Jean-Paul Belmondo


  • Geburtstag
    09.04.1933

Jean-Paul Belmondo


  • Geburtstag
    09.04.1933
 

"Eigentlich bin ich ja ein Schwein. Aber was hilft's. Es muss sein ...muss sein." Mit diesen Sätzen aus Jean-Luc Godards "Außer Atem" begann 1959 die Karriere von Jean-Paul Belmondo, geboren 1933, als Bürgerschreck und ruppiger Charakterdarsteller. Der Belmondo der "Nouvelle Vague" vertrat die Aufbruchstimmung und Rebellion der französischen Jugend und den Geist des Anarchismus. Gangster, Streuner und gebrochene Frauenhelden wie Michel Poiccard ("Außer Atem") brachten frischen Wind in die nationale Filmproduktion. Belmondo nahm keine Rücksicht auf Konventionen und fand seinen Idealzustand in Godards "Pierrot le Fou", wo er als radikaler Aussteiger und bedingungsloser Liebhaber (von Anna Karina) die totale Freiheit lebt und daran scheitert - aber mit einer Explosion, die die Welt erschüttert, wenn er sich in die Luft jagt. Parallel zu den den "Belmondisme" feiernden Filmen trat Belmondo in klassischen Gangsterfilmen ("Der Teufel mit der weißen Weste", von Jean Pierre Melville), Tragikomödien ("Ein Affe im Winter"), Grotesken (Claude Chabrols "Doktor Popaul") und Action-Komödien ("Abenteuer in Rio", "Le Magnifique") auf, die zu Kassenerfolgen wurden, darunter der Mantel-und-Degen-Film "Cartouche, der Bandit" an der Seite von Claudia Cardinale. In den 70er- und 80er-Jahren rackerte sich Belmondo in populären Action-Krimis, in denen er seine spektakulären Stunts selbst ausführte ("Angst über der Stadt"), und Komödien ("Ein irrer Typ") ab. Diese Filme machten Kasse und wurden aus der Rivalität mit Alain Delon heraus geboren, aber sie stempelten ihn auch ab. Als der Erfolg urplötzlich wegen der immergleichen Formel ausblieb, kehrte Belmondo zum Theater zurück, wo er in den 50er-Jahren angefangen hatte. Der Erfolg stellte sich ein, und 1991 kaufte Belmondo das Théatre des Variétés in Paris, wo er regelmäßig auftritt. Seitdem ist er nur sporadisch im Kino zu sehen. Belmondo hatte jeweils jahrelange Affären mit den Schauspielerinnen Ursula Andress und Laura Antonelli.

Jean-Paul Belmondo

  • Geburtstag
    09.04.1933
  • Geburtsland
    Frankreich

Cannes-Splitter

Das 64. Festival de Cannes war ein wahrhaft großes Fest für den Film. Und obwohl gelitten, gestorben, gedemütigt und geweint wurde, schließlich sogar die Welt unterging und in Pressekonferenzen Unsinn verzapft wurde - was zurückbleibt von zehn Tagen voller Filme ist das Gefühl, Bedeutendes miterlebt zu haben. Bei etwas dabei gewesen zu sein, was zählt. Nicht nur bei den Filmen auf der Leinwand, sondern auch in den Momenten am Rande.

Unvergessen: Jean-Paul Belmondo in Godards Meisterwerk "Außer Atem" (Foto: Neue Visionen) Großansicht

Unvergessen: Jean-Paul Belmondo in Godards Meisterwerk "Außer Atem" (Foto: Neue Visionen)

Die bewegendsten Momente vor und auf der Leinwand

Er kam auf Krücken, erklomm am Arm seiner jungen, attraktiven Frau nur mühsam die wenigen Stufen zur Bühne, aber er hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren: Jean-Paul Belmondo, Action-Star und Charakterkopf, nahm die Herzen im Sturm, wurde gefeiert wie ein Held. "Bébel", wie ihn die Franzosen liebevoll nennen, wurde mit einer Goldenen Palme für sein Lebenswerk geehrt.

Während der Aufführung einer neuen Doku über das Rauhbein mit dem weichen Kern gab es immer wieder bewegenden Szenenapplaus, wenn der Star, der auch die gefährlichsten Stunts selbst machte, an einem Hubschrauber hängend über ganz Venedig fliegt oder aus der Luft auf einem fahrenden Boot landet. Kaum zu glauben, dass dieser nach einem Schlaganfall vor zehn Jahren gebrechliche alte Mann diese Kunststücke vollbrachte.

