"Ich brauche Action, Lachen und gute Gedanken"
Marcus H. Rosenmüllers "Sommer in Orange" startet am 18. August in den Kinos, im Winter soll "Der Sommer der Gaukler" anlaufen...
Großansicht
Schließen
In Marcus H. Rosenmüllers "Sommer in Orange" stellt eine Baghwan-Kommune ein bayerisches Dorf auf den Kopf (Foto: Majestic (Fox))
In Marcus H. Rosenmüllers "Sommer in Orange" stellt eine Baghwan-Kommune ein bayerisches Dorf auf den Kopf (Foto: Majestic (Fox))
Verliefen die Dreharbeiten so turbulent wie das beschriebene Kommunenleben?
MARCUS H. ROSENMÜLLER: Die ersten Wochen war das Wetter fürchterlich, und wir mussten alles umstellen. Aber pünktlich zum Termin, an dem wir das Dorffest mit 400 Komparsen drehen wollten und es wirklich darauf ankam, hatten wir Glück.
Wie war es, so viele Schauspieler auf einmal zu inszenieren, Kommunengefühl zu verbreiten?
Wir probten natürlich und haben in der Vorbereitung zu "Sommer in Orange" auch dynamische Meditation gemacht. Bereits im Vorfeld hatte Nessie Nesslauer beim Casting ein gutes Händchen und Schauspieler ausgewählt, die in einer Kommune hätten leben können.
Was ist Ihr persönlicher Bezug zum Thema?
Ich habe selbst etliche Jahre in WGs gelebt. Mit Bhagwan hatte ich mich lustigerweise tatsächlich bereits beruflich beschäftigt: Ich habe meinen Abschlussfilm "Hotel Deepa" in Indien gedreht, zuvor zwei Monate in Poona recherchiert und auch den Ashram besucht, habe das Thema aber nicht vertieft. Einige Jahre später kam dann Ursula Gruber mit dem Buch zu "Sommer in Orange" auf mich zu. Mir geht es hier weniger um die Sekte als um das universelle Gefühl, ausbrechen zu wollen, sich zu fragen, was ist meine Heimat, wo gehöre ich hin? Das fragt sich auch unsere Hauptfigur Lilli. Gehöre ich zur Mutter und ihrer Kommune oder zur bayerischen Dorfgemeinschaft?
Wie in "Wer früher stirbt, ist länger tot" und "Die Perlmutterfarbe" schildern Sie die Welt aus der Sicht von Kindern. Warum diese Häufung?
Mich fasziniert die naive Weltsicht von Kindern, die großen Fragen, die sie stellen. Im Gegensatz zu Erwachsenen sind Kinder nicht so festgefahren, sondern neugierig und offen. Bei "Wer früher stirbt ist länger tot" war diese Perspektive sehr bewusst gewählt. Ich habe mich an "Michel aus Lönneberga" und "Sie küssten und sie schlugen ihn" orientiert. Bei den anderen Filmen hat es sich eher unbewusst ergeben. Vielleicht kann ich mich auch einfach nur gut in Kinder hineinversetzen.
Bei "Der Sommer der Gaukler" geht es nicht um Kinder.
"Der Sommer der Gaukler" handelt von Emanuel Schikaneder, einem bekannten Theatermacher und wilden Hund, der auf einen Rebellen trifft und ihn zu einem Helden stilisiert, der er gar nicht ist - ein um 1780 spielender Kostümfilm, bei dem Maske, Kostüm und Ausstattung sehr aufwendig waren. Musik und Mischung werden wahrscheinlich bis Mitte August fertiggestellt sein, im Dezember soll der Film in den Kinos laufen.
Bereits vorher steht der Dreh zum neuen Film der "Räuber Kneißl"-Produzenten an.
Im September. Das Projekt hat den Arbeitstitel "Wer's glaubt, wird selig" und handelt von einer Heiligsprechung in einem bayerischen Skiort. Christian Ulmen, Marie Leuenberger und Lisa Maria Potthoff aus "Sommer der Gaukler" spielen mit.
Wie würden Sie die Art des Humors beschreiben?
Britisch, schwarzhumorig. Die Vorlage ist tatsächlich ein amerikanisches Drehbuch von Jeremy Leven, der die Geschichte eigentlich in Vermont angesiedelt hatte. Das hat sich erstaunlich gut auf Bayern übertragen lassen. In dem Buch steckt zum einen die schwarzhumorige, ich sage mal, Action, auf der anderen Seite beschäftigt es sich auch mit dem Glauben, mit der Frage, warum der Mensch überhaupt das Bedürfnis nach Heiligen hat. Außer der Action, dem Witz, der Unterhaltung muss jeder meiner Filme immer auch ein tiefer gehendes Kernthema haben. Ich mag es, Leute zum Lachen zu bringen, aber am besten ist es, wenn sie lachen und sich gleichzeitig Gedanken machen.