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Abbitte

Niveau- und optisch reizvolle Verfilmung von Ian McEwans Romans über die tragischen Konsequenzen einer Denunziation.


Abbitte

Leihvideo

Erhältlich seit:
27.03.2008

Originaltitel: Atonement

Drama

Großbritannien 2007
Laufzeit: 118 Min.
FSK: ab 12

Keira Knightley
James McAvoy
Romola Garai

Regie: Joe Wright
Universal Pictures Germany

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Niveau- und optisch reizvolle Verfilmung von Ian McEwans Roman über die tragischen Konsequenzen einer Denunziation.

Noch kann Briony ihre Unschuld genießen (Foto: Universal) Großansicht

Noch kann Briony ihre Unschuld genießen (Foto: Universal)

Fantasie hat Briony (Saoirse Ronan) genug, doch Erfahrung fehlt der 13-jährigen Jungautorin. An einem heißen Sommertag des Jahres 1935 verwirrt sie das freizügige Verhalten ihrer älteren Schwester (Keira Knightley), enttäuscht sie die Reaktion Robbies (James McAvoy), ihres eigenen romantischen Helden.

Am Abend beschuldigt sie den Sohn der Haushälterin, ihre minderjährige Cousine Lola (Juno Temple) sexuell belästigt zu haben, und sieht zu, wie er von der Polizei abgeführt wird. Mit dieser einen Falschaussage verändert sie drei Leben für alle Zeiten.

Cecilia und Robbie können ihre Gefühle nicht mehr lange verbergen (Foto: Universal) Großansicht

Cecilia und Robbie können ihre Gefühle nicht mehr lange verbergen (Foto: Universal)

Gelungene Mischung

Wie schon in "Stolz und Vorurteil" meistert der Engländer Joe Wright eine Literaturverfilmung mit inszenatorischer Kreativität. Seine Adaption eines Romans von Ian McEwan ist anspruchsvoll in der Dramaturgie, die Zeiten und Perspektiven wechselt, und stark in der Bildkomposition, wobei die Kamera nicht nur malerisch schöne Bilder zeigt, sondern auch Verhalten und Emotionen der Figuren verdeutlicht.

Abbitte

Nach "Stolz und Vorurteil" macht Joe Wright erneut alles richtig. Sein Drama über Sexualität und die Kluft zwischen Realität und Interpretation ist Bilder- und Kopfkino in Perfektion.

Intensiv lässt sich über Figuren und Themen dieses Films diskutieren, der auch die visuellen Verführungsmöglichkeiten des Kinos ausnutzt und Ian McEwans gleichnamige Vorlage qualitätskonstant komprimiert. McEwans Debüt "Der Zementgarten" (1978) liefert im sexuellen Erwachen sich weitgehend selbst überlassener Kinder auch das Hauptmotiv dieser Story, die mit tragischer Wucht mögliche Konsequenzen aufzeigt.

