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Anonymus

Katastrophen-Experte Roland Emmerich auf neuen Pfaden mit einem packenden Historien-Drama über die These, William Shakespeare habe seine Stücke gar nicht selbst geschrieben.


Anonymus

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Erhältlich seit:
16.05.2012

Originaltitel: Anonymous

Drama

Großbritannien/Deutschland 2011
Laufzeit: 130 Min.
FSK: ab 12

Rhys Ifans
Vanessa Redgrave
Joely Richardson

Regie: Roland Emmerich
Sony Pictures Home Entertainment (SPHE)

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Anonymus

Seit Jahrzehnten regiert Queen Elizabeth I in England. Wie aus dem Nichts reift Schauspieler William Shakespeare zum Theaterautor, der mit seinen Stücken die menschliche Natur wie auch die politische Situation im Land spiegelt und damit das Volk begeistert. Nur wenige wissen, dass der Earl of Oxford, Erzfeind von Elizabeths intrigantem Berater, der eigentliche Verfasser dieser Werke ist. Aufgrund seiner Stellung darf sich Oxford nicht als Autor outen, doch das bleibt nicht die einzige Tragödie im Leben des Aristokraten.

Wie schon bei "Der Patriot" greift Roland Emmerich bei seinem in Babelsberg gedrehten Lieblingsprojekt auf ein Skript eines Fremdautors zurück. Das Resultat ist sein bester Film, ein wild spekulierendes Drama über ein geheimes Künstlerleben, das in Figuren, Charakterbeschreibungen und Emotionen Shakespeares Tragödien spiegelt. Die zu erwartenden Debatten über Fakt und Fiktion werden für Aufmerksamkeit, die optische Gestaltung und Dramaturgie für Emmerichs Anerkennung jenseits eines Meister des Spektakels sorgen.

Anonymus

Roland Emmerichs bisher bester Film spekuliert dramatisch über den Ghostwriter hinter Shakespeare und die Tragödie eines sabotierten Künstlerlebens.

Kann ein einfacher Mann aus dem Volk das virtuoseste Sprachrohr der englischen Literatur sein? Dies hinterfragt ein Regisseur, der künstlerisch selbst unterschätzt wird - zu Unrecht, wie sein aktueller und deutlich vor "Der Patriot" wohl auch bester Film beweist. Dass beide historische Dramen auf Drehbücher von respektierten Fremdautoren basieren, ist ein Qualitätskriterium im Emmerich-Universum, auch wenn John Orloffs clever verwobenes Skript zu "Anonymus" die kühnsten Spekulationen aus Forschung und Mythos wie selbstverständlich als Wahrheit präsentiert.

Shakespeare ist hier ein mittelmäßiger Schauspieler und Dreiviertelidiot, der allerdings die Gunst der Stunde erkennt, als sich ihm die Möglichkeit auf Anerkennung und bescheidenen Wohlstand eröffnet. So wird er literarischer Strohmann für einen reichen Aristokraten, darf dessen Werke unter eigenem Namen veröffentlichen. Dass sich hinter dem Phantom der Earl of Oxford verbirgt, wissen zunächst nur Shakespeares Zeitgenosse Ben Jonson und der Zuschauer, der nun eine Reise in die Biografie Oxfords antritt. Eingerahmt von Derek Jacobis in der Gegenwart in einem Theater vorgetragenem Prolog und Epilog wird auf mehreren Zeitebenen eine Geschichte über Liebe, Ambition, Mord, Eifersucht und Intrige erzählt, die Shakespeares große Tragödien spiegelt. Zu sehen ist, wie Oxford bereits als Junge Queen Elizabeth I mit Spontanpoesie begeistert, wie er sich im Haushalt ihres mächtigsten Ratgebers in dessen Sohn einen Feind fürs Leben macht, wie er sich erwachsen auf eine tabuisierte Liebe einlässt und als älterer Mann (Rhys Ifans) in einen vermeintlichen Staatsstreich verwickelt wird. Mag die seriöse Forschung diesen abenteuerlichen Mix aus politischen Intrigen, illegitimen Kindern und Inzest als Krönung einer persönlichen Tragödie auch als pure Spekulation betrachten, so erzählt Emmerich dieses Melodram so flüssig und in den Emotionen nachvollziehbar, dass man sich seiner Wirkung nicht entziehen kann.

