Bernardo Bertolucci


  • Geburtstag
    16.03.1940
  • Geburtsort
    Parma
 

Seine Filme sind bildgewaltige und ästhetisch durchdachte Produktionen, in denen der von Psychoanalyse und Literatur gleichermaßen beeinflusste Regisseur sowohl federleichte Visionen wie monumentale Fresken beherrscht. Er inszenierte Skandalfilme wie "Der letzte Tango in Paris", der Marlon Brando (parallel mit "Der Pate") ein triumphales Comeback ermöglichte, Epen wie "1900" und impressionistische Initiationsgeschichten wie "Gefühl und Verführung - Stealing Beauty". Sein monumentales Epos "Der letzte Kaiser", über Pu Yi, den letzten Kaiser von China, erhielt neun Oscars, darunter den für die beste Regie.
Bernardo Bertolucci, geboren 1940 in Parma, ist der Sohn des Dichters und Filmkritikers Attilio Bertolucci, den er häufig ins Kino begleitete, wo Godards "Außer Atem" der endgültige Anlass für Bertolucci wurde, Filme zu drehen. Einer Assistenz bei Pier Paolo Pasolinis "Accatone" (1961) folgte seine erste Regiearbeit mit "Die dürre Gevatterin" (1962). Bertoluccis zweiter Film "Vor der Revolution" (1964) verfolgte das Leben eines großbürgerlichen Intellektuellen, der sich nicht von seiner Klasse lösen kann. Der Film wurde Auslöser für eine Welle ähnlicher Filme von Regisseuren wie Salvatore Samperi oder Marco Bellocchio, die das italienische Kino der Poesie begründeten.
Bertolucci, zeitweise Mitglied der KPI, drehte Dokumentarfilme, beteiligte sich an der römischen Kommunalwahl und wurde wie Pasolini eine streitbare Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. 1970 begründeten seine Filme "Die Strategie der Spinne" und "Der große Irrtum" (nach Alberto Moravias Roman), die sich beide mit Faschismus, politischem Verrat und Homosexualität auseinander setzten, Bertoluccis internationalen Ruhm, der nach "Der letzte Tango in Paris", der eine heftige Debatte um Kunst, Sexualität und Pornografie auslöste, zu Weltruhm wurde.
Sein Epos "1900 (Novecento)" erzählte mit den Mitteln des avanciertesten Kinos die Geschichte Italiens von 1900 bis 1945 am Beispiel eines Bauernsohnes (Gérard Depardieu) und eines Großgrundbesitzersohnes (Robert De Niro). Bertolucci drehte, den Jahreszeiten folgend, über ein Jahr in der Po-Ebene, zeitweise mit gebrochenen Armen. Der intimen Studie "La luna", einer ödipalen Geschichte, folgte mit "Die Tragödie eines lächerlichen Mannes" eine Farce über das Italien in der Zeit des Terrorismus und der politischen Unübersichtlichkeit. Nachdem sich Bertoluccis Film-noir-Projekt "Der gläserne Schlüssel" (nach Dashiell Hammett) zerschlagen hatte, verließ er zeitweilig Italien und Europa, um nach der Rückkehr mit "Der letzte Kaiser" seinen größten Erfolg und weltweiten Triumph feiern zu können.
"Himmel über der Wüste" adaptierte den Roman von John Bowles und mischte in der für Bertolucci typischen Weise Erotik, visionäre Bilder und Stadien der Entfremdung eines Ehepaares (John Malkovich und Debra Winger). Mit "Little Buddha", der Episoden aus dem Leben Siddhartas (Keanu Reeves) mit der Suche nach einem Kind als dessen Reinkarnation verband, endete Bertoluccis "Exotismus"-Phase. Wie gelöst von der Last der Superproduktionen, feierte Bertolucci mit "Stealing Beauty" (mit Liv Tyler) die Schönheit von Landschaften (die Toskana) und Frauenkörpern. Es folgten das Kammerspiel "Shandurai", in dem sich ein britischer Pianist in Italien in eine Exil-Afrikanerin verliebt, ein Beitrag für das Episodenfilmprojekt "Ten Minutes Older - The Cello" ("Histoire d'eaux, nach einer indischen Parabel) sowie "Die Träumer", mit dem Bertolucci nach Paris und zur europäischen Geschichte zurückkehrte: Während der Studentenrevolte im Frühjahr 1968 schotten sich der Amerikaner Matthew und das französische Geschwisterpaar Theo und Isabelle in einer Wohnung ab, wo sie Wochen voller Obsessionen, Demütigungen und sexueller Erweckungen erleben.
Bertoluccis Bruder Giuseppe ist ebenfalls Regisseur, seine Frau Clare Peploe Drehbuchautorin und Regisseurin ("High Seas" mit Jacqueline Bisset, "Wilder Zauber").

