Paul Feig


 

"Bridget Jones 3" hat keinen Regisseur mehr

Zoten und Zombies haben in "Bridget Jones" nur bedingt ihre Daseinsberechtigung.

In "Bridget Jones 3" soll es angeblich um Bridgets Kinderwunsch gehen (Foto: UIP) Großansicht

In "Bridget Jones 3" soll es angeblich um Bridgets Kinderwunsch gehen (Foto: UIP)

"Bridget Jones 3" ist, bevor der Film richtig angelaufen ist, zum Erliegen gekommen. Wir jetzt bekannt wurde, ist Regisseur Paul Feig ("Brautalarm") nicht mehr dabei. Angeblich passte die Kombination eines amerikanischen Regisseurs für eine typisch britische Komödie nicht ins Konzept. Nun ist das Studio auf der Suche nach einem echten Briten, der "Bridget Jones 3" zu ebensolchen Ehren führen wird, wie es seine Vorgänger taten.

Dieser Austausch verzögert zwar den Drehbeginn, ist aber wahrscheinlich eine weise Entscheidung gewesen. Paul Feig wurde zuletzt - und zuerst - berühmt für die Hochzeitskomödie "Brautalarm", in der die Protagonisten ungehindert rülpsen oder gar Därme im Brautmodengeschäft entleeren durften. Beim Publikum kam der derbe Damenklamauk bestens an, doch die "Bridget Jones"-Macher haben Bedenken.

Wer wird Bridget Jones führen?

Denn Witze dieser Art sind natürlich nichts für "Bridget" und finden höchstens Eingang in ihr Tagebuch. Aber auch Feigs frühere Filme, wie die "Kevin allein zu Haus"-Variante "Oh je, du Fröhliche!" oder sein DVD-Werk "Zombie High" aus dem Jahr 1987 scheinen keine idealen Voraussetzungen.

Nun bleibt abzuwarten, wen das Studio für Bridget Jones' dritten Ausflug ins Abenteuer Leben auftreiben kann. Renee Zellweger, Hugh Grant und Colin Firth sind jedenfalls wieder mit dabei und sorgen schon mit ihrer Anwesenheit für Bridget-Feeling.

"Übergeben und kacken ist nicht lustig"

"Brautalarm" ist mit über 150 Mio. Dollar Einspiel mittlerweile die erfolgreichste von Comedy-Koryphäe Judd Apatow produzierte Komödie am US-Boxoffice und überholte auch "Sex and the City" als erfolgreichste Komödie, in der Frauen die tragenden Rollen spielen. Regie führte Paul Feig, der auch als Executive Producer verantwortlich zeichnet.

Regisseur Paul Feig hat von seinen Ladies in der Komödie "Brautalarm" einiges gelernt (Foto: Universal) Großansicht

Regisseur Paul Feig hat von seinen Ladies in der Komödie "Brautalarm" einiges gelernt (Foto: Universal)

Haben Sie mit einem solchen Erfolg gerechnet?
PAUL FEIG: Man hofft natürlich immer auf einen Hit und ist nie von Anfang an überzeugt, dass der Film einschlagen wird. So bin ich positiv überrascht vom Erfolg von "Brautalarm". Insbesondere, weil ich mich während der Vorbereitung und Produktion unter Druck fühlte. Ich dachte mir, wenn wir diesen Film nicht gut hinkriegen, wird Hollywood vielleicht so bald keine Filme mehr drehen, in dem so viele Frauen tragende Rollen haben. Jetzt, wo der Film so erfolgreich ist, bin ich beruhigt.

Dieser Erfolg ist wahrscheinlich erfüllender als in einer Show Geld zu gewinnen, wie Sie es am Anfang ihrer Karriere getan haben?
Ja, nichts ist besser als Erfolg an der Kinokasse zu haben.

