Michel Hazanavicius


  • Geburtstag
    29.03.1967
  • Geburtsort
    Paris
 

Michel Hazanavicius

  • Geburtstag
    29.03.1967
  • Geburtsort
    Paris
  • Geburtsland
    Frankreich

11 Oscar-Nominierungen für Kinderfilm "Hugo Cabret", 10 für Stummfilm "The Artist"

Völlig überraschend ist der Kritikerliebling "The Artist" bei den Oscar-Nominierungen von Martin Scorseses "Hugo Cabret" um einen Waisen im Pariser Bahnhof überholt worden.

Von der Academy am häufigsten nominiert: "Hugo Cabret" und der 3D-Schwarzweiß-Stummfilm "The Artist" (Foto: Paramount, Delphi) Großansicht

Von der Academy am häufigsten nominiert: "Hugo Cabret" und der 3D-Schwarzweiß-Stummfilm "The Artist" (Foto: Paramount, Delphi)

Hollywood hatte schon die Revolution des Kinos ausgerufen. Schließlich galt - und das in den Zeiten der Megaerfolge von Spektakeln wie "Avatar" & Co. - mit "The Artist" ein kleiner, feiner Stummfilm in Schwarzweiß über die Liebe zweier Schauspieler am Ende der Stummfilmära als Favorit bei den Oscar-Nominierungen.

Nachdem Jungstar Jennifer Lawrence und Academy-Präsident Tom Sherak nun die Nominierungen bekannt gegeben haben, steht das belgisch-französische Kunstwerk mit insgesamt zehn Nominierungen zwar auch ordentlich da, doch ein Altmeister hat den Kritikerliebling noch überholt:

Martin Scorseses in prächtigen Bildern schwelgende 3D-Kinderbuchverfilmung "Hugo Cabret" um einen Waisenjungen, der im Pariser Bahnhof Montparnasse Gare lebt, heimste insgesamt elf Oscar-Nominierungen ein. Die leidlich bekannte Vorliebe der Academy für US-Produktionen gegenüber europäischen mag dabei eine Rolle gespielt haben.

Allerdings ist "Hugo Cabret" zwar in den Hauptkategorien Bester Film und Beste Regie nominiert, ansonsten gab's die Award-Chancen aber eher in den technischen Nebenkategorien wie Visual Effects, Kamera, Schnitt, Ausstattung, Ton, Tonschnitt, Musik und Drehbuchadaption. Dagegen sind mit Jean Dujardin und Bérénice Bejo in "The Artist" auch der Haupt- und die Nebendarstellerin nominiert. Die beiden Filme werden wohl den Oscar für den besten Film unter sich ausmachen.

Clooney gesetzt

Dujardin wird sich allerdings sehr wahrscheinlich George Clooney beugen müssen, der als überforderter Vater, der in "The Descendants" erfährt, dass ihn seine im Koma liegende Frau betrogen hat, als Favorit für den Hauptrollen-Oscar gilt. Auch Clooneys Regisseur Alexander Payne ("Sideways") ist nominiert und darf sich darüberhinaus über eine Berücksichtigung als bester Film und insgesamt 5 Oscar-Chancen freuen.

Clooneys Kumpel Brad Pitt ist als Coach, der erstmals Computerstatistiken benutzt, im Baseballdrama "Moneyball" für den Hauptrollenoscar nominiert. Das Sportspektakel gehört mit insgesamt 5 Nominierungen, darunter als bester Film, ebenfalls zu den meistberücksichtigten Werken. Gefährlich könnte George Clooney vermutlich eher noch Gary Oldman werden, der in "Dame, König, As, Spion" einen Maulfwurf im Secret Service aufspüren soll. Lediglich Außenseiterchancen hat Demián Bichir, dessen Nominierung für "A Better Life" bereits eine Riesenüberraschung und -ehre darstellt.

Margaret Thatcher ist die Größte

Absolut gesetzt ist Meryl Streep für den weiblichen Hauptrollenoscar. Ihre gespenstisch gute Verkörperung der britischen Permierministerin Margaret Thatcher in "Die Eiserne Lady" brachte ihr bereits die 17. Oscar-Nominierung ein. Da wird es höchste Zeit für den dritten Sieg nach "Kramer gegen Kramer" und "Sophies Entscheidung", wie ganz Hollywood meint.

