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Am Tag als Bobby Ewing starb

Die symbiotische Beziehung zwischen einem Sohn und seiner Mutter zerbricht, als beide 1986 in eine Kommune unweit einer AKW-Baustelle ziehen.


Am Tag als Bobby Ewing starb

Leihvideo

Erhältlich seit:
01.12.2005

Drama/ Komödie

Deutschland 2005
Laufzeit: 91 Min.
FSK: ab 6

Peter Lohmeyer
Gabriela Maria Schmeide
Franz Dinda

Regie: Lars Jessen
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Die symbiotische Beziehung zwischen einem Sohn und seiner Mutter zerbricht, als beide 1986 in eine Kommune unweit einer AKW-Baustelle ziehen.

Demonstration gegen das AKW (Foto: jetfilm) Großansicht

Demonstration gegen das AKW (Foto: jetfilm)

Nach der Scheidung der Eltern zieht der 17-jährige Niels (Franz Dinda) 1986 mit seiner Mutter Hanne (Gabriela Maria Schmeide) von Bremen nach Schleswig-Holstein - in eine Kommune unweit der AKW-Baustelle Brokdorf. Die Umstellung vom Stadtleben auf die alternative Lebenseinstellung fällt der Sozialpädagogin weseltlich leichter als ihrem Sohn.

Als Hanne mit dem Kommunenguru Peter (Peter Lohmeyer) eine Liaison wiederaufleben lässt, rebelliert Niels und beteiligt sich am gewaltbereiten Widerstand gegen das AKW.

Protest durch Nacktheit (Foto: jetfilm) Großansicht

Protest durch Nacktheit (Foto: jetfilm)

Dringendes Anliegen

"Am Tag als Bobby Ewing starb", Gewinnerfilm des Max-Ophüls-Preises 2005, erzählt in erster Linie ein Mutter-Sohn-Drama vor dem realen Hintergrund der Auseinandersetzungen um das Atomkraftwerk Brokdorf. Für den jungen Regisseur Lars Jessen musste der Film unbedingt jetzt gemacht werden.

Er laviert zwischen leiser Kritik, latenter Bewunderung und leichter Nostalgie. In dem authentischen Drama mit komödiantischen Zügen spielen unter anderem Gabriela Maria Schmeide, Peter Lohmeyer, Nina Petri und Richy Müller.

Am Tag als Bobby Ewing starb

In seinem ersten langen Spielfilm "Am Tag als Bobby Ewing starb" rechnet Lars Jessen ernsthaft-heiter mit der 68er-Generation ab und verarbeitet eigene Kindheitserfahrungen in Wohn- und Beziehungsexperimenten seiner Eltern. Das Porträt einer Landkommune und die Proteste gegen das AKW Brokdorf, endlose Diskussionen und gemeinsames Plantschen im Badezuber sind von rührender Naivität und Sympathie geprägt.

Für den jungen Regisseur musste der Film "jetzt gemacht werden". Er will "keine Abrechnung im klassischen Stil" und laviert deshalb zwischen leiser Kritik, latenter Bewunderung und leichter Nostalgie. Anfangs wirkt das chaotische Miteinander auf dem Bauernhof in Norddeutschland wie eine krude Ansammlung von Altbekanntem. Da soll die Urschrei-Therapie für Befreiung sorgen, laufen Männlein und Weiblein nackt und fröhlich in der Natur herum, stellt man Windräder auf, um "autark" zu sein und statt "imperialistischen Bohnenkaffee" schlürfen die in einfaches Strickzeug Gewandeten ein braunes Gesöff aus Getreide. In diese Idylle platzt die Sozialpädagogin Hanne mit Sohnemann Niels. Die Städterin gewöhnt sich schnell an Gemüsepuffer, Gewaltverzicht und die wöchentliche Dallas-Dosis, der Teenager hält dagegen wenig von den bekifften Landkommunarden des alternativen Wohnkollektivs Regenbogen. Statt mit der neuen Großfamilie sanft gegen das AKW zu protestieren, fraternisiert er mit dem Dorf-Rocker Rakete, der sich die Bierchen reihenweise reinkippt. Während sich die Mama mit dem WG-Chef lustvoll im Laken vergnügt, genießt der Teenie ersten Sex mit der Bürgermeisterstochter, findet Molotow-Cocktails und das Ansäbeln von Strommasten spannender als Pazifismus.

"Am Tag als Bobby Ewing starb" kommt es zur Zäsur, nicht nur weil der Erdöldynastie-Spross entschlummert, sondern im weit entfernten Tschernobyl der Super-GAU eintritt, die tödliche Atomwolke in den nächsten Tagen gen Westen driftet. Nicht ist mehr, wie es einmal war. Die Gratwanderung von Lars Jessen gelingt nicht immer. Manchmal glaubt man sich in einem schlechten Kostümfilm, wenn Peter Lohmeyer als Ober-Kommunarde eine ziemlich schreckliche Langhaar-Perücke trägt und Schafe schert oder die Welt sich aufteilt in versponnene Idealisten und reaktionären Dörfler. Die persönliche und autobiografische Zeitreise schrappt hart am Klischee entlang, auch wenn ganz authentisch der Flokati den Boden bedeckt, "bumsen" mit weichem S gesprochen wird und der Joint kreist. Es fehlt die Entscheidung zwischen einer konsequenten Coming-of-Age Geschichte aus dem Blickwinkel des Jungen und dem Porträt einer Generation, die den Aufbruch mit unkonventionellen Mitteln wagte. Gut gezeichnet Niels' Grundkonflikt mit der Mutter und ihrem Liebhaber und seine "Emanzipation", wenn er am Ende nicht den Wehrdienst verweigert, sondern an der Waffe ausgebildet werden will. Da ist der Generationenbruch handfest spürbar. Für Jessen wurden so viele Schranken eingerissen, dass sich seine Generation "ganz auf unsinnige Frisurenexperimente, schlechte Musik und bunte Mixgetränke konzentrieren" konnte. Ausgezeichnet mit dem Max Ophüls-Preis 2005 sollte diese liebevolle Komödie ihre Nische im Kino finden. mk.

Darsteller:  Peter Lohmeyer   als Peter
  Gabriela Maria Schmeide   als Hanne
  Franz Dinda   als Niels
  Nina Petri   als Gesine
  Richy Müller   als Eckardt
  Luise Helm   als Martina
  Peter Heinrich Brix   als Prestin
  Jens Münchow   als Rakete
  Jan Peter Heyne   als Frahm
  Rocko Schamoni   als Immo
  Ingo Haeb   als Rallek
  Lisa Maria Potthoff   als Dani
  Lars Gärtner   als Oliver
  Falk Rockstroh   als Walther
  Marion Breckwoldt   als Dörte
  Ulrich von Bock   als Niels' Opa
  Barbara Focke   als Niels' Oma
 
Regie:  Lars Jessen  
Buch:  Ingo Haeb  
  Lars Jessen  
  Kai Hensel  
Musik:  Element of Crime  
  Jakob Ilja  
  Paul Rabiger  
Kamera:  Andreas Höfer  
Produzent:  Elke Peters  
  Peter Stockhaus  
 

Am Tag als Bobby Ewing starb in der Fotoshow

 

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