"Nicht mal Spielberg könnte das!"
Mit der Verfilmung des weltweiten Bestsellers "The Road" von Cormac McCarthy mit "Herr der Ringe"-Star Viggo Mortensen bleibt Regisseur John Hillcoat seinen düsteren Themen treu.
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Für seine Verfilmung des Erfolgsromans "The Road" hatte John Hillcoat selbst einen langen, schwierigen Weg zurückzulegen (Foto: Senator)
Für seine Verfilmung des Erfolgsromans "The Road" hatte John Hillcoat selbst einen langen, schwierigen Weg zurückzulegen (Foto: Senator)
Verspürten Sie einen starken Druck durch den Erfolg des Buches?
JOHN HILLCOAT: Ich las das Buch, noch bevor es veröffentlicht wurde. Ich war davor bereits ein großer Fan von Cormac McCarthy und wusste, dass es ein sehr besonderes Buch ist. Aber ich hatte keinen Ahnung, das es so den Nerv des Publikums treffen würde. Meine größte Angst war das Kind. Ich wusste, dass es für den Vater und die anderen Rollen großartige Schauspieler gibt. Aber all das würde auseinanderfallen, wenn die Besetzung des Kindes nicht passt. Aber Kodi Smit-McPhee war neben dem Buch mein zweites großes Geschenk.
Sie waren ja auch schon für die Verfilmung von McCarthys "Die Abendröte im Westen" im Gespräch.
Ich war nicht wirklich im Gespräch. Es war mehr ein "Irgendwer anderes wird es machen, bis später!". Ich hatte also nie die Möglichkeit. Aber das führte mich direkt dazu, stattdessen "The Proposition" zu drehen. Der Film war sehr stark von "Die Abendröte im Westen" inspiriert. Ironischerweise hat er McCarthy sehr gut gefallen, was mir wiederum half, "The Road" machen zu können.
Der Film hatte eine lange Produktionsgeschichte. Gab es spezielle Probleme?
Nein. Vieles davon waren logistische Fragen. Wir haben viel on location gedreht. Einer unserer Hauptdrehorte lag beispielsweise sechs Meter unter Schnee. Wir haben dann mit dem Schnitt begonnen und sind später zurückgekehrt. Glücklicherweise betrafen die Aufnahmen nur Viggo Mortensen und Smit McPhee. Mit einer größeren Crew wäre es wahrscheinlich unmöglich gewesen. Währenddessen stieg aber auch der Erfolg des Buches und der Druck, was eine längere Postproduktion nach sich zog. Es war wieder eine Mischung aus logistischen und technischen Fragen, wie etwa alle Locations optisch richtig anzupassen. Dazu benötigten wir eine Menge an sehr detaillierten CGI-Nachbearbeitungen. Wir hatten zum Beispiel in vielen Aufnahmen Flugzeuge oder einen Vogel am Himmel. An der Spitze des Ganzen standen die Befürchtungen der Weinsteins, was die Ausrichtung und die Vermarktung des Films anbelangt.
Ist die Version, die jetzt in die Kinos kommt, Ihr Director's Cut?
Nein, ich hatte bei keinem meiner Filme den Final Cut. Aber ich bin trotzdem sehr glücklich mit der Version. Was uns gerettet hat, war ironischerweise der Erfolg des Buches. Aber auch die Unterstützung, die wir durch McCarthy erfuhren. Er mochte das Ergebnis sehr. Wenn es ein Originaldrehbuch gewesen wäre, das für sich selbst hätte stehen müssen, dann würden Sie nicht denselben Film sehen. Es war nicht leicht, aber letztendlich erkannten alle, die Weinsteins eingeschlossen, dass wir dem Buch gerecht werden müssen.
Es scheint in den letzten Jahren für Filmemacher wie Sie schwieriger geworden zu sein, Ihre Version eines guten Films zu realisieren.
Es wird tatsächlich schlimmer, unter anderem durch den neuen finanziellen Druck und das Ausmaß der Piraterie. Es hat weniger mit der globalen Wirtschaftskrise zu tun, sondern mehr mit den neuen Technologien. Diese krempeln die Industrie völlig um. Ich denke, die Verantwortlichen werden immer ängstlicher. Gleichzeitig ist es aber für Low-Budget-Filme leichter geworden. Mein Regieassistent drehte einen Spielfilm für 8000 Dollar. Das ist inzwischen möglich. Die Herausforderung ist dann, den Film unter die Leute bringen. Beim Filmfest von Toronto werden 4000 Filme eingereicht. Wenn man so viele Filme hat, wie wählt man da aus? Schauen sie sich wirklich 4000 Filme an? Aber die Filme, die ich und Leute wie Andrew Dominik machen wollen, die können nicht für so wenig Geld realisiert werden. Diese Filme befinden sich in der größten Gefahr. "The Road" wäre im Moment unmöglich zu drehen, und es wäre egal, ob Steven Spielberg ihn machen wollen würde.
Wäre es eine Lösung, Hollywood zu verlassen und nach Australien oder Europa zu gehen?
Der Vorteil der Krise der Hollywood-Studios ist, dass im Moment in Europa und Australien scheinbar mehr passiert. Und auch der globale Markt ist so wichtig wie nie zuvor. Ich denke, 70 Prozent der Finanzierung hängen von internationalen Verkäufen ab. Die gute Nachricht ist also, dass dadurch die Stellung Europas und des Rests der Welt gestärkt wird. Allerdings liebe ich Genres und neue Wege des Geschichtenerzählens im Genrerahmen zu finden. Das ist etwas, das der amerikanische Film wirklich zelebriert und woanders schwerer zu verwirklichen ist.
Ist das auch der Grund, warum Sie in 22 Jahren nur vier Filme gemacht haben?
Das ist eine brutale Frage. Aber es ist wahr. Wäre ich früher nach Amerika gegangen, wäre jetzt wohl einiges anders. Ich habe einige schlechte Karriereentscheidungen getroffen. Nach "Ghosts... of the Civil Dead" nach England zu gehen, war eventuell ein Fehler. Im Nachhinein wäre es geschickter gewesen, nach Australien oder direkt in die USA zu gehen.
Sie scheinen einen Hang zu düsteren Themen haben.
Ich bin interessiert an Menschen, die unter Druck stehen. Ich denke, das bringt die dunkle Seite in die Filme. Aber ich bin nicht nur daran interessiert. Ich glaube auch, dass "The Road" zwar sehr düster ist, aber auch Hoffung transportiert.