
Kenneth Branagh inszeniert den Kampf zweier Männer um die weibliche Beute als brillantes Schauspielerduell zwischen Michael Caine und Jude Law.
Wie reagiert ein Mann, wenn ihn der Liebhaber seiner Angetrauten zur Scheidung überreden und das Objekt der Begierde selbst heiraten will? Theater- und Filmregisseur Kenneth Branagh zeigt es in dieser hinreißenden Leinwandadaption nach Anthony Shaffers Theaterstück und zieht alle Register, überrascht mit gelungener filmischer Umsetzung und präzisem Lichteinsatz. Michael Caine mimt den gehörnten Andrew Wyke als abgrundtief sadistischenn Intellektuellen, der den hergelaufenen arbeitslosen Schauspieler Milo Tindle in die sozialen Schranken weist. Als gewiefter Krimi-Autor weiß er, wie man Menschen manipulieren und zu irrationalem Handeln bringen kann. Die Begegnung zwischen den beiden wird zur ultimativen Abrechnung mit Eifersucht und Besitzdenken, Machogehabe und aufgeblasenem Ego. Erst trinkt man gepflegt mehrere Gläschen Scotch, um dann ins Geschäft zu kommen. Wyke schlägt dem überraschten Tindle einen Deal vor: Er soll in sein Haus einbrechen, aus dem Safe millionenschweren Schmuck klauen, damit der Schriftsteller die Versicherung übers Ohr hauen kann, und darf zum Lohn die Geliebte sein Eigen nennen. Per Handschlag besiegelt, wird die diebische Aktion gestartet, aus der sich ein makabres Spiel entwickelt. Denn ein in seinem Stolz verletzter und betrogener Ehemann ist zu allem fähig. Nicht nur Michael Caine als Inkarnation des Perfiden und Jude Law, der ihm an hinterhältigem Einfallsreichtum nicht nachsteht, machen "Sleuth" zum intelligenten Vergnuegen, die pointierten Dialoge möchte man am liebsten auswendig lernen. Da sitzt jedes Wort und wirft Widerhaken, funktionieren Sätze wie Fallbeile. Kein Wunder, Nobel-Preisträger Harold Pinter schrieb das Drehbuch und reißt mehr seelische Abgründe auf als die Bühnenvorlage oder Joseph Mankiewicz Verfilmung "Mord mit kleinen Fehlern" aus dem Jahr 1972, in der Michael Caine als jugendlicher Widersacher Laurence Olivier herausforderte. In der neuen Version streiten sich schlicht zwei Männer um die weibliche Beute, der eine hat sie, der andere will sie wieder haben. Der Junge punktet mit Testosteron, Abenteuer und Romanze, der Alte mit Geld, Sicherheit und Ansehen. Dabei geht es den Kampfhähnen irgendwann gar nicht mehr um die Trophäe, sondern nur noch um Wettbewerb und Kräftemessen, um Macht und Männlichkeit und darum, den Konkurrenten zu schlagen, und vor allem, ihn zu demütigen. Ganze Arbeit leistet als Dritte im Bunde die Ausstattung. Von außen ein altmodisches hoch herrschaftliches Haus auf dem Land, innen eine Orgie aus Stahl, Glas und Überwachungskameras. Zum außergewöhnlichen Ambiente noch geschliffener Witz, feine Ironie und grausamer Sarkasmus vom Duo Branagh/Pinter - eine kongeniale Kombination. Schwärzer und böser gehts nicht. mk.