Norman Jewison


  • Geburtstag
    21.06.1926
  • Geburtsort
    Toronto
 

Der kanadische Regisseur und Produzent Norman Jewison durchlief eine der abwechslungsreichsten Regiekarrieren Hollywoods. Sieben Mal für den Oscar nominiert, gewann er ihn vier Mal. Er inszenierte Komödien, Musicals, Science-Fiction-Filme, politische Satiren, Gerichtsdramen, Gefängnisfilme, Thriller und Western. Seine bekanntesten Filme wurden das Rassismus-Drama "In der Hitze der Nacht" (1967), der fünf Oscars (u.a. bester Film, bester Hauptdarsteller Rod Steiger) erhielt, und die Komödie "Mondsüchtig" (1988), die drei Oscars (u.a. für die Sängerin Cher als beste Hauptdarstellerin gewann).
Jewison wurde 1926 in Toronto geboren, arbeitete auf der Bühne und beim Radio, hielt sich zwei Jahre in Europa auf und arbeitete sieben Jahre für das Fernsehen, wo er sich nach einiger Zeit auf TV-Specials für Stars wie Harry Belafonte oder Judy Garland spezialisierte, deren Shows er auch produzierte. Seinem Regiedebüt 1964 und der Doris-Day-Komödie "Schick mir keine Blumen" folgte 1965 einer der besten Spielerfilme: In "Cincinnati Kid" spielte Steve McQueen einen Kartenhai. Mit McQueen und Faye Dunaway entstand der elegante und erotische Krimi "Thomas Crown ist nicht zu fassen", in dem ein Dieb aus Langeweile von einer Versicherungsagentin gejagt wird. In der politischen Satire "Die Russen kommen, die Russen kommen!" strandet ein sowjetisches U-Boot an der Küste Amerikas und sorgt für Unruhe bei den Provinzlern.
Jewison plädiert für jene Toleranz, die "In der Hitze der Nacht" auszeichnet, in der der schwarze Polizist Virgil Tibbs zur Zeit der Rassenunruhen der 60er ausgerechnet in einem Südstaatenkaff einen Mord klärt. Sidney Poitier führte die Figur des Tibbs in zwei weiteren Filmen fort. Jewison kehrte mit dem Soldatendrama "Sergeant Waters" 1984 und mit der Geschichte des Boxers Ruben "Hurricane" Carter zur Rassenproblematik zurück. Für "Hurricane" wurde Denzel Washington in Berlin 2000 als bester Schauspieler geehrt, nachdem er zuvor den Golden Globe als bester Hauptdarsteller erhalten hatte.
Mit "Anatevka" und "Jesus Christ Superstar", zum Teil in der israelischen Wüste gedreht, entstanden 1971/73 zwei Musicals, mit "Begrabt die Wölfe in der Schlucht" ein Western mit Gregory Peck. Der Science-Fiction-Film "Rollerball" dreht sich um ein Millionenspiel, in "...und Gerechtigkeit für alle" (ver-)zweifelt Al Pacino als Anwalt am Rechtssystem. In dem Gewerkschaftsdrama "F.I.S.T." spielte Sylvester Stallone einen blinden Weltverbesserer, in "Agnes - Engel im Feuer" wird eine labile Novizin zum Spielball divergierender Interessen, und in "Das Geld anderer Leute" geht es um Enteignungen, die die Kehrseite eines gewinnsüchtigen Kapitalismus zeigen. Nach dem für den amerikanischen Sender HBO inszenierten Beziehungsdrama "Dinner with Friends" wendete sich Jewison mit "The Statement" einmal mehr den Themen Schuld und Sühne sowie Täter und Mitläufer zu: Ein ehemaliger französischer Nazi-Handlanger und Scharfrichter (Michael Caine), der friedlich in einem französischen Kloster lebt, wird das Ziel von Killern und Polizeiermittlern, wehrt sich skrupellos und wird dabei von Kirche und Politik gedeckt.
Jewison wurde im Lauf seiner Karriere mit mehreren kanadischen Preisen, darunter dem höchsten zivilen Preis des Landes ausgezeichnet. 1986 gründete er das Canadian Film Centre, das für Nachwuchsfilmer gedacht war und inzwischen Spielfilme produziert. Auf den Filmfestivals von Moskau und Berlin wurde er als bester Regisseur geehrt. 1999 erhielt er den Irving G. Thalberg Award für sein Lebenswerk.

Norman Jewison

  • Geburtstag
    21.06.1926
  • Geburtsort
    Toronto
  • Geburtsland
    Kanada

"Ich bin kein Jammertyp"

Mit "The Statement" kehrt Norman Jewison Themen wie Politik und Verrat zurück. Inspiriert von einer wahren Geschichte, prangert er Teile der katholischen Kirche und der französischen Regierung an, die einen Kriegsverbrecher deckten.

Norman Jewison ist Regisseur und Produzent, um die Kontrolle über seine Filme zu behalten (Foto: Universum (Central)) Großansicht

Norman Jewison ist Regisseur und Produzent, um die Kontrolle über seine Filme zu behalten (Foto: Universum (Central))

» Was gab den Ausschlag, Brian Moores Roman zu verfilmen?

NORMAN JEWISON: Ich mag seine Bücher, vor allem den scharfen Zynismus, den dunklen Blick auf das Leben. Verrat interessiert mich immer. Eine zutiefst menschliche Angelegenheit. Wir fühlen uns immer an irgendeinem Punkt unseres Lebens verraten.

Natürlich geht es auch um Schuld. Der Protagonist war 1944 an der Ermordung von sieben Juden beteiligt und glaubt wie viele Radikale und Fanatiker, Recht zu haben. Er kennt nur die katholische Form von Schuld. Man geht beichten und erhält die Absolution.

