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Kaufvideo
Erhältlich seit:
24.07.2000
Deutschland 1998
Laufzeit: 121 Min.
FSK: ab 12
Maria Schrader
Juliane Köhler
Johanna Wokalek
Regie: Max Färberböck
Universum Film

Lange erwartet, endlich da: Max Färberböcks Regiedebüt, die Verfilmung einer authentischen und tragischen Liebe im kriegszerstörten Berlin, gerät zur bislang leicht überfrachteten Tour de force durch Hitlerdeutschland und feiert Triumphe als großes Schauspielerkino. In jedem Fall: ein würdevoller Vertreter heimischen Filmschaffens im Berlinale Wettbewerb.
Die Produzenten Günter Rohrbach und Hanno Huth hatten sich viel vorgenommen. Das Prestigeprojekt um die Auseinandersetzung mit Nazitum und Judenverfolgung stellte hohe Anforderungen, zumal der wunderbaren Buchvorlage von Erica Fischer, mittlerweile in elf Sprachen übersetzt, Gerechtigkeit widerfahren sollte. Max Färberböck, für seine TV-Produktionen vielfach ausgezeichneter Absolvent der HFF München, schrieb zusammen mit der versierten britischen Autorin Rona Munro ("Ladybird, Ladybird") das Drehbuch.
Das Mammutvorhaben, um dessen Fertigstellung sich die Gerüchte rankten, kostete Schauspielerin Juliane Köhler ihren Job am Münchener Residenztheater: Da sich die Dreharbeiten verzögerten, kündigte man der angesehenen Theatermimin. Für Juliane Köhler ein schockierendes Erlebnis, dennoch würde sie sich jederzeit wieder für diesen außergewöhnliche Part entscheiden. Sie ist Lilly Wust, Ende zwanzig, Mutter von vier Kindern und Trägerin des Mutterkreuzes. Brav, bieder, politisch eine Mitläuferin - besteht der einzige Reiz in ihrem Leben aus wechselnden Liebschaften. Bis sie Felice (Maria Schrader) trifft, eine Jüdin, die im Untergrund lebt, unter falschem Namen für eine Nazizeitung arbeitet und eine Widerstandsgruppe mit Informationen versorgt - jeden Tag riskiert sie alles. Die Liebe zueinander verändert das Leben beider Frauen grundlegend. Lilly läßt sich scheiden, Felice gibt ihre Tarnung auf, liefert sich dadurch ihrer großen Liebe aus. Das Glück der beiden währt nur kurz. Felice wird von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager verschleppt, Lilly wird nie wieder jemanden lieben....
Es sind Jahrhundertrollen für die beiden Hauptdarstellerinnen, die sie, jede auf ihre ganz eigene Art, exzellent ausfüllen. Für Maria Schrader ist die "Felice" der große Durchbruch: so gut sah man sie noch nie. Und Theaterstar Juliane Köhler, eigentlich mit dem schwierigeren Part konfrontiert, ist als neues Leinwand-Wunder entdeckt. Was beide Darstellerinnen ihren Figuren geben und entlocken, ist großes Schauspielerkino, wie es in Deutschland lange nicht zu sehen war, angelegt bereits in den hervorragend entwickelten Charakteren der Buchvorlage.
Der Film setzt ganz auf die Liebesgeschichte - und tut gut daran. Er ist dann am besten, wenn er der Darstellerkraft seiner beiden Heldinnen vertraut. Die erste Liebesszene, die Lilly eine ihr gänzlich unbekannte, faszinierende und verstörende Welt eröffnet, geht unter die Haut und zählt zu den intensivsten Bettszenen der Filmgeschichte.
Die Schilderung der Lebensumstände in der von der finalen Schlacht umtobten Hauptstadt bleibt dagegen leider bisweilen hinter dem ausführlich gezeigten, exzessivem Lebensgefühl der vergnügten Lesben-Gruppe zurück. Das atemberaubende Zeitkolorit der 43/44er Jahre, im Buch so gut geschildert, kommt nicht ganz glaubhaft. Da gibt man sich allzu ausstattungsverliebt, ist zu sehr auf production value bedacht. Das mutige Projekt schießt bisweilen, von seinen eigenen Ansprüchen getrieben, übers Ziel hinaus. Sein Hyper-Realismus in nostalgisch überfrachteten Farbtönen wirkt dann irritierend.
