Ulli Lommel


  • Geburtstag
    21.12.1944
  • Geburtsort
    Zielenzig
 

In seinen Anfangsjahren als Darsteller eng mit Rainer Werner Fassbinder verbunden, gelang Ulli Lommel in den 80er- und 90er-Jahren eine zweite Karriere in den USA, wo er als Regisseur Low-Budget-Genrefilme inszenierte. Im Debütfilm von RWF ist Lommel cooler eleganter Gangster im Trenchcoat mit schönen traurigen Augen ("Liebe ist kälter als der Tod"), der sich an Alain Delons "Der eiskalte Engel" orientiert. Lommels Personen in den Filmen von RWF sind Schauspieler, schwule Cowboys, Gauner, Aufnahmeleiter und in Lommels bekanntester Rolle der Major Crampas, Geliebter von "Effi Briest" (1974). Lommel arbeitet für RWF hinter der Kamera in mehreren Funktionen und spielte unter anderen deutschen Regisseuren, so als Liebhaber in Robert van Ackerens "Harlis".
RWF ermöglicht Lommel, dessen erster Spielfilm "Tödlicher Poker" unvollendet bleibt, die erste Regie. Nach einem Drehbuch von Kurt Raab entsteht 1972 "Die Zärtlichkeit der Wölfe", die Geschichte des Massenmörders Fritz Harmann. In "Adolf und Marlene" arrangiert Lommel eine kurze fiktive Begegnung zwischen Hitler und Marlene Dietrich. Bei den Dreharbeiten von RWFs "Chinesisches Roulette" lernt Lommel 1976 Jean-Luc Godards Ex-Frau Anna Karina kennen, mit der er einige Jahre lebt und die kuriose Komödie "Ausgerechnet Bananen" (1980) inszeniert, in der Karina an einem Zirkus-Schimpansen Gefallen findet. 1978 lernt Lommel in Montreal Andy Warhol kennen und beginnt, in den USA B- und C-Movies zu inszenieren, die um Mord, Horror, Action und Autoklau kreisen ("Overkill", "The Boogey Man", "Brain Waves", "The Big Sweat").
Lommel wurde 1944 in Zielenzig (heute Sulecin in Polen) geboren und trat mit vier Jahren mit seinem Vater auf der Bühne auf. Er erhielt 1961 ein Stipendium an der Ufa-Nachwuchsschule und war 1964 in Russ Meyers "Fanny Hill" einer der Kunden der Edelprostituierten. Lommel war mit der Schauspielerin Katrin Schaake verheiratet, mit der reichen Erbin Suzanna Love, die in einigen seiner US-Filme auftrat, und mit Cookie Amerson.

Ulli Lommel

  • Geburtstag
    21.12.1944
  • Geburtsort
    Zielenzig
  • Geburtsland
    Polen

"Vom ersten Augenblick an faszinierend"

In "Daniel, der Zauberer" spielt der schlagzeilenträchtige Casting-Star sich selbst, einen Profi-Entertainer, der "von Millionen geliebt und gehasst" wird (so der Untertitel). Ulli Lommel, der den Film inszenierte, spielt Daniels Schutzengel während Produzent Peter Schamoni als grantiger Opa Winter zu den Küblböck-Gegnern im Film gehört.

Daniel: durch DSDS zum heiß diskutierten Star (Foto: Rekord-Film) Großansicht

Daniel: durch DSDS zum heiß diskutierten Star (Foto: Rekord-Film)

» Was hat Sie motiviert, einen Film über Daniel Küblböck zu drehen?

ULLI LOMMEL:

Ich lernte Daniel letzten Oktober bei einem RTL-Event kennen. Da ich 30 Jahre lang nicht in Deutschland gewesen bin und die Casting-Shows auch nicht mitverfolgt habe, kannte ich ihn überhaupt nicht. Doch vom ersten Augenblick an faszinierte er mich. Mir war sofort klar, dass ich dieses Phänomen filmisch verarbeiten wollte.

» Was macht für Sie Küblböck zu einem Phänomen?

LOMMEL: Die Tatsache, dass er in Deutschland einerseits total angefeindet, andererseits total verehrt wird. Wie Daniel es schafft, die deutsche Gesellschaft zu polarisieren, das ist phänomenal.

