Michel Gondry


  • Geburtstag
    08.05.1963
  • Geburtsort
    Versailles
 

Sein Thema ist die Liebe in Gedanken, sein überbordender visueller Stil jongliert mit den Möglichkeiten der Filmsprache, seine schrägen erzähltechnischen Kniffs reizen das Potenzial filmischer Geschichten aus: brillante Bewusstseinsströme und virtuos vernetzte und verschlungene Vorstellungskomplexe von origineller und wild ungezügelter innovativer Bildkraft. Mit "Human Nature" (2001), "Vergiss mein nicht!" (2003) und "The Science of Sleep" (2006) hat Regisseur und Drehbuchautor Michel Gondry die von den geistesverwandten Künstlern Regisseur Spike Jonze ("Being John Malkovich") und Drehbuchautor Charlie Kaufmann ("Adaptation") besetzten Kopf-Spiele um Amnesie, Identitätswechsel und vergessene Liebe um ungezügelte Trieb-Spiele und Spiel-Triebe bereichert. Kein Wunder, Kaufman ist Drehbuchautor der beiden ersten Gondry-Filme.
Was Gondry von Jonze und Kaufman unterscheidet, ist die spielerische Dimension. Wo die Kollegen hin und wieder ins Melodramatische rutschen und die tragische Dimension ausreizen, reißt Gondry sie nur an, weil er seinen Personen Erfüllung gönnt - und sei es in der Fantasie. In der Zivilisationskomödie "Human Nature" flüchtet die stark körperbehaarte Lisa (Patricia Arquette) in die Wildnis und findet in einem "Wolfsjungen" (Rhys Iffans), den ein Forscher (Tim Robbins) vergeblich zivisiert, den Mann fürs Leben. Geht Gondry hier linear chronologisch vor, verschwimmen in "Eternal Sunshine of the Spotless Mind - Vergiss mein nicht!", für das Kaufman den Drehbuch-Oscar erhielt, die erkennbaren Erzählebenen. Zwar lässt Joel (Jim Carrey) sich die Erinnerungen an seine verflossene Liebe (Kate Winslet) löschen, aber sie dringen immer wieder ins Unterbewusstsein seiner Gehirnwindungen ein. Was Joel an Gedächtnis und Erinnerung auf der einen Seite verliert, nimmt auf der anderen Seite unerwartet neue Dimensionen an.
Dem philosophischen Diskurs über Schmerzen und Hoffnungen der Liebe folgte mit "The Science of Sleep", den er mit der eigenen Firma Partizan produzierte, die lustvoll anarchische Version, als hätte Jean-Luc Godard im Geist der französischen Surrealisten angefangen zu spielen, zu lachen und wäre romantisch geworden. Durch und durch fröhlich eskapistisch und ungehemmt grotesk erspielt sich Gael Garcia Bernal in Träumen, Kinderbett und Pappmaché-Studio die Liebe seiner entzückenden Pariser Wohnungsnachbarin (Charlotte Gainsbourg).
Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Michel Gondry wurde 1963 in Versailles geboren, studierte Grafik in einer Pariser Kunstschule und begann mit Videoclips für die Gruppe Oui Oui, deren Schlagzeuger er ist (es gibt immer eine Schlagzeugszene in Gondrys Filmen). 1993 begegnete Gondry der isländischen Musikerin Björk, für die er "Human Behavior" (erhielt praktisch alle Preise im Musikvideobereich) und die Clips "Isobel", "Bacholerette" usw. inszenierte. Gondry arbeitete mit den White Stripes, den Rolling Stones, Beck, Daft Punk, Kylie Minogue, Sheryl Crow, Oasis, Cibo Matto, I Am, Lenny Kravitz und den Foo Fighters. 2006 stellte Gondry parallel zu "The Science of Sleep" seine Musik-Dokumentation "Dave Chappelle's Block Party" vor, das mit dem gemeinsamen Konzert von Chappelle, Lauryn Hill, Pras und Wyclef Jean endet.
Der Meister des Musik-Clips begann 1994 mit Werbespots und arbeitete u.a. für Smirnoff, Air France, Nike, Citibank, Coca Cola, Adidas, Polaroid, Volvo und Gap. Sein Clip "Drugstore" (1994 für Levis) ist im Guiness Book of Records als der am häufigsten ausgezeichnete Werbeclip der Welt verzeichnet.

