Étienne Chatiliez


  • Geburtstag
    17.06.1952
  • Geburtsort
    Roubaix
 

Französischer Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller. Mit sechs im Zeitraum von 20 Jahren entstandenen Filmen wie "Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss", "Das Glück liegt in der Wiese" und "Tanguy - Der Nesthocker" hat sich Étienne Chatiliez mit einer spezifischen Form des Humors, der an das Understatement britischer Filme erinnert, einen Ruf als Autor satirischer Komödien gesichert. "Das Lachen dient als Mittel, die Fehler unserer Zivilisation unter die Lupe zu nehmen. Humor ist eine Form von Anästhesie, unter der man eigentlich inakzeptable Dinge akzeptiert und gleichzeitig auch eine Waffe, spießige Scheinheiligkeit als solche zu entlarven. Alle Komödien sind Dramen", sagt Chatiliez. In der Komödie "Agathe Cléry" (2008) verwandelt sich Valérie Lemercier als rassistische Marketingchefin eines Kosmetikkonzerns, die eine Crème speziell für weiße Haut propagiert, mittels einer Hautcrème in eine afroamerikanische Frau und erlebt, wie ihr die eigenen Vorurteile entgegenschlagen.
Étienne Chatiliez wurde 1952 in Roubaix, Région Nord, geboren. Nach dem Abitur arbeitete er ein Jahr als Redakteur beim Radiosender Europe 1 und zehn Jahre als Konzept-Redakteur bei der Werbeagentur CLM & BBDO. Seit 1980 Werbefilmregisseur, zeichnete er für Spots der Marken Stella Artois, Diego, BVP, Merinos, Brother, Newman, Free Time und Eram verantwortlich, die ihm zahlreiche Preise einbrachten.
Mit seinem Debütfilm "Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss" gelang Chatiliez 1988 ein Überraschungserfolg. Die Komödie um vertauschte Babys und die sich kreuzenden Welten einer bürgerlichen und einer kinderreichen proletarischen Familie, wurde ohne Starnamen der erfolgreichste Film des Jahres und sorgte auch in Deutschland für volle Kassen. Der Film gewann vier Césars. Hauptdarsteller Benoit Magime, damals noch ein Kind, wurde Star des französischen Kinos. Der bitterbösen Komödie "Tante Danielle" (1990), über eine boshafte alte Frau (Tsilla Chelton), blieb der Erfolg versagt, und so meldete sich Chatiliez erst 1995 mit "Das Glück liegt in der Wiese" zurück. Ein gestresster Klodeckel-Unternehmer schlüpft in die Haut eines Anderen und findet in der Provinz sein persönliches Glück. Hochkarätig mit Michel Serrault, Sänger Eddy Mitchell, Sabine Azéma, Carmen Maura und Fußballspieler Eric Cantona besetzt, verfeinerte Chatiliez seinen Stil und mischte gekonnt derbe Späße, Saftigkeit, Esprit und stille Szenen.
Wieder vergingen fünf Jahre bis Chatiliez, nach dem Intermezzo mit einer Episode für den Anti-Drogenfilm "Scénario sur la drogue" (2000), eine neue Komödie vorlegte, die den Zeitgeist traf. In "Tanguy - Der Nesthocker" (2001) erklären Sabine Azéma und André Dussolier ihrem Filius den Krieg, weil der 28-Jährige (Eric Berger) das bequeme Leben im Hotel Mama nicht aufgeben will. Das wahnwitzige Familienduell wurde zum Publikums- und Kritikererfolg. In der ungewöhnlichen Liebesgeschichte "La confiance règne" (2004) können Cécile de France und Vincent Lindon, sie untreu, er ein Idiot, nicht ohne einander leben und schlagen sich als Diener und Hausangestellte durch.
Chatiliez wirkte als Schauspieler in Frédéric Comtets "Doggy Bag" (1998) mit. Für "Agathe Cléry" schrieb er das Chanson "A part ca, elle n'est pas raciste".
Étienne Chatiliez war für "Das Leben..." und "Das Glück..." 1988 und 1996 für den César als Bester Regisseur nominiert.

Étienne Chatiliez

  • Geburtstag
    17.06.1952
  • Geburtsort
    Roubaix
  • Geburtsland
    Frankreich

Comic-Helden versus Mega-Sequels

Das Frühjahr im Kino? Schnell abhaken. Das war's nicht, weder was Umsätze noch puren Filmgenuss anbetrifft. Zu viel "Rollerball", zu wenig "Mulholland Drive", und kein "Black Hawk Down" weit und breit.

