
Ohne "Pulp Fiction" gäbe es John Herzfelds absurde Tough-Guy-Komödie nicht: Denn obwohl die Struktur dieser blutigen Gangster-Komödie aus den heißesten Untiefen des San Fernando Valley eher an Robert Altmans "Short Cuts" erinnert, sind die grell überzeichneten Figuren deutlich Schöpfungen aus dem postmodernen Popart-Universum eines Quentin Tarantino.
Neun skurrile Hauptfiguren hat sich John Herzfeld für sein Ensemblestück ausgedacht, und sie in einer Art und Weise arrangiert, daß es eigentlich unglaublich erscheint, daß sich ihre Wege jemals kreuzen könnten. Da sind zwei ungleiche Hitmen auf dem Weg zu einem Auftrag, ein arroganter Kunsthändler, der seine loyale Sekretärin wie Dreck behandelt, zwei durchtriebene olympische Skiläuferinnen, zwei Undercover-Cops, die einen asiatischen Massagesalon ausheben sollen und schließlich ein alternder TV-Regisseur, der sich mit Suizidplänen trägt.
"2 Days in the Valley" wäre bestenfalls ein leidlich routinierter Thriller, den man schnell abhaken würde, schickte John Herzfeld seine überdurchschnittlich versierten Darsteller (neben dem wunderbaren Danny Aiello als Italo-Killer mit dem Herzen auf dem rechten Fleck und James Spader im eisigen Michael-Caine-Outfit tummeln sich noch Eric Stoltz, Jeff Daniels, Glenne Headley, Teri Hatcher und Paul Mazursky im Handlungslabyrinth) nicht im Zickzack-Kurs durch puzzleartig arrangierte, stellenweise fast surreale Szenarien, die immer wieder fesseln. So ist der Regisseur dem Publikum immer ein gutes Stück voraus: Es ist schier unmöglich, zu ahnen, in welche Richtung diese Mörder-Ballade von der nächsten der zahllosen Wendungen geführt werden könnte. Herzfeld tut gut daran, seiner Story ein gerütteltes Maß an absurd überhöhtem Nihilismus einzuimpfen. Kaum eine Szene vergeht, in der nicht diverse Figuren mit schwerkalibrigen Waffen bedroht würden. In Erinnerung bleiben allerdings ganz andere Momente: Wenn Teri Hatcher und die erfrischende Entdeckung Charlize Theron (auch in "That Thing You Do!" eine Augenweide) in einem Hotelzimmer mano a mano aufeinander losgehen, Eric Stoltz eine der witzigsten Erektionen der Filmgeschichte beschert wird oder Danny Aiello dem Affen Zucker gibt, indem er trotz akuter Lebensgefahr eine Pasta à la Mama zaubert, dann möchte man kurz vergessen, daß "Two Days in the Valley" letztlich viel Rauch um nichts fabriziert. Wenn im Anschluß an einen unglaublich blutigen Showdown im Westernstil die wenigen Überlebenden ins Happy End düsen dürfen, fühlt man sich ordentlich unterhalten. Doch nach einer Seele sucht man in dieser kühl und rational komponierten Moritat vergebens. ts.