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American History X

Kompromißloses Drama um Rassismus in einem hyperrealistischen Bildersturm.


American History X

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Erhältlich seit:
17.04.2000

Drama

USA 1998
Laufzeit: 114 Min.
FSK: ab 16

Edward Norton
Edward Furlong
Fairuza Balk

Regie: Tony Kaye
Universum Film

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Kompromissloses Drama um Rassismus in einem hyperrealistischen Bildersturm.

Derek macht aus seiner rassistischen Einstellung kein Geheimnis (Foto: Kinowelt) Großansicht

Derek macht aus seiner rassistischen Einstellung kein Geheimnis (Foto: Kinowelt)

Für den 16-jährigen Skinhead Danny (Edward Furlong) ist sein älterer Bruder Derek (Edward Norton) ein Held. Dieser hat drei Schwarze getötet, als sie sein Auto stehlen wollten. Durch diesen Akt der Gewalt ist der junge Mann zu einer Ikone der White-Power-Bewegung aufgestiegen. Kaum aus der Haft entlassen, suchen die Ex-Kumpels wieder Dereks Nähe - allen voran Danny.

Keiner weiß aber, dass Derek im Gefängnis Hass, Gewalt und Rassismus abgeschworen hat und nun versucht, wieder im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen. Vor allem liegt ihm jedoch daran, Dannys Seele zu retten.

Nach dem Knast ist Derek ein völlig neuer Mensch (Foto: Kinowelt) Großansicht

Nach dem Knast ist Derek ein völlig neuer Mensch (Foto: Kinowelt)

Heikles Thema

Der britische Werbefilmer Tony Kaye gibt mit diesem brutalen, kompromisslosen Drama über Rassismus, Verblendung und die Wurzeln des Hasses sein visuell faszinierendes und inhaltlich aufregendes Spielfilm-Debüt.

Hyperrealistische Bilder, verschachtelte Rückblenden und ein groß aufspielender Edward Norton, der für seine überzeugende Verkörperung des Derek zu Recht für einen Oscar nominiert wurde, machen "American History X" zu einem beunruhigenden und überaus stimmigen Gesellschaftsporträt, das nicht nur für die USA Gültigkeit besitzt. Ein heikler, schwieriger Film, der nicht nur ein politisch interessiertes Publikum anspricht.

American History X

Selten gab es um einen Film bereits vor seiner Veröffentlichung dermaßen bizarre Publicity wie im Fall des thematisch ohnehin extrem kontroversen Neonazi-Skinhead-Dramas "American History X". So lieferte sich der britische Newcomer-Regisseur Tony Kaye mit New Line Cinema einen erbitterten Disput, da er sich mit der endgültigen Schnittfassung (bei der u. a. deutlich zu viele Nahaufnahmen ins Auge stechen) nicht einverstanden zeigte und daraufhin (erfolglos) seinen Namen vom Projekt entfernt sehen wollte. Dabei braucht er sich seiner Assoziation mit dem tief bewegenden Porträt eines unbedingt Oscar-würdig von Edward Norton ("Larry Flynt - Die nackte Wahrheit") gespielten charismatischen Neonazis und seiner Abkehr von der rassistischen White-Power-Bewegung nicht zu schämen.

Die Story konzentriert sich auf die Brüder Derek (Norton) und Danny Vinyard (Edward Furlong), die beide zeitversetzt in der selben faschistischen Gruppe aktiv sind. Ein Großteil der Ereigisse wird in Schwarzweiß-Rückblicken erzählt, die fließend in die farbige Gegenwart eingewoben werden. Dabei wird einerseits aus der Perspektive des jungen Danny berichtet, der sich an seinen Bruder als bewunderswerte Kämpfernatur erinnert, während Dereks Sicht seinen Gefängnisaufenthalt illustriert. Im verstörenden Prolog sieht man die von Derek begangenen Morde an drei Schwarzen, die nachts seinen Truck vor der Einfahrt klauen wollen. Dabei wird das brutalste Detail, das manchem Zuschauer den Magen umdrehen wird, erst gegen Filmende offenbart. Für seine Tat erhält Derek eine dreijährige Haftstrafe. War er dank seiner Intelligenz und Eloquenz unter seinen Kameraden bereits eine Leitfigur, steigt er durch seinen eiskalten Akt der Selbstjustiz zum legendären Märtyrer auf. Kein Wunder, daß ihm sein kleiner Bruder Danny in der Zwischenzeit in seinen Fascho-Fußstapfen folgt, während sich Derek ohne Dannys Wissen im Gefängnis nach einschneidenden Ereignissen völlig von der gewalttätigen Vergangenheit lossagt. Wieder auf freiem Fuß will er seinen Bruder aus der Bewegung loseisen.