PETER SCHAMONI:

Als mir Ulli von seinem Vorhaben erzählte, war meine erste Reaktion: "Bist du wahnsinnig? Über diesen durchgeknallten Frosch einen Film zu machen?" Dann habe ich mich überzeugen lassen und bin als Produzent und Schauspieler eingestiegen. Daniel ist ein unheimlich begabter Mensch, der Emotionen zeigen kann. Die Verbindung von ehemaligen Fassbinder-Stars und Küblböck - das ist der Witz an dem Film.

Ulli Lommel: Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler (Foto: fictionFACTory/Crossed Arrows
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Ulli Lommel: Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler (Foto: fictionFACTory/Crossed Arrows )

» Wie sind Sie vorgegangen?

LOMMEL: Ich habe erst einmal viel im Internet recherchiert. Da gibt es die irrsinnigsten Sachen: Morddrohungen, Hasstiraden wie "das Schlimmste seit Adolf Hitler ist Daniel Küblböck" etc. Wirklich unglaublich. Und andererseits existiert eine unsagbare Verehrung.

» Wie ist es Ihrer Meinung nach zu erklären, dass Daniel Küblböck "von Millionen geliebt, von vielen gehasst" wird?

LOMMEL: Meiner Empfindung nach hat der Großteil der Deutschen unheimliche Schwierigkeiten damit, Gefühle auszudrücken. Auf der anderen Seite, was das Rationale betrifft, können die Deutschen unheimlich schnell urteilen. Das intellektuelle Niedermachen funktioniert einmalig. Das trifft auch und gerade auf die Medien zu. Und nun kommt dieser Küblböck daher, der seine Gefühle einfach ausdrückt. Er hat überhaupt keine Hemmungen. Für die einen ist das eine Erlösung. Für die anderen das Allerletzte. Unsicherheit und Hass sind die Folgen. Und Daniel wird zur Zielscheibe. Das ist Thema meines Films.

Daniel Küblböck überreicht Peter Schamoni seine Autobiografie (Foto: Peter Schamoni) Großansicht

Daniel Küblböck überreicht Peter Schamoni seine Autobiografie (Foto: Peter Schamoni)

» Hat es lange gedauert, Daniel für Ihr Projekt zu gewinnen?

LOMMEL: Gleich nach einem Konzert in München habe ich mich mit Daniel und seinem Vater getroffen und von meiner Idee erzählt. Beide fanden sofort Gefallen daran.

» Wo und wie lange haben Sie gedreht?

LOMMEL: Wir haben im Januar 2004 begonnen und u.a. in Passau, München, Los Angeles, New York und Las Vegas gedreht. Ich hatte am Schluss über 30 Stunden Filmmaterial. Viel zu viel. Dann habe ich beschlossen, mich auf das deutsche Phänomen zu konzentrieren und den von zwei gefrusteten Teenagern geplanten Mordanschlag auf Daniel ins Zentrum zu stellen.

SCHAMONI: Für mich hat die Art und Weise, wie "Daniel, der Zauberer" entstanden ist, absolut hohe cineastische Qualitäten. Seine Machart erinnert mich an "Zur Sache, Schätzchen", den wir damals in 14 Tagen im Kasten hatten. Auch "Daniel" ist sehr schnell und witzig gemacht.

Peter Schamoni will mit seinen Filmen die Welt verändern (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Peter Schamoni will mit seinen Filmen die Welt verändern (Foto: Kurt Krieger)

» Welcher Gedanke stand hinter der Figur, die Sie verkörpern?

LOMMEL: Daniels Großmutter erzählte mir, dass Daniel das Talent von ihrem Mann hätte, der Musiker auf dem Oktoberfest und ein unheimlich guter Entertainer war. Und ich fand die Idee ganz schön, mit Johnny Merlin eine Rolle einzubauen, die eine Art Lehrmeister und Schutzengel darstellt.

» Laufen Sie nicht Gefahr, mit diesem Film ebenso zur Zielscheibe der Kritiker zu werden wie Daniel Küblböck?

SCHAMONI: Interessant ist doch, dass alle Argumente, die man gegen Küblböck anführen kann, in dem Film vorweggenommen werden. Die beiden Hasser, die ihn als Kulturschande darstellen. Oder meine Figur, der grantige Opa Winter, der die Musik als Müll abtut. Der Film enthält alles, was man gegen Daniel sagen kann, und alles, was man für Daniel sagen kann.

» Was hätte Fassinder zu dem Film gesagt?

SCHAMONI: Der wäre begeistert. Die Machart ist sehr in seinem Stil: diese Leichtigkeit, dieses Hingetupfte und Skizzenhafte, das der Fantasie viel freien Lauf lässt.

 

 

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