Michel Gondry

  • Geburtstag
    08.05.1963
  • Geburtsort
    Versailles
  • Geburtsland
    Frankreich

"Lebensnotwendig ist Film nicht"

Mit "The Green Hornet", der Verfilmung der klassischen Fernsehserie aus den Sechzigerjahren, hat sich der für seine innovativen Independentfilme bekannte Kultregisseur Michel Gondry erstmals einer Hollywoodgroßproduktion angenommen.

Indie-König Michel Gondry gibt mit dem Comic-Kracher "The Green Hornet" sein Blockbusterdebüt (Foto: Sony) Großansicht

Indie-König Michel Gondry gibt mit dem Comic-Kracher "The Green Hornet" sein Blockbusterdebüt (Foto: Sony)

Haben Sie "The Green Hornet" als neue Herausforderung begriffen?
MICHEL GONDRY:Unbedingt. Ich habe noch nie einen Film in dieser Größenordnung, unter diesen Voraussetzungen gedreht. Wichtig ist für mich, dass ich einen ganz persönlichen Zugang zu dem Stoff finde, den ich verfilmen soll. Die Herausforderung war also, einen Film zu machen, der mich anspricht, aber eben auch ein großes Publikum. "The Green Hornet" ist ein Film, der von vielen Menschen gesehen werden soll.

Mit "The Green Hornet" verbindet Sie eine lange Geschichte. Bereits in den Neunzigerjahren hatten Sie versucht, eine Verfilmung der Serie in Angriff zu nehmen.
Damals habe ich mit einem Autor an einer Filmfassung gearbeitet und hatte viele Ideen. Rückblickend muss ich sagen, dass sie vielleicht etwas zu verrückt waren. Ich hätte den Film damals gern komplett auf dem Studiogelände von Universal gedreht. Ich hatte es als Tourist mit meinem damals noch sehr jungen Sohn mehrfach besucht und mir immer ausgemalt, dass es toll wäre, einen Film komplett dort spielen zu lassen - die Straße, die man mit Wasser fluten kann, das Erdbeben, der Lavatunnel. In Hollywood fand man die Idee nicht so gut. Sie wurde abgelehnt.

Weshalb Sie aufmerksam wurden, als der Stoff wieder bei Ihnen landete.
Ich fand, dass ich es meinem Sohn schuldig sei. Ich muss lächeln, wenn ich darüber nachdenke: Die ursprüngliche Version war ganz seinem damaligen Alter entsprechend, sehr liebenswert und cartoonhaft. Der Film, den wir jetzt gemacht haben, entspricht mehr seinem jetzigen Alter. Er ist erwachsener, gewalttätiger. Als ich ihm erzählte, dass ich "The Green Hornet" jetzt doch machen würde, freute er sich. Und sagte mir: Papa, nimm kein neues Auto, nimm das alte Auto aus der Serie. Das habe ich beherzigt.

Auf Ihnen lastet ein enormer Erfolgsdruck. Haben Sie das bei Ihrer Arbeit gespürt?
Beim Dreh geht es um einen anderen Druck: Man muss seine Termine halten, man muss aus den Schauspielern das Beste herausholen. Wenn man mit guten Technikern und einem gut vorbereiteten Drehbuch arbeitet, liegt der ganze Fokus auf der Abwicklung. Natürlich gab es Momente, bei denen mir die Absurdität eines so großen Filmprojekts bewusst wurde. Aber da muss man durch.

Haben Sie den Eindruck, dass man Ihre persönliche Handschrift in dem Film wiederfindet?
Ich habe den Film nicht für mein persönliches Vergnügen gemacht. Ich will, dass viele Menschen ein Ticket dafür kaufen und Spaß daran haben. Es gibt ein paar verrückte Szenen, um die ich kämpfen musste, weil ich sie unbedingt so umsetzen wollte, wie ich sie im Kopf hatte. Aber nicht weil es um mich ging, sondern weil sie gut für den Film waren. Natürlich könnte es mehr Momente geben wie die Splitscreen-Sequenz, in der sich die Leinwand in 16 Teile aufspaltet. Aber wenn man den Kontext bedenkt, ist "The Green Hornet" durchaus auch ein abgefahrener Film geworden.

