
Eigentlich hat Christine, eine wohl situierte Karrierefrau, alles. Doch glücklich ist sie nicht. Also sucht sie, in Sabine Derflingers klugem Frauenfilm, ihr Leben neu zu ordnen.
Mit einem Schäferstündchen im einschlägigen Wiener Hotel Orient fängt alles an. Christine (Claudia Michelsen) triff hier alle zwei Wochen ihren Liebhaber Martin (Tobias Moretti). Damit soll ab heute Schluss sein, beschließt die erfolgreiche Medienfrau. So beginnen in der Regel Aussteiger- und Selbstfindungsgeschichten, doch der Österreicherin Sabine Derflinger, Regisseurin und Co-Autorin (zusammen mit dem dänischen Dogmatiker Mogens Rukov), steht der Sinn nach etwas anderem, nach einem Frauenfilm, subjektiv aus Christines Sicht erzählt. Wobei Männer sich hier aber durchaus wiederfinden, zu Wort kommen und keineswegs nur eindimensional als böse Buben dastehen. Georg (Ulrich Tukur) etwa, Christines Mann, ein renommierter Arzt und Vater der gemeinsamen Tochter Sonja (Vanessa Krüger).
Ferien stehen an. Wieder einmal fährt man ins Urlaubsparadies Ischia, bezieht die wunderschöne Villa mit Blick übers Meer. Da die erste Irritation: Im Schlafzimmer hat es sich ein Tramper gemütlich gemacht. Von schlechtem Gewissen jedoch keine Spur. Vielmehr flirtet Tamaz (Jacob Matschenz) kurz mit Christine ehe er über den Balkon das Weite sucht. Ab nun geht's ums Ausbrechen aus der scheinbar harmonischen Familienidylle, dem Suchen nach sich selbst und der Neuorientierung im Leben. Sonja beschließt ihre Jungfräulichkeit zu verlieren, Christine beginnt mit dem jungen Strandboy eine Affäre und der gutherzige, freilich auch fremdgehende Georg, begreift irgendwie gar nichts. Da tauchen als Überraschungsgäste Martin nebst Frau (Petra Morzé) zu Christines 42. Geburtstag auf und eine Katastrophe scheint unausweichlich.
"42plus" verzichtet aufs laute Drama und fliegendes Geschirr. Mögen die Komplikationen noch so sehr nach "Traumschiff" klingen, als solche werden sie von Derflinger weder angelegt noch aufgelöst. Sie interessiert vielmehr die gut gestellte Karrierefrau in der Midlife Crisis, die Claudia Michelsen wunderbar nuanciert, zwischen aggressiver Angriffslust und lähmendem Selbstzweifel anlegt. In blitzsauberen, wenn auch konventionell gestalteten (TV-)Bildern fängt Bernhard Pötscher diesen Beziehungsreigen ein, während die Dialoge zwischen platt ("Das Leben ist eine einzige Spielwiese") und pointiert ("Du siehst aus, als würde ich einen Drink gebrauchen") abwechseln. Als überflüssig erweisen sich manch (klischeehafte) Figuren - etwa der Wirt Ciro (Ugo Conti) - und ein nicht wirklich aufgelöster Erzählstrang um Claudias Krankheit. geh.