Todd Haynes


  • Geburtstag
    02.01.1961
  • Geburtsort
    Los Angeles, Kalifornien

Todd Haynes


  • Geburtstag
    02.01.1961
  • Geburtsort
    Los Angeles, Kalifornien
 

Der amerikanische Independent-Regisseur Todd Haynes wurde 1961 in Los Angeles geboren und machte sich als Kurzfilmer in der Untergrundszene von New York einen Namen ("Sex Shop", "Superstar"). 1991 debütierte er als Spielfilmregisseur mit "Poison", der nach Motiven des in der Szene verehrten Kultautors Jean Genet drei kurze Episoden über Menschen in Grenzsituationen koppelt: Ein siebenjähriger Vatermörder, ein Wissenschaftler, der an einer selbstverschuldeten Krankheit stirbt, und ein homosexueller Gefangener, der sich wie in Genets "Un chant d'amour", dem die Filme stilistisch verpflichtet sind, in einen anderen Gefangenen verliebt.
1997 entstand mit "Velvet Goldmine" ein bizarres, wüstes und provokantes Bild der Jahre des britischen Glam Rock, in dem Ewan McGregor einen verschwundenen Rock-Star spielte, der als Mischung aus Iggy Pop, Jim Morrison und David Bowie angelegt ist. In der Rahmenhandlung sucht ein Journalist den Star und erinnert sich an seine eigene Vergangenheit in den frühen 70er Jahren. Der Soundtrack des Films wurde noch populärer als der Film, der mit so schönen Inszenierungen wie der falschen eigenen Ermordung McGregors aufwartet.
Nach vierjähriger Pause meldete sich Haynes 2002 mit "Dem Himmel so fern", einer Hommage an die Dramen von Douglas Sirk, zurück: Eine brilliant aufgelegte Julianne Moore, die für ihre Rolle bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet und für den Oscar nominiert wurde, spielt die gutsituierte Hausfrau Cathy, die 1957 Freundschaft mit dem farbigen Gärtner Raymond (Dennis Haysbert) schliesst. Während sie zunehmend seinem Charme verfällt, lebt ihr Ehemann seine heimliche Sexualität in einschlägigen Clubs aus. Die gesellschaftliche Katastrophe bleibt nicht aus... Traumwandlerisch sicher inszeniert, besticht das Drama nicht zuletzt durch seine makellosen Bilder, für die Kameramann Edward Lachman ebenfalls in Venedig prämiert wurde und auch eine Oscar-Nominierung erhielt - wie Haynes selbst für das Drehbuch und Elmer Bernstein für die Musik.
Nach erneuter Pause war Haynes 2006 in zwei Filmen als ausführender Produzent tätig: In dem auf dem Sundance Filmfestival mit dem Grand Jury Prize ausgezeichnetem Drama um ein minderjähriges schwangere Mädchen "Quinceañera", und in "Old Joy", einem Film über zwei Freunde, die sich nach langer Zeit wiedersehen und einen Ausflug in die Berge von Oregon machen. Dass er auch als Regisseur überaus erfolgreich sein kann, stellte er 2007 mit "I'm Not There" unter Beweis. Im Gegensatz zu herkömmlichen Biopics bringt er das Phänomen Bob Dylan ohne Erzählung im chronologischen Sinne, ohne Anekdoten über bestimmte Songs auf die Leinwand, sondern lässt den vielschichtigen Sänger durch sieben verschiedene Schauspieler darstellen. Dieser Ansatz und seine Umsetzung brachte Haynes den Special Jury Prize in Venedig und den Robert Altman Award ein.

Todd Haynes

  • Geburtstag
    02.01.1961
  • Geburtsort
    Los Angeles, Kalifornien
  • Geburtsland
    USA

Singend durch den Drogensumpf

Sex, Drugs and Rock'n'Roll: Was heute nicht mal mehr Klischee, sondern häufig nur noch Wunschdenken ist, war noch vor dreißig Jahren "business as usual" in der Musikbranche. Der bewusstseinserweiternde Stoff, aus dem die Träume alter Ikonen entsprangen, liefert heute den Stoff für Blockbuster. Hollywood hat ein neues Lieblingsgenre entdeckt: Biopics über drogen-gebeutelte Musiklegenden.

