Kenneth Branagh


  • Geburtstag
    10.12.1960
  • Geburtsort
    Belfast, Nordirland

Kenneth Branagh


  • Geburtstag
    10.12.1960
  • Geburtsort
    Belfast, Nordirland
 

Kraftvoller, dynamischer und energiegeladener wurden seit Orson Welles' "Falstaff" (1965) keine Shakespeare-Stücke mehr verfilmt. Mit viel Gespür für optische Opulenz entschlackte und modernisierte Kenneth Branagh als Schauspieler und Regisseur die Dramen des Dichters - 1988 "Henry V." und vor allem 1992 "Viel Lärm um nichts" - und machte sie wieder zugänglich. Branaghs Erfolg wurde als "Volle Pulle Shakespeare" kritisiert, änderte aber nichts an seinem außerordentlichen Gespür für filmisches Timing, das aus Bühnenwerken temporeiches Kino machte, ohne den Gehalt und die Konflikte der Stücke zu verwässern; im Gegenteil: Was in ihnen steckt, wurde durch die neuen Arrangements deutlicher. Das gilt selbst für den kompletten vierstündigen "Hamlet", in dem Branagh als Dänenprinz in differenziertester Weise die vielen widersprüchlichen Seiten in Hamlets Psyche auslotete. Mit den Filmen Branaghs wurde in den 90er-Jahren zugleich eine Welle höchst unterschiedlicher Adaptionen Shakespeares ausgelöst. Branagh, Jahrgang 1960, irischer Arbeitersohn, der von der Londoner "Royal Academy of Dramatic Art" als Jahresbester für seinen "Hamlet" ausgezeichnet und von der "Royal Shakespeare Company" engagiert wurde, gründete 1987 die "Renaissance Company", mit der er die Filmarbeit begann und unter anderem das Shakespeare-Stück "Verlorene Liebesmüh" als Hollywood-Musical inszenierte.
Als Darsteller war Branagh, ob als Privatdetektiv in "Schatten der Vergangenheit", Schauspieler in "Peter's Friends", Frankenstein in "Mary Shelley's Frankenstein", Anwalt in "The Gingerbread Man", als Künstler in "Vom Fliegen und anderen Träumen", als Journalist in Woody Allens "Celebrity" oder als verrückter Wissenschaftler in "Wild Wild West" so dominierend und unkonventionell, dass ihn die Kritik als "eitel" bezeichnete, was höchstes Profikönnen war. Er spielte sogar einen Lehrer von "Harry Potter". 2006 war Branagh gleich mit zwei Regiearbeiten präsent, dem von HBO produzierten Shakespeare-Klassiker "As You Like It" und der in Venedig und Toronto gezeigten Mozart-Adaption "The Magic Flute".
Branagh war von 1989-1995 mit Emma Thompson verheiratet, die Hauptrollen in seinen Filmen spielte, und lebte von 1995 - 2000 mit Helena Bonham-Carter zusammen.

Kenneth Branagh

  • Geburtstag
    10.12.1960
  • Geburtsort
    Belfast, Nordirland
  • Geburtsland
    Großbritannien
  • Familie
    Ehefrau: Lindsay Brunnock (seit 24. Mai 2003)
    Ex-Frau: Emma Thompson (1989-1996)
    Ex-Freundin: Helena Bonham Carter
  • Autogrammadresse
    C/O International Creative Artists Agency
    8930 Wilshire Blvd.
    Beverly Hills
    CA 90212
    USA

11 Oscar-Nominierungen für Kinderfilm "Hugo Cabret", 10 für Stummfilm "The Artist"

Völlig überraschend ist der Kritikerliebling "The Artist" bei den Oscar-Nominierungen von Martin Scorseses "Hugo Cabret" um einen Waisen im Pariser Bahnhof überholt worden.