Yoda sieht einen Traumstart für "Episode II" voraus

Yoda sieht einen Traumstart für "Episode II" voraus

Besserung naht, so darf man als Filmfan hoffen, im Sommer - einst belächelte Stiefsaison, mittlerweile aber mit ähnlich viel Power wie in den USA, wo man seit Jahren die höchsten Umsätze während der Hitzewelle einfährt. Mit Staunen kann man also seine Augen über das Lineup der diesjährigen Sommersaison wandern lassen - und sich erstmal freuen angesichts der Popcorn-Wunder, die auf uns zurollen.

Besonders augenfällig ist selbstverständlich das Duell zwischen "Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger" und "Spider-Man", das mit dem Zweikampf von "Harry Potter" und " Herr der Ringe" im vergangenen (und kommenden) Winter zu vergleichen ist.

"Episode 2" kann auf den eingeführten Namen setzen und vertrauen: "Episode I" kam vor drei Jahren auf acht Mio. Besucher und war erfolgreichster Kinofilm des Jahres 1999. Der neue Film verspricht spektakulärere Action, aufwändigere Bilder und eine komplexere, dramatisch dichtere Handlung, also sollte sich der Erfolg des Vorgängers durchaus toppen lassen.

Kämpft mit um die Nummer 1 im Sommer: "Spider-Man"

Kämpft mit um die Nummer 1 im Sommer: "Spider-Man"

Auf Spinnenbeinen an die Spitze?

Es sei denn, der drei Wochen später startende "Spider-Man" nimmt dem SF-Epos den Wind aus den Segeln. Ebenfalls für mehr als 100 Mio. Dollar hergestellt, handelt es sich um die von Comicfans seit Jahren herbeigesehnte Verfilmung des beliebtesten aller Marvel-Comics.

Mit Tobey Maguire, Kirsten Dunst und Willem Dafoe brillant besetzt, ist es Sam Raimi tatsächlich gelungen, den Look und das Feeling der Hefte adäquat für die Leinwand zu übersetzen: Hier gibt es nicht nur Effekte en masse, sondern auch eine witzige, berührende Geschichte eines Teenagers, der von einer Null zum Helden wird und schmecken muss, dass mit Ruhm auch die bittere Last der Verantwortung einhergeht.

Wieder titanischer Erfolg?<br />Men in Black 2

Wieder titanischer Erfolg?<br />Men in Black 2

Back in black

Aber auch die "Men in Black 2" darf man nicht unterschätzen: Vor fünf Jahren war der erste Teil mit 7,3 Mio. Besuchern der zweiterfolgreichste Film 1997 (nach "Titanic"). Nun hat sich das komplette Erfolgsteam von damals (Will Smith, Tommy Lee Jones, Barry Sonnenfeld) erneut eingefunden, um die pfiffige Saga weiter zu erzählen, in der diesmal die Rollen vertauscht sind (Smith muss jetzt Jones anlernen).

Mit "Scooby-Doo" geht noch eine weitere Comicverfilmung an den Start und zielt vor allem auf das Familienpublikum. Die Frage ist lediglich, ob der in den USA kultisch verehrte Cartoon-Hund (unterstützt von dem Jungstar-Kollektiv Matthew Lillard, Freddie Prinze und Sarah Michelle Gellar) hierzulande über den ausreichenden Bekanntheitsgrad verfügt, um in der Endabrechnung unter den ganz großen Rennern der Saison landen zu können - zumal am gleichen Wochenende zwei weitere Hitkandidaten an den Start gehen.

Soll die Herzen der Kids erstürmen:<br />"Spirit - Der wilde Mustang"

Soll die Herzen der Kids erstürmen:<br />"Spirit - Der wilde Mustang"

Cartoon Connection

"Spirit - Der wilde Mustang", der zweite Dreamworks-Zeichentrickfilm nach "Der Prinz von Ägypten", wendet sich überdies auch noch an die gleiche Zielgruppe, während "Wir waren Helden" mit Mel Gibson vornehmlich ein erwachsenes Publikum ansprechen sollte. In den USA war der ebenso kompromisslose wie patriotische Kriegsfilm mit einem Einspiel von etwa 75 Mio. Dollar einer der Hits des Frühjahrs.

"Spirit" und "Scooby-Doo" treffen überdies auf den Widerstand von "Lilo & Stitch", Disneys 41. abendfüllender Zeichentrickfilm, der zwar inhaltlich ganz neue Wege geht, aber auf die Power von einer handvoll Elvis-Songs setzen darf, die ganz wunderbar in die Story der Freundschaft eines hawaiianischen Mädchens mit einem garstigen Pokemon-Alien eingebaut wurden.

Chris Rock hier ausnahmsweise in bester Gesellschaft: "Bad Company"

Chris Rock hier ausnahmsweise in bester Gesellschaft: "Bad Company"

Blockbuster-Classics

Darüber hinaus setzt der Verleih wie gewohnt auf Blockbuster-Produzent Jerry Bruckheimer, dessen "Bad Company" vom Look und Inhalt an "Der Staatsfeind Nr. 1" erinnert: Anthony Hopkins muss in Windeseile aus dem Straßenpunk Chris Rock einen brauchbaren CIA-Agenten machen, um die Welt zu retten.