Ansonsten wäre Rooney Mara als Lisbeth Salander in der US-Neuverfilmung des ersten Teils der schwedischen Kultkrimi-Trilogie "Millennium", "Verblendung", eine starke Herausforderin, ebenso Michelle Williams als Leinwand-Legende Marilyn Monroe in "My Week with Marilyn" und Glenn Close, die sich in "Albert Nobbs" im Dublin des 19. Jahrhundert als Mann verkleidet, um in der Gesellschaft aufzusteigen. Auch Viola Davis glänzte im Südstaatendrama um die ersten afroamerikanischen Haushaltsgehilfinnen in "The Help", das insgesamt sechs Nominierungen erhielt, darunter als bester Film und für Octavia Spencer als beste Nebendarstellerin.

In jener Kategorie gilt wiederum Bérénice Bejo aus "The Artist" als leichte Favoritin. Sie glänzt als eine der ersten Tonfilm-Diven, die ausgerechnet einen alten Stummfilm-Star (Jean Dujardin) liebt, dessen Stern nun am Sinken ist. Octavia Spencer und Jessica Chastain, beide für "The Help" nominiert, werden als starke Herausforderinnen gesehen. Janet McTeer, die in "Albert Nobbs" ebenfalls einen Mann spielt, und Melissa McCarthy in der Komödie "Brautalarm" dürften eher geringe Chancen haben.

Einen glasklaren Favoriten gibt es bei den männlichen Nebendarstellern: Albert Brooks mutet in "Beginners" seinem Filmsohn Ewan McGregor ein spätes schwules Coming out zu - beeindruckend und herzerweichend. Das Nachsehen haben werden daher Max von Sydow als Holocaust-Opfer im 9/11-Drama "Extrem laut und unglaublich nah", Kenneth Branagh als Sir Laurence Olivier in "My Week with Marilyn", Jonah Hill als Sidekick von Coach Brad Pitt in "Moneyball" und Nick Nolte als versoffener Rabenvater in "Warrior".

Fünfkampf in den beiden Königsklassen und eine deutsche Hoffnung

Unter den Regisseuren dürfte es dagegen extrem spannend werden. Von den fünf Nominierten Michel Hazanavicius ("The Artist"), Alexander Payne ("The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten"), Woody Allen ("Midnight in Paris"), Terrence Malick ("The Tree of Life") und Martin Scorsese ("Hugo Cabret") kann eigentlich jeder gewinnen. Nachdem die Filme der fünf Macher auch allesamt in der Kategorie Bester Film ins Rennen gehen, könnte der gewinnen, dessen Werk auch den Königspreis abräumt. Denn die Regie wird dafür von der Academy traditionell als Schlüsselkategorie angesehen.

Aus deutscher Sicht gab es zwar nicht wie erhofft eine Chance auf den Auslandsoscar für Wim Wenders' "Pina", hier gilt der iranische Beitrag "Nader und Simin - Eine Trennung" als Favorit, der auch für das Drehbuch nominiert wurde. Dafür wurde der bildstarke deutsche Beitrag über die Choreographen-Legende Pina Bausch als beste Doku nominiert und hat hier auch berechtigte Sieg-Chancen.

Mit dem Kurzfilm "Raju" von Max Zähle und Stefan Gieren geht ein weiterer deutscher Kandidat ins Oscarrennen. Der Film wurde im Vorjahr bereits mit dem Studentenoscar ausgezeichnet. Außerdem wurde die deutsche Kostümbildnerin Lisy Christl nominiert für ihre Arbeit an Roland Emmerichs Historiendrama "Anonymus".

Bei den für die Academy immer wichtiger werdenden Animationsfilmen zeichnet sich ein Dreikampf zwischen "Rango", "Der gestiefelte Kater" und "Kung Fu Panda 2" ab. Den Spezialeffekte-Oscar dürften entweder "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2" oder "Planet der Affen: PRevolution" einheimsen.

Aushilfsmoderator beschwört die Liebe zum Film

Wer dann tatsächlich alles einen Goldjungen mit nach Hause nehmen darf, das entscheidet sich in der Nacht von Sonntag, den 26.2., auf Montag, den 27.2., im Kodak Theatre von Los Angeles. Moderieren darf den wichtigsten Abend der Traumfabrik dabei Comedy-Superstar Billy Crystal - und das bereits zum neunten Mal!