Bernardo Bertolucci

  • Geburtstag
    16.03.1940
  • Geburtsort
    Parma
  • Geburtsland
    Italien

Cannes-Splitter

Das 64. Festival de Cannes war ein wahrhaft großes Fest für den Film. Und obwohl gelitten, gestorben, gedemütigt und geweint wurde, schließlich sogar die Welt unterging und in Pressekonferenzen Unsinn verzapft wurde - was zurückbleibt von zehn Tagen voller Filme ist das Gefühl, Bedeutendes miterlebt zu haben. Bei etwas dabei gewesen zu sein, was zählt. Nicht nur bei den Filmen auf der Leinwand, sondern auch in den Momenten am Rande.

Unvergessen: Jean-Paul Belmondo in Godards Meisterwerk "Außer Atem" (Foto: Neue Visionen) Großansicht

Unvergessen: Jean-Paul Belmondo in Godards Meisterwerk "Außer Atem" (Foto: Neue Visionen)

Die bewegendsten Momente vor und auf der Leinwand

Er kam auf Krücken, erklomm am Arm seiner jungen, attraktiven Frau nur mühsam die wenigen Stufen zur Bühne, aber er hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren: Jean-Paul Belmondo, Action-Star und Charakterkopf, nahm die Herzen im Sturm, wurde gefeiert wie ein Held. "Bébel", wie ihn die Franzosen liebevoll nennen, wurde mit einer Goldenen Palme für sein Lebenswerk geehrt.

Während der Aufführung einer neuen Doku über das Rauhbein mit dem weichen Kern gab es immer wieder bewegenden Szenenapplaus, wenn der Star, der auch die gefährlichsten Stunts selbst machte, an einem Hubschrauber hängend über ganz Venedig fliegt oder aus der Luft auf einem fahrenden Boot landet. Kaum zu glauben, dass dieser nach einem Schlaganfall vor zehn Jahren gebrechliche alte Mann diese Kunststücke vollbrachte.

Aber nicht nur für sie lieben und verehren ihn seine Landsleute noch heute: Er war das Gesicht der Nouvelle Vague, entdeckt von Jean-Luc Godard, der ihn und die gesamte neue, mächtige Welle mit Filmen wie "Außer Atem" und "Elf Uhr nachts" ins Bewusstsein des Weltkinos spülte, ehe er, in freundschaftlicher Rivalität mit Alain Delon, die Kinokassen klingeln ließ. Sein Publikum bescherte der Ikone des französischen Kinos, der sich in den letzten Jahren hauptsächlich dem Theater widmete, einen enthusiastischen Empfang.

Ebenso Bernardo Bertolucci, Meister großer Skandalfilme ("Der letzte Tango in Paris", 1972) und Epen ("1900", 1976), der im Rahmen der Eröffnungsgala ebenfalls für sein Lebenswerk geehrt wurde. Einige Tage später stellte er in der Reihe "Cannes Classics" "Der große Irrtum" von 1970 vor. Er kam im Rollstuhl, doch seine Worte und Gedanken sind ebenso hellwach wie einst. Die scharfsinnige Analyse von politischem Opportunismus, Faschismus und unterdrückter Sexualität geht heute noch genauso unter die Haut wie vor 40 Jahren. Echte Meisterwerke sind eben wirklich zeitlos. Leider scheint sich der Oscar-Preisträger ("Der letzte Kaiser") nach seinem letzten Film "Die Träumer" von 2003 zur Ruhe gesetzt zu haben.

