
Solides Spieler-Drama mit Leinwand-Veteran Burt Reynolds, das sich an altbekannten Vorbildern orientiert und die Faszination Poker kinogerecht aufbereitet.
Las Vegas fasziniert. Der Black-Jack-Krimi "21" war gerade die Nummer Eins in den deutschen Kinos, in Kürze startet die Geschlechterkampf-Komödie "Love Vegas", die ebenfalls in der US-Glitzer-Metropole ihren Ausgang nimmt, und ab dem 12. Juni versucht Leinwand-Legende Burt Reynolds sein Glück am Pokertisch. In dem vom hierzulande unbekannten Regisseur Gil Cates Jr. inszenierten "All In - Alles oder nichts" spielt der 72-Jährige, der 1997 mit seinem Golden-Globe-Gewinn für "Boogie Nights" ein beachtliches künstlerisches Comeback schaffte, den Profi-Spieler Tommy Vinson. Früher war der mal eine ganz große Nummer, doch aus Liebe zu seiner Frau hat er das Pokern aufgegeben. Eines Tages aber entdeckt er bei einem TV-Turnier in Alex Stillman (Kino-Newcomer Bret Harrison) ein aufstrebendes Poker-Talent. Tommy beschließt, diesen jungen Mann unter seine Fittiche zu nehmen und ihn zu den anstehenden Weltmeisterschaften, die er selbst nie gewinnen konnte, zu führen. Dabei setzt er nicht nur leichtfertig seine Ehe aufs Spiel, bei den Vorbereitungen zum alles entscheidenden Turnier kommt es auch noch zum Bruch zwischen dem ehrgeizigen Schüler und seinem exzentrischen Lehrmeister. Am Ende sitzen sich Alex und Tommy beim Kampf um den WM-Titel als Kontrahenten gegenüber.
"All In - Alles oder nichts" ist eine geradlinige, schnörkellos erzählte Spieler-Story, die sich an alten wie modernen Klassikern in der Art von "Haie der Großstadt" oder "Die Farbe des Geldes" orientiert. Dabei wird das Spannende am Poker-Spiel, das derzeit ja auch diverse deutsche TV-Sender in ihrem Nachtprogramm exzessiv zu nutzen wissen, dramaturgisch geschickt aufbereitet. Zwischen den einzelnen Zocker-Szenen, die mit prominenten "echten" Spielern wie Antonio Esfandiari und Phil Laak, aber auch mit "Bound"-Babe Jennifer Tilly, ebenfalls selbst leidenschaftliche Pokerspielerin, aufwarten, gibt es auch etwas anderes als Paare, Drillinge und Full Houses - etwa, wenn sich Alex unwissentlich in die (von Tommy engagierte) Prostituierte Michelle (putzig: Ex-Model Shannon Elisabeth) verliebt, oder Tommys alter Kumpel Charlie (souveräner Charakterschädel: Charles Durning) erklärt, warum sein Freund unbedingt an der WM teilnehmen muss.
Das alles ist solide und unspektakulär aufbereitet, zudem streben die 83 auch für Laien leicht verdaulichen Filmminuten einem zwar sympathischen, aber auch sehr unwahrscheinlichen Ende entgegen. Dass der Spaß am "Deal", wie das Werk im Original heißt, für eingefleischte Poker-Fans dennoch um ein Vielfaches größer sein wird als beim "normalen" Publikum, versteht sich von selbst. lasso.