Régis Wargnier


 

Pygmäen-Stamm eröffnet Berlinale

Ein bisschen Sternenglanz aus den Hügeln Hollywoods sollte nach Berlin herabregnen.

Freut sich auf Berlin: Joseph Fiennes (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Freut sich auf Berlin: Joseph Fiennes (Foto: Kurt Krieger)

2003 hatte sich der Traum vom US-Glamour noch erfüllt: Das Musical-Spektakel "Chicago" lockte wie geplant die Superstars Renée Zellweger, Catherine Zeta-Jones nebst Gatte Michael Douglas und Richard Gere an die Spree.

Doch 2004 flatterten Festival-Chef Dieter Kosslick stattdessen kurzfristige Absagen von Nicole Kidman und Jude Law auf den Schreibtisch. Die beiden Weltstars waren der Hauptgrund gewesen, das langatmige Drama "Unterwegs nach Cold Mountain" über den US-Bürgerkrieg zum Eröffnungsfilm zu küren.

Aus Schaden klug geworden, will sich der Berlinale-Leiter nun offensichtlich nicht mehr von launischen Diven abhängig machen: Am 10. Februar 2005 wird das französische Ethno-Drama "Man to Man" zum Festivalstart seine Weltpremiere feiern.

Vom Versuchstier zur Herzdame

Mit den Hauptdarstellern Joseph Fiennes - zuletzt als "Luther" zu sehen - und Kristin Scott Thomas kommen zwar bekannte Namen an die Spree, aber keine wirklichen Superstars. Dafür gilt der Film selbst schon jetzt als Meisterwerk:

Der Forscher Jamie Dodd (Fiennes) reist im 19. Jahrhundert in den Kongo. Er sucht das fehlende Bindeglied in der Evolution vom Affen zum Menschen. Als er sich plötzlich einem Pygmäen-Stamm gegenüber sieht, glaubt er sich am Ziel seiner Träume. Er lässt einige der zwergenhaften Erscheinungen in sein schottisches Landhaus bringen, um sie zu studieren.

Doch die vermeintlichen Halbtiere erweisen sich als menschlicher denn gedacht - und Dodd verstrickt sich bald in eine Beziehung zu einer Pygmäen-Frau. Der unvermeidliche Skandal schlägt hohe Wellen und stürzt Dodd in eine schwere Lebenskrise.

Regie führt Régis Wargnier, der 1992 für "Indochine" mit Cathérine Deneuve als bekehrter Kolonialherrin einen Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film gewann. "Man to Man" ist Wargniers erste Arbeit auf Englisch: "Er stellt große philosophische Fragen, funktioniert aber auch als Abenteuerfilm", beschreibt der Regisseur sein Werk. "Ich möchte Filme machen, die bleiben", so sein Anspruch.

1987
12. César-Verleihung
Bestes Erstlingswerk - Die Frau meines Lebens
 

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