Von der Academy am häufigsten nominiert: "Hugo Cabret" und der 3D-Schwarzweiß-Stummfilm "The Artist" (Foto: Paramount, Delphi) Großansicht

Von der Academy am häufigsten nominiert: "Hugo Cabret" und der 3D-Schwarzweiß-Stummfilm "The Artist" (Foto: Paramount, Delphi)

Hollywood hatte schon die Revolution des Kinos ausgerufen. Schließlich galt - und das in den Zeiten der Megaerfolge von Spektakeln wie "Avatar" & Co. - mit "The Artist" ein kleiner, feiner Stummfilm in Schwarzweiß über die Liebe zweier Schauspieler am Ende der Stummfilmära als Favorit bei den Oscar-Nominierungen.

Nachdem Jungstar Jennifer Lawrence und Academy-Präsident Tom Sherak nun die Nominierungen bekannt gegeben haben, steht das belgisch-französische Kunstwerk mit insgesamt zehn Nominierungen zwar auch ordentlich da, doch ein Altmeister hat den Kritikerliebling noch überholt:

Martin Scorseses in prächtigen Bildern schwelgende 3D-Kinderbuchverfilmung "Hugo Cabret" um einen Waisenjungen, der im Pariser Bahnhof Montparnasse Gare lebt, heimste insgesamt elf Oscar-Nominierungen ein. Die leidlich bekannte Vorliebe der Academy für US-Produktionen gegenüber europäischen mag dabei eine Rolle gespielt haben.

Allerdings ist "Hugo Cabret" zwar in den Hauptkategorien Bester Film und Beste Regie nominiert, ansonsten gab's die Award-Chancen aber eher in den technischen Nebenkategorien wie Visual Effects, Kamera, Schnitt, Ausstattung, Ton, Tonschnitt, Musik und Drehbuchadaption. Dagegen sind mit Jean Dujardin und Bérénice Bejo in "The Artist" auch der Haupt- und die Nebendarstellerin nominiert. Die beiden Filme werden wohl den Oscar für den besten Film unter sich ausmachen.

Clooney gesetzt

Dujardin wird sich allerdings sehr wahrscheinlich George Clooney beugen müssen, der als überforderter Vater, der in "The Descendants" erfährt, dass ihn seine im Koma liegende Frau betrogen hat, als Favorit für den Hauptrollen-Oscar gilt. Auch Clooneys Regisseur Alexander Payne ("Sideways") ist nominiert und darf sich darüberhinaus über eine Berücksichtigung als bester Film und insgesamt 5 Oscar-Chancen freuen.

Clooneys Kumpel Brad Pitt ist als Coach, der erstmals Computerstatistiken benutzt, im Baseballdrama "Moneyball" für den Hauptrollenoscar nominiert. Das Sportspektakel gehört mit insgesamt 5 Nominierungen, darunter als bester Film, ebenfalls zu den meistberücksichtigten Werken. Gefährlich könnte George Clooney vermutlich eher noch Gary Oldman werden, der in "Dame, König, As, Spion" einen Maulfwurf im Secret Service aufspüren soll. Lediglich Außenseiterchancen hat Demián Bichir, dessen Nominierung für "A Better Life" bereits eine Riesenüberraschung und -ehre darstellt.

Margaret Thatcher ist die Größte

Absolut gesetzt ist Meryl Streep für den weiblichen Hauptrollenoscar. Ihre gespenstisch gute Verkörperung der britischen Permierministerin Margaret Thatcher in "Die Eiserne Lady" brachte ihr bereits die 17. Oscar-Nominierung ein. Da wird es höchste Zeit für den dritten Sieg nach "Kramer gegen Kramer" und "Sophies Entscheidung", wie ganz Hollywood meint.

