Olli Dittrich


  • Geburtstag
    20.11.1956
  • Geburtsort
    Offenbach
 

Deutscher Schauspieler, Komiker, Musiker, Komponist und Autor. Eins der großen deutschen Multitalente, ist Olli Dittrich erfolgreich mit Musikalben mit Wigald Boning als "Die Doofen" und mit der C&W-Gruppe "Texas Lightning". Berühmt-berüchtigt als gnadenloser erfindungsreicher Parodist, karikiert er in verschiedenen TV-Formaten von "RTL Samstag Nacht" bis "Blind Date" und "Dittsche", Talkshows und Interviews, erfindet Kunstfiguren, parodiert Prominente und philosophiert in Monologen absurd bis heiter über Gott und die Welt.
Er war 2006/08 erfolgreicher Werbeträger für die Elektronikwarenkette Media Markt. Dittrich wirkte in Nebenrollen in Komödien mit und fiel 2004 durch die genaue und sensible Darstellung des Propagandaministers Dr. Joseph Goebbels im TV-Historiendrama "Stauffenberg" (ARD, mit Sebastian Koch) auf. Als Gottlieb Daimler, Firmengründer des Automobilunternehmens Daimler-Benz, ist er in "Carl & Berta" (ARD 2011) zu sehen.
In Otto Alexander Jahrreiss' Tragikomödie "Die Relativitätstheorie der Liebe" (2011), wo er und Katja Riemann fünf Großstadt-Paare zwischen Zufall und Schicksal spielen, verkörpern die beiden Schauspieler alle zehn Personen.
Oliver Michael Dittrich, Rufname Olli Dittrich, wurde 1956 in Offenbach am Main als Sohn eines Journalisten und einer Malerin geboren und wuchs in Hamburg-Langenhorn auf, wo er das in "Dittsche" angerissene Milieu arbeitsloser Malocher kennenlernte und selbst erfuhr, was es heißt, ohne Geld zu leben. Von 1975-78 absolvierte er eine Lehre als Theatermaler und schlug parallel eine Laufbahn als Musiker ein.
1977 erschien seine Platte "Ich bin 18" ("Beatles für Arme"), 1982 schloss er sich der Tone Band an und schrieb Songs für James Last, Annette Humpe und Die Prinzen. Er tourte mit "Susis Schlagersextett", spielte Percussion, übernahm die Conférence und veröffentlichte 1989 sein erstes Album "TIM", unternahm Solo-Auftritte und lernte beim Casting für den "Quatsch Comedy Club" Wigald Boning kennen, mit dem er Nonsens-Clips für den Sender Premiere drehte, zur ursprünglichen Besetzung der Sketch-Comedy-Reihe "RTL Samstag Nacht" gehörte und als Schlager-Duo "Die Doofen" die Alben "Lieder, die die Welt nicht braucht" und "Melodien für Melonen" einspielte, die über 1,5 Millionen Tonträger verkauften. Die Hits "Mief" und "Bahia Tropical" belegten 1995/96 Chart-Spitzen.
Bei "RTL Samstag Nacht" (1993-98) erprobte Dittrich die Fähigkeit, in verschiedenste Charaktere und Typen zu schlüpfen, die er ins Absurde übersteigerte. Es entstanden Figuren wie Mike Hansen, Butsche Korn, Hajo Schröder Naumann und Jacques Gelee. Er parodierte Boris Becker, Michael Schumacher, Blümchen, Luciano Pavarotti, Beate Uhse, Lenin und Franz Beckenbauer, den er 2006 im Interview "Was tun, Herr Beckenbauer" (ARD) anlässlich der Fußballweltmeisterschaft parodierte.
Im ZDF erprobte er mit Anke Engelke im Comedy-Format "Blind Date" (zwischen 2000/2005) Improvisationsspiele und solo 2000/01 die Sketche "Olli, Tiere, Sensationen", wo er Personen kreierte, zu denen Dittsche gehörte, der im WDR 2004 sein eigenes Format erhielt. "Dittsche - Das wirklich wahre Leben" (15. Staffel 2011) wird aus dem echten Hamburger Imbiss Eppendorfer Grillstation live übertragen. Im gestreiften Bademantel und in Badelatschen, monologisiert Dittrich mit Wirt Ingo und Stammgast Schildkröte über Aktuelles und deutet die Welt aus der Sicht eines Langzeit-Arbeitslosen mit Sinn für alltägliche Philosophie.
2002 stellte Dittrich mit Bastian Pastewka eine Bühnenshow zusammen und tourte 2003/04 durch Deutschland. 2006 nahm er mit der C&W-Band "Texas Lightning", für die er als Drummer spielte, am Eurovision Song Contest teil und belegte mit dem schwungvollen "No, No, Never" den 15. Platz. Die Band erhielt 2005/06 sieben Gold- und Platin-Awards. 2010 erschien das Album "11 Richtige" mit eigenen Texten und Kompositionen. Zu Dittrichs Filmen gehören Helmut Dietls Satire "Late Show" (Redakteur), "Frau Rettich, die Czerni und ich" (Ehemann von Martina Gedeck) und die Edgar-Wallace-Parodie "Der Wixxer" (Gatte von Anke Engelke).
2011 veröffentlichte Dittrich seine Autobiographie "Das wirklich wahre Leben" (Piper Verlag).
Olli Dittrich wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Unter anderem mit dem Deutschen und Bayerischen Fernsehpreis, Adolf-Grimme-Preis, Goldene Romy, Bambi, DVD-Award, Goldene Kamera und dem Göttinger Elch für sein Gesamtwerk. Im Musikbereich erhielt er Echo, Goldene Europa, Viva Comet, Goldene Stimmgabel (für "Die Doofen") und Golden Reel Award (USA; für "Texas Lightning").

