Jean-Luc Godard


  • Geburtstag
    03.12.1930
  • Geburtsort
    Paris
 

Jean-Luc Godard war in den Jahren 1959 - 1967 der innovativste, produktivste und umstrittenste Regisseur der "Nouvelle Vague", der Erneuerungsbewegung des französischen Films, und er hat wie kein zweiter Künstler die Filmsprache verändert. Sein Motto: "Aber sind diese Bilder und Töne auch notwendigerweise die richtigen?", weist auf Godards Arbeitsweise, der sich vom Bewunderer des US-Kinos zu seinem Kritiker wandelte: Godard spiegelt die Realität in seinen Filmen nicht wieder, sondern er zitiert sie, montiert sie und setzt sich in diesem Prozess mit seiner Arbeit auseinander, bringt sich selbstreflexiv ein, was seine Filme sperrig macht in Bezug auf Konventionen des Erzählkinos. Als intellektuelle Entwürfe, gedanklich und montagetechnisch faszinierende Denk-Arbeiten, sind Godards Werke von großem Einfluss gewesen, als Kino nehmen sie eine Außenseiterstellung ein. Sein erster Spielfilm "Außer Atem" mit Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg, eine Hommage an den B-Film der 40er und den Film noir fing noch den Geist der rebellierenden Jugend Frankreichs ein und wurde in einem damals bahnbrechenden Stil mit Jump Cuts, Handkamera und improvisiertem Dialog gedreht. Seine "romantische Periode", in der er sich an Komödien ("Eine Frau ist eine Frau"), Gangsterfilmen ("Die Außenseiterbande"), Science-Fiction ("Alphaville"), Film-im-Film ("Die Verachtung", mit Brigitte Bardot und Michel Piccoli) und Melodramen ("Die Geschichte der Nana S.") spielerisch versuchte und mit "Pierrot le Fou" (mit Belmondo) den wichtigsten französischen Film der 60er Jahre schuf, gehört zu seinen fruchtbarsten und zugänglichsten Perioden. Nach einem Motorradunfall und den Ereignissen der Pariser Studentenunruhen des Mai 1968 wandte sich Godard demonstrativ mit "Weekend" vom kommerziellen Kino ab, arbeitete in einem Kollektiv, dessen Filme unvollendet blieben oder nie gezeigt wurden, und begann 1974, inzwischen in der Schweiz, mit Video-Produktionen und Arbeiten für das Fernsehen eine zweite Karriere. 1980 bis 1985 arbeitete er wieder für die Filmindustrie ("Vorname: Carmen"), zog sich aber Mitte der 80er definitiv auf die Video-Arbeit für das Fernsehen zurück, für das er sehr persönliche Studien und Reflexionen über die Geschichte des Kinos in seinem Video/Film/Buch-Projekt "Histoire(s) du Cinéma" herstellte und so ketzerische wie kluge, persönliche wie elitäre Gedanken formuliert. Godard war mit der dänischen Schauspielerin Anna Karina, die bis 1966 Hauptrollen in seinen Filmen spielte, und der Schauspielerin Anne Wiazemsky ("One plus One", der Film mit den Rolling Stones) verheiratet und lebte mit der Regisseurin Anne-Marie Miéville ("Das Buch von Marie", Vorfilm zu Godards "Maria & Joseph") zusammen, mit der er die Produktionsgesellschaft Sonimage gründete. Zu seinem Film "Nouvelle Vague" (1990, mit Alain Delon), einer Tristan-und-Isolde-Version, mit der er kurzfristig wieder im Kino vertreten war, erschien eine eigenständige CD. Für Deutschland interessant ist sein 1991 entstandener "Allemagne Neuf Zéro" (mit Eddie Constantine), in dem er in der für ihn typischen Bild-Ton-Collage die Zeit nach der Wiedervereinigung reflektiert.

