
Dänische Apfelkuchen schmecken gallig: Anders Thomas Jensen ("Dänische Delikatessen") bleibt seinem Fach treu und serviert eine bissige, aber sympathische Komödie über einen leidgeprüften modernen Hiob, den (fast) nichts von seinem Glauben abbringt.
Landpfarrer Ivan ("Casino Royale"-Gegenspieler Mads Mikkelsen) widmet sich in seinem kleinen Gotteshaus der Resozialisierung Straffälliger. Zu seinen Schäfchen zählen der kleptomanische Alkoholiker und Vergewaltiger Gunnar, sowie der schießfreudige arabische Tankstellenräuber Khalid. Neuzugang Adam (Ulrich Thomsen aus "Brothers"), misanthropischer Neonazi, dessen Bibel "Mein Kampf" ist, gerät sofort in Rage über Ivans Gutmütigkeit. Rasch erkennt er, dass sich hinter seiner unerschütterlicher Barmherzigkeit eine tragische Vergangenheit verbirgt. Ivan biegt sich die Realität so zurecht, bis sie in sein gnadenlos positives Weltbild passt. Adam macht es sich fortan zur Aufgabe, ihn davon zu kurieren - am besten mit Schlägen und Tritten.
Den Konflikt zwischen dem teuflischen Adam und dem Gutmenschen Ivan schildert Jensen in einem menschelnden, nonchalanten Tonfall, der zwar kalkuliert provoziert, aber auf charmante Weise selbst gelegentlichen Gewalteinsatz entschärft. Ivan erweist sich als unkaputtbares Stehaufmännchen wie aus einem Comic und selbst Kopfschüsse erzielen eine heilende Wirkung. Mögen das Treiben auch grotesk und die Individuen obskur sein, die betont lakonische Regie gibt den absurden Kapriolen und göttlichen Fügungen eine fast prosaische Bodenhaftung.
Wenn der titelgebende Apfelbaum von einer Plage nach der anderen heimgesucht, Ivan vom Schicksal in jeder erdenklichen Fasson gebeutelt und stets das Buch Hiob aufgeschlagen wird, weist Jensen deutlich, vielleicht überdeutlich auf den allegorischen Charakter hin. Dann erscheint Satan in gestalt Adams und Ivan als duldsames Lamm, das so lange geprüft wird, bis sein Gottesglaube bricht. Jensen, der die junge Tradition schwarzhumoriger dänischer Komödien quasi im Alleingang zu verantworten hat (Drehbücher von "Mifune" bis "In China essen sie Hunde"), arbeitet auf eine christliche Botschaft hin, die er freilich in leicht respektloser und immer unterhaltsamen Art unterbreitet. Dafür erhielt sein Werk auch den dänischen Filmpreis Robert in vier Kategorien und setzte sich gegen Favorit Lars von Trier durch.
tk.