
Mit einer Komödie über den Fluch der Nord- und Ostsee, über die Freibeuter Störtebecker und Michels, inszeniert Sven Taddicken erneut unorthodoxes Genrekino.
"12 Meter ohne Kopf" soll der geköpfte Klaus Störtebecker der Legende nach noch gelaufen sein. Ein Mythos, der im Titel signalisiert, dass es "Deutschland erster Piratenkomödie", so Stefan Schubert von Wüste Film, nicht um historische Fakten, sondern um heiteres Fabulieren geht. Im Drehbuch von Matthias Pacht ist die Hinrichtung Störtebeckers im Jahr 1401 ein echtes Gaunerstück. Ein Jahr geht der Film von dort aus zurück, zeigt, wie aus coolen Piraten ein jämmerlicher Haufen, mit Hilfe einer neuen Waffe aber schließlich der Schrecken der Hanse wurde. Immer im Fokus ist das Spaß-orientierte Freibeuterleben zwischen Kampftrinken, Schlägereien und Gelegenheitssex. Alles ändert sich, als Störtebecker niedergestochen wird und sich vom charismatischen Rabauken zum ängstlichen Versteher mit Parolen wie "Gewalt ist keine Lösung" wandelt: Schlecht für einen Anführer, der nach dem Respekt durch Meuterei auch seine Mannschaft verliert. Schlecht auch für die Freundschaft, weil Störtebecker nun mit Alleinerzieherin Bille seßhaft werden will und damit Kumpel Michels die Lebensfreude nimmt. Einen (kläglich gescheiterten) Selbstmordversuch später wird aber das große Comeback, die Kampfansage an die Hanse, eingeleitet, die nach herben Verlusten zur Jagd auf die Bilanzsaboteure bläst.
Kaum überraschend, dass mit einem Budget von sechs Millionen Euro karibische Kämpfe mit üppigen Digitaleffekten nicht geleistet werden können, dass "12 Meter ohne Kopf" mehr ein Film der Gesichter als der Action ist. Taddicken, der zuvor unorthodoxe Familienkomödien ("Mein Bruder, der Vampir") und Liebesgeschichten ("Emmas Glück") inszenierte, konzentriert sich auf seine Buddies, mit Engagement gespielt von Newcomer Ronald Zehrfeld und Matthias Schweighöfer, und auf Situationskomik, die nicht immer zündet, obwohl der Verlust von Störtebeckers Mojo, seine Entmännlichung, mehr Munition geboten hätte. Im Kielwasser von Captain Sparrow sind Piraten erneut die Rockstars ihrer Zeit. Anachronismus ist dabei Stilprinzip. Die Ausstattung führt in die Vergangenheit, die Sprache in die Moderne, während die Musik der etwas gemächlich dahinschaukelnden Story mit Glam Rock und Punk Dampf macht. Gedreht wurde größtenteils auf See, mit drei nachgebauten Koggen. Geopfert wurde für dieses Herzensprojekt von Seiten der Macher viel, nicht zuletzt der eigene Widerstand, wenn Schweighöfer, schlafend, Zehrfelds Zehen lutschen und dieser, hungernd, eine krabbelnde Spinne essen muss. kob.