Frappierende Ähnlichkeit: Joaquin Phoenix spielt Johnny Cash (Foto: Buena Vista/Universal) Großansicht

Frappierende Ähnlichkeit: Joaquin Phoenix spielt Johnny Cash (Foto: Buena Vista/Universal)

Den Auftakt für die Serie der diesjährigen Musiker-Biografien liefert Joaquin Phoenix mit seinem Porträt der Countrylegende Johnny Cash: Die Dreharbeiten zu "Walk the Line" sind abgeschlossen, derzeit erhält der Film den letzten Schliff.

Inhaltlich geht es, wie in fast allen anderen Biopics aus dem Musikbereich auch, um Karriere und Drogenmissbrauch, um Höhen und Tiefen.

"Walk the line" setzt zu Beginn von Cashs' Durchbruch in Memphis ein, kurz bevor sich der "Man in Black" mit Luther Perkins und Marshall Grant zu den "Tenessee Threes" zusammenschließt. Sein Werdegang zum Hoffnungssymbol einer aufstrebenden Nation wird zu sehen sein, ebenso wie die selbstzerstörerischen Exzesse und die einsetzende Läuterung durch seine spätere Frau June Carter Cash (Reese Witherspoon). "T 1000" Robert Patrick und Countrysängerin Shelby Lynne spielen Cash's Eltern, dirigiert werden sie von "Identity"-Regisseur James Mangold.

Kennt sich spätestens seit "Bridget Jones - Am Rande dess Wahnsinns" mit Drogen aus: Renée Zellweger (Foto: UIP) Großansicht

Kennt sich spätestens seit "Bridget Jones - Am Rande dess Wahnsinns" mit Drogen aus: Renée Zellweger (Foto: UIP)

Whiskey zum Frühstück

Bereits zum zweiten Mal verfilmt wird das Leben des "Incredible Singin' Chick" Janis Joplin. Ende der Siebziger wurde der viel zu jung verstorbenen "Pearl" ein schief gebautes filmisches Denkmal gesetzt: Bette Midler spielte in "The Rose" ein an Heulkrämpfen, Alkohol und Plattitüden erstickendes Abziehbild der im wahren Leben extrem vielschichtigen Blues-Sängerin.

Vielleicht schafft es ja Renée Zellweger, der manisch an ihrem eigenen Grab schaufelnden Exzentrikerin gerecht zu werden. Immerhin: Beider Wurzeln liegen in Texas, einem Bundestaat, der seinen Kindern raue Stimmen in die Wiege zu legen scheint. Und seit "Chicago" weiß man, dass die Oscargewinnerin auch singen kann. Zweifelsohne wird sich Zellweger in "Piece of my heart" die Seele aus dem Leib spielen und schreien.

Da schau her: Mick Jagger reist zurück in die wilden Siebziger (Foto: EMI) Großansicht

Da schau her: Mick Jagger reist zurück in die wilden Siebziger (Foto: EMI)

Steiniger Abgang

Ein Jahr bevor Janis Joplin an einer Überdosis Heroin verstarb, wurde ein heute fast vergessener Musiker tot aufgefunden: Brian Jones, Gründungsmitglied und ehemaliger Rhythmusgitarrist der Rolling Stones, trieb leblos in seinem Swimmingpool. Wie Joplin, Jimi Hendrix und Jim Morrison wurde er nur 27 Jahre alt.

Regieneuling Stephen Woolley, bislang bekannt als Produzent von "Michael Collins" oder "Interview mit einem Vampir", will mit "The wild and wycked world of Brian Jones" die Erinnerung an den Multiinstrumentalisten wach halten. Leo Gregory spielt die Hauptrolle, der noch ebenso unbekannte Luke de Woolfson mimt Großmaul Mick Jagger. Im Blick behalten sollte man den Darsteller von Keith Richards: Der Stones-Leadgitarrist wird von Ben Whishaw dargestellt, dem in Großbritannien derzeit die Theaterkritiker zu Füßen liegen.

