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A Serious Man

Absurde schwarze Komödie über einen einfachen Mann, dem im Verlauf eines Jahres - 1967 - die Felle wegzuschwimmen drohen.


A Serious Man

Leihvideo

Erhältlich seit:
14.07.2010

Originaltitel: A Serious Man

Komödie/ Drama

USA 2009
Laufzeit: 106 Min.
FSK: ab 12

Michael Stuhlbarg
Richard Kind
Fred Melamed

Regie: Ethan Coen, ...
Universum Film

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A Serious Man

1967. Es ist nicht das Jahr von Larry Gopnik, der als Physikprofessor an einer Uni im Mittleren Westen der USA ein einfaches Leben führt. Seine Frau verlässt ihn für einen aufgeblasenen Kollegen. Sein psychisch labiler Bruder Arthur lebt auf seiner Couch. Sein Sohn Danny schwänzt die Schule. Seine Tochter bestiehlt ihn, um eine Nasenkorrektur finanzieren zu können. Anonym wird Larry bedroht und seine Zukunft an der Uni in Frage gestellt. Ein Student will ihn bestechen. Larry sucht Hilfe bei drei Rabbis. Wird einer helfen können?

Nach zuletzt regelrecht stargespickten Filmen nehmen die Coen-Brüder eine Auszeit mit ihrem bislang wohl persönlichsten Film, mit dem sie in ihrer ureigenen, verschrobenen Art Familienerlebnisse und ihre Kindheit aufarbeiten - auf denkbar humoristischste Weise, mit einem Sinn für absurden jüdischen Humor, der den Machern von "No Country for Old Men" und "Burn After Reading" perfekt zu Gesicht steht. Vor der Kamera agieren weitgehend No-Names und Charakterköpfe und laufen zu großer Form auf. Unbedingt empfehlenswert!

A Serious Man

Verquerer Heimatfilm und ätzend komische jüdische Tragikomödie mit brillantem No-Name-Ensemble - den Coen-Brüdern ist erneut ein kleiner Geniestreich geglückt.

Die Coens sind in ihre Heimat zurückgekehrt, ins ländliche Minnesota, wo sie einst mit "Fargo" einen ihrer bleibendsten Erfolge landeten. Aber nicht nur das, sie haben sich diesmal zudem ihrer Wurzeln besonnen, ihrer jüdischen Herkunft bedient. Auch das ist nicht unbedingt neu, erinnert man sich an ihren Drehbuchautor "Barton Fink", der vor inzwischen fast 20 Jahren an Hollywood verzweifelte. Aber so persönlich wie bei A Serious Man ist es bei Ethan und Joel noch nie zugegangen, mögen sie das in ihren maulfaulen (Toronto-)Interviews noch so gerne abstreiten. Als kleiner Beweis hierfür mag dienen, dass zahlreiche Figuren ihrer aktuellen Arbeit nach Jugendfreunden der Brüder benannt sind.

Nach dem All-Star-Cast von "Burn After Reading" spielen diesmal ausschließlich Kino-Niemande groß auf. Allen voran der formidable Theatermann Michael Stuhlbarg, der titelgebende seriöse Herr namens Larry Gopnik. Er ist Physikprofessor, verheiratet, zwei Kinder. Beim medizinischen Routinecheck lernt der Zuschauer ihn kennen. An dessen Ende wird ihm beste Gesundheit attestiert, die wird er in der Folge dringend brauchen. Denn zu Hause ereilt Larry eine Hiobsbotschaft: Gattin Judith will die Scheidung, um Sy Ableman, Freund der Familie und seit zwei Jahren Witwer, zu heiraten. Warum, will der Gatte wissen... und schon landet er zunächst auf der Wohnzimmercouch und bald darauf im Motel. Bei den Coens haben die Frauen gern die Hosen an, und gegen jüdische Mütter ist kein Kraut gewachsen. Das macht schon der Jiddisch gehaltene Vorspann klar, eine kleine Geschichte aus dem Shtetl, in der eine resolute Ehefrau dem Dybbuk die Tür weist - nachhaltig und endgültig. Wie diese Mär zur Handlung passt, kann jeder für sich deuten, derweil die darauffolgende Dekonstruktion von Larrys scheinbar perfektem Sechzigerjahre-Mittelklasseleben eine ganz eindeutige Sache ist. "Receive with simplicity everything that happens to you", sagt Rabbi Rashi. Diesem Filmmotto wird sich Larry stoisch beugen.