Ansonsten wäre Rooney Mara als Lisbeth Salander in der US-Neuverfilmung des ersten Teils der schwedischen Kultkrimi-Trilogie "Millennium", "Verblendung", eine starke Herausforderin, ebenso Michelle Williams als Leinwand-Legende Marilyn Monroe in "My Week with Marilyn" und Glenn Close, die sich in "Albert Nobbs" im Dublin des 19. Jahrhundert als Mann verkleidet, um in der Gesellschaft aufzusteigen. Auch Viola Davis glänzte im Südstaatendrama um die ersten afroamerikanischen Haushaltsgehilfinnen in "The Help", das insgesamt sechs Nominierungen erhielt, darunter als bester Film und für Octavia Spencer als beste Nebendarstellerin.

In jener Kategorie gilt wiederum Bérénice Bejo aus "The Artist" als leichte Favoritin. Sie glänzt als eine der ersten Tonfilm-Diven, die ausgerechnet einen alten Stummfilm-Star (Jean Dujardin) liebt, dessen Stern nun am Sinken ist. Octavia Spencer und Jessica Chastain, beide für "The Help" nominiert, werden als starke Herausforderinnen gesehen. Janet McTeer, die in "Albert Nobbs" ebenfalls einen Mann spielt, und Melissa McCarthy in der Komödie "Brautalarm" dürften eher geringe Chancen haben.

Einen glasklaren Favoriten gibt es bei den männlichen Nebendarstellern: Albert Brooks mutet in "Beginners" seinem Filmsohn Ewan McGregor ein spätes schwules Coming out zu - beeindruckend und herzerweichend. Das Nachsehen haben werden daher Max von Sydow als Holocaust-Opfer im 9/11-Drama "Extrem laut und unglaublich nah", Kenneth Branagh als Sir Laurence Olivier in "My Week with Marilyn", Jonah Hill als Sidekick von Coach Brad Pitt in "Moneyball" und Nick Nolte als versoffener Rabenvater in "Warrior".

Fünfkampf in den beiden Königsklassen und eine deutsche Hoffnung

Unter den Regisseuren dürfte es dagegen extrem spannend werden. Von den fünf Nominierten Michel Hazanavicius ("The Artist"), Alexander Payne ("The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten"), Woody Allen ("Midnight in Paris"), Terrence Malick ("The Tree of Life") und Martin Scorsese ("Hugo Cabret") kann eigentlich jeder gewinnen. Nachdem die Filme der fünf Macher auch allesamt in der Kategorie Bester Film ins Rennen gehen, könnte der gewinnen, dessen Werk auch den Königspreis abräumt. Denn die Regie wird dafür von der Academy traditionell als Schlüsselkategorie angesehen.

Aus deutscher Sicht gab es zwar nicht wie erhofft eine Chance auf den Auslandsoscar für Wim Wenders' "Pina", hier gilt der iranische Beitrag "Nader und Simin - Eine Trennung" als Favorit, der auch für das Drehbuch nominiert wurde. Dafür wurde der bildstarke deutsche Beitrag über die Choreographen-Legende Pina Bausch als beste Doku nominiert und hat hier auch berechtigte Sieg-Chancen.

Mit dem Kurzfilm "Raju" von Max Zähle und Stefan Gieren geht ein weiterer deutscher Kandidat ins Oscarrennen. Der Film wurde im Vorjahr bereits mit dem Studentenoscar ausgezeichnet. Außerdem wurde die deutsche Kostümbildnerin Lisy Christl nominiert für ihre Arbeit an Roland Emmerichs Historiendrama "Anonymus".

Bei den für die Academy immer wichtiger werdenden Animationsfilmen zeichnet sich ein Dreikampf zwischen "Rango", "Der gestiefelte Kater" und "Kung Fu Panda 2" ab. Den Spezialeffekte-Oscar dürften entweder "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2" oder "Planet der Affen: PRevolution" einheimsen.

Aushilfsmoderator beschwört die Liebe zum Film

Wer dann tatsächlich alles einen Goldjungen mit nach Hause nehmen darf, das entscheidet sich in der Nacht von Sonntag, den 26.2., auf Montag, den 27.2., im Kodak Theatre von Los Angeles. Moderieren darf den wichtigsten Abend der Traumfabrik dabei Comedy-Superstar Billy Crystal - und das bereits zum neunten Mal!

