Jean-Pierre Jeunet


  • Geburtstag
    03.09.1953
  • Geburtsort
    Roanne, Loire
 

Er erzählt Märchen mit den Mitteln eines poetischen Realismus, der sich zwar am filmhistorischen Poetischen Realismus des französischen Kinos der 30er-Jahre orientiert, ihn aber in ein zeitloses Universum überträgt, das surreal, stilisiert, magisch und existentialistisch zugleich sein kann. Regisseur Jean-Pierre Jeunet schuf mit "Delicatessen", "Die Stadt der verlorenen Kinder", "Die fabelhafte Welt der Amélie" und "Mathilde - Eine große Liebe" Filme, die durch pittoreske Dekors, rabenschwarzen Humor und verquere Romantik ihre eigene unverwechselbare Atmosphäre herstellen. In "Amélie" und "Delicatessen" sind es Montmartre und die Vorstadt, in "Stadt" ein rätselhaftes Schloss im Meer vor der Küste. Alle Ortschaften sind bewohnt von einem bunten Völkchen seltsamer Leute, die ihren Obsessionen nachgehen, so der Metzger, der Menschenfleisch verwurstet, der Sonderling, der Kinder einfangen lässt, um ihnen ihre Träume zu stehlen, oder die bezaubernde Amélie (Audrey Tautou), die als Kellnerin von schrägen Typen umgeben ist und ihre magischen Fähigkeiten entdeckt.
Jeunet wuchs in Paris auf und arbeitete 15 Jahre gemeinsam mit seinem Partner Marc Caro an Animations- und Zeichentrickfilmen, Videoclips, Werbespots und Kurzfilmen, die mehrere Césars gewannen. Als manische Bastler und kompromisslose Künstler waren die beiden Studiofreaks, weil ihnen dort die Kontrolle über ihr Material gesichert war. Nach "Delicatessen", der 1990/91 zum Überraschungserfolg wurde, folgte als letzte gemeinsame Arbeit "Die Stadt der verlorenen Kinder", wo ihnen das Kunststück gelang, ihre Comicwelt bruchlos mit den an Jules Verne, E.T.A. Hoffmann und Charles Dickens erinnernden Fantasien zu verbinden. Mit "Alien - Die Wiedergeburt" wagte Jeunet 1997 einen Ausflug nach Hollywood und schuf mit dem genialen Kameramann Daius Khondji ("Sieben", "Evita") in der vierten Folge der "Alien"-Saga erneut ein Meisterwerk des SF-Horrorfilms in teils atemberaubender Visualisierung. Die im dritten "Alien" geopferte Ripley (Sigourney Weaver) wird wiedergeboren und rettet die Welt vor der ausgebrochenen Brut von Monster-Setzlingen, die als perfekte Kampfmaschinen ihrer Bestimmung folgen wollen. Jeunets von der Wettbewerbsleitung des Filmfestivals Cannes abgelehnter "Amélie" wurde per Mundpropaganda 2001 ein Sensationserfolg in Frankreich und führte sogar Staatspräsident Jacques Chirac ins Kino, der dem Volk aufs Maul schauen wollte.
Erneut mit seinem "Amélie"-Star Audrey Tautou drehte er eine ebenso "fabelhafte" Liebesgeschichte im Ersten Weltkrieg, die die Heldin auf eine lange und beschwerliche Suche nach ihrem als tot gemeldeten Geliebten schickt und die Greuel des Krieges erleben lässt: "Mathilde - Eine große Liebe" ging lange vor Kinostart durch die Presse - nicht nur als eine der teuersten Produktionen Frankreichs, sondern auch wegen der Beteiligung des US-Studios Warner.
Mit Dany Boon, mit "Willkommen bei den Sch'tis" auch als Regisseur extrem erfolgreich, als Hauptdarsteller erzählte Jeunet in "Micmacs" (2009) ein weiteres in Paris angesiedeltes Märchen für Erwachsene.

Jean-Pierre Jeunet

  • Geburtstag
    03.09.1953
  • Geburtsort
    Roanne, Loire
  • Geburtsland
    Frankreich

Natalie Portman spielt Schneewittchen als zickiges Flittchen

Bei den Gebrüdern Grimm und vor allem in der Disney-Verfilmung ist sie das kreuzbrave Opfer ihrer bösen Stiefmutter.

Sexy und liederlich: Natalie Portman soll "Schneewittchen" ein neues, düsteres Image verpassen (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Sexy und liederlich: Natalie Portman soll "Schneewittchen" ein neues, düsteres Image verpassen (Foto: Kurt Krieger)

Doch damit ist in der geplanten Neuverfilmung von "Schneewittchen" Schluss: "Rush Hour"-Macher Brett Ratner produziert den Märchenklassiker als düsteres Fantasyspektakel mit einem ebenso erotischen wie zickigen Schneewittchen. An diesem Part hat nun "Star Wars"-Schönheit Natalie Portman Interesse angemeldet, wie die US-Website Pajiba berichtet.