Ihm dabei zuzusehen ist schmerzhaft komisch. Genickschlag folgt Genickschlag. Messerscharf sind die Dialoge, von unerbittlicher Konsequenz ist das Drehbuch der Coens, das immer wieder durch groteske Situationen aufgebrochen wird etwa wenn Larry vom Dach aus der schönen Nachbarin beim textilfreien Sonnenbad zusieht und sich dabei einen Sonnenbrand holt. Oder ausgerechnet er dem Rabbi erklären muss, was ein Gett, eine kirchlich sanktionierte Scheidung, ist, die seine Frau braucht, um wieder heiraten zu dürfen. Nicht zu vergessen der Goi, dessen Zähne auf der Rückseite hebräische Buchstaben zieren. Warum? Wer weiß, egal. Die Geschichte ist einfach gut. Wie (eigentlich) immer bei den beiden Oscar-Preisträgern ("No Country for Old Men"), die aller Absurdität zum Trotz nie etwas dem Zufall überlassen. Perfekt kommentiert Carter Burwells Score die makellos komponierten Bilder von Roger Deakins, der hier bereits zum zehnten Mal für die Geschwister das Licht setzt. Und auch der leitmotivisch eingesetzte Jefferson-Airplane-Klassiker "Somebody to Love" ist nur die Popvariante von Rashi: "When the truth is found to be lies/And all the joy within you dies." Apropos: In der letzten Szene bekommt Larry einen Anruf von seinem Doktor. geh.

Darsteller:  Michael Stuhlbarg   als Larry Gopnik
  Richard Kind   als Onkel Arthur
  Fred Melamed   als Sy Ableman
  Sari Lennick   als Judith Gopnik
  Aaron Wolff   als Danny Gopnik
  Jessica McManus   als Sarah Gopnik
  Adam Arkin   als Anwalt
  Peter Breitmayer   als Mr. Brandt
  Brent Braunschweig   als Mitch Brandt
  David Kang   als Clive Park
  Alan Mandell   als Rabbi Marshak
  Amy Landecker   als Mrs. Samsky
  George Wyner   als Rabbi Nachtner
  Michael Tezla   als Dr. Sussman
  Allen Lewis Rickman   als Schtetl Ehemann
  Yelena Shmulenson   als Schtetl Ehefrau
  Fyvush Finkel   als Dibbuk
 
Regie:  Ethan Coen  
  Joel Coen  
Buch:  Ethan Coen  
  Joel Coen  
Musik:  Carter Burwell  
Kamera:  Roger Deakins  
Produzent:  Ethan Coen  
  Joel Coen  

"Wir sind Sklaven amerikanischer Grenzen"

Die Coen-Brüder Joel und Ethan werden persönlich und erzählen in "A Serious Man" (vielleicht) eine Geschichte aus ihrer Kindheit. Aber trauen kann man ihnen und ihren Filmen ohnehin nicht..

Typisch amerikanisch, typisch Coens: die bitterböse Loser-Komödie "A Serious Man" (Foto: Tobis) Großansicht

Typisch amerikanisch, typisch Coens: die bitterböse Loser-Komödie "A Serious Man" (Foto: Tobis)

Analog zu Ihrem Filmtitel - sind Sie auch ernsthafte Herren?
ETHAN COEN: Wir setzen uns nicht in Bezug zu den Personen unserer Filme. Wir erzählen in "A Serious Man" nur eine weitere Geschichte, die keine autobiografischen Züge trägt.

