
Weil äußerliche Reize beim Seitensprung eine Hauptrolle spielen, hat diese leichte Komödie über das Fremdgehen diesbezüglich einiges zu bieten.
Mit einer stilvollen Creditsequenz, der Akzentuierung der Ausstattung und dem Cinemascope-Format, der Hausmarke des Comedyspezialisten Frank Tashlin, ist "Alibi" eine deutliche Reminiszenz an das Hollywood der Sixties. Die ineinander verzahnten Handlungsstränge dagegen verweisen auf das Kino der Neunziger - als gewaltentschärfte Variante der Plotknäuel von Tarantino oder Ritchie, die sich in einem Finale Grande auflösen. Auch wenn sich hier vieles um Sex dreht, geht es recht harm- und emotionslos zu, wenn Protagonist Ray (Steve Coogan) die vielen Figuren manipuliert und ihrer Bestimmung zuführt. Ray ist Leiter einer Agentur, die sich darauf spezialisiert hat, untreuen Kunden ein Alibi zu verschaffen. Neu im Team ist Lola (Rebecca Romijn), ein Verführungsprofi, der dem beziehungsfrustrierten Agenturchef am Ende den Glauben an die Liebe zurückgibt. Wirklich entwickelt wird diese wechselseitige Attraktion nicht, wirklich begründet zumindest aus Lolas Sicht auch nicht, weil es dem britischen Komödianten Coogan an Ausstrahlung fehlt, um überhaupt in die Umlaufbahn Romijns eintreten zu können. Die Romanze bleibt allerdings nur Nebenschauplatz einer Handlung, die sich darauf konzentriert, Rays Fähigkeiten als Multi-Problemlöser in den Vordergrund zu stellen. Als der Sohn seines besten Kunden bei S & M -Spielchen seine heimliche Affäre erwürgt, muss Ray die Leiche verschwinden lassen. Weil der übermotivierte Triebtäter für sein erotisches Wochenende mit Rays Kreditkarte bezahlte, gerät der Alibilieferant selbst ins Visier der Cops und des eifersüchtigen Lovers der Toten. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Auftragskiller auf Ray angesetzt wird, dass ein Gangster-Oldie Ray zur Mitarbeit zwingt und dessen gelangweilte Frau in Ray eine jüngere Alternative gefunden zu haben glaubt. Am Ende laufen alle Handlungsfäden in einem Hotel zusammen, klingt dieses Regiedebüt heiter-entspannt aus, dessen größter Köder nicht seine Originalität, sondern seine namhafte Besetzung ist - ein Talentpool von Altpunkern (Henry Rollins), Cowboyveteranen (Sam Elliott), Seniorengigolos (James Brolin) und Beautyqueens (Romijn, Selma Blair). kob.