Sie haben den Film nachträglich in 3D umgewandelt. Wie waren Ihre Erfahrungen?
Wir hätten auch in 3D drehen können, aber ich bin kein Freund von digitalen Kameras. Mir gefällt die Textur von Film. Deshalb musste der Film nachträglich umgewandelt werden. Mir war es wichtig, nicht einfach dreidimensionale Räume zu schaffen. Ich wollte kreativ mit 3D umgehen, das war bei der Konversion gegeben. Gerade bei der Konversion von Film kann man interessante Sachen -machen. Film ist von Natur aus immer etwas körnig. Wenn man das räumlich auflöst, ist es, als könnte man sehen, wie dick die Luft ist. Konversion ist ein Werkzeug, und wie bei jedem Werkzeug muss man wissen, wie man damit umgeht, wenn man gute Ergebnisse erzielen will.

Im Mittelpunkt Ihrer beiden letzten Filme stehen Medien, die von der Zeit überholt werden: VHS in "Abgedreht", Zeitungen in "The Green Hornet". Wie sehen Sie die Zukunft von Film?
Ich bin mir nicht sicher. Musik werden die Menschen immer brauchen. Sie wollen Sex haben und Kinder kriegen. Aber Filme? Filme gibt es nur noch, weil sie von einem System gestützt werden, das nicht will, dass es sie nicht mehr gibt. In einzelnen Ländern gibt es die klassische Auswertungsabfolge Kino, DVD, Fernsehen schon nicht mehr. Hollywood ist eine mächtige Industrie. Wer in dieser Filmfabrik arbeitet, erlebt hautnah mit, wie alles getan wird, um das aktuelle System aufrechtzuerhalten. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es noch zeitgemäß ist. Lebensnotwendig ist Film jedenfalls nicht.

"Lebensnotwendig ist Film nicht"

Mit "The Green Hornet", der Verfilmung der klassischen Fernsehserie aus den Sechzigerjahren, hat sich der für seine innovativen Independentfilme bekannte Kultregisseur Michel Gondry erstmals einer Hollywoodgroßproduktion angenommen.

Indie-König Michel Gondry gibt mit dem Comic-Kracher "The Green Hornet" sein Blockbusterdebüt (Foto: Sony) Großansicht

Indie-König Michel Gondry gibt mit dem Comic-Kracher "The Green Hornet" sein Blockbusterdebüt (Foto: Sony)

Haben Sie "The Green Hornet" als neue Herausforderung begriffen?
MICHEL GONDRY:Unbedingt. Ich habe noch nie einen Film in dieser Größenordnung, unter diesen Voraussetzungen gedreht. Wichtig ist für mich, dass ich einen ganz persönlichen Zugang zu dem Stoff finde, den ich verfilmen soll. Die Herausforderung war also, einen Film zu machen, der mich anspricht, aber eben auch ein großes Publikum. "The Green Hornet" ist ein Film, der von vielen Menschen gesehen werden soll.

Mit "The Green Hornet" verbindet Sie eine lange Geschichte. Bereits in den Neunzigerjahren hatten Sie versucht, eine Verfilmung der Serie in Angriff zu nehmen.
Damals habe ich mit einem Autor an einer Filmfassung gearbeitet und hatte viele Ideen. Rückblickend muss ich sagen, dass sie vielleicht etwas zu verrückt waren. Ich hätte den Film damals gern komplett auf dem Studiogelände von Universal gedreht. Ich hatte es als Tourist mit meinem damals noch sehr jungen Sohn mehrfach besucht und mir immer ausgemalt, dass es toll wäre, einen Film komplett dort spielen zu lassen - die Straße, die man mit Wasser fluten kann, das Erdbeben, der Lavatunnel. In Hollywood fand man die Idee nicht so gut. Sie wurde abgelehnt.

