Constantin Costa-Gavras


  • Geburtstag
    12.02.1933
 

Seine Polit-Thriller wurden zu Modellen des spannenden politischen Films, der Engagement mit Emotion, Aufklärung mit Nervenkitzel und Recherche mit kinowirksamen Mitteln betrieb. Dabei inszenierte er über den politischen Kontext hinaus packende Geschichten. Heikle Themen wurden ebenso behandelt wie ihre Auswirkungen auf den Menschen, der als Opfer der Geschichte gesehen wird und gleichzeitig als fähig, die Grenzen seiner Ohnmacht zu überwinden und sich einzumischen. Constantin Costa-Gavras, geboren 1933 in Athen als Sohn eines Regierungsbeamten, studierte in Paris und assistierte jahrelang französischen Regisseuren, bis er durch Yves Montand seine erste Regiechance erhielt: "Mord im Fahrpreis inbegriffen" (1965) beschäftigt sich mit der Aufklärung einer rätselhaften Mordserie in Paris, die in die Reihen der Polizei führt, und hat die damalige Crème der französischen Schauspieler (Montand, Dignoret, Piccoli, Trintignant, Perrin, Denner) in der Besetzung. Mit "Z" begann Costa-Gavras seine Reihe international diskutierter, ausgezeichneter und erfolgreicher Polit-Thriller. Anders als in den verschachtelten Filmen Francesco Rosis in Italien, die zur gleichen Zeit entstanden, setztt Costa-Gavras auf das Erzählkino, Stars und Identifikationsfiguren. Alle Filme handeln von den Unterdrückungsmechanismen durch Machthaber. "Z" schildert einen politischen Mord und den Staatsstreich in Griechenland durch die Militärs, "Das Geständnis" die Folter des tschechischen Vizeaußenministers, "Der unsichtbare Aufstand" die Stadtguerilla in Uruguay und die Aktionen der CIA in Südamerika. Zu den Filmen schrieb der jahrelang inhaftierte griechische Komponist Mikis Theodorakis aufpeitschende Musiken. Seit 1980 dreht Costa-Gavras in den USA. "Missing" schildert die Suche eines amerikanischen Geschäftsmannes (Jack Lemmon) nach seinem Sohn, der während des Putsches gegen Allende ermordet wurde. "Verraten" (mit Tom Berenger und Debra Winger) greift die rechtsradikale Szene der USA an, in "Music Box" wird ein liebevoller Großvater (Armin Müller-Stahl) als Kriegsverbrecher entlarvt. Mit der Satire "Die kleine Apokalypse" entlarvt Costa-Gavras die Heuchelei der Altlinken und greift das Thema der Medienmanipulationen auf. In "Mad City" (mit Dustin Hoffman und John Travolta) wird aus einer "harmlosen" Geiselnahme ein dramatisches TV-Event. Costa-Gavras erhielt für "Z" einen "Oscar" (bester ausländischer Film), für "Missing" die Goldene Palme in Cannes, und für "Music Box" den "Goldenen Bären" der Berlinale. Zu seinen "unpolitischen" Filmen zählen das Melodram "Die Liebe einer Frau" (mit Romy Schneider) und die Gaunerkomödie "Ehrbare Ganoven" (mit Fanny Ardant und Johnny Hallyday).
Im Mittelpunkt des 2002 inszenierten Dramas "Der Stellvertreter" (O-Titel: "Amen") steht Kurt Gerstein (Ulrich Tukur), der als Offizier der Waffen-SS am Holocaust teilnimmt, aber auch als Christ den Papst und die deutschen Kirchen auf die Verbrechen aufmerksam machen will. Costa-Gavras erhielt einen César und den Lumiere Award für die Verfilmung des gleichnamigen Stückes von Rolf Hochhuth. 2005 gehörte erneut Ulrich Tukur zur Besetzung des als Fernsehspielfilm gedrehten Arbeitslosendramas "Jobkiller - Eine mörderische Karriere". Tukur spielt das erste Mordopfer von Bruno (José Garcia), der Mitkonkurrenten auf dem Arbeitsmarkt gezielt sucht und beseitigt. Costa-Gavras schrieb das Drehbuch zu Laurent Herbiets politischen Film über den Algerienkonflikt "Mon Colonel". In den 1980er Jahren war Costa-Gavras Präsident der Cinémathèque in Paris. Er ist mit dem ehemaligen Fotomodell und der Kriegsberichterstatterin Michèle Ray verheiratet. 2008 konnte ihn der Festivalleiter der Berlinale als Jury-Präsidenten gewinnen.

Constantin Costa-Gavras

  • Geburtstag
    12.02.1933
  • Geburtsland
    Griechenland
  • Familie
    Tochter: Julie Gavras (Regisseurin)

Comic-Helden versus Mega-Sequels

Das Frühjahr im Kino? Schnell abhaken. Das war's nicht, weder was Umsätze noch puren Filmgenuss anbetrifft. Zu viel "Rollerball", zu wenig "Mulholland Drive", und kein "Black Hawk Down" weit und breit.

