"An Drehtagen kocht es in mir"
Während der Dreharbeiten zu "Die Tore der Welt" spricht Hauptdarstellerin Nora von Waldstätten über das ganz Besondere an der Großproduktion der zweiten Verfilmung eines Stoffs von Ken Follett nach dem Megaerfolg "Die Säulen der Erde".
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Nora von Waldstätten öffnet "Die Tore der Welt" (Foto: Laurent Ziegler)
Nora von Waldstätten öffnet "Die Tore der Welt" (Foto: Laurent Ziegler)
"Die Tore der Welt" spielt im finsteren Mittelalter. Wie bereitet man sich als Schauspielerin auf eine solche Rolle vor?
NORA VON WALDSTÄTTEN: Ich habe mich intensiv auf die Rolle in "Die Tore der Welt" vorbereitet. Das fängt damit an, dass ich mir sehr viele Bücher und Filme zu dieser Zeit besorgt habe. Es geht aber nicht darum, diese Dinge nur zu lernen, sondern zu verinnerlichen. Man muss ein Gefühl für diese Zeit bekommen, um folgerichtig zu reagieren.
Sie kennen also alle großen Schlachten dieser Zeit?
Nein, nicht alle. In "Die Tore der Welt" ist z.B Medizin ein wichtiger Bestandteil. Man muss sich das damalige Leben vor Augen halten, was wurde beispielsweise gegessen, welche Gewürze und Arzneien gab es. Welchen Status und welche Rechte hatte eine Frau? Welches Weltbild herrschte damals? Damals herrschte noch die Meinung vor, die Erde ist eine Scheibe und der Himmel kann Dir jederzeit auf den Kopf fallen. Die Kirche war allmächtig. Die Angst vor der Sünde und der Hölle gigantisch. Meine Figur Gwenda ist für diese Zeit wahnsinnig mutig und macht den Mund in Situationen auf, wo sie normalerweise lieber schweigen hätte sollen.
Wie lange haben Sie sich auf den Dreh vorbereitet?
Zwei Monate zuvor habe ich mit der Vorbereitung begonnen und das auf vielen Ebenen. Wie geht sie, wie steht sie, wie isst sie, wo ist ihr Kraftzentrum? Gwendas Mutter kommt beispielsweise im Film nicht vor. Trotzdem muss man sich mit dem Verhältnis zu der Figur beschäftigen, woran ist sie gestorben, war sie eine liebende Mutter? Dafür habe ich mir sehr viel Zeit gegönnt.
Wie sind die Eindrücke nach den ersten 14 Tagen Dreh?
Unglaublich stark. Wenn Du in dieser Kulisse auf einem Feld stehst und rundherum jede Menge Komparsen. Auf einmal reiten fünf Ritter im Galopp auf Pferden auf Dich zu. Du fühlst dich wie in einer Zeitreise ins 14. Jahrhundert. Ich bin sehr begeistert von der gesamten Produktion. Hier herrscht eine unglaubliche herzliche Atmosphäre und bis jetzt ist jeder Tag ein Geschenk und ein Abenteuer. Jeder ist mit ganzem Herzen dabei.
Ihre Figur verändert sich im Laufe des Films. Gwenda ist mit 16 Jahren das erste Mal zu sehen, später ist sie Mutter und Ende 30. Wächst man mit dieser Rolle?
Genau das ist ja das schöne, ich darf den Bogen meiner Figur über 2 Dekaden erzählen. In dieser Zeitspanne erfährt Gwenda viele Veränderungen. Einen schlechteren Start im Leben gibt es kaum: Keine Mutter, ein aggressiver Vater, der sie auch belästigt und schlägt. Kein Geld, kein Zuhause also immer auf der Durchreise. Was mich an Gwenda wahnsinnig fasziniert: Geht nicht, gibt's nicht. Sie hat einen unglaublichen Willen, ihr Leben zu verändern und Wurzeln zu schlagen. Wenn Sie einen Schritt nach vorne macht, wird sie drei Schritte nach hinten geworfen. Sie hat aber immer wieder die Kraft aufzustehen und weiter voran zu gehen. Eine anspruchsvolle Rolle, die viel fordert, aber auch sehr viel gibt.
Kann man nach Drehschluss diese Figur einfach ablegen?
Jein. In der Vorbereitung geht es ja darum, dass man einen Zugang zu seiner Figur findet. Wenn ich über fünf Monate drehe, will ich das auch nicht einfach abstellen und daher hält man über den ganzen Dreh die Essenz dieser Figur am Köcheln. An Drehtagen kocht das Wasser, an freien Tagen simmert es. Man muss über einen solch langen Zeitraum natürlich auch sein Wochenende genießen können, die Verbindung bleibt aber letztlich immer bestehen. Hart wird es, wenn das Projekt abgedreht ist und man sich Schritt für Schritt von seiner Figur verabschiedet.
Apropos abgedreht. Wo sieht man Nora von Waldstätten nach "Die Tore der Welt"?
Es gibt einige Dinge, die im Raum stehen. Ich möchte wie bisher, den Spagat zwischen Theater, Kino und TV machen. Das Schöne ist, dass sich zurzeit sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten auftun. Momentan darf ich aber noch nicht über ein neues Projekt sprechen, aber ich bin ja auch noch einige Monate mit "Die Tore der Welt" beschäftigt.
Gibt es Schauspielkollegen, an denen Sich sich besonders orientieren?
Wir haben hier eine internationale Produktion, mit internationalen Schauspielern und ich lerne von den vielen unterschiedlichen Charakteren und Mentalitäten fast täglich etwas dazu. Ich gehe gerne ins Kino und sehe mir wahnsinnig viele Filme an. Generell bewundere ich Kollegen wie Nina Hoss oder Corinna Harfouch, die sowohl tolle Persönlichkeiten sind als auch Unglaubliches im Beruf leisten. Als Regisseur würde ich wahnsinnig gerne einmal mit David Fincher zusammenarbeiten.