Peter Gabriel


  • Geburtstag
    13.02.1950
  • Geburtsort
    Cobham, Surrey
 

Der Sänger und Komponist Peter Brian Gabriel kommt am 13. Februar 1950 in Cobham in der englischen Grafschaft Surrey zur Welt. Im Alter von 17 Jahren gründet er zusammen mit Tony Banks, Anthony Phillips und Mike Rutherford Genesis, die sich dank des exzentrischen Auftretens ihres Frontmannes bald zu einer der gefragtesten britischen Gruppen der späten Sechziger und frühen Siebziger entwickeln. 1975 trennt sich Gabriel von der Band und beginnt eine Karriere als Solokünstler. Die ersten vier Alben erscheinen zwischen 1976 und 1980 unter dem schlichten Titel "Peter Gabriel" - als Variationen desselben Grundmusters. Mit Songs wie "Solsbury Hill", "Games Without Frontiers" oder "Biko" gelingen dem oft selbstzweiflerischen Künstler Hits für die breite Masse und ein intellektuelles Zielpublikum gleichermaßen. Unter seinen Gastmusikern finden sich nicht nur King-Crimson-Gitarrist Robert Fripp, sondern auch Genesis-Kumpel Phil Collins, der für den Song "Intruder" seinen synthetischen Schlagzeugsound entwickelt, welcher in den Achtzigern zum Markenzeichen des Trommlers wird. Peter Gabriel ist eben ein Mann der Pioniertaten: 1980 erscheint die dritte LP unter dem Titel "Ein deutsches Album" in entsprechender Übersetzung, bei Album Nummer vier gehört er zu den ersten, die den damals extrem teuren Fairlight-Computer einsetzen. Zum Superstar macht ihn 1986 das mit vier Grammys ausgezeichnete Album "So". Die Single "Sledgehammer" wird, ebenso wie das begleitende Video, zum weltweiten Hit, und auch das Duett mit Kate Bush, "Don't Give Up", findet leicht den Weg in die Rotationen. 1989 erscheint mit "Passion" der Soundtrack zu Martin Scorceses umstrittenen Film "The Last Temptation Of Christ". Das 1992er Album "Us" folgt dem Muster seines Vorängers "So" und enthält mit "Diggin' In The Dirt" wieder einen Smash-Hit. Mitte der Neunziger setzt Gabriel mit der Veröffentlichung aufwendiger Multimedia-CD-ROMs abermals Maßstäbe. 2000 komponiert er die Musik zur Millenium Dome Show in London, bevor er im September 2002 wieder ein neues Album präsentiert: "Up", eine Eigenproduktion Gabriels, wartet mit dunkleren Klängen auf, die an das Werk der späten Siebziger erinnern. Im Jahr 2005 erhält er von der FIFA das Angebot, die Musik zur Eröffnungsshow der Fußball-WM 2006 in Berlin zu komponieren. Das Leben von Peter Gabriel wird bis heute von Musik in all ihren Schattierungen bestimmt: Er ist die treibende Kraft hinter der WOMAD-Bewegung (World Of Music And Dance), Mitbegründer von On Demand Distribution (OD2) und Mudda (Magnificent Union of Digitally Downloading Artists) und hat durch seine Plattenfirma Real auch Musiker wie Nusrat Fateh Ali Khan oder Youssou N'dur in der westlichen Welt bekannt gemacht.

Peter Gabriel

  • Geburtstag
    13.02.1950
  • Geburtsort
    Cobham, Surrey
  • Geburtsland
    Großbritannien
  • Links
    http://www.petergabriel.com

Schummeln im Militärhangar

Der einstige Genesis-Sänger Peter Gabriel, der schon bei Videoclips und CD-ROMs Pionierarbeit geleistet hat, sieht auch in der Musik-DVD ein höchst innovatives Format. Allerdings erkennt der Künstler auch dessen Grenzen; Er widerspricht der weit verbreiteten These, dass die DVD die CD ablösen werde.

Setzte nur einen Teil seiner Visionen auf DVD um: Peter Gabriel Großansicht

Setzte nur einen Teil seiner Visionen auf DVD um: Peter Gabriel

"Ursprünglich wollten wir für die DVD den Multiangle-Aspekt des Mediums nutzen, um die Mehrdimensionalität des Spektakels einzufangen", berichtet Peter Gabriel über seine neue DVD "Growing Up Live".