Yoda sieht einen Traumstart für "Episode II" voraus

Yoda sieht einen Traumstart für "Episode II" voraus

Besserung naht, so darf man als Filmfan hoffen, im Sommer - einst belächelte Stiefsaison, mittlerweile aber mit ähnlich viel Power wie in den USA, wo man seit Jahren die höchsten Umsätze während der Hitzewelle einfährt. Mit Staunen kann man also seine Augen über das Lineup der diesjährigen Sommersaison wandern lassen - und sich erstmal freuen angesichts der Popcorn-Wunder, die auf uns zurollen.

Besonders augenfällig ist selbstverständlich das Duell zwischen "Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger" und "Spider-Man", das mit dem Zweikampf von "Harry Potter" und " Herr der Ringe" im vergangenen (und kommenden) Winter zu vergleichen ist.

"Episode 2" kann auf den eingeführten Namen setzen und vertrauen: "Episode I" kam vor drei Jahren auf acht Mio. Besucher und war erfolgreichster Kinofilm des Jahres 1999. Der neue Film verspricht spektakulärere Action, aufwändigere Bilder und eine komplexere, dramatisch dichtere Handlung, also sollte sich der Erfolg des Vorgängers durchaus toppen lassen.

Kämpft mit um die Nummer 1 im Sommer: "Spider-Man"

Kämpft mit um die Nummer 1 im Sommer: "Spider-Man"

Auf Spinnenbeinen an die Spitze?

Es sei denn, der drei Wochen später startende "Spider-Man" nimmt dem SF-Epos den Wind aus den Segeln. Ebenfalls für mehr als 100 Mio. Dollar hergestellt, handelt es sich um die von Comicfans seit Jahren herbeigesehnte Verfilmung des beliebtesten aller Marvel-Comics.

Mit Tobey Maguire, Kirsten Dunst und Willem Dafoe brillant besetzt, ist es Sam Raimi tatsächlich gelungen, den Look und das Feeling der Hefte adäquat für die Leinwand zu übersetzen: Hier gibt es nicht nur Effekte en masse, sondern auch eine witzige, berührende Geschichte eines Teenagers, der von einer Null zum Helden wird und schmecken muss, dass mit Ruhm auch die bittere Last der Verantwortung einhergeht.

Wieder titanischer Erfolg?<br />Men in Black 2

Wieder titanischer Erfolg?<br />Men in Black 2

Back in black

Aber auch die "Men in Black 2" darf man nicht unterschätzen: Vor fünf Jahren war der erste Teil mit 7,3 Mio. Besuchern der zweiterfolgreichste Film 1997 (nach "Titanic"). Nun hat sich das komplette Erfolgsteam von damals (Will Smith, Tommy Lee Jones, Barry Sonnenfeld) erneut eingefunden, um die pfiffige Saga weiter zu erzählen, in der diesmal die Rollen vertauscht sind (Smith muss jetzt Jones anlernen).

Mit "Scooby-Doo" geht noch eine weitere Comicverfilmung an den Start und zielt vor allem auf das Familienpublikum. Die Frage ist lediglich, ob der in den USA kultisch verehrte Cartoon-Hund (unterstützt von dem Jungstar-Kollektiv Matthew Lillard, Freddie Prinze und Sarah Michelle Gellar) hierzulande über den ausreichenden Bekanntheitsgrad verfügt, um in der Endabrechnung unter den ganz großen Rennern der Saison landen zu können - zumal am gleichen Wochenende zwei weitere Hitkandidaten an den Start gehen.

Soll die Herzen der Kids erstürmen:<br />"Spirit - Der wilde Mustang"

Soll die Herzen der Kids erstürmen:<br />"Spirit - Der wilde Mustang"

Cartoon Connection

"Spirit - Der wilde Mustang", der zweite Dreamworks-Zeichentrickfilm nach "Der Prinz von Ägypten", wendet sich überdies auch noch an die gleiche Zielgruppe, während "Wir waren Helden" mit Mel Gibson vornehmlich ein erwachsenes Publikum ansprechen sollte. In den USA war der ebenso kompromisslose wie patriotische Kriegsfilm mit einem Einspiel von etwa 75 Mio. Dollar einer der Hits des Frühjahrs.

"Spirit" und "Scooby-Doo" treffen überdies auf den Widerstand von "Lilo & Stitch", Disneys 41. abendfüllender Zeichentrickfilm, der zwar inhaltlich ganz neue Wege geht, aber auf die Power von einer handvoll Elvis-Songs setzen darf, die ganz wunderbar in die Story der Freundschaft eines hawaiianischen Mädchens mit einem garstigen Pokemon-Alien eingebaut wurden.