"Das wird nicht das Schneewittchen, das man von Oma kennt", erklärt Produzent Brett Ratner sein Projekt. "Wir beziehen uns auf die 500 Jahre alte mündliche Überlieferung. Darin waren die Zwerge keine Bergarbeiter, sondern Räuber, und es kam ein Drache vor. Diese Elemente fehlten im alten Disney-Film. Unsere Fassung wird deutlich kantiger und witziger."

Wer hat meine Reizwäsche getragen?

Auch wenn die endgültige Zusage von Natalie Portman noch fehlt, so wäre sie sicher die perfekte Wahl: Die aparte Schönheit hat großen Sex-Appeal, den sie im Kino aber nicht so offensiv wie andere karrierebewusste Kolleginnen zur Schau stellt - welche Portman dafür auch oft und lautstark kritisierte.

Dennoch leistete sich Natalie Portman auch selbst offenherzige Auftritte - allerdings stets in künstlerisch anspruchsvollen Werken, wie im Eifersuchtsdrama "Hautnah" oder sogar völlig nackt in "Hotel Chevalier", dem einleitenden Kurzfilm zu "Darjeeling Limited". Damit brächte Natalie Portman eine interessante Mischung aus charmanter Zurückhaltung und sublimer Erotik in den neuen "Schneewittchen"-Film ein.

Ob "Rush Hour"-Krawallmacher Brett Ratner allerdings für das Niveau bürgt, das Natalie Portman bisher zur Vorbedingung für freizügige Auftritte gemacht hat, darf bezweifelt werden. Allerdings soll Produzent Ratner den Regieposten Jean-Pierre Jeunet angeboten haben. Und dieser hat mit "Die fabelhafte Welt der Amélie" eindrucksvoll bewiesen, wie geschmackvoll er weibliche Anziehungskraft auf die Leinwand zaubern kann ...

"Ich will wie bei 'Alien 4' arbeiten, nicht wie bei 'Harry Potter'!"

Mit "Delicatessen", "Alien 4" und "Die fabelhafte Welt der Amélie" erwies sich Jean-Pierre Jeunet als Meister der ganz besonderen Bilder. Für seine schwarze Komödie "Micmacs" arbeitete er mit dem Star aus dem Toperfolg "Willkommen bei den Sch'tis" zusammen.

Jean-Pierre Jeunet setzt in "Micmacs - Uns gehört Paris!" auf poetischen Realismus und einen fulminanten Dany Boon als wunderlichen Außenseiter (Foto: Kinowelt) Großansicht

Jean-Pierre Jeunet setzt in "Micmacs - Uns gehört Paris!" auf poetischen Realismus und einen fulminanten Dany Boon als wunderlichen Außenseiter (Foto: Kinowelt)

Ist Ihr Film eine Rückkehr zu den Ursprüngen von "Delicatessen" und "Die Stadt der verlorenen Kinder"?
JEAN-PIERRE JEUNET: Ich mag die Realität nicht so filmen, wie sie ist, sondern im Sinne des poetischen Realismus der 1940er Jahre, mit ganz eigenen Dialogen, Licht und Farben, Humor und Fantasie. Mir kam es auch in "Delicatessen" und "Die Stadt der verlorenen Kinder" darauf an, ein ganz spezielles Universum zu erfinden, das sollte man aber nicht ins Fantastische einordnen, das mag ich - im Gegensatz zu Science Fiction - überhaupt nicht. "Micmacs" könnte auch in der Gegenwart spielen.

Woher schöpfen Sie die Ideen zu diesem Bilderreichtum?
Der ist für mich ganz normal. Ich mache mir ständig Notizen und bei einer konkreten Filmidee öffne ich das Schatzkästlein und gucke, was ich verwerten kann. Das macht mein Koautor Guillaume Laurent genauso. Wir entwickeln gemeinsam ganz traditionell das Gerüst des Films, ich mehr auf der visuellen, er auf der Dialog-Seite. Das funktioniert wie ein Pingpongspiel. Diesmal machte uns die Konzeption Kopfzerbrechen, in einem Moment stimmte das Gleichgewicht zwischen Tragik und Komödie nicht mehr.

Sie tüfteln gern?
Ich bastele herum, bis alles passt. Dabei spiele ich gerne auf der Klaviatur des Möglichen, mische überall mit, vom Storyboardpapier bis zur Farbkorrektur, auch wenn ich meinem festen Team vertraue.