Doch Crystal ist nur ein Notnagel, denn eigentlich sollte ein anderer die Filmschaffenden mit coolen Sprüchen begeistern: Eddie Murphy! Aber der sagte ab, weil der als Regisseur der Zeremonie geplante Brett Ratner, mit dem Murphy zuletzt den Komödienhit "Aushilfsgangster" gedreht hat, abgesetzt wurde: Er hatte sich im Vorfeld zu schwulenfeindlichen Witzen hinreißen lassen.

Nun freut sich also Billy Crystal auf die Goldjungs-Gala. Und auch wenn natürlich selbst er noch keine Preisträger kennt und auch wenn sein gespannt erwarteter Eröffnungs-Monolog ebenfalls streng geheim bleibt, so hat er zumindest soviel über seine Pläne für die Verleihung verraten: "Mein großes Thema für den Abend lautet: 'Wie habt Ihr Euch eigentlich ins Kino verliebt?' Schließlich verbindet uns das alle und das müssen wir mal so richtig feiern!"

Was für ein schönes Motto für die Nacht, in der diejenigen geehrt werden, die dieser Liebe immer wieder Nahrung geben...

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"Ohne Ton guckt man genauer hin"

Die brillante Stummfilmhommage "The Artist" im Höhenrausch. Renommierte US-Kritikerpreise, sechs Golden-Globe-Nominierungen, auch der Oscar ist in Reichweite. Für den französischen Regisseur Michel Hazanavicius erfüllt sich ein Traum.

"The Artist" bietet ein Kinoerlebnis der ganz besonderen Art: Schwarzweiß, Stummfilm, aber in 3D! (Foto: Delphi) Großansicht

"The Artist" bietet ein Kinoerlebnis der ganz besonderen Art: Schwarzweiß, Stummfilm, aber in 3D! (Foto: Delphi)

Können Sie vor lauter Nervosität überhaupt noch schlafen?
MICHEL HAZANAVICIUS: Ich bin nicht nervös, sondern total zufrieden, ein Traum wurde wahr. Es gibt genug Leute, die tolle Filme machen, aber nie so eine Chance erhalten. Ich hatte einfach Glück. "The Artist" konnte Festivalmeriten vorweisen, kam gut in den USA an, und Harvey Weinstein kaufte ihn. Wenn man nicht in Englisch dreht, hat man schlechte Karten für einen Oscar, es sei denn, in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film. Es geht nicht darum, dass man ihn verdient, sondern darum, die richtigen Leute zur richtigen Zeit zu treffen. Wie meinen Produzenten Thomas Langmann, ein Verrückter mit dem notwendigen Mut für so eine Geschichte. Er vertraute mir blindlings und hielt mich auch nicht wie andere für übergeschnappt.

Die Oscarkampagne soll um die zehn bis 15 Mio. Dollar kosten, ist das nicht absurd in Relation zum Budget?
Das sprengt schon den Rahmen. Das Budget beläuft sich auf knappe 10,5 Mio. Euro, aber nur, weil wir alle, auch Produzent und Schauspieler, auf eine adäquate Bezahlung verzichtet haben.

Was trieb Sie in der Hochzeit von 3D zum schwarz-weißen Stummfilm?
3D und die ganzen Tricks kosten viel Geld, man kann einen guten Film auch anders machen. Mich hat das Format interessiert, die Stilisierung der Wirklichkeit. Mein Ziel war ein publikumswirksamer Stummfilm in Schwarz-Weiß. Davon träumte ich schon seit zehn Jahren, jedoch erst die Erfolge mit den beiden OSS-Agentenfilmparodien erlaubten mir die Realisierung.

Ist "The Artist" die Liebeserklärung eines französischen Regisseurs an das Goldene Zeitalter von Hollywood?
Ich sehe keinen speziell französischen Blick. "The Artist" ist die Liebeserklärung eines Regisseurs egal welcher Nationalität an das leider in Vergessenheit geratene Format, an die Filmkunst unserer Vorfahren.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Stummfilm?
Mit meinem Großvater habe ich oft Kurzfilme geguckt, ich war ein Fan von Buster Keaton. Später faszinierten mich Charly Chaplin und "The Kid", als Erwachsener liebte ich die Filme von Erich von Stroheim, und total gepackt hat mich Friedrich Wilhelm Murnaus "Sunrise".

