Wayne Wang


  • Geburtstag
    12.01.1949
 

In Hongkong geboren, gehört der international arbeitende Wayne Wang nicht zum Martial-Arts-Kino der ehemaligen britischen Kronkolonie. Stattdessen konnte er sich wie Ang Lee und Wong Kar-wai als Autoren-Regisseur etablieren, der vornehmlich von Generationskonflikten und kulturellen Unterschieden vor allem zwischen den noch in China geborenen Müttern und Vätern und ihren in den USA geborenen oder aufgewachsenen Söhnen und Töchtern erzählt.
1949 geboren, erhielt er seinen Namen von seinem Vater, einem Ingenieur und Geschäftsmann, der Western liebte und ein großer Fan von John Wayne war. Wang besuchte eine Jesuitenschule und studierte mit 18 Jahren in den USA in Oakland Film, Fernsehen und Malerei. Mit einem Magisterabschluss kehrte er nach Hongkong zurück und arbeitete für eine TV-Produktionsfirma. Wieder in den USA, wohnte er in San Francisco im Stadtteil Chinatown und begann kommunale Aktivitäten zur Verbesserung der Lebensbedingungen. Aus diesen Erfahrungen erwuchs 1982 sein (noch in Schwarz-Weiß gedrehtes) Spielfilmdebüt "Chan is Missing", das nur 22.000 Dollar kostete und von der Suche eines chinesischen Taxifahrers nach einem Verwandten erzählt. Der Film kam über den Umweg des Fernsehens in die Kinos, als Wang mit seinem zweiten, in Cannes 1984 vorgestellten Film "Dim Sun", der die Beziehungen einer chinesischen Mutter zu ihrer in den USA geborenen Tochter schildert, Erfolg als erster chinesischer Independent-Regisseur hatte.
Die Auftragsarbeit "Slam Dance", ein respektabler Krimi um einen verschuldeten Comic-Zeichner ("Amadeus"-Darsteller Tom Hulce), der in einer Ehekrise (mit Mary Elizabeth Mastrantonio) steckt, ermöglichte Wang seinen ersten größeren Film: "Eat a Bowl of Tea" (1989) ist eine Gesellschaftskomödie um ein junges chinesisches Ehepaar, das mit der aufdringlich neugierigen Familie, den Traditionen und dem Problem des Nachwuchses, der nicht kommen will zu tun hat. 1990 kehrte Wang nach Hongkong zurück und drehte "Life Is Cheap... But Toilet Paper Is Expensive", ein allegorischer Thriller, der nur auf Festivals zu sehen war. Ein Welterfolg wurde der nach einer Bestsellervorlage gedrehte "Töchter des Himmels", eine Familiensaga über mehrere Generationen, in denen vier junge amerikanische Chinesinnen und ihre Mütter die Hauptrollen spielen.
Wang konnte den Erfolg mit den beiden in Zusammenarbeit mit dem New Yorker Schriftsteller Paul Auster entstandenen Filmen "Smoke" und "Blue in the Face" fortsetzen. Um den Tabakladen von Auggie Wren (Harvey Keitel) ranken sich liebevolle Episoden aus dem Stadtteil Brooklyn, in "Smoke" als episodische Kurzgeschichten, in "Blue in the Face" als experimenteller Personenreigen angelegt. Der Film wurde mehrfach, so in Berlin 1996 mit dem Silbernen Bären, ausgezeichnet. Im Juni 1997 kehrte Wayne mit einer kleinen digitalen Kamera nach Hongkong zurück, um an Ort und Stelle die Stimmung in der Stadt vor und während des 31. Juli 1997 einzufangen, als Hongkong an die Volksrepublik China zurückgegeben wurde. Die daraus entwickelte Geschichte um einen Journalisten (Jeremy Irons), seine heimliche Liebe Vivian (Gong Li) und eine mehrfach die Identität wechselnde junge Frau (Maggie Cheung) wurde teils nach Jean-Claude Carrières Drehbuchvorlage, teils improvisiert und heimlich gedreht und kam als "Chinese Box" in die Kinos.
Zurück in den USA drehte Wang "Überall, nur nicht hier" und "Die Macht der Begierde", in dem ein Computerfreak und eine Stripperin ausgerechnet in Las Vegas die Liebe entdecken. Den letzten Schritt zur zuckersüßen romantischen Komödie vollzog Wang mit der Aschenputtel-Geschichte "Manhattan Love Story", in der Pop-Diva Jennifer Lopez als allein erziehendes Zimmermädchen das Herz eines reichen Politikers erobert. An die etwas jüngeren Zuschauer wendete Wang sich mit dem leichtherzigen Familienabenteuer "Winn-Dixie - Mein zotteliger Freund", in dem ein einsames kleines Mädchen mit der Hilfe seines Hundes neue Freundschaften schließt.