Weshalb Sie aufmerksam wurden, als der Stoff wieder bei Ihnen landete.
Ich fand, dass ich es meinem Sohn schuldig sei. Ich muss lächeln, wenn ich darüber nachdenke: Die ursprüngliche Version war ganz seinem damaligen Alter entsprechend, sehr liebenswert und cartoonhaft. Der Film, den wir jetzt gemacht haben, entspricht mehr seinem jetzigen Alter. Er ist erwachsener, gewalttätiger. Als ich ihm erzählte, dass ich "The Green Hornet" jetzt doch machen würde, freute er sich. Und sagte mir: Papa, nimm kein neues Auto, nimm das alte Auto aus der Serie. Das habe ich beherzigt.

Auf Ihnen lastet ein enormer Erfolgsdruck. Haben Sie das bei Ihrer Arbeit gespürt?
Beim Dreh geht es um einen anderen Druck: Man muss seine Termine halten, man muss aus den Schauspielern das Beste herausholen. Wenn man mit guten Technikern und einem gut vorbereiteten Drehbuch arbeitet, liegt der ganze Fokus auf der Abwicklung. Natürlich gab es Momente, bei denen mir die Absurdität eines so großen Filmprojekts bewusst wurde. Aber da muss man durch.

Haben Sie den Eindruck, dass man Ihre persönliche Handschrift in dem Film wiederfindet?
Ich habe den Film nicht für mein persönliches Vergnügen gemacht. Ich will, dass viele Menschen ein Ticket dafür kaufen und Spaß daran haben. Es gibt ein paar verrückte Szenen, um die ich kämpfen musste, weil ich sie unbedingt so umsetzen wollte, wie ich sie im Kopf hatte. Aber nicht weil es um mich ging, sondern weil sie gut für den Film waren. Natürlich könnte es mehr Momente geben wie die Splitscreen-Sequenz, in der sich die Leinwand in 16 Teile aufspaltet. Aber wenn man den Kontext bedenkt, ist "The Green Hornet" durchaus auch ein abgefahrener Film geworden.

Sie haben den Film nachträglich in 3D umgewandelt. Wie waren Ihre Erfahrungen?
Wir hätten auch in 3D drehen können, aber ich bin kein Freund von digitalen Kameras. Mir gefällt die Textur von Film. Deshalb musste der Film nachträglich umgewandelt werden. Mir war es wichtig, nicht einfach dreidimensionale Räume zu schaffen. Ich wollte kreativ mit 3D umgehen, das war bei der Konversion gegeben. Gerade bei der Konversion von Film kann man interessante Sachen -machen. Film ist von Natur aus immer etwas körnig. Wenn man das räumlich auflöst, ist es, als könnte man sehen, wie dick die Luft ist. Konversion ist ein Werkzeug, und wie bei jedem Werkzeug muss man wissen, wie man damit umgeht, wenn man gute Ergebnisse erzielen will.

Im Mittelpunkt Ihrer beiden letzten Filme stehen Medien, die von der Zeit überholt werden: VHS in "Abgedreht", Zeitungen in "The Green Hornet". Wie sehen Sie die Zukunft von Film?
Ich bin mir nicht sicher. Musik werden die Menschen immer brauchen. Sie wollen Sex haben und Kinder kriegen. Aber Filme? Filme gibt es nur noch, weil sie von einem System gestützt werden, das nicht will, dass es sie nicht mehr gibt. In einzelnen Ländern gibt es die klassische Auswertungsabfolge Kino, DVD, Fernsehen schon nicht mehr. Hollywood ist eine mächtige Industrie. Wer in dieser Filmfabrik arbeitet, erlebt hautnah mit, wie alles getan wird, um das aktuelle System aufrechtzuerhalten. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es noch zeitgemäß ist. Lebensnotwendig ist Film jedenfalls nicht.

 

Filmografie

The Green Hornet

Action / Komödie - Britt, Sohn des Zeitungsmagnaten James Reid, lebt sein Leben als künftiger Erbe eines Multimillionenvermögens sorglos auf... Zum Video

2010
kino.de
2009
kino.de

Tokio!

Drama / Episodenfilm Zum Film

2008

Abgedreht

Komödie - Der trottelige Jerry (Jack Black) wird bei einer Sabotageaktion in einem Kraftwerk auf seltsame Weise magnetisiert. Kaum, dass er... Zum Video

2007
 
Hoch

The Green Hornet

Britt, Sohn des Zeitungsmagnaten James Reid, lebt sein Leben als künftiger Erbe eines...


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