Das ist schwer zu glauben.
JOEL COEN: Na gut, es gibt autobiografische Momente im Bezug zum Milieu, in dem unser Film spielt. Wir sind in einem jüdisch geprägten Vorort aufgewachsen, entsprechend haben wir uns hier von Charakteren, die wir damals kannten inspirieren lassen.

Was hat Sie denn bewogen, gerade jetzt in die Tage ihrer Jugend zurückzukehren?
EC: Das war reiner Zufall. Wir haben dieses Skript schon vor drei Jahren geschrieben, ungefähr zeitgleich mit "No Country for Old Men" und "Burn After Reading". Die Drehfolge hat sich dann zufällig ergeben, hat primär mit der Realisierbarkeit und Finanzierung der einzelnen Projekte zu tun gehabt.

JC: Außerdem ist es ja nicht unser erster Ausflug zurück in unsere Vergangenheit. "Fargo" spielt auch in Minnesota, in den Orten unserer Jugend, und erzählt woher wir kommen - minus dem jüdischen Hintergrund. Aber vielleicht ist es einfach so, dass man sich, wenn man älter wird, eher mit den eigenen Wurzeln auseinandersetzt.

Hat die Art wie Sie aufgewachsen sind, Sie bei ihrer Art Filme zu machen beeinflusst?
EC: Das ist eine gute Frage, darüber müsste ich genauer nachdenken. Aber ich glaube eher nicht. Oder nein, lassen sie es mich so ausdrücken, es hat uns genauso beeinflusst wie die Musik, die wir als Jungs hörten oder die TV-Shows, die wir ansahen, etwa die Serie "F Troop", die wir über alles liebten.

Welche Rolle spielt der jüdische Glaube in Ihrem Leben?
EC: Heute keine mehr. Damals als wir Kinder waren, war das anders. Unsere Mutter war noch der jüdischen Tradition verhaftet, unser Vater weniger. Für die Religion haben wir uns nicht interessiert, wir waren Kinder, haben getan, was man uns gesagt hat, sind zum Tora-Unterricht gegangen, haben Bar Mitzwa gefeiert.

In Ihrem in Jiddisch gehaltenem Vorspann erzählen Sie eine Geschichte von einer resoluten Ehefrau, die dem Dibbuk die Tür weist. Wie verhält sich der zum Film?
EC: Berechtigte Frage, aber wir wissen das auch nicht so genau. Wir hatten nur das Gefühl, dass er passt, dass er Botschafter für den Film ist - eine Fingerübung und Hinweis darauf, in welcher Tradition "A Serious Man" steht. Ohne ihn wäre der Film, glaube ich, einfach nicht so gut.

Ein Leitmotiv also wie der im Soundtrack eingesetzte Jefferson Airplanes Klassiker "Somebody to Love"?
JC: Wenn Sie so wollen. Der Song ist einfacher zu erklären. Er spiegelt die Zeit, in der der Film spielt wider, das Gefühl, das wir als Jugendliche hatten. Diese Musik hat uns geprägt. Aber nicht nur die Musik auch die damalige Mode, das Lebensgefühl, die Aufbruchsstimmung. Außerdem steht er im harten Gegensatz zur kirchlichen Musik mit der wir damals tagtäglich konfrontiert wurden.

Sie haben diesmal auf Stars verzichtet, weitgehend unbekannte Fernseh- und Theaterdarsteller besetzt.
EC: Nochmals, wir wollten das Lebensgefühl von damals sichtbar machen, eine vergangene Epoche beschwören. Stars hätten davon abgelenkt, man bringt diese schließlich immer mit gewissen Arten von Filmen in Zusammenhang. Wenn man gewisse Stars besetzt, hat das Publikum ganz spezielle Erwartungen - von den Produzenten einmal ganz abgesehen.

Na ja, Sie hätten Dustin Hoffman besetzen können.
JC: Zu alt...