Doch die Pläne, das in Mailand mitgefilmte Konzert aus mehreren Perspektiven zu zeigen, zerschlugen sich, weil die Speicherkapazität für Gabriels Ansprüche zu gering war: "Wir wollten keine Doppel-DVD produzieren, weil der Zuschauer das Konzert - verteilt auf zwei Discs - nicht als kontinuierliches Erlebnis hätte genießen können. Das Medium DVD bietet schlicht nicht genug Platz, um auf einer einzelnen Disc ein Konzert dieser Länge komplett mit dem Multiangle-Feature auszustatten", ergänzt Hamish Hamilton, der Regisseur des DVD-Projekts.

Deswegen entschieden sich Gabriel und Hamilton, dem Zuschauer einen Konzertfilm in bestechend guter Bild- und Tonqualität zu liefern und nahmen bei der Postproduktion einige nachträgliche Korrekturen vor, wie Gabriel beichtet: "Ich gebe freimütig zu, dass wir bei der musikalischen Leistung und beim Sound geschummelt haben. Mein Gesang ließ mitunter stark zu wünschen übrig."

Hardcore-Fans hätten sich laut Gabriel wohl damit zufrieden gegeben, aber Gabriel wollte mehr: "Wenn man sich mit einer DVD schon im Wohnzimmer der Käufer befindet, sollte man ihnen auch eine künstlerische Leistung bieten, die nicht unter einem gewissen Standard bleibt. Um etwa die richtige Live-Atmosphäre einzufangen, haben wir die Aufnahmen aus Mailand in einem Militärhangar abgespielt und sie mit dem Raumklang des Hangars gemischt."

Genial - und in den Augen des Meisters doch immer noch ein Kompromiss Großansicht

Genial - und in den Augen des Meisters doch immer noch ein Kompromiss

Die Hintertür zum Wohnzimmer

Gabriels Prognosen für die DVD als Format der Zukunft sind vorsichtig, aber optimistisch. Er verweist auf CD-ROMs, die er Anfang der 90er-Jahre produziert hatte, die sich aber nie am Markt etablieren konnten. Dagegen stehe die DVD erst am Anfang ihrer Nutzungsmöglichkeiten, so Gabriel. "Die meisten Konsumenten haben sich die DVD-Hardware für Filme gekauft. Musiker und Künstler können sich quasi über die Hintertüre den Zugang in die Wohnzimmer der Konsumenten ebnen."

Darin sieht der schon immer optisch interessierte Performance-Künstler eine Perspektive, um auch langfristig DVDs beim kreativen Prozess einzusetzen. Er sagt aber auch: "Was mich bislang davon abhielt, stärker mit DVDs und dem 5.1-Surround-Sound zu arbeiten, liegt an technischen wie wirtschaftlichen Gründen. Denn den meisten Konsumenten werden drei gute Lautsprecher für die Front verkauft, aber zwei miserable für die Position hinter dem Rücken." Aber weil sich das langsam verbessere, wolle er in Zukunft seine Audioerzeugnisse in 5.1 abmischen - "zumindest solange, bis das System überholt ist".

Peter Gabriel prophezeit das Überleben beider Formate Großansicht

Peter Gabriel prophezeit das Überleben beider Formate

Parallel-Existenz von CD und DVD

So glaubt der Engländer auch nicht, dass die DVD die herkömmliche Audio-CD ablösen wird. "Wie viele andere höre ich Musik am häufigsten im Auto. Den Wagen zu lenken und gleichzeitig auf einen kleinen Bildschirm zu schauen, stelle ich mir schwierig vor. Deswegen werden beide Medien auch in Zukunft parallel existieren, wenn auch, angesichts der miserablen, finanziellen Situation der Industrie, mit weniger dicken Budgets im Rücken."

Bei der Tour, die der DVD-Produktion zugrunde lag, spielten Budgetprobleme jedoch keine Rolle. In den 32 nordamerikanischen und europäischen Städten mit 45 ausverkauften Konzerten hatte Gabriel zusammen mit dem kanadischen Theaterregisseur Robert Lepage zwei übereinander hängende, hydraulische Rundbühnen konstruiert. Damit setzte der Künstler seine theatralischen Ansätze seiner Genesis-Zeit fort, hat diese aber für das DVD-Zeitalter moduliert: "Als ich Anfang der 70er-Jahre begann, als Blume aufzutreten, muss ich wohl eine gewisse Sucht zur visuellen Umsetzung meiner Songs entwickelt haben. Ich hatte immer das Gefühl, dass man dem Gigantismus großer Rockkonzerte einen visuellen Kontrapunkt gegenüber stellen sollte, der die Emotionalität der Songs verdeutlicht. Das ist uns mit dieser Tour gelungen."

 

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