Bis in die Nebenrollen ist das Casting sorgfältig bis exzellent, seien es Detlev Buck als Ehemann, Vater, Liebhaber, Verlassener und einsamer Soldat oder Heike Makatsch als lebenshungrige, todesmutige und kluge Freundin.
Die dramaturgisch vielleicht richtige Entscheidung, dem Film eine erzählerische Rahmenhandlung zu geben, ist bedauerlich, denn sie zerstört die große, schöne Kinoillusion, die die wahnsinnige Liebesgeschichte geschaffen hat: da wird eine alte Lilly Wust aus ihrer Berliner Wohnung ins Altersheim geschafft, quasi im Rückblick entfaltet sich der Film als ihre Lebensgeschichte. Und vorm Abspann erleben wir dann, wie Lilly im Altenwohnheim ihre alte Rivalin um Felices Gunst, Ilse, wiedertrifft. Eine überflüssige Konstruktion, denn wir erfahren nur, was wir ohnehin schon wissen: Lilly ist an der Größe und Kompromißlosigkeit ihrer Liebe zerbrochen, Felice nie aus dem Konzentrationslager zurückgekehrt.
Nach "Comedian Harmonists" ein weiterer Senator-Film zum Thema deutsche Vergangenheit, bevor das Jahrhundert endgültig mit Karracho ins neue Jahrtausend startet. Gut, die Zukunft nicht losgelöst von der Vergangenheit zu sehen. Ob der wilden Liebesgeschichte kommerziell ein ähnlicher Erfolg beschieden sein wird, kann nur die Zukunft zeigen. Die Weichen sind - nicht zuletzt mit dem Starttermin (Berlinale) - jedenfalls auf Erfolg gestellt. boe.
| Darsteller: | Maria Schrader | als Felice Schragenheim | |
|---|---|---|---|
| Juliane Köhler | als Lilly Wust | ||
| Johanna Wokalek | als Ilse | ||
| Heike Makatsch | als Klärchen | ||
| Elisabeth Degen | als Lotte | ||
| Detlev Buck | als Günther Wust | ||
| Inge Keller | als Lilly 1997 | ||
| Kyra Mladeck | als Ilse 1997 | ||
| Margit Bendokat | als Frau Jäger | ||
| Jochen Stern | als Werner Lause | ||
| Prof. Peter Weck | als Chefredakteur Keller | ||
| Hans-Christoph Blumenberg | als Stefan Schmidt | ||
| Klaus Manchen | als Vater Kappler | ||
| Sarah Camp | als Mutter Kappler | ||
| Désirée Nick | als Erika | ||
| Patrizia Moresco | als Maria | ||
| Karin Friesecke | als Marlene | ||
| Dani Levy | als Fritz Borchert | ||
| Lia Dultzkaya | als Großmutter Hulda | ||
| Klaus Koennecke | als Herr Ude | ||
| Barbara Focke | als Frau Ude | ||
| Dorkas Kiefer | als Tanja | ||
| Werner Rehm | als Dirigent | ||
| Rüdiger Hacker | als Ernst Biermösl | ||
| Peer Jäger | als Herr Pohl | ||
| Anette Felber | als Frau Pohl | ||
| Bastian Trost | als Leutnant | ||
| Rosel Zech | als blonde Frau | ||
| Carl Heinz Choynski | als Brummer | ||
| Ulrich Matthes | als Eckert | ||
| Regie: | Max Färberböck | ||
| Buch: | Max Färberböck | ||
| Rona Munro | |||
| Musik: | Jan A.P. Kaczmarek | ||
| Kamera: | Tony Imi | ||
| Produzent: | Hanno Huth | ||
| Prof. Dr. Günter Rohrbach | |||
Aimée & Jaguar in der Fotoshow
Features
Der Titel enthält folgende Features
Sprachen: Deutsch
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Bildformat: 1:1,77/16:9
Extras: Kapiteleinteilung, Informationen zu Cast & Crew, Making Of Featurette, Hinter den kulissen, Interviews mit 11 Cast&Crew Mitgliedern, Audio Interview mit Maria Schrader
Star
Maria Schrader
Deutsche Schauspielerin. Geb. 1965 in Hannover. In den 90er-Jahren war sie als kraftvoll rebellische, wilde, kapriziöse, unschuldig-naive...
Star
Juliane Köhler
Deutsche Schauspielerin. Sie arbeitet gern mit Regisseurinnen, weil die sie verstehen, und die Frauen, so sie den Stoff in- und auswendig...
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