Wayne Wang

  • Geburtstag
    12.01.1949
  • Geburtsland
    Hongkong

99 Filme halten Hof

Wer in Bayern lebt, der kennt Hof in erster Linie aus dem Wetterbericht. Aus unerfindlichen Gründen ist's dort immer zwei bis drei Grad kälter als im restlichen Bundesland - was Hof nicht gerade zum bevorzugten Reiseziel macht. Ende Oktober wendet sich das Blatt seit nunmehr 41 Jahren. Die Hofer Filmtage lassen Minusgrade und Nieselregen zur Randerscheinung werden.

Kommt nach Hof: Dem in Hongkong geborenen und in den USA lebenden Regisseur Wayne Wang ist die diesjährige Retrospektive gewidmet. (Foto: Hofer Filmtage)

Kommt nach Hof: Dem in Hongkong geborenen und in den USA lebenden Regisseur Wayne Wang ist die diesjährige Retrospektive gewidmet. (Foto: Hofer Filmtage)

Dem anhaltenden Erfolg der Hofer Filmtage wird in diesem Jahr durch einen zusätzlichen Tag Rechnung getragen: Ab Dienstag den 23. Oktober läuft eine Auswahl von 69 Lang- und 30 Kurzfilmen, nationale wie internationale Produktionen, die zum Ende des Jahres einen umfangreichen Ausblick auf das Filmschaffen werfen.

Eröffnet werden die diesjährigen Filmtage mit dem neuen Film "Mondkalb" von Sylke Enders, die bereits mit ihrem Erstling "Kroko" 2003 in Hof einen Überraschungserfolg landete. Sie erzählt von Alex (Juliane Köhler), die nach ihrem Gefängnisaufenthalt in eine Kleinstadt flüchtet, auf der Suche nach einem Neuanfang.

Martin Theo Krieger zeigt "Beautiful Bitch", eine Geschichte über eine Kleinkriminelle aus Bukarest, die im Spannungsfeld zwischen Freiheit, Wohlstand im Westen und polizeilicher Verfolgung ein gefährliches Dasein fristet.

Mit zwei Filmen zu Gast auf den Filmtagen: Rosa von Praunheim (Foto: Hofer Filmtage)

Mit zwei Filmen zu Gast auf den Filmtagen: Rosa von Praunheim (Foto: Hofer Filmtage)

Zeitreise mit Dominik Graf

Dominik Graf begibt sich mit seiner Verfilmung von "Das Gelübde" auf eine Reise ins 19. Jahrhundert: Der Künstler und Lebemann Clemens von Brentano (Misel Maticevic) reist nach einer Lebenskrise an das Krankenlager der Nonne Anna Katharina Emmerich (Tanja Schleiff), an deren Körper sich die Wundmale Christi zeigen. Volker Einrauch kommt mit seinem Drama "Der andere Junge" mit Peter Lohmeyer in einer Hauptrolle, Andreas Kleinert mit "Freischwimmer", in dem August Diehl und Fritzi Haberlandt spielen.

Rosa von Praunheim ist gleich mit zwei Filmen vertreten: Er tritt mit "Meine Mütter - Spurensuche in Riga" die Suche nach seiner Herkunft an und begleitet mit "Mit Olga auf der Wolga" eine Flussfahrt von Moskau nach St. Petersburg. Ihre ersten Spielfilme präsentieren Hagen Keller mit "Meer is nich", ein Jugenddrama, und Heiko Aufdermauer mit "Zeit der Fische", eine zarte Liebegeschichte. Auch Maria Schrader zeigt ihre erste Regiearbeit "Liebesleben": Für Jara, eine Frau, die alles hat und glücklich ist, wird die Begegnung mit dem älteren Arie schicksalhafte Folgen haben.

 

 

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