Mathieu Amalric


  • Geburtstag
    25.10.1965
  • Geburtsort
    Neuilly- Sur- Seine

Mathieu Amalric


  • Geburtstag
    25.10.1965
  • Geburtsort
    Neuilly- Sur- Seine
 

Französischer Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor. Seit Ende der 90er-Jahre einer der gefragtesten und vielseitigsten Schauspieler des französischen Kinos, hat Mathieu Amalric zeitweise in bis zu acht Produktionen pro Jahr gespielt. 2007 war er in Cannes allgegenwärtig, sorgte mit seiner sensationellen Darstellung des nach einem Gehirnschlag gelähmten Chefredakteurs der Modezeitschrift "Elle" in Julian Schnabels "Schmetterling und Taucherglocke" für Aufsehen, spielte den Theaterregisseur in Valeria Bruni-Tedeschis "Actrices" und einen Psychologen in Nicholas Klotz' "La Question humaine". 2008 ist Amalric unter der Regie von Marc Forster einer der Widersacher von Geheimagent James Bond 007 (Daniel Craig) in "Bond 22".
Damit hat Amalric nach 43 Filmen den Höhepunkt einer Karriere erreicht, die anfangs in Richtung Journalismus ging. Als Sohn eines Auslandskorrespondenten und Kolumnisten ("Le Monde", "Libération") und der Litaturkritikerin von "Le Monde" 1965 in Neuilly-sur-Seine geboren, studierte Amalric Journalismus und Literatur. Mit 19 Jahren bot man ihm eine kleine Rolle in Otar Iosselianis Pariser Diebesreigen "Die Günstlinge des Mondes" an. Er fasste langsam Fuß in der Filmwelt, arbeitete als Ausstatter und Regieassistent.
1995/96 schaffte Amalric als apathischer Pariser Hochschullehrer für Philosophie in "Comment je me suis disputé ma vie sexuelle... - Ich und meine Liebe" von Arnaud Desplechin seinen Durchbruch. Als intellektueller Verführer, gewitzt charmanter und auch windiger Liebhaber wurde Amalric häufig besetzt ("Tagebuch des Verführers", "Trois ponts sur la rivière", La Fausse suivante"). In "Chanson d'Amour" (2005) ist er Immobilienmakler und bester Freund eines Schlagersängers (Gérard Depardieu), in "L'Affaire Marcorelle" (2000) Politiker, in der Komödie "Le Grand appartement"(2005) Regisseur. Für Steven Spielberg spielte Amalric in "München" (2005)als Filmsohn von Michel Lonsdale ("007 - Moonraker") einen Spion, der mit Hund durch Paris spaziert.
Als Regisseur hat Mathieu Amalric vier Kurzfilme und drei Spielfilme inszeniert, 1997 die autobiografische Burleske "Mange ta soupe", 2001 "Le stade de Wimbledon" (mit Jeanne Balibar auf den Spuren eines Schriftstellers) und 2003 "La chose publique".
Mathieu Amalric wurde für "Ich und meine Liebe" 1997 mit dem César als Bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet. Wieder unter Desplechins Regie, wurde er 2005 für "Rois et reine" mit dem César als Bester Hauptdarsteller und dem Prix Lumière geehrt. In "Rois et reine" ist er Ismael, der durch eine Verkettung unglücklicher Umstände in der Psychiatrie landet.
Mathieu Amalric hat zwei Kinder von der Schauspielerin Jeanne Balibar ("Va savoir"), mit der er in "Ich und meine Liebe" eine kurzlebige Affäre hat. Das Paar trennte sich 2002.

Mathieu Amalric

  • Geburtstag
    25.10.1965
  • Geburtsort
    Neuilly- Sur- Seine
  • Geburtsland
    Frankreich

Russell Crowe trifft Oliver Schmitz: Globaler Dialog in Cannes

Cannes - In einer Woche startet das 63. Festival de Cannes (12. bis 23. Mai) und damit das Schaulaufen auf dem wohl prestigeträchtigsten roten Teppich jenseits der Oscarverleihung. In diesem Jahr präsentiert das Festival einen Mix aus Veteranen und Newcomern.