Es beginnt 1935 auf einem Landsitz in Surrey, an einem heißen Sommertag, an dem unterdrückte Gefühle aufkochen und nicht nur soziale Schranken durchbrochen werden, als hätte Peter Weirs australisches "Picknick am Valentinstag" einen englischen Ableger bekommen. Wie besessen hämmert die 13-jährige Briony (Neuentdeckung: Saoirse Ronan) die letzte Seite ihres Stücks, ein glühend-schwülstiges Dokument aufkeimender Gefühle, herunter. Das altkluge, impulsive Mädchen sehnt sich nach der Welt der Erwachsenen. Wie gut sie die eigene kennt, zeigt Wright metaphorisch in Brionys Speedlauf durch das verwinkelte Haus, wie sehr ihr die andere noch fremd ist, zeigen die Ereignisse dieses Tages, in der die gepflegte Langeweile der Upper Class in eine Katastrophe mündet. Erst beobachtet Briony, wie ihre ältere Schwester Cecilia (Keira Knightley) sich im Unterkleid Robbie (James McAvoy), dem Sohn der Haushälterin, präsentiert. Dann überbringt sie Cecilia Robbies schriftliche Antwort darauf, in der sich Vokabeln verirrt haben, die Society-Ladies eigentlich ins Koma fallen lassen. Schließlich sieht Briony die beiden in der Bibliothek keuchend ineinander verhakt - Robbie im Nobelanzug und damit äußerlich gleichgestellt und Briony vom grellen Licht geblendet, nachdem sie den dunklen Raum davor durchschritt. Als das Mädchen abends im Wald ihre etwa gleichaltrige Cousine intim mit einem Mann überrascht, beschuldigt Briony Robbie. So glaubt sie, ihre Schwester schützen, aber auch ihn für ihre eigenen enttäuschten Hoffnungen strafen zu können. Vier Jahre später ist Robbie Soldat, zeigt Wright in einer spektakulären Plansequenz am Strand von Dünkirchen den Wahnsinn des Kriegs, die surreale Atmosphäre, das Nebeneinander von Schmerz, Tod und Hoffnung, das Chaos, in dem sich auch die Hauptfiguren befinden, deren Leben dieser eine Tag für immer veränderte.

Mit bestechenden Bildern und einer anspruchsvollen erzählerischen Strategie, die Beobachtung in Wahrnehmung und Wirklichkeit zerlegt, Perspektiven und Fokus wechselt, entfaltet sich die Geschichte. Seine nicht nur musikalischen Annäherungen an "Der englische Patient" hat der Film eigentlich nicht nötig. Das demonstriert er in jeder Phase, auch in einem Epilog mit Vanessa Redgrave, der Realität und Fiktion miteinander versöhnt und die Schicksale der Figuren auf berührende Weise klärt. kob.

Darsteller:  Keira Knightley   als Cecilia Tallis
  James McAvoy   als Robbie Turner
  Romola Garai   als Briony, 18 Jahre
  Vanessa Redgrave   als Briony
  Brenda Blethyn   als Grace Turner
  Saoirse Ronan   als Briony Tallis, 13 Jahre
  Patrick Kennedy   als Leon Tallis
  Benedict Cumberbatch   als Paul Marshall
  Juno Temple   als Lola Quincey
  Peter Wight   als Polizeiinspektor
  Harriet Walter   als Emily Tallis
  Michelle Duncan   als Fiona MacGuire
  Gina McKee   als Schwester Drummond
  Daniel Mays   als Tommy Nettle
  Nonso Anozie   als Frank Mece
  Anthony Minghella   als Interviewer
  Jérémie Renier   als Luc Cornet
  Charlie von Simson   als Jackson
  Felix von Simson   als Pierrot
  Tilly Vosburgh   als Evacuees' Mutter
 
Regie:  Joe Wright  
Buch:  Christopher Hampton  
Musik:  Dario Marianelli  
Kamera:  Seamus McGarvey  
Produzent:  Tim Bevan  
  Eric Fellner  
  Paul Webster  

Killer räumen Oscars ab

Mit einer Öldusche hatte man in Hollywood in der Oscar-Nacht gerechnet - stattdessen gab's reichlich blaue Bohnen!

Javier Bardem heimste einen der vier Oscars für "No Country For Old Men" ein", Stefan Ruzowitzky nahm seinen Goldjungen für "Die Fälscher" von Penélope Cruz entgegen (Foto: © A.M.P.A.S.) Großansicht

Javier Bardem heimste einen der vier Oscars für "No Country For Old Men" ein", Stefan Ruzowitzky nahm seinen Goldjungen für "Die Fälscher" von Penélope Cruz entgegen (Foto: © A.M.P.A.S.)