Olli Dittrich

  • Geburtstag
    20.11.1956
  • Geburtsort
    Offenbach
  • Geburtsland
    BRD

"Alle Männer sind Muttersöhnchen"

Otto Alexander Jahrreiss kehrt nach Jahren als Regisseur der Komödie "Die Relativitätstheorie der Liebe" ins Kino zurück. Olli Dittrich und Katja Riemann spielen darin gleich mehrere Rollen. Jahrreis über Testscreenings und den deutschen Film an sich.

In "Die Relativitätstheorie der Liebe" von Otto Alexander Jahrreis spielt sich Olli Dittrich die Seele aus dem Leib - in sechs verschiedenen Rollen! (Foto: Universal) Großansicht

In "Die Relativitätstheorie der Liebe" von Otto Alexander Jahrreis spielt sich Olli Dittrich die Seele aus dem Leib - in sechs verschiedenen Rollen! (Foto: Universal)

Zwei Schauspieler spielen jeweils fünf unterschiedliche Rollen. Ist das nicht ein ziemliches Wagnis?
OTTO ALEXANDER JAHRREISS: Zunächst einmal ja, aber es hat dann doch so gut funktioniert, dass, als Universal das erste Testscreening von "Die Relativitätstheorie der Liebe" abhielt, um herauszufinden, wie der Film ohne Vorkonditionierung des Publikums funktioniert, es viele Zuschauer gar nicht merkten und einige sich danach schüchtern meldeten und glaubten, Olli Dittrich hätte zwei Rollen gespielt. Ich war anfangs gegen so ein unkonditioniertes Testscreening, weil die Verabredung mit dem Publikum später durch das Marketing auch so erfolgen würde, dass man von vornherein weiß, Olli Dittrich und Katja Riemann spielen hier gleich mehrere Rollen. Dieses Konzept soll genau den besonderen Reiz des Films ausmachen.

Gedreht wurde bereits im Herbst 2009. Woran lag es, dass der Film erst im Mai 2011 ins Kino kommt?
Da müsste man die Leute von Universal genauer fragen. Mir gegenüber wurde gesagt, es hätte marktspezifische Gründe. Das heißt, dass Umfeld zu dem eigentlich anvisierten Starttermin war zu voll mit ähnlichen oder zielgruppenrelevanten Filmen. "Die Relativitätstheorie der Liebe" wird jetzt so eingeschätzt, dass der Film wahrscheinlich eine gute Mund-zu-Mund-Propaganda haben und somit über einen längeren Zeitraum sein Geld einspielen wird.

Bereits in der von Ihnen inszenierten Kampagne für Media Markt tauchte Olli Dittrich in verschiedenen Maskeraden auf. Ist daraus die Idee zu einem gemeinsamen Kinofilm entstanden?
So ähnlich, wir hatten uns durch die insgesamt drei Kampagnen kennen und schätzen gelernt. Ich war von seiner schauspielerischen Qualität, im speziellen seiner Verwandlungskunst, die fast schon autistische Züge annehmen kann, so angetan, dass ich dachte, man könnte das vielleicht mal für einen Film nutzen. Es gab zunächst ein paar lose Ideen, bis ich dann eines Tages zufällig Nico Hofmann traf, der auch die Werbekampagnen gesehen hatte und mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, einen Kinofilm mit Olli zu machen. Ich sagte natürlich ja und kam dann relativ schnell mit der Idee, das Konzept der Maskerade nicht nur auf Olli, sondern sozusagen auf den ganze Film anzuwenden und somit einen Reigen für einen Schauspieler und eine Schauspielerin in mehreren Rollen zu entwickeln, also quasi ein bisschen das Theater und seine spezifische Verabredung mit dem Publikum aufs Kino zu übertragen.