"Anonymus" entwickelt vor allem in der zweiten Hälfte einen starken dramatischen Sog, illustriert die Macht des Wortes und die Ohnmacht eines Mannes, der sein künstlerisches Genie nie outen durfte, zeigt in Ausstattung und Effekten, was Emmerich und sein Team mit nur 30 Millionen Dollar in den Studios von Babelsberg zu leisten vermögen, und vor der Kamera eine ideale Mischung aus bekannten Namen und talentierten Newcomern. Über die "Fakten" mag hitzig und damit auch werbewirksam diskutiert werden, doch die Fiktion, der Film selbst, spricht für sich. Somit ist beim Novemberstart völlig unbegründet, was Richard III, eine Schlüsselfigur auch im Film, einst bei Shakespeare behauptete: "Nun ward der Winter unsers Mißvergnügens."

kob.

Anonymus

Angesiedelt in der politischen Schlangengrube des elisabethanischen Englands, spekuliert ANONYMUS über eine Frage, die schon seit vielen Jahrhunderten zahlreiche Wissenschaftler und kluge Köpfe beschäftigt hat, nämlich: Wer war der Autor der Stücke, die William Shakespeare zugeschrieben werden? Zahlreiche Experten haben darüber diskutiert, Bücher wurden geschrieben und Gelehrte haben ihr ganzes Leben der Aufgabe gewidmet, die Theorien, die die Autorenschaft der berühmtesten Werke der englischen Literatur umgeben, zu bewahren oder zu zerstreuen. ANONYMUS gibt eine mögliche Antwort und konzentriert sich dabei auf eine Zeit, als sich politische Intrigen, verbotene Romanzen am Königlichen Hof und die Machenschaften habgieriger Aristokraten, die die Macht des Throns an sich reißen wollten, an einem der ungewöhnlichsten Orte widerspiegelten: der Londoner Bühne.

Quelle: Sony Pictures

Kommentar mit Roland
Emmerich und Drehbuchautor,
Entfallene Szenen, Wer ist der wahre
William Shakespeare?, Erweiterte Szenen,
Sprech-Akte, Mehr als Spezialeffekte

Quelle: Sony Pictures

Darsteller:  Rhys Ifans   als Edward de Vere
  Vanessa Redgrave   als Königin Elizabeth
  Joely Richardson   als junge Elisabeth
  David Thewlis   als William Cecil
  Xavier Samuel   als Southhampton
  Sebastian Armesto   als Ben Jonson
  Rafe Spall   als William Shakespeare
  Edward Hogg   als Robert Cecil
  Jamie Campbell Bower   als junger Oxford
  Derek Jacobi   als Prologue
  Julian Bleach   als Sir Richard Pole
  Mark Rylance   als Gloucester
  Robert Emms   als Thomas Dekker
  Sebastian Reid   als Essex
  Tony Way   als Thomas Nashe
 
Regie:  Roland Emmerich  
Buch:  John Orloff  
Musik:  Thomas Wander  
  Harald Kloser  
Kamera:  Anna Foerster  
Produzent:  Roland Emmerich  
  Larry Franco  
  Robert Leger  

"Shakespeare hat zu 100% nicht selbst geschrieben!"

"Anonymus" ist einer der kostengünstigsten Filme von Roland Emmerich - und einer der riskantesten. Der 55-jährige Regisseur folgte mit diesem Passionsprojekt seinen künstlerischen Interessen. Und das war nur dank seiner bisherigen Erfolge möglich.