Vier von acht möglichen Oscars, darunter in den beiden Königsklassen Bester Film und Beste Regie, gab's von der Academy für die Killergroteske "No Country for Old Men" von den Brüdern Joel und Ethan Coen. Javier Bardem glänzt in der absurd-tragikomischen Ballade um kaputte Gangster und desillusionierte Gesetzeshüter als gewissenloser münzewerfender Mörder und heimste dafür zu Recht den Preis als bester Nebendarsteller ein.

Das Öl-Drama "There Will Be Blood" kam trotz ebenfalls acht Nominierungen nur auf zwei Goldjungen. Einen davon räumte erwartungsgemäß Daniel Day-Lewis als bester Hauptdarsteller ab. Als beste Hauptdarstellerin wurde völlig überraschend Marion Cotillard für ihre Rolle als Edith Piaf in "La Vie en Rose" ausgezeichnet. Die Französin war ebenso überrumpelt wie das ganze Kodak Theater, dass nicht die Favoritinnen Julie Christie oder Cate Blanchett geehrt wurden - Cotillard stand minutenlang unter Tränen vor dem Mikrofon und rang nach Worten für ihre Dankesrede. Am Ende fand sie die schönsten Worte des gesamten Abends: "Ich danke dem Leben und ich danke der Liebe. Es stimmt wirklich, dass es in dieser Stadt Engel gibt."

Die Gewinner der Darstellerpreise strahlten um die Wette: Daniel Day-Lewis, Tilda Swinton, Marion Cotillard und Javier Bardem (Foto: © A.M.P.A.S.) Großansicht

Die Gewinner der Darstellerpreise strahlten um die Wette: Daniel Day-Lewis, Tilda Swinton, Marion Cotillard und Javier Bardem (Foto: © A.M.P.A.S.)

Deutschland freut sich mit Österreich

Den Oscar für die beste Nebendarstellerin gewann Tilda Swinton für ihre Rolle als Gegenspielerin von George Clooney im Gerichts-Thriller "Michael Clayton". Auch hier hatte Cate Blanchett für "I'm Not There" als haushohe Favoritin gegolten. Trotzdem war "Michael Clayton" neben "Abbitte" der große Verlierer: Beide Filme waren sieben mal nominiert, mussten sich aber mit nur einem Award begnügen.

Einen "halben" deutschen Oscar gab's für das KZ-Drama "Die Fälscher" mit August Diehl, das für Österreich in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film ins Rennen ging und in Deutschland koproduziert wurde. Regisseur Stefan Ruzowitzky erinnerte an seine erfolgreichen Landsmänner in Hollywood wie Billy Wilder oder Otto Preminger und sagte: "Es ist passend, dass der erste Oscar für Österreich an einen Film geht, der von den Verbrechen der Nazis handelt - denn aus diesem Grund mussten diese großen Künstler damals in die USA flüchten."

Darsteller Tommy Lee Jones gratuliert den Coen-Brüdern zu ihrem Vierfach-Triumph (Foto: © A.M.P.A.S.) Großansicht

Darsteller Tommy Lee Jones gratuliert den Coen-Brüdern zu ihrem Vierfach-Triumph (Foto: © A.M.P.A.S.)

Gedenken an Heath Ledger

"Das Bourne Ultimatum" darf sich rühmen, technische Maßstäbe gesetzt zu haben. Drei Oscars für Schnitt, Ton und Tonschnitt machen den spektakulären Agententhriller zum Film mit den zweitmeisten Preisen nach "No Country" und zum einzigen Beitrag, der alle Goldjungs erhielt, für die er nominiert war.

Einer der emotionalsten Momente war der Abschied der Academy von den Mitgliedern, die in den letzten zwölf Monaten verstarben: Am Ende des Zusammenschnitts von Höhepunkten aus den Werken der Filmschaffenden und Porträtfotos der verstorbenen Künstler wurde Heath Ledger gezeigt - und nachdem sich der Applaus gelegt hatte, herrschte lange Zeit gebannte Stille im gesamten Kodak Theatre.

 

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Keira Knightley

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