DVD Leihvideo

Abgedreht

Anheimelnde Feel-Good-Komödie um zwei Videothekenangestellten, die die Klassiker nachdrehen.


Abgedreht

Leihvideo

Erhältlich seit:
03.09.2008

Originaltitel: Be Kind Rewind

Komödie

USA 2007
Laufzeit: 97 Min.
FSK: o.A. (ohne Altersbeschränkung)

Jack Black
Mos Def
Mia Farrow

Regie: Michel Gondry
Senator Home Entertainment

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Die besten Filme sind die, die wir selber drehen - und Jack Black ("School of Rock") in Bestform zeigt, wie's geht.

Mrs. Falewicz würde gerne einen Klassiker ausleihen (Foto: Senator) Großansicht

Mrs. Falewicz würde gerne einen Klassiker ausleihen (Foto: Senator)

Wenn es Filme gibt, die Hollywood nicht zulassen dürfte, dann steht "Abgedreht!" oben auf der Liste. Die Komödie von Michel Gondry predigt Werte, die ganz und gar nicht nach den Vorstellungen der Medienkonzerne sind. Bei einem aberwitzigen Unfall lädt sich einer der beiden Helden (Komikerstar Jack Black) magnetisch auf und löscht dadurch das Inventar einer Videothek. Da Neuanschaffungen finanziell nicht möglich sind, greifen die Unglücksraben zur Kamera und drehen die populärsten Streifen im Do-it-yourself-Verfahren nach - mit Videokamera, Billig-Kostümen- und Effekten und viel, viel Fantasie.

Schnell werden die improvisierten Versionen in der Nachbarschaft zum Kult - ob "Robocop", "Ghostbusters", "Rush Hour 2" oder "Miss Daisy und ihr Chauffeur". Doch Hollywood lässt sich so viel Anarchie nicht gefallen - und die Möchtegernregisseure müssen ihren Einfallsreichtum erst recht bemühen, um allen Filmgroßkonzernen zu trotzen.

Man kennt das Remake nicht vom Original (Foto: Senator) Großansicht

Man kennt das Remake nicht vom Original (Foto: Senator)

Eine Liebeserklärung ans Kino

Das Handarbeits-Kino ist die Hauptattraktion des Films, und die Einfälle, mit denen Verfolgungsjagden oder Effektszenen nachgestellt werden, sind von höchster Skurrilität. Dafür bürgt auch Regisseur Michel Gondry, der mit Arbeiten für Björk oder Radiohead den modernen Videoclip revolutionierte und in Filmen wie "Vergiss mein nicht!" und "Science of Sleep" die Macht des Verrücktseins feierte. Aber ihm geht es nicht einfach darum, visuelle und erzählerische Gags aneinanderzuhängen.

"Abgedreht", für den er auch das Drehbuch schrieb, ist eine Hymne auf individuelle Kreativität in einem Zeitalter des Medieneinheitsbreis. Dazu passend gibt's auf der deutschen Website einen großen Film-Contest. Gondrys Film jedenfalls entwickelt sich international zum Kult. Dafür gibt es einen weiteren Grund: "Abgedreht" ist eine Liebeserklärung ans Kino. Das sollte sogar Hollywood gefallen.

Abgedreht

Anheimelnde Komödie um Jack Black als filmbegeisterten Videoclerk, der aus purer Not gelöschte Filme eigenhändig neu dreht und damit ein ganzes Stadtviertel begeistert.

Ein skurriles Feel-Good-Movie für Filmfans ist dem ungebrochen kreativen Michel Gondry gelungen. Noch jedes seiner Werke beschritt vollkommen eigene Wege. So auch diesmal, wenn der Franzose seine erste reinrassige Komödie verantwortet und sich von den Komplexen aus "Science of Sleep" löst, nicht aber von seiner ungeheuren Fantasie. Die bildet einen reizvollen Kontrast zur schäbig-ärmlichen Realität, in der die Videothek des liebenswerten, aber wenig geschäftstüchtigen Mr. Fletcher (Danny Glover) steht. Gondry lässt Glover für alten Jazz und Stummfilme schwärmen, wie ein verschrobener Alfredo in "Cinema Paradiso", besingt aber nicht die Magie vom großen Kino, sondern vom jüngst ausgeschiedenen Format VHS und vom Do-it-Yourself-Filmemachen.

Eine Hommage ans Vergangene und Kleine, das wunderbar spinnert rüberkommt, perfekt verkörpert von Jack Black als energiegeladener, auf einem Schrottplatz hausender Nerd Jerry und Mos Def als kaum minder abgerissener, nuschelnder Ladengehilfe Mike. Nachdem Jerry ein Elektrizitätswerk sabotiert und ihn ein Stromschlag magnetisiert, löscht er unabsichtlich alle Videobänder in dem kümmerlichen "Be Kind Rewind"-Laden. Inhaber Fletcher ist gerade verreist, Kundin Falewicz (Mia Farrow) fordert "Ghostbusters" an, Mike hat ein Problem - das er per Geistesblitz löst: Er dreht mit Jerry ein 20-minütiges "Remake". Mit erstaunlichem Erfolg: Bald finden wider Erwarten Dutzende dieser Kurzfilme rasante Nachfrage in der Nachbarschaft, die junge Alma (Melonie Diaz) komplettiert das Trio und die Einnahmen sprudeln.

Gondry schlägt einen warmherzigen Ton an und setzt auf wohldosierten Slapstick, Chaos und gute Laune, ohne seinen Pointen die Schärfe zu nehmen. Zugleich wirft er Streiflichter auf Showbiz und Starruhm, feiert den Herzblut-Charme von Homemade-Filmen und verdammt seelenlose Blockbuster, lässt Sigourney Weaver exemplarisch als Copyright-Anwältin der Studios Kassetten einstampfen. Als Rahmen dient nicht nur die Konfrontation von aseptischer DVD-Moderne und wohlig gammeliger VHS-Vergangenheit, von lebenswerten Altbauten und keimfreier Stadtneuplanung; vor allem vernichtet kaltschnäuziger Konzernkapitalismus mit seinem Geschäftsgebaren die wahre Cinephilie - was zu einem großen Finale von fast schon capraesker Sozialromantik führt. Der Abschlussfilm der Berlinale ist eine vortreffliche Liebeserklärung (nicht nur) an ein überlebtes Medienformat, glänzt neben Einfallsreichtum durch famosen Witz (die Tarnanzüge!) und einer gleichwertigen Riege starker Darsteller, die einem rasch ans Herz wachsen. tk.

Darsteller:  Jack Black   als Jerry
  Mos Def   als Mike
  Mia Farrow   als Ms. Falewicz
  Danny Glover   als Mr. Fletcher
  Sigourney Weaver   als Ms. Lawson
  Melonie Diaz   als Alma
 
Regie:  Michel Gondry  
Buch:  Michel Gondry  
Musik:  Jean-Michel Bernard  
Kamera:  Ellen Kuras  
Produzent:  Georges Bermann  
  Julie Fong  
 

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