Wie war die Zusammenarbeit mit Dany Boon, der selbst Regisseur ist?
Erst wollte er nicht, weil ich die Rolle für Jamel Debbouze geschrieben hatte, der eine andere Statur hat. Darum ging es mir gar nicht so, viel wichtiger war dieses Kindliche im Charakter. Wir haben ein wenig geprobt und uns bestens amüsiert. Und schwupp war Dany Boon im Boot. Manche Szenen sind von ihm inspiriert. Er lässt aber nicht den Regisseur raushängen und kritisiert nicht, weil er weiß, in welcher Klemme man in dieser Position geraten kann.

Reizte Sie nach "Alien - Die Wiedergeburt" nicht eine Karriere in USA?
In Frankreich genieße ich totale künstlerische Freiheit und muss nicht um Geld betteln. Das will ich nicht aufgeben. Natürlich erreiche ich weniger Zuschauer als mit einer amerikanischen Produktion, das ist ein Wermutstropfen. Ich habe meine persönlichen Vorstellungen, deshalb habe ich auch "Harry Potter und der Orden des Phönix" abgesagt. In einem schon vorgegebenen Universum zu arbeiten, wo Besetzung, Kostüme und Dekor feststehen, ödet mich an. Wo bleibt da meine eigene Handschrift? Nur Regie ist mir zu wenig. Die Alien-Welt dagegen war eine tolle Herausforderung, ich konnte meine Ideen einbringen. Vielleicht drehe ich das nächste Mal wieder in englisch, ich bin ziemlich offen. Ein Film nimmt einige Jahre in Anspruch, deshalb stürze ich mich nicht gleich Hals über Kopf ins nächste Abenteuer.

Auch wegen Ihres Schiffbruchs bei "Schiffbruch mit Tiger"?
Zwei Jahre habe ich mich damit beschäftigt, wie verrückt recherchiert und Drehorte gesucht, ein tolles Drehbuch für Fox geschrieben, mit der bei "Alien" alles glatt lief. Es gab sogar schon ein gezeichnetes und ein fotografiertes Storyboard. Die Kosten waren den Herren zu hoch, und unser Vorschlag in Europa zu arbeiten, scheiterte wegen des damaligen hohen Euro-Kurses. Es ärgert mich nicht, wenn Ang Lee das Projekt realisiert, ich bin nur traurig, dass mein Drehbuch und meine Vorarbeit nicht genutzt wird.

Das Budget von "Micmacs" war für einen französischen Film sehr hoch.
Wir hatten Glück. Warner zeigte sich bei "Mathilde - Eine große Liebe" als Produzent sehr großzügig und agiert hier als Koproduzent und Verleih, übernahm auch den DVD-Vertrieb. An der Zusammenarbeit gibt es nichts zu mäkeln. Große Budgets sind immer schwieriger in Frankreich zu finanzieren. Ich sehe das nicht als Katastrophe, sondern denke schon länger darüber nach, billiger und schneller mit Handkamera auf HD zu drehen. Zu 18-wöchigen Dreharbeiten fehlt mir inzwischen die Lust. Kreativen und technischen Änderungen verschließe ich mich nicht.

2002
55. British Academy Awards
Bestes Originaldrehbuch - Die fabelhafte Welt der Amélie
2002
27. César-Verleihung
Beste Regie - Die fabelhafte Welt der Amélie
2001
14. Europäischer Filmpreis
Europäischer Regisseur des Jahres - Die fabelhafte Welt der Amélie
2001
14. Europäischer Filmpreis
Bester Regisseur (Publikumspreis) - Die fabelhafte Welt der Amélie
1992
17. César-Verleihung
Bestes Erstlingswerk - Delicatessen
1992
17. César-Verleihung
Bestes Drehbuch - Delicatessen
 

Filmografie

Micmacs - Uns gehört Paris!

Komödie - Durch eine Landmine verliert Bazil seinen Vater und in Folge auch die Mutter. Der Junge landet im Heim. 20 Jahre später trifft ihn... Zum Video

2009

Mathilde - Eine große Liebe

Drama - Ende des Ersten Weltkriegs an der Somme-Front. Weil sie sich aus Hoffnung auf eine verfrühte Heimreise selbst verstümmelten,... Zum Video

2004

Blu Cinemathek Gesamtedition II

Drama / Komödie - "Außer Atem": Auf der Flucht vor der Polizei bemüht sich Gauner Michel in Paris um die amerikanische Studentin Patricia. "... Zum Video

1940
-
2004

Die fabelhafte Welt der Amélie

Komödie / Drama - Amélie (Audrey Tautou) ist als Kind immer allein gewesen. Dafür ist sie mit einer blühenden Fantasie gesegnet. Jetzt, mit... Zum Video

2001
 
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Micmacs - Uns gehört Paris!

Durch eine Landmine verliert Bazil seinen Vater und in Folge auch die...


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Alien - Die Wiedergeburt (Extended Version)

Nach zahlreichen fehlgeschlagenen Versuchen gelingt es einer Gruppe v...


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