Zumindest die Frisur ist ähnlich: Beyoncé Knowles und Bob Dylan (Foto: Warner/Sony) Großansicht

Zumindest die Frisur ist ähnlich: Beyoncé Knowles und Bob Dylan (Foto: Warner/Sony)

Identitätsspaltung

Geplant, aber noch weit entfernt vom Produktionsbeginn, ist das Biopic über Folk-Legende Bob Dylan. Regisseur Todd Haynes, der schon mit "Velvet Goldmine" in drogengeschwängerten Sphären wanderte, hat kürzlich bekannt gegeben, dass ihm sieben Hauptdarsteller für die Rolle des singenden Gitarrenschrammlers vorschweben. Er will aber nicht unter ihnen auswählen, sondern sie im Wechsel auftreten lassen: Auf diese Weise will er die Vielschichtigkeit von Dylans Person zeigen.

Sechs männliche Dylans möchte Haynes. Nummer sieben soll eine Frau sein. Mit afro-amerikanischen Wurzeln. Wunschkandidaten gibt es insgesamt drei: Die Hobby-Schauspielerinnen Beyoncé Knowles und Oprah Winfrey sowie Tennis-Wuchtbrumme Venus Williams. Der Titel des Machwerks: "I'm not there: Suppositions on a film concerning Dylan".

Kurzsichtig, aber ausgestattet mit musischer Weitsicht: Elton John, demnächst verkörpert von Justin Timberlake (Foto: Universal/BMG) Großansicht

Kurzsichtig, aber ausgestattet mit musischer Weitsicht: Elton John, demnächst verkörpert von Justin Timberlake (Foto: Universal/BMG)

Addierte Exzesse

Ebenfalls noch nicht ganz spruchreif, aber vermutlich leichter umzusetzen, ist die Verfilmung von Sir Elton Johns ausschweifendem Leben. Auch hier ist die Besetzungsliste noch unvollständig - der wichtigste Part allerdings ist vergeben: Justin Timberlake darf sich die ausgefallene Brillenkollektion des Pianospielers auf die Nase setzen.

Bedingung für sein Mitwirken war, dass das Biopic nicht zu seicht ausfällt. Auf Timberlakes Einwände hin wurde das Drehbuch umgeschrieben: Homosexualität und Drogenkonsum stehen nun annähernd gleichwertig neben dem dritten großen Thema, der Musik. Einen Titel gibt es noch nicht.

Düsteres Wesen: Jude Law in "Die Weisheit der Krokodile" (Foto: Arthaus) Großansicht

Düsteres Wesen: Jude Law in "Die Weisheit der Krokodile" (Foto: Arthaus)

Tragische Kultfigur

Endlich Formen anzunehmen scheint nun auch das lang geplante Biopic über Ian Curtis, den im Alter von nur 23 Jahren verstorbenen Frontmann der Band Joy Division. Weil der epilepsiekranke Sänger Selbstmord beging, wird sich der Film wahrscheinlich mit den verschiedenen Suizid-Theorien auseinandersetzen, die sich um seine Person ranken.

Starfotograf Anton Corbijn wird für das Projekt erstmals Regie bei einem Spielfilm führen. Ob Jude Law tatsächlich die Hauptrolle spielen wird, ist indes noch nicht bestätigt. Im vergangenen Jahr war Law als Darsteller für eine andere Curtis-Biografie im Gespräch. Dieses scheiterte allerdings - mutmaßlich am Widerstand von Curtis' Familie.

Auf zwei Musiker-Epen freuen wir uns aber ganz besonders: Gus Van Sant stürzt sich demnächst ins musische Nirvana. Angelehnt an Grunge-Ikone Kurt Cobain wird "Träumer" Michael Pitt das Seattle der Neunziger wieder aufleben lassen. Und Johnny Depp liebäugelt mit einem Biopic über Ozzy Osbourne - mit sich selbst in der Hauptrolle, versteht sich.

Und was wird Ozzy dazu sagen? "Rock'n'Roll!!!!"

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