Doch Crystal ist nur ein Notnagel, denn eigentlich sollte ein anderer die Filmschaffenden mit coolen Sprüchen begeistern: Eddie Murphy! Aber der sagte ab, weil der als Regisseur der Zeremonie geplante Brett Ratner, mit dem Murphy zuletzt den Komödienhit "Aushilfsgangster" gedreht hat, abgesetzt wurde: Er hatte sich im Vorfeld zu schwulenfeindlichen Witzen hinreißen lassen.

Nun freut sich also Billy Crystal auf die Goldjungs-Gala. Und auch wenn natürlich selbst er noch keine Preisträger kennt und auch wenn sein gespannt erwarteter Eröffnungs-Monolog ebenfalls streng geheim bleibt, so hat er zumindest soviel über seine Pläne für die Verleihung verraten: "Mein großes Thema für den Abend lautet: 'Wie habt Ihr Euch eigentlich ins Kino verliebt?' Schließlich verbindet uns das alle und das müssen wir mal so richtig feiern!"

Was für ein schönes Motto für die Nacht, in der diejenigen geehrt werden, die dieser Liebe immer wieder Nahrung geben...

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"Ohne Unterlass auf die Zwölf"

15 Jahre nach "Mary Shelley's Frankenstein" hat sich der Brite Kenneth Branagh als Regisseur erstmals wieder nach Hollywood gewagt - und dann gleich für die Megaproduktion "Thor", die den Kinosommer mit einem Hammerschlag eröffnet.

Hauptdarsteller Chris Hemsworth folgt Kenneth Branaghs Anweisungen und schwingt "Thors" Hammer mit enormer Dynamik! (Foto: Paramount) Großansicht

Hauptdarsteller Chris Hemsworth folgt Kenneth Branaghs Anweisungen und schwingt "Thors" Hammer mit enormer Dynamik! (Foto: Paramount)

Thor muss auf der Erde Demut und Bescheidenheit lernen, um wieder in das Götterreich Asgard zurückzukehren. Sind das Eigenschaften, mit denen man in Hollywood weit kommt?
KENNETH BRANAGH: Natürlich sind Schauspieler und Regisseure nicht davor gefeit, speziell wenn man ein gewisses Maß an Erfolg gehabt hat. Dennoch habe ich mich selbst - andere mögen mir da widersprechen - nie als übermäßig arroganten oder unbescheidenen Menschen gesehen. Ich gestehe aber auch, dass ich in Hollywood lernen musste, Kreide zu fressen. Wiederholt. Im Tai-Chi gibt es den Ausdruck "Sich mit dem Wind beugen". Ich habe mich im Lauf der Jahre oft und sehr mit dem Wind beugen müssen.

Auch jetzt wieder?
Beim ersten Treffen mit Marvel-Chef Kevin Feige - ein brillanter Mann - habe ich gesagt: Ich möchte produziert werden, ich brauche Führung. Das ist nicht mein Spezialgebiet, aber ich weiß, dass ich etwas zu dem Stoff von "Thor" beitragen kann, bei dem ich mich durchaus als Experte empfinde. Dieses Projekt braucht beides. Es braucht alles, was Marvel über Comics und deren Adaption weiß. Es braucht aber auch Herz und Emotion, eine Geschichte und nachvollziehbare Figuren. Das beherrsche ich. Feige antwortete: "Vergiss, dass du an einem Spezialeffektfilm arbeitest. Du musst nur lernen, den zuständigen Leuten zu sagen, was du brauchst. Sie nehmen dir diese Arbeit ab. Was du machen musst, ist ganz einfach: Du musst Thor besetzen. Du musst den Richtigen finden, sonst ist der Film tot, bevor wir angefangen haben."