Was zieht das Publikum in "Brautalarm"?
Die Leute gehen in den Film, weil sie hören, dass der Film lustig ist, und man wirklich fast die ganze Zeit lachen kann, was nicht unbedingt typisch für Hollywoodkomödien ist. Dass Leute den Film dann auch mögen, liegt vor allem daran, dass er im Kern eine emotionale Geschichte erzählt und dass Kristen Wiig die durchaus nicht ganz einfache Hauptfigur so liebenswert macht. Schließlich und endlich können die Leute einen persönlichen Bezug herstellen.

"Brautalarm" wird gerne mit "Hangover" verglichen. Mögen Sie den Vergleich?
Ich finde der Vergleich stimmt nicht ganz. Zu Anfang hat er mich nicht gestört. Mit einem so erfolgreichen Film verglichen zu werden, ist ja eine gute Sache. Natürlich ist "Brautalarm" wie "Hangover" ein Film über eine Gruppe lustiger Menschen, es wird geheiratet und fast hätte die Junggesellinnenparty auch in Vegas stattgefunden. Aber jetzt mag ich den Vergleich nicht mehr so, weil ich befürchte, dass ein Teil unseres potenziellen Publikums abgeschreckt wird, weil es denkt, dass es ein weiteres "Hangover" zu sehen bekommt. Auf Twitter schreiben viele Kinobesucher schon, dass "Brautalarm" nicht so wie "Hangover" ist. Die Mundpropaganda lief schon sehr gut, deswegen ist "Brautalarm" nach den ersten Wochen auch gar nicht so stark eingebrochen.

Ja, der Film läuft sehr gut, trotz auch zum Teil harscher Kritik. Hat Sie die geärgert?
Ich weiß, es ist kleinlich, und die Mehrheit der Kritiken sind sehr gut, ich glaube "Brautalarm" ist sogar die am besten besprochene Komödie des Jahres, aber die negativen bleiben hängen. Ich habe mich geärgert, war frustriert, dass die Leute den Film nicht verstanden haben. Die Kritik, über die ich mich am meisten geärgert habe, stand in dem kleinen lokalen Blatt aus der Gegend, in der ich lebe. Da hieß es, der Film sei respektlos gegenüber Frauen. Die Besprechung hat unsere Bewertung bei rottentomatoes um ein Prozent heruntergezogen.

Als Sie das Buch gelesen haben, hat Sie die heftige Szene im Brautmodenladen nicht wenigstens ein wenig abgeschreckt?
Diese Szene stand so nicht im Buch, als ich an Bord kam. Tatsächlich war es Judd Apatow, der vorgeschlagen hat, dass die Frauen eine Nahrungsmittelvergiftung kriegen sollten. Und ich dachte, das wird sicher richtig lustig! Wir beide sind also die Übeltäter. Kristen Wiig war am Anfang zwar etwas unsicher wegen der Szene, aber hat sie dann super umgesetzt. Vor Szenen wie diesen habe ich grundsätzlich keine Angst. Meine einzige Sorge ist, kann ich sie gut herüberbringen? Der Schlüssel dazu ist ja nicht, zu zeigen, wie die Frauen sich tatsächlich übergeben und kacken, das wäre nicht lustig, sondern zu zeigen, wie die Frauen damit umgehen. Es ist wirklich lustig, das Publikum bei der Szene zu beobachten.

Haben Sie viele Testscreenings gemacht, um die Reaktionen etwa dazu zu sehen?
Judd Apatow hat dieses System perfektioniert, viele Testscreenings zu machen und die Ergebnisse im Schnitt einzuarbeiten. Anderswo ist es so, dass nach zehn Wochen Schnitt der Film erstmals gescreent wird, hier war es so, dass ich nach drei Wochen schon Material vorgeführt habe und wir geschaut haben, was funktioniert und was nicht.

Sie haben bereits während der Vorbereitung und des Drehs viel improvisiert?
Ja, nachdem Drehbuch und Casting so weit waren, haben wir geprobt, die Schauspielerinnen die Dialoge lesen und verschiedene Ansätze ausprobieren lassen. Sie haben ihre Persönlichkeit eingebracht und den Figuren drei Dimensionen gegeben. Die Ergebnisse flossen in das Drehbuch ein und wir probten noch einmal. Auch am Drehort haben wir noch improvisiert.