Und auch der Drachenfilm " Reign of Fire " mit Matthew McConaughey und Christian Bale hat das Zeug zum Renner des letzten Sommerabschnitts, was auch für John Woos "Windtalkers" oder den vierten Jack-Ryan-Film "Sum of All Fears", diesmal mit Ben Affleck (überdies ab 29. August in dem bemerkenswerten US-Nummer-eins-Film "Spurwechsel") gilt.

Nirvana-Fan Marcus (Nicholas Hoult) in "About a boy"

Nirvana-Fan Marcus (Nicholas Hoult) in "About a boy"

Komödien satt

Besonderes Augenmerk sollte man auf "About a Boy" (UIP, 22. August) richten, der männlichen Antwort auf "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" nach einem Bestseller von Nick Hornby, in der Hugh Grant seine bislang reifste komödiantische Leistung abliefert.

Jugendliche Filmfans werden indes mit der "Zurück in die Zukunft"-Variante "Clockstoppers", dem Sexulk "40 Tage und 40 Nächte" mit Josh Hartnett, dem Grossout-Spaß "Van Wilder" und der neuen Adam-Sandler -Komödie "Mr Deeds" (Columbia TriStar, 25. Juli) bedient.

"Bir iki ütsch, mit Hollywood nehmen wir's locker auf!"

"Bir iki ütsch, mit Hollywood nehmen wir's locker auf!"

Die ganze Palette aus Deutschland

Nicht allzu viele deutsche Produktionen stellen sich dem Ansturm der Hollywood-Schwergewichte: Die besten Karten hat vermutlich "Erkan & Stefan und die Mächte der Finsternis", da die beiden Blödelexperten auf einen erfolgreichen ersten Film (1,2 Mio. Besucher) und dank ihrer TV-Sendung "Headnut TV" auf gesteigerte Popularität bauen können.

Mit "Auf Herz und Nieren" meldet sich Thomas Jahn nach mehrjähriger Schaffenspause wieder mit einer markigen Krimikomödie zurück, während Michael Gutmann in der Claussen + Wöbke-Produktion "Herz im Kopf" eine ungewöhnliche Liebesgeschichte erzählt. Mit "Der Felsen" und "Baader" suchen auch zwei deutsche vieldiskutierte Wettbewerbsbeiträge der Berlinale ihr Glück beim Sommerpublikum.

Wartet schon im "Gosford Park":<br /> Kristin Scott Thomas

Wartet schon im "Gosford Park":<br /> Kristin Scott Thomas

Preisgekrönt und künstlerisch

Überhaupt stehen die Zeichen gut für attraktives Kunstkino: Berlinale-Publikumsliebling "8 Frauen" hat das Zeug zum Sleeperhit; Etienne Chatiliez versucht, mit "Tanguy - Der Nesthocker" an den Erfolg von "Das Glück liegt in der Wiese" anzuknüpfen, und Robert Altman öffnet endlich die Pforten zu seinem Oscar-nominierten "Gosford Park", in dem er Agatha Christie mit listiger Sozialkritik verknüpft.

Echte Leckerbissen sind neben dem nach zwei Jahren Wartezeit endlich auch bei ins in die Kinos kommenden "Sexy Beast" mit einem sensationellen Ben Kingsley die feine Romanverfilmung "Besessen" mit Gwyneth Paltrow und Adrian Lynes Rückkehr auf " Verhängnisvolle Affäre"-Territorium mit "Untreu", in dem Richard Gere eine, nun ja, verhängnisvolle Affäre seiner Ehefrau auf die Spur kommt. Politisch Interessierte werden bei "Der Stellvertreter" von Costa-Gavras auf ihre Kosten kommen.

Und wer jetzt immer noch nichts gefunden hat, worauf er sich freut, dem sei jetzt schon viel Spaß im Freibad, bei der Radtour, am Strand oder im Biergarten gewünscht.

Thomas Schultze

 

1989
14. César-Verleihung
Bestes Drehbuch - Das Leben ist ein langer ruhiger Fluß
1989
14. César-Verleihung
Bestes Erstlingswerk - Das Leben ist ein langer ruhiger Fluß
 

Filmografie

kino.de

Agathe Cléry

Komödie / Musical Zum Film

2008

Tanguy - Der Nesthocker

Komödie - Im Hotel Mama lebt's sich am besten. Das weiß auch der opportunistische 28-jährige Student Tanguy, dessen einzige Sorge dem eigenen... Zum Video

2001
 
Hoch

Tante Daniele

Tante Daniele ist das Gegenteil von dem, was man sich unter einer liebenswerten alten Dame...


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