Es ist Ihr erster Film in Hollywood seit "Mary Shelley's Frankenstein".
Ich habe als Filmemacher zwei Erfahrungen mit Hollywood gemacht. Zunächst einmal mit dem Krimi "Schatten der Vergangenheit" - ein solider Erfolg. Für wenig Geld gedreht, clever vermarktet, kurz auf Platz eins der Kinocharts. Ich war damals noch mit Emma Thompson verheiratet, und wir hätten damals bleiben können. In der Woche danach habe ich unzählige Angebote und Drehbücher auf den Tisch bekommen, aber ich wollte zurück nach Großbritannien, weil ich wieder ein Theaterstück inszenieren wollte. "Frankenstein" war eine ganz andere Größenordnung. Großes Budget, gewaltiges Marketing, Marktforschung. Schon Wochen vor dem Start wusste ganz Hollywood, dass der Film eine Enttäuschung an der Kasse sein würde. Es war eine merkwürdige Erfahrung. Kommerziell kamen wir mit einem blauen Auge davon. Aber die Kritik ... Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass es nicht wehtat, von der Presse geschlachtet zu werden. Ich war der Buhmann. Rückblickend fällt es mir schwer zu beurteilen, ob ich Hollywood danach bewusst den Rücken gekehrt habe. Es gab Angebote, aber ich habe sie ausgeschlagen. Ich würde sagen, dass ich einfach einen anderen Weg eingeschlagen habe.

Nun sind Sie zurück, mit einem Film, der noch größer und aufwändiger ist. Hat sich Hollywood verändert?
Alles ist anders. Das ganze Leben ist anders. Wegen des Internets, der Explosion der sozialen Medien, der digitalen Revolution. Alles hat sich in einer Form beschleunigt, wie man es sich vor 15 Jahren nicht hätte vorstellen können. Wenn ich zurückblicke, dann kommt es mir vor, als hätten wir "Frankenstein" in der Steinzeit gemacht. Vier Tage vor diesem Gespräch habe ich die Arbeit an dem Film abgeschlossen. Drei Wochen später kommt er weltweit in die Kinos. Das ist beachtlich.

Was hat Sie am meisten überrascht?
Die Anspannung, die Stimmung. Der erste Tag war genauso intensiv wie der letzte Tag und jeder andere Tag dazwischen. Die veränderten Kommunikationswege lassen keine andere Arbeitsweise mehr zu. Ein Film wie "Thor" hat eine gewaltige Fanbasis, die im Internet jede noch so kleine Entscheidung mit flammender Leidenschaft diskutiert und bewertet. Der Helm, der Speer, das Cape, die Farbe, die Länge: Alles gibt Anlass zur Kritik. Und Hollywood hört darauf: Es kommt vor, dass man Details ändern muss, bevor man sie überhaupt gedreht hat, weil die Foren sich daran erhitzt haben. Der Preis, den man als Filmemacher, Produzent oder Finanzier heute dafür zahlen muss, in dieser Arena mitzuspielen, ist gewaltig hoch.

Kann man als Regisseur inmitten eines solchen Unterfangens tatsächlich noch die Arbeit eines Regisseurs machen?
Das Gute war: Genau das war mein Job - und nichts anderes. All die Anspannung hielt man von mir fern, so gut es ging. Ich sollte mich genau auf meine Arbeit konzentrieren können. Als ich als junger Mann den Beruf des Schauspielers aufnahm, gab mir jemand den guten Rat: Lass es nicht unentwegt zwölf Uhr schlagen! Bei einem Film wie "Thor" schlägt es unentwegt zwölf Uhr. Aber ich hatte das Privileg, den Raum zu verlassen und mich auszuklinken, um mich dem zuzuwenden, worum es ging: einen guten Film zu machen. Ich musste mich nicht um das Marvel-Universum kümmern oder mir den Kopf darüber zerbrechen, ob mein Film zu den anderen Superhelden oder dem kommenden "Avengers"-Film passt. Ich war dazu da, "Thor" zu machen. Das war gut so. Weil ich mich nur auf dem Gebiet auskannte.

