Rudolf Thome


  • Geburtstag
    14.11.1939
  • Geburtsort
    Wallau a. d. Lahn
ohne Abbildung
 

Man hat ihn wegen der dialogischen Reflexionen und einfachen Geschichten über die Liebe den "deutschen Eric Rohmer" genannt, aber das trifft auf den Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten Rudolf Thome nur teilweise zu. Seine Filme sind Low-Budget-Arbeiten, die Schauspieler dürfen bei festgelegter Handlung und Situation Dialoge improvisieren, aber im Gegensatz zur philosophisch grundierten Stimmung Rohmers geht Thome spielerisch und freier vor, ist im Dialog alltagsnah, lakonisch, entspannt. Das stammt von seinem erklärten Vorbild, dem Regisseur Howard Hawks, mit dem er lineare, ökonomische und flüssige Erzählweise teilt, und aus biographischen Erfahrungen. Thomes Filme sind Frauenfilme, selbst wenn ein Mann im Mittelpunkt steht, weil er in Frauen die Möglichkeit angelegt sieht, das zu realisieren, was als zärtliche Utopie der Familie ein weiteres zentrales Thema ist: Familie im Sinn von Geborgenheit und Gemeinschaft, in der das Paradies aus einer Gruppe selbstbestimmter Individuen in frei gewählten Bindungen besteht. Seine Filme sind Sommerfilme, immer in dieser Jahreszeit angesiedelt, oft an Seen und in lichten Wäldern spielend und mit der Metapher der im Wind zitternden Blätter spielend.
Rudolf Thome wurde 1939 in Wallau an der Lahn (heute: Biedenkopf) als Sohn eines Buchhändlers geboren, studierte in Bonn und München Germanistik und Geschichte und war Filmkritiker für den Bonner Generalanzeiger, die Süddeutsche Zeitung, die Filmkritik und den Tagesspiegel (Berlin). Er begann in München 1964 mit Kurzfilmen die ironische Titel tragen wie "Jane erschießt John, weil er sie mit Ann betrügt". Aus Liebe zum amerikanischen Gangsterfilm entsteht 1968 sein erster Spielfilm "Detektive" in Scope und Schwarzweiß und mit Thomes Lieblingsschauspieler Marquard Bohm. "Rote Sonne" wird 1969 ein Zentralwerk der European Sixties: Eine Frauen-WG lockt Männer an und erschießt sie, sobald sie ihre Funktion erfüllt haben. In beiden Filmen standen die damals berühmte Kommunardin Uschi Obermeier und Iris Berben, die in "Supergirl" Hauptdarstellerin wurde, erstmals vor der Kamera.
Anfang der 70er zieht Thome nach Berlin, filmt Beziehungskisten wie "Made in Germany und USA", gründet 1977 die Produktionsfirma Moana-Film (nach dem Dokumentarfilm von Robert Flaherty) und dreht mit "Beschreibung einer Insel" auf der Südseeinsel Ureparapara einen ethnographischen Film. Mit "Berlin Chamissoplatz" meldet er sich 1980 zurück und hat seinen Stil der relaxten Beobachtung verliebter Männer und Frauen in Städte- und Sommerlandschaften gefunden. Hauptdarsteller Hanns Zischler tritt in Thomes Krimivariation "System ohne Schatten" (1983), der freien Version von Goethes "Wahlverwandtschaften", in "Tarot" (1985) und in "Paradiso - Sieben Tage mit sieben Frauen" (Berlinale 2000: Silberner Bär für das Darstellerensemble) auf. 1993 gründet Thome den Verleih Prometheus. Er schreibt die Texte für die Pressearbeit selbst.
1987 beginnt Thome den Zyklus "Formen der Liebe", zu dem "Das Mikroskop", "Der Philosoph" (FIPRESCI-Preis 1989) und "7 Frauen" gehören. Auch Filme wie die Science-Fiction-Romanze "Tigerstreifenbaby wartet auf Tarzan", die allegorisch angehauchte "Sonnengöttin", die Ehestudie "Just Married", die Liebesaffäre "Venus.de - Die bewegte Frau" oder die Lebenskrise einer 50-jährigen Architektin (Hannelore Elsner) in "Rot und Blau" (2003) gehören zum typischen Themen- und Motivkreis Thomes. Ebenfalls mit der in den letzten Jahren zu seiner Stammdarstellerin avancierten Hannelore Elsner drehte Thome 2006 "Du hast gesagt, dass du mich liebst", die Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann und einer wesentlich älteren Frau.

Rudolf Thome

  • Geburtstag
    14.11.1939
  • Geburtsort
    Wallau a. d. Lahn
  • Geburtsland
    Deutschland

68er-Kult mit Uschi Obermaier

"Das wilde Leben", die Verfilmung des Lebens der Uschi Obermaier, startet am 1. Februar im Kino. Doch die 68er-Ikone kann man auch selbst in einer Hauptrolle bewundern: als tödliche Powerfrau in "Rote Sonne".

"Rote Sonne": Ikone Uschi Obermaier in ihrer einzigen Hauptrolle Großansicht

"Rote Sonne": Ikone Uschi Obermaier in ihrer einzigen Hauptrolle

Uschi Obermaier: Model, Musikerin und erstes deutsches Groupie. Als Mitglied der Berliner Kommune 1, war das Leben des aus München stammenden 68er-Sexsymbols vor allem frei von Konventionen und Zwängen. Ihrer Autobiografie zufolge beglückte sie mit Mick Jagger und Keith Richards die Hälfte der Rolling Stones im Bett, bevor sie Freundin von Rainer Langhans wurde und später mit der Hamburger Kiezgröße Dieter Bockhorn echte Liebe fand - die allerdings nach zehn Jahren mit dem tödlichen Unfall ihres Mannes tragisch endete. Das alles ist längst ein Stück deutsche Zeitgeschichte, fast schon Legende. Regisseur Achim Bornhak setzte der 68er-Ikone jetzt mit dem Film "Das wilde Leben" ein Denkmal, ab 1. Februar kann man ihre Lebensgeschichte im Kino betrachten.

Wer statt Schauspielerin Natalia Avelon als wilde Schönheit lieber die echte Uschi Obermaier sehen möchte, kann das in der Thriller-Komödie "Rote Sonne". Das beeindruckend schön gefilmte Werk von Regisseur Rudolf Thome erzählt die Geschichte einer Frauen-WG in den späten 60ern - mit der kleinen Angewohnheit, sich unerwünschter Männer mittels Mord zu entledigen. Die Verkörperung der Disco-Queen Peggy sollte gleichzeitig Uschi Obermaiers einzige Hauptrolle sein. Sicher nicht mangels Talent - der italienische Produzent Carlo Ponti hatte ihr einen Zehn-Jahres-Vetrag über zehn Filme angeboten. Doch die umworbene Schöne lehnte ab. Uschi Obermaier hatte kein Interesse daran, andere zu verkörpern - sie wollte vor allem sie selbst sein.

 

 

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