Michael Caine ist für Jewison die perfekte Besetzung für den Kriegsverbrecher Pierre Brossard (Foto: Universum (Central)) Großansicht

Michael Caine ist für Jewison die perfekte Besetzung für den Kriegsverbrecher Pierre Brossard (Foto: Universum (Central))

» Warum englische Schauspieler in einem "französischen" Film?

Wenn die Handlung in Europa spielt, finde ich es besser, englische statt amerikanische Schauspieler zu nehmen. Das hat Polanski in "Der Pianist" größtenteils auch getan. Und Michael Caine ist perfekt für die Hauptrolle. Auch das Drehbuch ist von einem Europäer, von Ronald Harwood. Die Sensibilität ist eine andere.

» Wie verliefen die Recherchen in Frankreich?

An der Mauer, wo die Opfer erschossen wurden, steht ein Monument. Aber seltsamerweise erinnerte sich niemand an die Tat, auch die alten Dorfbewohner nicht. Die reinste Verdrängung. Bei den Kirchenoberen war es ähnlich: Augen zu und durch. Aber einige gaben die Schuld und den Antisemitismus der Kirche zu und unterstützten uns beim Dreh. Man darf nicht alle in einen Topf werfen.

Regisseur Jewison gibt letzte Anweisungen am Set (Foto: Universum (Central)) Großansicht

Regisseur Jewison gibt letzte Anweisungen am Set (Foto: Universum (Central))

» Sie gelten als jemand, der keine Kontrolle duldet. Übernehmen Sie deshalb auch den Produzentenjob?

Eine reine Schutzfunktion. Ich will mich keinem Produzenten ausliefern. Meine Filme sehe ich wie ein Maler sein Gemälde; der lässt sich auch keine Farbe vorschreiben. William Wyler, Fred Zinnemann, Billy Wilder - sie alle gaben mir den Rat, selbst zu produzieren. Im Filmgeschäft geht es um Macht und Kontrolle. Wie kann ich Regisseur und Künstler sein, wenn ich mein Werk nicht kontrolliere?

Ich bin kein unverstandener Jammertyp, der herumbettelt und sich beschwert, sondern übernehme Verantwortung. Das habe ich auch Robert Lantos gesagt, der die Rechte am Buch hatte. Wir teilten uns die Produzentenarbeit auf. Er sorgte fürs Geld - eine aufreibende Sache. Kein Studio biss an. Dann hatten wir einen großen kanadischen Verleih im Boot, und der ließ uns zwei Monate vor Produktionsbeginn im Stich.

Bis zur endgültigen Finanzierung dieser im Endeffekt kanadisch-französisch-britischen Koproduktion brauchten wir noch einmal anderthalb Jahre. Dabei betrug das Budget nur etwa 16 Millionen Dollar. Wir haben ziemlich schnell gedreht, waren ständig auf Achse.

Auf der Jagd nach Bossard: Tilda Swinton und Jeremy Northam (Foto: Universum (Central)) Großansicht

Auf der Jagd nach Bossard: Tilda Swinton und Jeremy Northam (Foto: Universum (Central))

» Wie überleben Sie heute als unabhängiger Filmemacher?

Ich arbeite für verschiedene Studios, mir ist egal, wo das Geld herkommt. Weil ich auf dem Final Cut beharre, bin ich natürlich nicht sonderlich beliebt. Es wird immer schwieriger, die Filme zu verwirklichen, die ich machen will. Ich mache Filme für Erwachsene, die Studios konzentrieren sich auf 14- bis 16-jährige Kids und eine Event-Kultur.

Ein Film, der nicht in den ersten zwei Wochen Kasse macht, fliegt gnadenlos aus dem Kino. Und es fehlt an frischen Ideen und Mut. "Dinner with Friends" kostete HBO neun Millionen Dollar; kein Studio konnte sich für die Adaption des mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Stücks erwärmen, trotz Dennis Quaid und Andie MacDowell. Das Projekt sei zu "smart", hieß es.

Manchmal frage ich mich, was diesen dynamischen Studiobossen überhaupt durch den Kopf geht. Erfahrung gilt fast als Stigma. Die Kabelsender bieten inzwischen mehr Chancen für Qualitätsfilme, weil sie von der Werbung nicht so abhängig sind.

Der vom Gewissen geplagte Pierre Bossard (Michael Caine) hofft auf Absolution (Foto: Universum (Central)) Großansicht

Der vom Gewissen geplagte Pierre Bossard (Michael Caine) hofft auf Absolution (Foto: Universum (Central))

» Sie planen ein Remake von "Brot & Tulpen"?

Ich würde sagen, eine eigene Version nahe am Original, mit amerikanischem Touch. Die Hauptfigur geht nach New Orleans statt nach Venedig. Ich liebe die Story und habe Silvio Soldini kontaktiert. MGM finanziert die Entwicklung. Für das Skript konnte ich John Patrick Shanley gewinnen, den Autor von "Mondsüchtig". Ich habe Lust auf eine romantische Komödie.

 

1998
71. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Irving G. Thalberg Memorial Award
 

Filmografie

The Statement

Thriller - Vor 50 Jahren tötete Pierre Brossard (Michael Caine), Mitglied einer geheimnisumwitterten katholischen Sekte, auf Befehl der... Zum Video

2003

Rollerball

Action - Moderne Gladiatoren, u. a. Chris Klein aus "American Pie", riskieren bei der härtesten aller Sportarten Kopf und Knochen, oder... Zum Video

2001
 
Hoch

Rollerball (Action Cult, Uncut)

2018 gibt es keine Kriege und Kriminalität. Konflikte werden mit dem ...


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