Vier Jahre hat es gedauert, bis dieser Film nun endlich in unsere Kinos kommt. Sicher, "American Heart" bedient nicht die übliche Mainstream-Schiene, hat aber durch Hollywood- Star Jeff Bridges und das damals noch hoch im Kurs stehende "T2"-Kid Edward Furlong durchaus kommerzielles Potential, das auch für Zuschauer jenseits der Programmkinos attraktiv erscheinen dürfte. Und vor allem: Er ist hervorragend inszeniert. Verantwortlich dafür zeichnet Martin Bell, der 1984 für seinen Dokumentarfilm "Streetwise" eine Oscarnominierung erhielt. Realitätssinn, Gespür für Dramatik und Atmosphäre und ein unbestechlicher analytischer Blick zeichnen Bells ersten Spielfilm aus. Die Dialoge seiner Protagonisten sind voller Saft und Kraft, und die Figurenzeichnung ist lebendig, stark und absolut überzeugend. Bell erzählt seine Geschichte mit einer rauhen und schnörkellosen Direktheit, die trotzdem poetische Momente von großer Intensität zuläßt. Die Story: Jack (Jeff Bridges) wird vorzeitig aus dem Knast entlassen. Mißtrauisch und unsicher versucht er sich in seiner Situation zurecht zu finden. Eigentlich will er nur mal kurz bei Charlotte (Lucinda Jenney) vorbeischauen, die er über das Knastmagazin "American Heart" kennengelernt hat, um dann seinen großen Traum, in Alaska ein neues Leben zu beginnen, in die Tat umzusetzen. Doch plötzlich wird er mit seinem 15jährigen Sohn Nick (Edward Furlong) konfrontiert, der nicht mehr von seiner Seite weichen will. Diese schwierige Vater- Sohn-Konstellation eskaliert immer dann, wenn in Jack und Nick Gefühle geweckt werden. Gefühle, mit denen sie nicht gelernt haben, angemessen umzugehen. Es dauert sehr lange, bis die beiden ihre mit Stacheldraht umwickelten Herzen öffnen. Doch da ist es zu spät. Bells nonchalante Art, Tragik nicht im Crescendo, sondern mit leisen Zwischentönen zu dramatisieren, ist neben den schauspielerischen Leistungen von Bridges und Furlong ein großer Gewinn für den Film. Furlong macht deutlich, daß er mit den Kinderstar-Pappkameraden á la Culkin nichts am Hut hat, sondern tatsächlich etwas auszudrücken weiß. Und Bridges schließt mit dem Porträt eines Losers, der sich bis zum Schluß nicht von der brutalen Wirklichkeit besiegen läßt, eindrucksvoll an seine größten Leistungen an. ull.