"Nackt sein ist das Natürlichste der Welt"
Der weibliche Shooting-Star 2010 heißt Amanda Seyfried! Gleich in drei Filmen ist die 24-Jährige aus dem ABBA-Musical "Mamma Mia" in diesem Sommer zu bewundern. In "Chloe" erlebt man sie als Verführerin, in "Das Leuchten der Stille" weint sie einem Soldaten nach, und auch in "Briefe an Julia" sucht sie die große Liebe.
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In "Das Leuchten der Stille" erlebt Seyfried, wie unmöglich die Liebe zu einem Soldaten in den Zeiten nach 9/11 sein kann (Foto: Kurt Krieger)
In "Das Leuchten der Stille" erlebt Seyfried, wie unmöglich die Liebe zu einem Soldaten in den Zeiten nach 9/11 sein kann (Foto: Kurt Krieger)
Du scheinst gerade eine Vorliebe für Rollen zu haben, in denen du dein Herz verlierst ...
AMANDA SEYFRIED: Ja, ich fühle mich zu solchen Frauen hingezogen und nehme es jedes Mal als wichtige Herausforderung, ihr Leiden so authentisch wie möglich wiederzugeben. Dafür gebe ich alles, weil ich darin eine große Verantwortung sehe. Belohnt werde ich mit einem Gefühl der Erfüllung.
Man glaubt dir gern, dass dir die Männer verfallen sind. Wie sehr bist du dir deines Sexappeals bewusst?
Als Schauspielerin muss man sich dessen bewusst sein, aber jeder verfügt über Sexappeal, es kommt nur darauf an, wie und ob man es zulässt. Es gibt Menschen, die es gern präsentieren, und andere, die es lieber verstecken. Als Amanda gehe ich privat allerdings anders mit meinem Sexappeal um als vor der Kamera, wo es von mir erwartet wird, in gewisser weise sexy zu wirken.
Musstest du erst lernen, wie man sein Sexappeal einsetzt?
Je öfters man über den roten Teppich stolziert und vor den Kameras posieren muss, desto mehr gewöhnt man sich daran. Als ich mit 18 Jahren meine erste Filmpremiere feierte, fühlte ich mich noch unsicher und unwohl. Inzwischen verstehe ich, dass es nur ein Spiel ist und zum Schauspielerjob dazugehört.
Was magst du an dir besonders gern?
Anderen fallen zuerst immer meine großen Augen auf, und gleich darauf werde ich für meine langen Haare gelobt. Die Leute merken gar nicht, dass es oftmals künstliche Haare sind, die mit meinen echten verknüpft wurden. Ich selbst stehe mit meinem Aussehen oft auf Kriegsfuß. Es gibt Tage, an denen ich vorm Spiegel stehe und mich nur hässlich finde. Besonders meine Nase, die mir oft viel zu groß für mein schmales Gesicht vorkommt. Momentan habe ich Make-up auf dem Gesicht, ich wurde also schöner gemacht. Ich glaube, wer sich wirklich schön findet, braucht kein Make-up.
Dafür muss man aber über ein gesundes Selbstwertgefühl verfügen.
Sicherlich, aber ich bin wahrscheinlich eher ein ängstlicher Typ. Viele sagen mir, ich wäre hübsch, aber ich muss doch selbst so empfinden. Es gibt noch viel zu lernen und manchmal frage ich mich, wo ich in etwa 20 Jahren stehen werde. Meine Hoffnung ist, dass ich mich schöner und klüger fühlen werde und nicht mehr so viele Ängste wie jetzt ausstehen muss.
Ist es das Filmbusiness, das dir Angst bereitet?
Es wird von Höhen und Tiefen bestimmt. Heute bist du beliebt und erfolgreich, und morgen kannst du wieder ganz unten stehen. Es macht mir Angst, wie es mir damit ergehen wird, wenn das passiert. Da hoffe ich nur, dass es noch Menschen gibt, die mir dann trotzdem beistehen werden. Bei manchen Freunden bin ich mir da unsicher.
Hast du viele Freunde aus dem Showgeschäft?
Meine beiden besten Freundinnen sind ebenfalls Schauspielerinnen, leben aber in England. Aber uns verbindet etwas ganz anderes als der gemeinsame Job. Wir tragen alle drei sogar das gleiche Tattoo, es ist ein Geheimwort. Ansonsten sind viele meiner Freunde schon über 40 und schwul, die alle in Los Angeles leben, aber ganz andere Berufe ausüben. Ich finde, das ist eine richtig gute Mischung.
Eigentlich erlebst du doch gerade eine wunderbare Zeit...
Das stimmt! Seit dem Erfolg von "Mamma Mia!" kann ich mich vor Angeboten kaum noch retten. Es fragen so viele Regisseure an, die mich für ihren Film besetzen möchten. Ich bespreche mich dabei stets mit meiner Agentin. Sie gibt mir Halt und alle Entscheidungen treffen wir gemeinsam. Mir ist es wichtig, mich in möglichst unterschiedlichen Rollen auszuprobieren. In "Chloe" spielte ich ein Biest, in "Das Leuchten der Stille" dann wieder das liebenswerte Mädchen von nebenan. Ich liebe diese Abwechslung.
Wie schwer ist es dir gefallen, dich in "Chloe" das erste Mal nackt vor der Kamera zu zeigen?
Letztendlich bin ich froh, dass ich es getan habe. Es war für die Geschichte einfach notwendig und ich empfinde Nacktheit als etwas ganz Natürliches. Wahrscheinlich werde ich es wieder tun, wenn es wichtig für einen Film ist. Komischerweise macht mir das überhaupt keine Probleme.
Wie denkt dein Freund Dominic Cooper darüber?
Für ihn geht das in Ordnung, im Theater stand er ja selbst schon des Öfteren nackt auf der Bühne. Außerdem ist Dominic Engländer, und in Europa geht man mit diesem Thema generell viel lockerer um als in den USA, wo nackte Menschen im Film immer wieder für Kontroversen sorgen. Dabei ist es doch das Natürlichste auf der Welt.
Was brauchst du zum Glücklichsein?
Irgendwann möchte ich eine eigene Familie haben. Da bin sehr altmodisch und denke, ich will eine tiefe Verbundenheit zu meinen Kindern und meinem Mann empfinden. Aber noch fühle ich mich zu jung zum Heiraten. Ich will noch so viel kennen lernen, herumreisen und meine Freiheit genießen. Geld ist sicherlich nicht ganz unwichtig, aber ich bin in einer Familie groß geworden, die auch ohne viel Geld glücklich war.