Was war die größte Herausforderung?
Das Drehbuchschreiben. Es erfordert eine ungewohnte Technik und ungewohntes Handwerkszeug. Man kann nur mit Bildern arbeiten, nicht mit Worten und Dialogen, die sonst ein wichtiges Instrument zum Verständnis eines Films sind. Ich musste vergessen, wie man sich im Alltag ausdrückt, und eine andere, rein kinematografische Art der Ausdrucksweise suchen. Die Ironie und der Spott meiner bisherigen Komödien fielen hier weg. Die Geschichte musste klar sein, mit einfach dargestellten Figuren und ohne zu vielen Zwischentiteln. Das schränkt zwar ein, gibt aber gleichzeitig auch eine große Freiheit.

Mussten die Schauspieler mit auffälliger Mimik arbeiten?
Die Leute denken beim Stummfilm immer an den Slapstick von Charlie Chaplin oder Buster Keaton. Es gibt auch noch andere wie Murnau oder Josef von Sternberg, Ford oder Hitchcock, die mit Schauspielern mehr klassisch arbeiteten. Ohne Ton gucken die Zuschauer intensiver hin. Sie achten mehr auf die Schauspieler, sind viel aufmerksamer. Die Wahrnehmung ändert sich, da fällt schon die kleinste Bewegung im Gesicht auf. Von den Schauspielern habe ich daher keine Übertreibung verlangt.

Welche Rolle spielt die Musik?
Bestimmte Melodien habe ich schon beim Schreiben gehört und am Set immer Musik gespielt, um eine passende Atmosphäre zu schaffen. Ich arbeite seit zwölf Jahren mit dem gleichen Komponisten, Ludovic Bource, aber diesmal stand unsere Freundschaft vor einer Zerreißprobe, weil er sehr genau meiner vorgegebenen Struktur und dem Spiel der Schauspieler folgen musste. Die Musik war der emotionale Leitfaden und die rechte Hand der Bilder, gemeinsam erzählen sie die Geschichte. Normalerweise darf nicht zu viel Musik in einem Film sein. Hier darf man sie nicht wegnehmen, weil dann nur noch Stille herrscht. Die Musik muss manchmal der Stille entsprechen.

"OSS 117" spielte in den 1950er- und 1960er-Jahren, "The Artist" in den 1920er-Jahren. In welcher Zeit planen Sie Ihr nächstes Projekt?
Ich habe Lust auf einen Zeitsprung. Zwar gibt es noch kein konkretes Projekt, ich glaube aber, dass ich einen modernen und aktuellen Film drehen werde.

Würde Sie ein Ausflug nach Amerika reizen?
Warum nicht? Ich habe kein Problem, international zu arbeiten, das bereichert. Den einen "OSS"-Film habe ich zur Hälfte in Marokko, den anderen zur Hälfte in Brasilien gedreht, diesen in Los Angeles. Es langweilt mich, im Studio in Frankreich Locations nachzustellen. Es kommt auf das Projekt an, auf das Drehbuch und die Arbeitsbedingungen. Ich muss mich wohlfühlen. Alles ist möglich.

Michel Hazanavicius: Der französische Filmemacher, Jahrgang 1967, feierte mit den zwei Agentenfilmparodien um "OSS 117" (2006 und 2009) Hits im Heimatland. Hierzulande wurden sie auf DVD ausgewertet. Mit "The Artist", der beim Festival de Cannes prämiert wurde und in Frankreich ein Nummer-eins-Hit war, erreichte er auch international Ansehen. Die Komödie spielte bis dato 7,1 Mio. Dollar in den USA ein. Mit der Hauptdarstellerin von "The Artist", Bérénice Bejo, hat er zwei Kinder.

 

Filmografie

kino.de

The Artist

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2011

OSS 117 - Er selbst ist sich genug

Komödie / Abenteuer - Weil ein nach Südamerika exilierter Obernazi die Grande Nation mit einer höchst kompromittierenden Liste ehemaliger Nazi-... Zum Video

2009

OSS 117 - Der Spion, der sich liebte

Abenteuer / Komödie - Im Ägypten der 1950er fürchten die Briten um die Hoheit über den Suezkanal. Royalisten kämpfen gegen Sozialisten, Militärs... Zum Video

2006

Die Daltons gegen Lucky Luke

Komödie / Western - Nur schlappe zwanzig Dollar Kopfgeld sind auf Joe, Jack, William und Avarell, die vier Söhne der Ma Dalton, nach... Zum Video

2004

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