Katastrophen-Spezialist Roland Emmerich am Set von "Anonymus" im nachgebauten Globe Theatre, wo die angeblichen Shakespeare-Meisterwerke ihre Premieren feierten (Foto: Constantin) Großansicht

Katastrophen-Spezialist Roland Emmerich am Set von "Anonymus" im nachgebauten Globe Theatre, wo die angeblichen Shakespeare-Meisterwerke ihre Premieren feierten (Foto: Constantin)

Wie kommt ein Regisseur, der für Weltuntergangsszenarien bekannt ist, zu einer Geschichte, die sich mit dem Urheber der Shakespeare-Stücke beschäftigt?
ROLAND EMMERICH: Das begann vor über neun Jahren. Damals bekam ich das Drehbuch "Soul of the Age", das die Grundlage für "Anonymus" bildete, zugeschickt. Ich fand die Geschichte absolut unglaublich und rief sofort Autor John Orloff an. Der Grund, diesen Film zu machen, war: Sein Skript hat mich umgehauen.

Dass Sie mit diesem Film Ihr Stammpublikum, das mit Ihnen Filme wie "Independence Day" oder "2012" verbindet, verblüffen, ist Ihnen bewusst?
Ich glaube, ich gelte noch als "Master of Disaster", wovon ich gar nicht so begeistert bin. Schon vor "2012" wollte ich keinen Katastrophenfilm mehr machen, bis mich mein Schreibpartner Harald Kloser doch überredet hat. Dean Devlin, mein Koautor von "Independence Day", war von "Anonymus" total überwältigt. Nach der ersten Vorführung redete er stundenlang auf mich ein, bis ich sagte: "Reg dich wieder ab."

Was sagte er denn genau zu Ihnen?
Er mochte, dass ich endlich das gemacht habe, was er in mir gesehen hat. Die Leute, die mit mir arbeiten, wissen, was ich so lese und wofür ich mich privat interessiere. Ich bin ja mit Thomas Mann und Dostojewski groß geworden. Dean meinte zu mir: "Es ist toll, dass du es allen Leuten zeigst." Das war nie mein Ziel. Ich habe den Film gemacht, weil ich von der Geschichte tief berührt war.

Vor sechs Jahren starteten Sie ja bereits einen Anlauf, stoppten aber das Projekt.
Weil es zu teuer geworden wäre. Aus heutiger Sicht bin ich froh, dass es seinerzeit nicht geklappt hat. Ich war damals noch nicht so weit und die Technik auch nicht. Außerdem hatte ich seinerzeit nicht den Einfluss wie heute. Dass ich mit "2012" viel Geld für Sony verdient habe, hat sicher geholfen. Die wollen weiter Filme mit mir machen. Sonst darf ja nur eine kleine Gruppe von Regisseuren von Scorsese bis Stephen Daldry so etwas drehen. Aber ich fühlte mich sicher: Wenn ich das in den Sand setze, wird mir keiner den Kopf abreißen. Außerdem mochte Sony-Studiochefin Amy Pascal das Drehbuch. Ich habe sogar einen Weg gefunden, den Film für 26 Mio. Dollar zu machen - nachdem das Budget ursprünglich auf 40 Mio. angesetzt war.

Wie haben Sie das gemacht?
Ich habe zum ersten Mal alles, was ich gelernt habe, benutzt, um einen Film billiger zu machen. Man braucht keine große Komparserie mehr oder alle Bauten. Mit ein bisschen Vordergrund kann man alles so herstellen, dass kein Mensch sieht, dass es CG ist. Das haben wir bereits bei "2012" so gemacht. Der Zeitdruck war auch ein bisschen größer, trotz der Budgetbeschränkungen habe ich das kaum gemerkt. Ich finde, der Film sieht aus, als hätte er 70 oder 80 Mio. Dollar gekostet. Wir haben uns alle ins Zeug gelegt. Und wenn viele Leute begeistert von etwas sind, merkt man das eben. Es hat auch geholfen, dass ich in Deutschland gedreht habe. Die Deutschen sind die besten Filmtechniker der Welt.