Chris Rock hier ausnahmsweise in bester Gesellschaft: "Bad Company"

Chris Rock hier ausnahmsweise in bester Gesellschaft: "Bad Company"

Blockbuster-Classics

Darüber hinaus setzt der Verleih wie gewohnt auf Blockbuster-Produzent Jerry Bruckheimer, dessen "Bad Company" vom Look und Inhalt an "Der Staatsfeind Nr. 1" erinnert: Anthony Hopkins muss in Windeseile aus dem Straßenpunk Chris Rock einen brauchbaren CIA-Agenten machen, um die Welt zu retten.

Und auch der Drachenfilm " Reign of Fire " mit Matthew McConaughey und Christian Bale hat das Zeug zum Renner des letzten Sommerabschnitts, was auch für John Woos "Windtalkers" oder den vierten Jack-Ryan-Film "Sum of All Fears", diesmal mit Ben Affleck (überdies ab 29. August in dem bemerkenswerten US-Nummer-eins-Film "Spurwechsel") gilt.

Nirvana-Fan Marcus (Nicholas Hoult) in "About a boy"

Nirvana-Fan Marcus (Nicholas Hoult) in "About a boy"

Komödien satt

Besonderes Augenmerk sollte man auf "About a Boy" (UIP, 22. August) richten, der männlichen Antwort auf "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" nach einem Bestseller von Nick Hornby, in der Hugh Grant seine bislang reifste komödiantische Leistung abliefert.

Jugendliche Filmfans werden indes mit der "Zurück in die Zukunft"-Variante "Clockstoppers", dem Sexulk "40 Tage und 40 Nächte" mit Josh Hartnett, dem Grossout-Spaß "Van Wilder" und der neuen Adam-Sandler -Komödie "Mr Deeds" (Columbia TriStar, 25. Juli) bedient.

"Bir iki ütsch, mit Hollywood nehmen wir's locker auf!"

"Bir iki ütsch, mit Hollywood nehmen wir's locker auf!"

Die ganze Palette aus Deutschland

Nicht allzu viele deutsche Produktionen stellen sich dem Ansturm der Hollywood-Schwergewichte: Die besten Karten hat vermutlich "Erkan & Stefan und die Mächte der Finsternis", da die beiden Blödelexperten auf einen erfolgreichen ersten Film (1,2 Mio. Besucher) und dank ihrer TV-Sendung "Headnut TV" auf gesteigerte Popularität bauen können.

Mit "Auf Herz und Nieren" meldet sich Thomas Jahn nach mehrjähriger Schaffenspause wieder mit einer markigen Krimikomödie zurück, während Michael Gutmann in der Claussen + Wöbke-Produktion "Herz im Kopf" eine ungewöhnliche Liebesgeschichte erzählt. Mit "Der Felsen" und "Baader" suchen auch zwei deutsche vieldiskutierte Wettbewerbsbeiträge der Berlinale ihr Glück beim Sommerpublikum.

Wartet schon im "Gosford Park":<br /> Kristin Scott Thomas

Wartet schon im "Gosford Park":<br /> Kristin Scott Thomas

Preisgekrönt und künstlerisch

Überhaupt stehen die Zeichen gut für attraktives Kunstkino: Berlinale-Publikumsliebling "8 Frauen" hat das Zeug zum Sleeperhit; Etienne Chatiliez versucht, mit "Tanguy - Der Nesthocker" an den Erfolg von "Das Glück liegt in der Wiese" anzuknüpfen, und Robert Altman öffnet endlich die Pforten zu seinem Oscar-nominierten "Gosford Park", in dem er Agatha Christie mit listiger Sozialkritik verknüpft.

Echte Leckerbissen sind neben dem nach zwei Jahren Wartezeit endlich auch bei ins in die Kinos kommenden "Sexy Beast" mit einem sensationellen Ben Kingsley die feine Romanverfilmung "Besessen" mit Gwyneth Paltrow und Adrian Lynes Rückkehr auf " Verhängnisvolle Affäre"-Territorium mit "Untreu", in dem Richard Gere eine, nun ja, verhängnisvolle Affäre seiner Ehefrau auf die Spur kommt. Politisch Interessierte werden bei "Der Stellvertreter" von Costa-Gavras auf ihre Kosten kommen.

Und wer jetzt immer noch nichts gefunden hat, worauf er sich freut, dem sei jetzt schon viel Spaß im Freibad, bei der Radtour, am Strand oder im Biergarten gewünscht.

Thomas Schultze

 

2003
28. César-Verleihung
Bestes Drehbuch - Der Stellvertreter
1983
36. British Academy Awards
Bestes Drehbuch - Vermißt
1982
55. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Beste Drehbuchadaptation - Vermißt
1975
28. Internationale Filmfestspiele in Cannes
Beste Regie - Sondertribunal
 

Filmografie

kino.de

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2009

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2002
 
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