Pier Paolo Pasolini


  • Geburtstag
    05.03.1922
  • Geburtsort
    Bologna
  • gestorben
    02.11.1975
 

Er gehörte zur Avantgarde der 60er Jahre, erregte mehrfach Skandale mit seinen Filmen, von denen einige auch verboten wurden. Er schuf eine neue Filmsprache und wurde unter ungeklärten Umständen am Strand von Ostia von seinem homosexuellen Liebhaber ermordet. Pier Paolo Pasolini (1922 - 1975) war in Italien bereits als Lyriker, Romancier und streitbarer Publizist bekannt, der sich zu sozialistischen Ideen bekannte, aber die kommunistische Bewegung gleichermaßen entschieden kritisierte, als er sich 1960 mit dem Film eine neue Sprache erschloss. Sein Debütfilm "Accatone", die Geschichte eines Zuhälters aus den römischen Vorstädten, ist zur Musik von Bach wie eine Passionsgeschichte inszeniert. "Mamma Roma", mit Anna Magnani als lebensfroher Hure, greift das Thema der Unterprivilegierten erneut auf und ist mit Pasolinis Kritik an der Konsumwelt des Kapitalismus gekoppelt. Seine Bibelfilm-Satire "Der Weichkäse" (1962, mit Orson Welles in der Rolle des Regisseurs) wurde wegen Blasphemie verboten, dagegen gilt sein "Das Erste Evangelium Matthäus" als beste Bibel-Verfilmung überhaupt. Pasolini inszenierte keine frommen Votivbilder, sondern besetzte die Geschichte mit Laien aus dem Süden Italiens und deutete Jesus als Sozialrevolutionär. In seiner Satire "Große Vögel, kleine Vögel" (1966) wandern zwei Landstreicher durch Italien und diskutieren mit einem sprechenden Raben über Weltanschauungen, bis sie den den Kommunismus vertretenden Vogel am Spieß braten. Sein "Teorema" (1968, mit Terence Stamp), einer der meistdiskutierten Filme der 60er Jahre, zeigt, wie ein stummer Fremder das Leben einer großbürgerlichen Familie mit sexueller Freiheit revolutioniert. Pasolini inszenierte an Schauplätzen in Afrika und Vorderasien mythologische Stoffe ("König Ödipus", "Medea", mit der Opernsängerin Maria Callas in der Titelrolle), die ihre Parallelen zur Dritten-Welt-Problematik und ihre thematische Universalität zeigen. Mit "Decamerone", "Canterbury Tales" und "Erotische Geschichten aus 1001 Nacht" entstand die "Trilogie des Lebens", teils derb-drastische, teils poetische und vor allem im dritten Teil ästhetisch außergewöhnliche Feiern menschlicher Erotik und Sexualität. Kurz nach der Fertigstellung seines letzten Films, "Salo oder die 120 Tage von Sodom", der die Vorlage des Marquis de Sade in eine faschistische Republik während des Zweiten Weltkriegs versetzt und in Anlehnung an Dante die Höllenkreise menschlicher Demütigungen und Grausamkeiten präsentiert und in Italien über zwanzig Jahre verboten war (in anderen Ländern wie Deutschland bis heute), wurde Pasolini ermordet. Eine Rezeption seines auch literarischen Werkes, seiner theoretischen Schriften und seiner journalistischen Arbeiten setzte erst nach seinem Tode ein. Sein zunächst vergessenes Werk wird seit den 90er Jahren wiederentdeckt.

Pier Paolo Pasolini

  • Geburtstag
    05.03.1922
  • Geburtsort
    Bologna
  • Geburtsland
    Italien

"Sodom" zu pornographisch

Obwohl die sexuelle Befreiung in den 70er Jahren im vollen Gange war, war die Menschheit noch nicht bereit für ein filmisches Werk des italienischen Meisters.

Nackte Haut und rohe Gewalt brachten "Die 120 Tage von Sodom" in die Kritik (Foto: Alamode Film) Großansicht

Nackte Haut und rohe Gewalt brachten "Die 120 Tage von Sodom" in die Kritik (Foto: Alamode Film)

In "Die 120 Tage von Sodom" stellte Pier Paolo Pasolini unverblümt Sex, Vergewaltigung, Folter und Mord dar - und erregte damit aufs Heftigste die Gemüter. Am 24. Februar 1976 wurde der Film in Deutschland vom Amtsgericht Saarbrücken beschlagnahmt und durfte nicht gezeigt werden, andere Länder zogen dieselben Konsequenzen.

Dabei wollte Pasolini in seinem letzten Werk die Parallelen des italienischen Faschismus zu den Aufzeichnungen des Marquis de Sade aufzeigen. Die Diskussionen über das Ergebnis bekam der Schöpfer jedoch nicht mehr mit. Er wurde zwei Tage nach der Uraufführung von "Die 120 Tage von Sodom" ermordet.

 

Filmografie

kino.de
1981
kino.de

Die 120 Tage von Sodom

Drama - 1944 in Norditalien. In der von Nazi-Gnaden autonomen Republik Salo treffen sich vier faschistische Würdenträger auf einem... Zum Film

1975

Erotische Geschichten aus 1001 Nacht

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1973

Pasolinis tolldreiste Geschichten

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1972

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Decameron

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