Noch weiter zurück ging es bei den "Cannes Classics" mit Georges Méliès' "Die Reise zum Mond". Der 16-minütige Farbfilm von 1902, der lange als vermisst galt, wurde 1993 wieder aufgefunden und jüngst restauriert. Jetzt war er erstmals in den damals verwendeten, überraschend leuchtenden Farben zu sehen, mit einem neuen Soundtrack der französischen Popband Air.

Und dann sorgte am Ende doch ein ganz aktueller, eigentlich unspektakulärer Film für Furore, in einem Brot nach Cannes geschmuggelt: Mit "This is not a Film" beweist der iranische Filmemacher Jafar Panahi, vom Regime mit langjähriger Haft und 20jährigem Berufsverbot belegt, dass selbst brutalste Unterdrückung nicht mundtot machen muss.

Der "Nicht-Film" zeigt, wie Panahi in seiner Teheraner Wohnung, abgeschlossen von der Außenwelt, mit seiner Anwältin und Freunden telefoniert und im Wohnzimmer sein letztes Drehbuch nachstellt. Vorlesen und schauspielern ist nicht verboten - und wo es keinen Film gibt, wird auch gegen keine Auflage verstoßen. Doch irgendwann bricht er entmutigt ab: Filme sollte man inszenieren, nicht vorlesen - was hat das für einen Sinn? Das geht unter die Haut. Sein Akt großen Mutes, der die Aufmerksamkeit der Welt von der Sonne Cannes' an einen dunklen Ort richtete, wird in Erinnerung bleiben.

Ebenso wie die tollsten Film-Szenen dieses starken Jahrgangs:

Den stärksten Eindruck hinterließen auf jeden Fall Terrence Malicks Palmen-Gewinner "The Tree of Life" und "Melancholia". Ersterer stellt sich mit aller filmischen Wucht und optischen Opulenz den Fragen nach dem Wunder des Lebens, der Suche des Menschen nach Einheit mit sich selbst und mit der Natur.

Als dunkles Gegenstück quasi kann Lars von Triers ("Antichrist") großartiger, aufwühlender "Melancholia" (Start: 6. Oktober) gelesen werden, mit den eindringlichsten Bildern des Festivals, die man so schnell nicht vergessen wird, und einem wuchtigen Prolog, untermalt von Wagners "Tristan und Isolde"-Ouvertüre. Unvergesslich auch die Bilder vom Golfplatz, der das Anwesen umgibt, auf dem die Schwestern Justine (Darsteller-Preis für Kirsten Dunst) und Claire (Trier-Muse Charlotte Gainsbourg aus "Antichrist") der Weltuntergang ereilt. Auf den Grüns versinkt man knietief im Morast, und spätestens am 19. Loch (beim Golfsport gibt es nur 18) weiß man dann, dass es kein gutes Ende mit der Erde nehmen wird ...

Kurios, aber fantastisch: Sean Penn im italienischen Beitrag "This Must Be the Place" von Paolo Sorrentino: als stark überschminkter, auf Goth getrimmter alternder Rockstar rechnet er auf auf einer wahnwitzigen Odyssee durch die Vereinigten Staaten mit einem Kriegsverbrecher ab, der einst seinen Vater quälte, und kann so auch seine eigenen Dämonen bändigen. So hat man Sean Penn noch nie gesehen, so behält man ihn gern im Gedächtnis.

2007
64. Internationale Filmfestspiele in Venedig
Goldener Ehrenlöwe: Lebenswerk
1988
1. Felix - Europäischer Filmpreis
Sonderpreis der Jury - Der letzte Kaiser
1988
45. Golden Globe
Beste Regie - Der letzte Kaiser
1988
45. Golden Globe
Bestes Drehbuch - Der letzte Kaiser
1987
60. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Beste Drehbuchadaptation - Der letzte Kaiser
1987
60. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Beste Regie - Der letzte Kaiser
 

Filmografie

kino.de
2012
kino.de

Great Directors

Dokumentarfilm Zum Film

2009
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Come inguaiammo il cinema italiano -...

Dokumentarfilm - Das italienische Filmemacher-Duo Daniele Cipri und Franco Maresco war erstmals mit seinem Kurzfilm "Enzo, domani a Palermo... Zum Film

2004
 
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Spiel mir das Lied vom Tod (Restaurierte Version, + Kinoversion)

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