Das heißt, Sie haben oft mit zwei Kameras gearbeitet?
Ja, Cross-Shooting ist meine Lieblingsdrehart bei Komödien. Mit zwei Kameras zu drehen, ist unschätzbar, es gibt einfach Momente, die nicht wiederholbar sind.

Ein Teil der Impro gibt es dann auf der DVD zu sehen?
Es wird eine um etwa sechs Minuten längere Extended Version mit einer Szene, wo Kristen Wiigs Figur zu einem Blind Date geht, und einige Entfalle und Outtakes geben. Da sieht man, wie lustig all die Schauspielerinnen wirklich sind, auch die in den kleineren Rollen, es ist ein kleines Showcase für sie alle.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Judd Apatow aus?
Wir sind alte Freunde, ich kenne ihn seit er 17 war. Wir haben zusammen Standup-Comedy in den Achtzigerjahren gemacht. Wir haben einen ähnlichen Sinn für Humor und fürs Geschichtenerzählen. Bei der Serie "Freaks and Geeks" haben wir dann erstmals wieder kreativ zusammengearbeitet. Wir ergänzen uns, des einen Schwäche wird durch des anderen Stärke ausgeglichen, wir fordern uns gegenseitig heraus. Er hat gute Ideen und ich kann sie, auch die ausgefallenen, einbauen.

Mischt er sich viel ein?
So viel ich ihn lasse. Ich schätze seinen Rat, er ist ein toller Geschichtenerzähler und erkennt Probleme. Er vertraut mir. Judd war vielleicht fünf von 50 Drehtagen am Set, rief an und fragte, ob alles okay sei und schaute auch beim Schnitt vorbei.

Wie würden sie Ihren und seinen Komödienstil beschreiben?
Er ist sehr ehrlich. Der Humor entsteht aus menschlichen Geschichten, die sich aus wirklichen Erlebnissen speisen, oder sich zumindest so anfühlen. Wir mögen keine Geschichten, die total verrückt und abgehoben sind, in denen das Publikum nicht nachvollziehen kann, warum die Figuren etwas tun. Nur wenn die Zuschauer sich in die Figuren einfühlen können, entwickelt sich gute Komödie.

Wie war es als Mann unter so vielen Frauen, von denen zwei auch noch das Drehbuch schrieben und mitproduzierten?
Ich habe etwas gelernt. Es war nicht so, dass ich sagte, also Ladies, wir machen jetzt das und das. Ich habe schon gefragt, was würden Frauen jetzt tun? An sich arbeite ich gerne mit Frauen zusammen, ich hatte auch immer mehr weibliche Freunde als männliche. Männer neigen dazu aggressiver zu sein, auch in einer Komödie, Frauen sind eher passiv-aggressiv. Jedenfalls finde ich Frauen lustiger als Männer, sie überraschen mehr, sind nicht ganz so krude. Was besonders angenehm ist, ist, dass Frauen, die Komödie spielen, weniger eitel sind und nicht sagen, ich will nicht von dieser Seite aufgenommen werden oder ähnliches. Komödienschauspielerinnen wollen in erster Linie lustig sein und scheren sich nicht um ihr Aussehen.

Haben Sie ein nächstes gemeinsames Projekt?
Ich habe gerade eine Originalidee an Universal verkauft, das Projekt, eine unkonventionelle Liebesgeschichte, wird wieder Judd Apatow produzieren und wir werden wohl einige Darsteller aus "Brautalarm" casten. Ich schreibe das Drehbuch und hoffe nächsten Sommer zu drehen. Möglicherweise drehe ich diesen Herbst noch eine größere Komödie, wieder geht es um Frauen, ein Sequel, für das die Schauspieler-Verträge aber noch nicht unterschrieben sind.

Ist der nächste Film nach einem Hit nicht besonders schwierig, weil die Erwartungen so hoch sind?
Hmm, wenn man den letzten Film nicht toppt, dann sieht das aus wie Versagen, aber nein, ich finde das ist ein Luxusproblem. Ich schätze eine Herausforderung.

 

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