Der Druck auf Sie war also nicht größer? Sie waren ja nicht nur der Regisseur eines Films, sondern auch eines großen kommerziellen Unterfangens.
Sie haben gewiss recht mit der Betrachtung, dass "Thor" eine Art Motor ist. Man würde sich ja selbst belügen, täte man so, als würde man einfach nur einen Film drehen. Es geht um großes Geschäft, um viel Geld. Aber ich muss auch sagen, dass Marvel mich das nie spüren ließ. Im Gegenteil: Sie waren sehr effektiv, derartige Anliegen von mir fernzuhalten. Natürlich interessieren mich diese Zusammenhänge, aber gleichzeitig sind sie mir nicht besonders wichtig. Man kann einfach nicht alles wissen. Und man muss auch nicht alles wissen, wenn man nicht wahnsinnig werden will. Wenn man an einem Film wie "Thor" arbeitet, muss man lernen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und alles Weitere anderen zu überlassen. Es war auch so genug Arbeit. Da muss ich mich nicht in die Gestaltung der Plakate einmischen.

Obendrein haben Sie das erste Mal im 3D-Format gearbeitet.
Man muss ganz anders an eine Szene herangehen. Wir haben im Vorfeld lange geplant und experimentiert. Wir wollten den Film in 3D machen, um das Erlebnis noch unmittelbarer, noch beeindruckender zu machen. Es war uns aber auch wichtig, es nicht zu übertreiben. Der Zuschauer soll kein Kopfweh bekommen. Für jemanden wie mich, für den die Welt der Wissenschaft immer ein Buch mit sieben Siegeln geblieben ist, war es eine ausgezeichnete Physiklektion. Am Ende ging es immer nur darum, wo und wie man Figuren und Gegenstände platziert, damit es gut aussieht. Wir hatten das Privileg, uns die nötige Zeit zu nehmen, es ordentlich, sauber und homogen umzusetzen. Das gefiel mir, weil ich etwas Neues lernen konnte.

Hat es Spaß gemacht?
Oft hat es richtig Spaß gemacht. Für die Zeit der Produktion habe ich zum ersten Mal in meinem Leben in einem Haus direkt am Ozean gelebt. Das war wunderbar. Meine Frau und ich haben uns ein bisschen California Dreaming erlaubt. Ich konnte absolut anonym leben und habe mich Tag für Tag nach Drehschluss an den simplen Freuden des Lebens ergötzt. Die Arbeit mit den Schauspielern war wunderbar. Anthony Hopkins! Natalie Portman! Man gestattete mir genug Zeit für Recherchen und Proben, was ich besonders genieße. Und ich fand es sehr aufregend mitzuerleben, was technisch möglich ist. Es bedurfte einige Geduld, aber es hat sich immer gelohnt. Ich fühlte mich wie ein kleiner Junge, wenn fertige Effekte aus den Labors geliefert wurden. Miterleben zu dürfen, wie eine Szene Gestalt annimmt, in der sechs Menschen auf Pferden in Weltall über einen Regenbogen reiten, bevor sie durch die Zeit zu reisen, und obendrein derjenige zu sein, der diese Bilder zu verantworten hat, die aufregend und heroisch, aber nicht albern sein sollten, bereitete mir große Genugtuung.

Würden Sie eine nächste Runde in Angriff nehmen wollen?
Ich bin ein ausgeglichener Mensch. Ich mache seit einem Jahr Yoga und nehme mir die Dinge nicht mehr so zu Herzen wie in meinen jungen Jahren. Wenn man mich fragen würde und das Drehbuch meinen Vorstellungen entspräche, würde ich wieder darüber nachdenken.

1995
52. Internationale Filmfestspiele in Venedig
Osella d'Oro, bestes Drehbuch - Ein Winternachtstraum
1990
3. Felix - Europäischer Filmpreis
Europäischer Schauspieler des Jahres - Henry V.
 

Filmografie

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