"Auch wir lieben Buzz und Woody!"
Nach langer Pause kommt der dritte Film des ersten Pixar-Franchise, "Toy Story 3 3D", in die deutschen Kinos. Lee Unkrich ("Findet Nemo") führt erstmals allein Regie.
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Lee Unkrich (links) mit seinen "Toy Story"-Helden Buzz und Woody sowie Regisseur John Lasseter (Foto: Kurt Krieger)
Lee Unkrich (links) mit seinen "Toy Story"-Helden Buzz und Woody sowie Regisseur John Lasseter (Foto: Kurt Krieger)
Wie war es, nach elf Jahren in die Welt von "Toy Story" zurückzukehren?
LEE UNKRICH: "Toy Story" nimmt einen speziellen Platz in unseren Herzen ein, denn dieser Film war der erste des Studios. Ich war als Cutter beteiligt, und damals wussten wir nicht, ob wir je einen weiteren Film realisieren würden, geschweige denn gleich eine Fortsetzung. Nach "Toy Story 2" nahm mich John Lasseter zur Seite und schlug das nächste Sequel vor. Wir hatten bereits eine tolle Idee für die Story, doch die Umsetzung wurde verzögert.
Was war denn die Idee?
Das kann ich nicht verraten, denn vielleicht verwenden wir diese Idee ja noch einmal. In "Toy Story 2" finden sich etliche Einfälle, die wir nicht im Original unterbringen konnten. Dasselbe gilt auch für "Toy Story 3". Teddybär Lotso etwa, der einerseits knuddelig, andererseits bösartig ist, basiert auf einer Idee, die John Lasseter noch vor dem Originalfilm hatte.
Wie entwickelten Sie die Geschichte für "Toy Story 3" weiter?
Wir zogen uns nach Inverness zurück, wo John Lasseter und die anderen bereits das Original ausgeheckt hatten. Gleich am ersten Tag gaben wir unsere ursprüngliche Idee auf, entwickelten am nächsten Tag das Gerüst für den Plot. Bis die Geschichte endgültig fertig war, vergingen zweieinhalb Jahre.
Wie ergab sich die Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Michael Arndt?
Da ich selbst keine Drehbücher schreibe, las ich eine Menge Skripts, um den richtigen Autor zu finden. So las ich auch das Skript von "Little Miss Sunshine" und war begeistert. Das war lange, bevor Michael Arndt einen Oscar dafür erhielt.
Wie empfanden Sie es, erstmals allein Regie zu führen?
Es ist ein zweischneidiges Schwert. Ich treffe alle Entscheidungen allein und stehe für sie gerade, die guten wie die schlechten. Als Koregisseur konnte ich kreativ viel beisteuern, mich aber auch mal zurückziehen. Jetzt musste ich für alle Probleme selbst eine Lösung finden. Durch diesen Prozess bin ich persönlich sehr gewachsen.
Was waren Ihre Lieblings-Zeichentrickfilme als Kind?
Ich sah zwar viele klassische Disney-Filme, doch als Zwölfjähriger war ich vor allem von "Shining" begeistert, ich war von Stanley Kubrick geradezu besessen und wusste damals schon, dass ich Filme machen wollte. Ich hätte nie gedacht, dass ich Animationsfilme machen würde. Obwohl ich seit fast 16 Jahren bei Pixar bin, fühle ich mich manchmal als Außenseiter, weil ich quasi meinen Beruf nie richtig gelernt habe, nie als Animator tätig war. Aber das zeigt auch, dass Pixar eben nicht nur ein Studio von Animationsspezialisten ist, sondern von sehr vielseitigen technischen Mitarbeitern, großartigen Autoren und talentierten Künstlern.
Was waren Ihre Einflüsse für das Setting des Kindergartens?
Wir haben uns viele Gefängnisfilme angesehen. Es gibt einige Parallelen: Die Spielzeugkörbe erinnern an Zellen, der Spielplatz an einen Gefängnishof. Außerdem muss für Kinder ja alles kindersicher gestaltet und vieles verriegelt werden. So erinnert unser Kindergarten ein bisschen an eine Strafanstalt.
Wie gestaltete sich Ihre Recherche?
Wir besuchten eine Menge Kinderkrippen und ließen uns von den Spielsachen dort inspirieren. Den Großteil entwarfen wir selbst. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu Mattel, der auch die Marke Fisher-Price gehört. Sie -erlaubten uns, eine Reihe ihrer Kleinkinder-Spielwaren zu benutzen. Im "Toy Story"-Kosmos versuchen wir, eine Balance aus neuen und nostalgischen Figuren zu erreichen.
Was ist Ihre Meinung zu 3D? Ist es eine Revolution oder ein schnelllebiger Gimmick?
Weder noch. Wir sind seit langer Zeit große Fans von 3D. Doch die Technik war noch nicht ausgereift. Die digitale Vorführtechnik erlaubt nun aber diese "Revolution". Jetzt haben wir die Mittel, einen Film in 3D zu ge-stalten, der den Zuschauern keine Augenschmerzen mehr bereitet. Wir gestalten den 3D-Film als Fenster in eine andere Welt und verzichten auf Gimmicks. Wichtig ist es, Filme visuell dynamisch zu drehen, dann sehen sie auf 3D gut aus, egal, ob sie ursprünglich für das Format geplant waren oder nicht. Steven Spielberg, Peter Jackson und James Cameron machen sich 3D zu eigen, sehen es auch nicht als Gimmick, sondern als neue Art, Geschichten zu erzählen. Unser Vorfilm "Day & Night" von Teddy Newton ist ein exzellentes Beispiel, wie 3D vorteilhaft genutzt werden kann.
Wird Pixar alle Filme in 3D drehen?
Auf alle Fälle. Für uns ist es auch viel einfacher umzusetzen, bei Liveaction-Filmen hingegen ist es ein komplizierter Prozess. Wir müssen lediglich eine zweite Kamera aufstellen und die zweite Augensicht neu ausrechnen lassen.
Weshalb sind Kinder so vernarrt in die "Toy Story"-Figuren?
Auch wir lieben Buzz und Woody. Wir sehen sie nicht als Comicfiguren, sondern für uns sind sie wie echte Menschen. Sie sind ein Teil unserer Familie hier bei Pixar. Daher machte es uns viel Spaß, wieder Zeit mit ihnen zu verbringen, und wir hoffen, dem Publikum ergeht es ähnlich.