Jean-Luc Godard

  • Geburtstag
    03.12.1930
  • Geburtsort
    Paris
  • Geburtsland
    Frankreich
  • Familie
    Lebensgefährtin: Anne-Marie Mieville<br>Geschieden von Anne Wiazemsky (1967 - ?)<br>Und geschieden von Anna Karina (1960 – 1966)
  • Autogrammadresse
    e-mail: jlg@valqus.com
    (Korrespondenz in Englisch oder Französisch)

Cannes-Splitter

Das 64. Festival de Cannes war ein wahrhaft großes Fest für den Film. Und obwohl gelitten, gestorben, gedemütigt und geweint wurde, schließlich sogar die Welt unterging und in Pressekonferenzen Unsinn verzapft wurde - was zurückbleibt von zehn Tagen voller Filme ist das Gefühl, Bedeutendes miterlebt zu haben. Bei etwas dabei gewesen zu sein, was zählt. Nicht nur bei den Filmen auf der Leinwand, sondern auch in den Momenten am Rande.

Unvergessen: Jean-Paul Belmondo in Godards Meisterwerk "Außer Atem" (Foto: Neue Visionen) Großansicht

Unvergessen: Jean-Paul Belmondo in Godards Meisterwerk "Außer Atem" (Foto: Neue Visionen)

Die bewegendsten Momente vor und auf der Leinwand

Er kam auf Krücken, erklomm am Arm seiner jungen, attraktiven Frau nur mühsam die wenigen Stufen zur Bühne, aber er hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren: Jean-Paul Belmondo, Action-Star und Charakterkopf, nahm die Herzen im Sturm, wurde gefeiert wie ein Held. "Bébel", wie ihn die Franzosen liebevoll nennen, wurde mit einer Goldenen Palme für sein Lebenswerk geehrt.

Während der Aufführung einer neuen Doku über das Rauhbein mit dem weichen Kern gab es immer wieder bewegenden Szenenapplaus, wenn der Star, der auch die gefährlichsten Stunts selbst machte, an einem Hubschrauber hängend über ganz Venedig fliegt oder aus der Luft auf einem fahrenden Boot landet. Kaum zu glauben, dass dieser nach einem Schlaganfall vor zehn Jahren gebrechliche alte Mann diese Kunststücke vollbrachte.

Aber nicht nur für sie lieben und verehren ihn seine Landsleute noch heute: Er war das Gesicht der Nouvelle Vague, entdeckt von Jean-Luc Godard, der ihn und die gesamte neue, mächtige Welle mit Filmen wie "Außer Atem" und "Elf Uhr nachts" ins Bewusstsein des Weltkinos spülte, ehe er, in freundschaftlicher Rivalität mit Alain Delon, die Kinokassen klingeln ließ. Sein Publikum bescherte der Ikone des französischen Kinos, der sich in den letzten Jahren hauptsächlich dem Theater widmete, einen enthusiastischen Empfang.

Ebenso Bernardo Bertolucci, Meister großer Skandalfilme ("Der letzte Tango in Paris", 1972) und Epen ("1900", 1976), der im Rahmen der Eröffnungsgala ebenfalls für sein Lebenswerk geehrt wurde. Einige Tage später stellte er in der Reihe "Cannes Classics" "Der große Irrtum" von 1970 vor. Er kam im Rollstuhl, doch seine Worte und Gedanken sind ebenso hellwach wie einst. Die scharfsinnige Analyse von politischem Opportunismus, Faschismus und unterdrückter Sexualität geht heute noch genauso unter die Haut wie vor 40 Jahren. Echte Meisterwerke sind eben wirklich zeitlos. Leider scheint sich der Oscar-Preisträger ("Der letzte Kaiser") nach seinem letzten Film "Die Träumer" von 2003 zur Ruhe gesetzt zu haben.

Noch weiter zurück ging es bei den "Cannes Classics" mit Georges Méliès' "Die Reise zum Mond". Der 16-minütige Farbfilm von 1902, der lange als vermisst galt, wurde 1993 wieder aufgefunden und jüngst restauriert. Jetzt war er erstmals in den damals verwendeten, überraschend leuchtenden Farben zu sehen, mit einem neuen Soundtrack der französischen Popband Air.

Und dann sorgte am Ende doch ein ganz aktueller, eigentlich unspektakulärer Film für Furore, in einem Brot nach Cannes geschmuggelt: Mit "This is not a Film" beweist der iranische Filmemacher Jafar Panahi, vom Regime mit langjähriger Haft und 20jährigem Berufsverbot belegt, dass selbst brutalste Unterdrückung nicht mundtot machen muss.