Aber nicht nur für sie lieben und verehren ihn seine Landsleute noch heute: Er war das Gesicht der Nouvelle Vague, entdeckt von Jean-Luc Godard, der ihn und die gesamte neue, mächtige Welle mit Filmen wie "Außer Atem" und "Elf Uhr nachts" ins Bewusstsein des Weltkinos spülte, ehe er, in freundschaftlicher Rivalität mit Alain Delon, die Kinokassen klingeln ließ. Sein Publikum bescherte der Ikone des französischen Kinos, der sich in den letzten Jahren hauptsächlich dem Theater widmete, einen enthusiastischen Empfang.

Ebenso Bernardo Bertolucci, Meister großer Skandalfilme ("Der letzte Tango in Paris", 1972) und Epen ("1900", 1976), der im Rahmen der Eröffnungsgala ebenfalls für sein Lebenswerk geehrt wurde. Einige Tage später stellte er in der Reihe "Cannes Classics" "Der große Irrtum" von 1970 vor. Er kam im Rollstuhl, doch seine Worte und Gedanken sind ebenso hellwach wie einst. Die scharfsinnige Analyse von politischem Opportunismus, Faschismus und unterdrückter Sexualität geht heute noch genauso unter die Haut wie vor 40 Jahren. Echte Meisterwerke sind eben wirklich zeitlos. Leider scheint sich der Oscar-Preisträger ("Der letzte Kaiser") nach seinem letzten Film "Die Träumer" von 2003 zur Ruhe gesetzt zu haben.

Noch weiter zurück ging es bei den "Cannes Classics" mit Georges Méliès' "Die Reise zum Mond". Der 16-minütige Farbfilm von 1902, der lange als vermisst galt, wurde 1993 wieder aufgefunden und jüngst restauriert. Jetzt war er erstmals in den damals verwendeten, überraschend leuchtenden Farben zu sehen, mit einem neuen Soundtrack der französischen Popband Air.

Und dann sorgte am Ende doch ein ganz aktueller, eigentlich unspektakulärer Film für Furore, in einem Brot nach Cannes geschmuggelt: Mit "This is not a Film" beweist der iranische Filmemacher Jafar Panahi, vom Regime mit langjähriger Haft und 20jährigem Berufsverbot belegt, dass selbst brutalste Unterdrückung nicht mundtot machen muss.

Der "Nicht-Film" zeigt, wie Panahi in seiner Teheraner Wohnung, abgeschlossen von der Außenwelt, mit seiner Anwältin und Freunden telefoniert und im Wohnzimmer sein letztes Drehbuch nachstellt. Vorlesen und schauspielern ist nicht verboten - und wo es keinen Film gibt, wird auch gegen keine Auflage verstoßen. Doch irgendwann bricht er entmutigt ab: Filme sollte man inszenieren, nicht vorlesen - was hat das für einen Sinn? Das geht unter die Haut. Sein Akt großen Mutes, der die Aufmerksamkeit der Welt von der Sonne Cannes' an einen dunklen Ort richtete, wird in Erinnerung bleiben.

Ebenso wie die tollsten Film-Szenen dieses starken Jahrgangs:

Den stärksten Eindruck hinterließen auf jeden Fall Terrence Malicks Palmen-Gewinner "The Tree of Life" und "Melancholia". Ersterer stellt sich mit aller filmischen Wucht und optischen Opulenz den Fragen nach dem Wunder des Lebens, der Suche des Menschen nach Einheit mit sich selbst und mit der Natur.

Als dunkles Gegenstück quasi kann Lars von Triers ("Antichrist") großartiger, aufwühlender "Melancholia" (Start: 6. Oktober) gelesen werden, mit den eindringlichsten Bildern des Festivals, die man so schnell nicht vergessen wird, und einem wuchtigen Prolog, untermalt von Wagners "Tristan und Isolde"-Ouvertüre. Unvergesslich auch die Bilder vom Golfplatz, der das Anwesen umgibt, auf dem die Schwestern Justine (Darsteller-Preis für Kirsten Dunst) und Claire (Trier-Muse Charlotte Gainsbourg aus "Antichrist") der Weltuntergang ereilt. Auf den Grüns versinkt man knietief im Morast, und spätestens am 19. Loch (beim Golfsport gibt es nur 18) weiß man dann, dass es kein gutes Ende mit der Erde nehmen wird ...

Kurios, aber fantastisch: Sean Penn im italienischen Beitrag "This Must Be the Place" von Paolo Sorrentino: als stark überschminkter, auf Goth getrimmter alternder Rockstar rechnet er auf auf einer wahnwitzigen Odyssee durch die Vereinigten Staaten mit einem Kriegsverbrecher ab, der einst seinen Vater quälte, und kann so auch seine eigenen Dämonen bändigen. So hat man Sean Penn noch nie gesehen, so behält man ihn gern im Gedächtnis.

 

1989
14. César-Verleihung
Bester Darsteller - Der Löwe
 

Filmografie

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