Dafür haben Sie bei der Wahl des Kameramannes auf einen altbewährten Veteranen, Roger Deakins, gesetzt. Er hat für Sie hier bereits zum zehnten Mal das Licht gesetzt.
JC: Er ist einfach fantastisch, er weiß genau, was wir wollen. Er ist einer jener Mitarbeiter, auf die wir regelmäßig zurückgreifen. Wir können ihm blind vertrauen. Oft ist er es, der uns sagt, wie wir eine Szene aufnehmen, wie wir sie auflösen sollen. Das macht die Arbeit einfach und angenehm.

Widerspricht er Ihnen manchmal?
JC: Ja, und er hat meistens recht. Ich denke da beispielsweise an den Zaun, der das Haus der Nachbarin, die die nackt sonnenbadet, umgibt. Wir wollten, dass er rot ist. Roger widersprach heftig. Er meinte, er sollte weiß sein. Wir haben uns durchgesetzt. Es sah furchtbar aus. Jetzt ist er weiß. In solchen Dingen, muss man Roger einfach vertrauen.

Das heißt Sie verlassen sich in Sachen Bildgestaltung vollkommen auf ihn?
EC: Absolut. Bei der Bildsprache, der Ausleuchtung, die dann die Stimmung ausmacht, verlassen wir uns vollkommen auf ihn.

Andererseits scheinen Sie aber auch nur dort zu drehen, wo Sie sich auskennen. Haben Sie jemals für ihre Filme die USA verlassen?
JC: Wir haben einmal einen ganz kleinen Film in Paris gedreht.

Die "Tuileries"-Episode in "Paris je t'aime".
JC: Das hat schon Spaß gemacht. Aber wir sind im Prinzip Sklaven unserer eigenen Limitierungen, unseres eigenen engen Horizonts. Wir schreiben nur über Dinge, die wir kennen, über Dinge, über die wir glauben uns auszukennen. Die amerikanische Seele interessiert uns. Da fühlen wir uns zu Hause.
EC: Wir haben aber einmal versucht, einen Film in Japan zu drehen. Aber das hat nicht funktioniert. Das hat auch mit den relativ niedrigen Budgets unserer Filme zu tun, mit den daraus folgenden Drehbedingungen. Wir wollen unsere eigenen Herren bleiben. Das geht nur mit übersichtlichen Budgets, in die niemand hineinredet.
JC: Aber man muss auch dazu sagen, dass der japanische Film von einem Amerikaner gehandelt hat, von einem Maschinengewehrschützen an Bord eines Flugzeugs, das über Japan abgeschossen wird. Und dann gibt's da noch ein Projekt, das in Südamerika angesiedelt ist.

Apropos nächstes Projekt, wird das angekündigte Remake von "Der Marshall" sein?
EC: Man kann nie sagen, ob ein Projekt zustande kommt. Da gibt es zuviel Unsicherheitsfaktoren. Bislang ist erst einmal das Drehbuch fertig. Wir halten uns da näher an die Vorlage, näher an Charles Portis' Roman.

Wenn Sie mit ihren Drehbüchern fertig sind, ändern Sie dann beim Drehen noch viel?
JC: Eigentlich nicht, im Vergleich zu anderen US-Produktionen fast gar nichts. Wenn ja, dann geht es eigentlich nur darum, dass sich der Schauspieler mit seinem Text wohlfühlt, dass es glaubwürdig wirkt, was er macht.
EC: Michael Stuhlbarg, unser Hauptdarsteller in "A Serious Man", kommt vom Theater. Der hat wirklich ewig am Text herumgefeilt. Er wollte, dass jedes Wort stimmt - ja, er ist fast genauso schlimm wie William H. Macy. (lacht)

Sie produzieren ihre Filme, schreiben die Drehbücher, führen Regie... wo wird's da besonders schmerzhaft?
EC, JC: ...

Vielleicht wenn Sie zu den fertigen Filmen Interviews geben müssen?
JC: (lacht) Das haben Sie gesagt.

 

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