Sie hätten das Projekt auch aus eigener Tasche finanzieren können.
Ganz am Anfang sagte ich, ich zahle die Hälfte. Aber dann saß ich in einem Meeting mit Amy Pascal. Man muss eben sein Glück herausfordern.

Heißt das, Sie lassen sich auf weitere riskante Passionsprojekte ein?
Ich habe schon immer das Risiko geliebt. Auch bei meinen großen Filmen. Ich kann -sagen, ich habe alles erreicht. So gesehen ist mir alles egal, selbst wenn ich natürlich nicht gern Geld verliere. Ich erkenne ein gutes Drehbuch und gute Schauspieler. So habe ich mich relativ sicher gefühlt, als ich "Anonymus" gemacht habe.

Wie nervös sind Sie, da Ihr Passionsprojekt in die Kinos kommt?
Ich bin ziemlich entspannt. Einmal dachte ich, ich hätte einen wirklich guten Film gemacht, das war "Der Patriot". Die Reaktionen des Publikums und der Kritik haben mich sehr enttäuscht. Seither sage ich mir: Dreh deine Filme und mach dir keine Sorgen. In dem Beruf musst du zum Zen-Meister werden.

Nervös könnten vielleicht ein paar Forscher werden. Ihr Film schreibt ja die Urheberschaft der Shakespeare-Texte Edmund de Vere, dem Earl of Oxford, zu.
Richtig. Die sogenannten "Stratfordianer" haben vor diesem Film große Angst. In unserer Zeit glauben die Leute aber eher dem, was sie im Film sehen, und nicht dem, was sie lesen. Als "Amadeus" herauskam, hatten alle Befürchtungen, dass er das Bild von Mozart ankratzen könnte; tatsächlich hat ihn der Film hip und cool gemacht.

"Amadeus" war eine fiktive Geschichte. Wer war nun nach Ihrer Auffassung der wahre Autor?
Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass William Shakespeare es nicht war. Der war ein Geschäftsmann, kein Autor. Das ergibt keinen Sinn, wenn man sich die Fakten anschaut. Ich würde nicht die Hand ins Feuer legen, dass der Earl of Oxford der Autor war, aber ich halte ihn für den wahrscheinlichsten Kandidaten.

Mit Ihrem nächsten Projekt "Singularity" wenden Sie sich wieder dem Science-Fiction-Film zu. Bleibt "Anonymus" Ihr einziger Ausflug ins Arthouse-Kino?
Ich will andere Genres ausprobieren. Große Unterhaltungsfilme gehören für mich mit dazu. Gleichzeitig plane ich weitere kleinere Projekte, die ich zwischendrin drehen möchte. Aber auch diese Filme versuche ich so unterhaltend und für ein so breites Publikum wie möglich zu machen. Ein anderer Regisseur hätte in "Anonymus" vielleicht nur Talking Heads gefilmt, aber ich wollte eben auch Totalen und ein bisschen opulenter werden, ohne großes Geld zu haben. Und das möchte ich auch künftig so halten. Ich mag historische Stoffe. In deren Rahmen kann man etwas zeigen, was einen auch heute noch beschäftigt. In meinem Kopf habe ich so viele Filme, die ich noch machen will. Am liebsten würde ich jedes Jahr einen drehen.

Mit "Anonymus" zeigen Sie, wie politisch Kunst sein kann. Wird das auch für "Singularity" gelten?
Oh ja. "Singularity" wird extrem politisch. Er handelt von der Zukunft der Pharmaindustrie, und es geht um Fragen, wie, warum wir ewig leben wollen und welche Gefahren das mit sich bringt. Das wird ein intellektueller Actionfilm.

Nur intellektuell?
Mit viel Action. Die erste Reaktion von Sony war: "Es gibt zu viel Action." Ich sagte nur: "Wirklich?"

 

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