Wobei man bei Olli Dittrich gleich an Anke Engelke denkt, mit der er bereits öfters vor die Fernsehkamera getreten ist.
Natürlich trafen wir uns auch mit Anke Engelke, die auch wahnsinnige Lust dazu gehabt hätte. Gleichzeitig diskutierten wir aber auch, ob das nicht zu nah an dem wäre, was das Publikum schon aus dem Fernsehen kennt. All diese Überlegungen erledigten sich dann ganz schnell, als Anke Engelke schwanger wurde und für einen Dreh in 2009 nicht zur Verfügung gestanden hätte.

Und so kam Katja Riemann an Bord?
Ja und auch Nein, denn wir haben schon parallel darüber nachgedacht, welche Schauspielerin noch in Frage kommen könnte. Top of the List war Katja Riemann, die ich über die Jahre, egal was sie spielte, immer wieder großartig fand. Wir trafen uns und von da an war relativ klar, dass sie das auf jeden Fall machen kann. Sie verstand sofort, dass es um mehr geht als sich verschiedene Perücken aufzusetzen. Wie Olli hat auch Katja das besondere Talent, sich in unterschiedlichste Charaktere hineinzuversetzen.

Teilweise sind sowohl Katja Riemann als auch Olli Dittrich mehrmals im Bild zu sehen. Wie groß war der technische und logistische Aufwand für solche Szenen?
Das war natürlich eine Kostenfrage, weshalb es dann gar nicht so umfangreich war, wie ursprünglich mal geplant. Ich hatte Motion Control bereits mehrfach in der Werbung eingesetzt und wusste, dass es technisch machbar, aber auch zeitraubend wäre. Somit mussten wir nach dem Budget entscheiden, wie viele Szenen mit dieser Technik gedreht werden konnten.

Wie teuer war der Film letztendlich?
Das kann der Produzent sicherlich besser beantworten. Ich habe mal etwas von 4,3 Mio. Euro gehört, womit der Film deutlich günstiger als mal geplant war. Wir wissen alle, wo das Problem beim Deutschen Film steckt. Es gibt bedingte Quellen für das Filmemachen, und es gibt bedingte Möglichkeiten, das Geld wieder einzuspielen. Da haben die Amerikaner einen unschätzbaren Vorteil. Ein mutiger Produzent legt dort einfach noch eine Million drauf, und dann hat man einen vernünftigen Film für den Weltmarkt. Aber hierzulande wird ein Film für das gemacht, was unterm Strich zur Verfügung steht - ohne wenn und aber.

Haben Sie schon Projekte, die Sie als nächstes in Angriff nehmen wollen?
Es sind mehrere Sachen in Planung, aber man weiß nie, welcher der nächste Film dann wirklich wird. Es kann sein, dass ich schon im Oktober wieder drehe, vielleicht aber auch erst im nächsten Jahr. Im Moment steht "Ungefilte Fisch" auf der Liste ganz oben, ein zum Teil autobiographischer Film über eine Mutter-Sohn-Beziehung, an dem ich schon seit langem arbeite und der versuchen soll, uns die Frage zu beantworten, warum wir Männer am Ende wahrscheinlich doch alle Muttersöhnchen sind.

 

2009
44. Goldene Kamera
Beste Unterhaltung
2007
8. DVD Champion
Artist Award
2005
41. Adolf Grimme Preis
Darstellung/Idee: Gold (Fiktion & Unterhaltung) - Dittsche
2003
39. Adolf Grimme Preis
Buch/Darstellung (Fiktion & Unterhaltung) - Blind Date
1995
Adolf Grimme Preis
Grimme-Preisträger
 

Filmografie

Die Relativitätstheorie der Liebe

Komödie / Drama - Zehn Großstadtmenschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, auf der Suche nach der idealen Beziehung: Da ist... Zum Video

2011

Otto's Eleven

Komödie - Otto, Pit, Mike, Oskar und Artur sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Die fünf leben zusammen auf der kleinen Insel Spiegeleiland... Zum Video

2010

Same Same But Different

Drama - Ben reist mit seinem Kumpel nach Kambodscha, um dort als Backpacker ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Haschisch und auch ein... Zum Video

2009
 
Hoch

Dittsche: Dittsche Delüxe - Reine Sonder DVD (2 Discs)

Dittsche ist ein schräger Vogel, dürfte aber den meisten Menschen seh...


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