem Österreicher Markus Schleinzer, der sich bislang als Casting-Direktor einen Namen gemacht hat. Im fürs zeitgenössische Wiener Autorenkino typischen reduzierten Stil erzählt Schleinzer eine Art Natascha-Kampusch-Geschichte: Ein Zehnjähriger lebt unfreiwillig mit einem erwachsenen Mann zusammen.

In diesem Jahr dominiert ganz klar der europäische Autorenfilm im Wettbewerb. Während Lateinamerika gar nicht, und Asien nur schwach vertreten sind, ist auch der US-Film vergleichsweise schwach repräsentiert. Im Actionfilm "Driver" spielt Indie-Darling Ryan Gosling einen Stuntman, der sich nachts als Raubüberfall-Fahrer verdingt. Außer Konkurrenz wird "Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten" - mit Johnny Depp und Penélope Cruz sowie "Der Biber" von und mit Jodie Foster und Mel Gibson gezeigt.

Erstmals ist ein 3D-Film im Wettbewerb dabei: Der japanische Horrorexperte Takashi Miike stellt "Hara-kiri" vor, ein Remake von Masaki Kobayashis klassischen Samurai-Film aus dem Jahre 1962.

Neben dem offiziellen Wettbewerb bietet das Festival noch drei ebenfalls spannende Nebenreihen, in denen neben Gus Van Sant oder Kim Ki-duk auch der deutsche Filmemacher Andreas Dresen mit "Halt auf freier Strecke" dabei ist. Eins steht schon vor Festivalstart fest: Langeweile wird nicht aufkommen bei dieser thematischen und formalen Vielfalt des 64. Festival de Cannes.

2012
62. Deutscher Filmpreis
Beste Regie - Halt auf freier Strecke
2011
47. Grimme-Preis
Künstlerische Leitung (Information & Kultur) - 20 x Brandenburg - Menschen,...
2009
59. Deutscher Filmpreis
Beste Regie - Wolke 9
2005
27. Bayerischer Filmpreis
Regiepreis - Sommer vorm Balkon
2002
24. Bayerischer Filmpreis
Regiepreis - Halbe Treppe
2001
Adolf Grimme Preis
Grimme-Preisträger
 

Filmografie

kino.de

Halt auf freier Strecke

Drama - Der 40-jährige Frank hat einen Gehirntumor und nur noch wenige Monate zu leben, wie man ihm im Krankenhaus lapidar mitteilt. Er will... Zum Film

2011
 
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Otto Kullberg ist ein alternder Filmstar, der schon mal beim Dreh Hochprozentiges aus...


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