Russell Crowe als düsterer "Robin Hood" im Cannes-Eröffnungsfilm (Foto: Universal) Großansicht

Russell Crowe als düsterer "Robin Hood" im Cannes-Eröffnungsfilm (Foto: Universal)

Das diesjährige Festivalprogramm zeige, dass Kino nicht nur ein Dialog zwischen Europa und Amerika sei, sondern eine globale Kunstform, erklärte Festivalchef Thierry Frémaux auf der großen Festival-Pressekonferenz. Eine elegante Umschreibung der Tatsache, dass die USA in diesem Jahr an der Croisette ungewohnt unterrepräsentiert sind.

Lange hatte das Festival gehofft, den neuen Film von Kritikerliebling Terrence Malick ("Der schmale Grat") zu zeigen. "The Tree of Life" war dem Festival bereits in einer Work-in-Progress-Fassung gezeigt worden. Doch der Publicity-scheue Regisseur hat sich dann doch dazu entschlossen, in den Schneideraum zurückzukehren und seine Teilnahme abgesagt. Im Wettbewerb läuft nun nur eine einzige US-Produktion - "Fair Game" von "Bourne Identität"-Regisseur Doug Liman. Ein Politthriller mit Naomi Watts als CIA-Agentin, der die dunklen Seiten der Macht beleuchtet.

Statt amerikanischer finden sich im Wettbewerb nun vor allem Regisseure aus Europa und Nordafrika, aus dem nahen und fernen Osten, so zum Beispiel Takeshi Kitano, der mit "Outrage" zu seinen Yakuza-Thriller-Wurzeln zurückkehrt. Das Gastgeberland Frankreich ist wieder prominent vertreten. So unternimmt Starschauspieler Mathieu Amalric mit "Tournée" seinen dritten Ausflug ins Regiefach und spielt in der Komödie auch gleich die Hauptrolle: einen Theaterproduzenten, der ein Comeback mit einer Burlesque Show feiert.

Als Geheimtipp wird "Des Hommes et des Dieux" gehandelt, der neue Film von Xavier Beauvois über eine Gruppe von christlichen Mönchen im Maghreb, die nach Jahrzehnten des friedvollen Miteinanders mit der muslimischen Bevölkerung eines Tages unverhofft in den Konflikt mit islamischen Fundamentalisten gerät.

Alejandro González Iñárritu, der mexikanische Meister des kunstvoll verschachtelten Episodenkinos, holte mit "Babel" vor vier Jahren den Regiepreis. Jetzt ist er mit "Biutiful" erneut im Rennen um die Goldene Palme. Spaniens Superstar Javier Bardem glänzt als Drogendealer in Barcelona, der einen alten Freund wieder trifft, der inzwischen - so will es das Schicksal - Polizist geworden ist. Mike Leigh ist ein langjähriger Cannes-Gast. Mit "Lügen und Geheimnisse" gewann er 1996 die Goldene Palme. Jetzt kehrt er mit "Another Year" zurück - ein leises Drama, das ein Jahr im Leben eines älteren Paares (Lesley Manville und Jim Broadbent) erzählt.

Die wunderbare Charlotte Gainsbourg, die im Vorjahr für ihre waghalsige Rolle in "Antichrist" ausgezeichnet wurde, ist in diesem Jahr mit "The Tree" mit von der Partie. In der Verfilmung von Judy Pascoes Roman "Die Geschichte vom großen Baum" spielt Gainsbourg eine Frau und Mutter einer kleinen Tochter, die mit dem Tod ihres Mannes fertig werden muss. Regisseurin Julie Bertuccelli ist in diesem Jahr die einzige Frau im Wettbewerb - ihr Werk läuft als Abschlussfilm jedoch außer Konkurrenz.