Der selbsttitulierte Hype-Künstler Kaye (der auch als Kameramann fungierte) kann auf einen Hintergrund als erfolgreicher Werbefilmer zurückblicken. Das schlägt sich in seiner Fähigkeit nieder, einzelne Szenen beeindruckend und bildgewaltig zu inszenieren. Da gerät ein Basketballspiel der Skins gegen eine schwarze Gang zum triumphalen Siegeszug. Die Verwüstung eines koreanisches Supermarkts und die grausame Ermordung der Angestellten gleicht einem sich entladenen Wutgewitter, eine homosexuelle Vergewaltigung symbolisiert tiefste Erniedrigung und Hilflosigkeit. Wenn die Brüder langsam die Nazi-Insignien von den Wänden ihres gemeinsamen Zimmers abnehmen, ist das eine kraftvoll vermittelte, mehr als nur symbolisch vermittelte Abkehr, die mehr aussagt als viele Worte es jemals könnten. Eine Vielzahl der weiteren Figuren stellt mehr einen Kommentar zur Abrundung der angestrebten Skizzierung von vermeintlichen schwarzen und weißen Rassenkontrasten dar, die letztlich nur ein verwaschenes Grauer geben können. Da wären der idealistische und großherzige schwarze Schuldirektor, der aufrichtige jedoch feige jüdische Verehrer der verwitweten Mutter Vinyard, der schwarze Häftling, der sich ohne Vorurteile mit Derek anfreundet und die Skinheads, die als Gegenstück zu Nortons Figur durch einen fetten Idioten (Ethan Supple) und einen machtgierigen Spießbürger (Stacy Keach) in einem durch und durch negativen Licht als ignorant und gefährlich porträtiert werden. Der Film scheut sich nicht, unangenehme gesellschaftliche Mißstände aufzugreifen, die der flammenden Rhetorik des Protagonisten einen rational greifbaren Boden geben und als kontrovers aufstoßen werden, weil der Film eine endgültige Wertung dem Zuschauer überläßt. Angreifbar sind vielleicht die Porträtierung des Hauptdarstellers als fasziniernde Persönlichkeit und vor allem das wenig überzeugende Motiv für seine Kehrtwendung. Eines ist sicher: Dieser filmische Schlag in die Magengrube wird niemanden unbeteiligt lassen. Erhitzte Diskussionen sind vorprogrammiert, denn das Skinhead-Phänomen ist im auslaufenden 20. Jahrhundert vor allem ein deutsches Problem. ara.

Darsteller:  Edward Norton   als Derek Vinyard
  Edward Furlong   als Danny Vinyard
  Fairuza Balk   als Stacey
  Beverly D'Angelo   als Doris Vinyard
  Avery Brooks   als Bob Sweeney
  Stacy Keach   als Cameron Alexander
  Jennifer Lien   als Davina Vinyard
  Elliott Gould   als Murray
  William Russ   als William Russ
  Ethan Suplee   als Seth
  Joe Cortese   als Rasmussen
  Guy Torry   als Lamont
  Giuseppe Andrews   als Jason
  Antonio David Lyons   als Lawrence
  Keram Malicki-Sanchez   als Chris
  Jordan Marder   als Curtis
  Nicholas R. Oleson   als Huge Aryan
  Anne Lambton   als Cassandra
  Alex Sol   als Mitch McCormick
  Paul Le Mat   als McMahon
 
Regie:  Tony Kaye  
Buch:  David McKenna  
Musik:  Anne Dudley  
Kamera:  Tony Kaye  
Produzent:  John Morrissey  

Brando geht auf die Palme

Tony Kaye mit zweifelhaftem Humor bei Marlon Brandos Schauspiellehrgang - Auftritt als Osama Bin Laden endet mit Rausschmiss.

Marlon Brando: Despot und Casanova?

Marlon Brando: Despot und Casanova?

Hollywood-Legende Marlon Brando ist bei seinen Schauspielschülern für ungewöhnliche Unterrichtsmethoden bekannt. Diesmal hat allerdings einer seiner Kursteilnehmer kräftig über die Stränge geschlagen: Tony Kaye erschien mit einigen Kollegen zu einer Übungsstunde - verkleidet als Osama Bin Laden. Er bezeichnete seinen Auftritt als "Kunst-Performance, die den anderen Teilnehmern die Angst vor Terrorismus nehmen sollte."

Kaye ist nicht erst seit seinem Rassendrama "American History X" für seine kontroversen Ansichten bekannt. Den Kunstsinn der anderen Teilnehmer traf er mit seiner Aktion aber offenbar nicht. Jon Voight ("Tomb Raider", "Pearl Harbor") dazu: "Das war ein völlig bescheuerter Auftritt und alles andere als lustig!"

Brando reagierte und ließ der Gruppe um Tony Kaye mitteilen, dass ihre Anwesenheit für den Rest des Lehrgangs nicht mehr erwünscht sei.

Das brachte den hitzköpfigen Regisseur auf die Palme. Er sagte, die anderen Kursteilnehmer seien sowieso alle Langweiler gewesen. Auch für Marlon Brando fand er wenig freundschaftliche Worte: "Der soll gleich zu den Taliban gehen, da würde er sich sicher wohl fühlen: 100 Frauen, 14.000 Kinder, keine Musik und keiner darf den Mund aufmachen!"

 

American History X in der Fotoshow

 

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Features

 

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Edward Norton

Der blonde Schauspieler mit dem Habitus eines Yuppies, der Maske eines Biedermannes, hinter dem sich gefährliche Charaktere verbergen können...

 

Star

Edward Furlong

Zornige Söhne, verstörte Brüder, junge Rebellen, unangepasste Außenseiter und introvertierte Charaktere bestimmen die Rollen von Edward...