Der "Nicht-Film" zeigt, wie Panahi in seiner Teheraner Wohnung, abgeschlossen von der Außenwelt, mit seiner Anwältin und Freunden telefoniert und im Wohnzimmer sein letztes Drehbuch nachstellt. Vorlesen und schauspielern ist nicht verboten - und wo es keinen Film gibt, wird auch gegen keine Auflage verstoßen. Doch irgendwann bricht er entmutigt ab: Filme sollte man inszenieren, nicht vorlesen - was hat das für einen Sinn? Das geht unter die Haut. Sein Akt großen Mutes, der die Aufmerksamkeit der Welt von der Sonne Cannes' an einen dunklen Ort richtete, wird in Erinnerung bleiben.

Ebenso wie die tollsten Film-Szenen dieses starken Jahrgangs:

Den stärksten Eindruck hinterließen auf jeden Fall Terrence Malicks Palmen-Gewinner "The Tree of Life" und "Melancholia". Ersterer stellt sich mit aller filmischen Wucht und optischen Opulenz den Fragen nach dem Wunder des Lebens, der Suche des Menschen nach Einheit mit sich selbst und mit der Natur.

Als dunkles Gegenstück quasi kann Lars von Triers ("Antichrist") großartiger, aufwühlender "Melancholia" (Start: 6. Oktober) gelesen werden, mit den eindringlichsten Bildern des Festivals, die man so schnell nicht vergessen wird, und einem wuchtigen Prolog, untermalt von Wagners "Tristan und Isolde"-Ouvertüre. Unvergesslich auch die Bilder vom Golfplatz, der das Anwesen umgibt, auf dem die Schwestern Justine (Darsteller-Preis für Kirsten Dunst) und Claire (Trier-Muse Charlotte Gainsbourg aus "Antichrist") der Weltuntergang ereilt. Auf den Grüns versinkt man knietief im Morast, und spätestens am 19. Loch (beim Golfsport gibt es nur 18) weiß man dann, dass es kein gutes Ende mit der Erde nehmen wird ...

Kurios, aber fantastisch: Sean Penn im italienischen Beitrag "This Must Be the Place" von Paolo Sorrentino: als stark überschminkter, auf Goth getrimmter alternder Rockstar rechnet er auf auf einer wahnwitzigen Odyssee durch die Vereinigten Staaten mit einem Kriegsverbrecher ab, der einst seinen Vater quälte, und kann so auch seine eigenen Dämonen bändigen. So hat man Sean Penn noch nie gesehen, so behält man ihn gern im Gedächtnis.

2007
20. Europäischer Filmpreis
European Film Academy Preis für ein Lebenswerk 2007
1998
23. César-Verleihung
Ehren-César
1960
10. Internationale Filmfestspiele in Berlin
Silberner Bär, beste Regie - Außer Atem
 

Filmografie

Jean-Luc Godard - Film socialisme

Drama - Beginnend mit Impressionen über Europa während einer Mittelmehrkreuzfahrt und Gesprächen zwischen Passagieren in verschiedenen... Zum Video

2010

Godard trifft Truffaut

Dokumentarfilm - Jean-Luc Godard (geb. 1930) und François Truffaut (geb. 1932) lernen sich bei ihrer Arbeit als Filmkritiker für das... Zum Video

2009

Paris je t'aime

Drama / Komödie - Paris, die mythische Stadt der Liebe. Sie ist aufgeteilt in 18 Arrondissements. Und 18 Kurzfilme tragen ihrer urbanen... Zum Video

2006

SZ-Cinemathek: Berlinale

Drama / Komödie - 22 Filme, die seit den fünfziger Jahren bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin gezeigt wurden. Die Spannbreite... Zum Video

1957
-
2005

Werbung

 
Hoch

Jean-Luc Godard - Film socialisme (OmU)

Beginnend mit Impressionen über Europa während einer Mittelmehrkreuzf...


Runter
 

facebook

 
Hoch Runter
 

Kostenloser Newsletter