Außer Konkurrenz präsentiert das Festival drei prominente US-Produktionen: "Robin Hood", der das Erfolgsduo Ridley Scott und Russell Crowe nach "Gladiator" erneut für ein historisches Abenteuer vereint, wurde als Eröffnungsfilm ausgewählt. Eine beeindruckend düstere Neuerzählung der klassischen Geschichte um den legendären Bogenschützen aus dem Sherwood Forest - der nur einen Tag nach der Cannes-Premiere offiziell anläuft.

Während Robin Hood sich für die Armen einsetzt, geht es den Protagonisten in Oliver Stones "Wall Street - Geld schläft nicht" dagegen um den schnellen Reichtum ohne Rücksicht auf Verluste. Michael Douglas kehrt 22 Jahre nach dem ersten "Wall Street"-Film in den Börsen-Kosmos zurück mit seiner Paraderolle als Gordon Gecko, der mächtig Eindruck auf den ambitionierten Börsen-Neuling Jacob (Shia LaBeouf) macht.

Eine Rückkehr an die Croisette gibt es auch für einen weiteren New Yorker Regisseur: Altmeister Woody Allen präsentiert seinen in London angesiedelten Beziehungsreigen "You Will Meet a Tall Dark Stranger", eine starbesetzte Komödie mit Antonio Banderas, Naomi Watts, Josh Brolin, Sir Anthony Hopkins und Freida Pinto (der schönen Latika aus "Slumdog Millionär").

Ein Ereignis der besonderen Art wird die Vorführung von "Carlos - Der Schakal" - der in der vollen Länge von über fünf Stunden außer Konkurrenz gezeigt wird. Regisseur Olivier Assayas hat jahrelang für den Politthriller über den Terroristen Ilich Ramírez Sánchez, genannt "Carlos, der Schakal" recherchiert, der in den 70er Jahren zu den meistgesuchtesten Terroristen gehörte und u. a. Drahtzieher des Anschlag auf das OPEC-Hauptquartier in Wien war und seit 1994 in Haft sitzt. Da der Film als deutsche Koproduktion entstand, gehören zum internationalen Cast rund um Edgar Ramirez auch namhafte deutsche Jungschauspieler wie Christoph Bach, Nora von Waldstätten und Julia Hummer.

Apropos Deutsche: In diesem Jahr ist zwar kein deutscher Regisseur im Wettbewerb vertreten. Doch "Mein Glück" des Weißrussen Sergei Loznitsa ist eine multinationale Koproduktion, an der die Leipziger Firma ma.ja.de federführend beteiligt ist. Erzählt wird die Geschichte eines Fernfahrers, der auf seiner Reise durch Russland in eine Spirale der Gewalt und Willkür gerät.

Darüber hinaus sind deutsche Firmen bei diversen weiteren Wettbewerbstiteln als Koproduktionspartner in Cannes dabei. In die offiziellen Nebenreihe Un Certain Regard wiederum wurden mit Christoph Hochhäusler und Oliver Schmitz zwei deutsche Regisseure eingeladen. Hochhäusler wurde mit seinen ersten beiden Filmen der sogenannten Berliner Schule zugerechnet, deren Werke eine formale Strenge verband. In seinem dritten, in Frankfurt gedrehten Spielfilm "Unter dir die Stadt" entspinnt sich eine Menage-à-Trois zwischen Nicolette Krebitz, Robert Hunger-Bühler und Mark Waschke.

Oliver Schmitz, der sich mit den Komödien-Serien "Türkisch für Anfänger" und "Doctor's Diary" einen Namen gemacht hat, kehrt für "Life, Above All" in sein Geburtsland Südafrika zurück und erzählt die Geschichte einer Zwölfjährigen, die in einem kleinen Dorf mit einem dunklen Geheimnis konfrontiert wird.

So fügt sich das Programm also tatsächlich zum globalen Dialog, den Festivalchef Frémaux sich für die diesjährige Cannes-Ausgabe ja ausdrücklich wünscht.

 

2010
63. Internationale Filmfestspiele in Cannes
Beste Regie - Tournée
2008
33. César-Verleihung
Bester Darsteller - Schmetterling und Taucherglocke
1997
22. César-Verleihung
Beste Nachwuchsdarsteller - Comment je me suis disputé... (ma vie sexuelle)
 

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