"Keine Scheu bei den Sexszenen"
Nach "Billy Elliot" und "The Hours" wagte sich Stephen Daldry an die Bestsellerverfilmung "Der Vorleser" und präsentierte die Geschichte einer verstörenden Liebe außer Wettbewerb auf der Berlinale. Das Drama über Schuld und seine Bewältigung war für fünf Oscars nominiert, darunter für die beste Regie.
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Ungleiches Paar: Kate Winslet und David Kross in "Der Vorleser" (Foto: Senator)
Ungleiches Paar: Kate Winslet und David Kross in "Der Vorleser" (Foto: Senator)
» Was bedeutete für Sie die Teilnahme an der Berlinale?
STEPHEN DALDRY: Ich habe eine enge Beziehung zu der Stadt, man spürt die Vergangenheit an jeder Ecke. Das Nachkriegsdeutschland interessiert mich schon lange. Als Junge war ich im Schüleraustausch in Deutschland, später habe ich eng mit der jetzigen Schaubühne zusammengearbeitet. Der Drehbuchautor David Hare und ich verbrachten bei diesem Projekt so viel Zeit in Berlin, dass wir ein Theaterstück mit dem Titel "Berlin" geschrieben haben, das vor kurzem in London Premiere gefeiert hat.
» Warum haben Sie die chronologische Erzählweise des Buches durch ein Spiel mit verschiedenen Zeitebenen ersetzt?
Wir wollten keinen unsichtbaren Erzähler wie in vielen Romanadaptionen, keine Eins-zu-eins-Umsetzung der literarischen Vorlage, sondern einen Film, basierend auf Bernhard Schlinks Roman, eine ziemliche Verantwortung. Durch die Zeitsprünge kann der Zuschauer die Figuren von den Fünzigern bis in die Neunziger und zurück verfolgen. Schlink und Hare haben eng zusammengearbeitet.
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Der Engländer Stephen Daldry verarbeitet in "Der Vorleser" ein Stück deutscher Geschichte und wurde dafür für den Oscar nominiert (Foto: Senator)
Der Engländer Stephen Daldry verarbeitet in "Der Vorleser" ein Stück deutscher Geschichte und wurde dafür für den Oscar nominiert (Foto: Senator)
» Wie führten Sie den jungen David Kross an die Sexszenen mit Kate Winslet heran?
David Kross war schon sehr nervös bei dieser Herausforderung, ich glaube, er hat das Zeug zum Superstar. Kate Winslet kümmerte sich rührend um ihn und half ihm, seine mögliche Scheu zu überwinden. Bei diesem Thema wollte ich unbedingt so viele deutsche Schauspieler engagieren wie möglich und mit einer deutschen Crew arbeiten. In Ihrem Land gibt es die tollsten Schauspieler.
» Wie kam es zur Besetzung mit Kate Winslet und Ralph Fiennes?
Die beiden waren meine erste Wahl, sie verfügen über eine große Stärke. Nicole Kidman kam ins Gespräch, weil Kate anfangs nicht verfügbar war, dann wurde Nicole schwanger, und durch die Verschiebung des Projekts klappte es dann doch mit Kate. Ich bin sehr froh darüber, sie hat ein sehr breites emotionales Spektrum, die wichtigste Voraussetzung für die Rolle der Hanna Schmitz.