- Service:
- Newsletter
- RSS
- kino.de mobil
- Sitemap
- Kontakt
Kaufvideo
Erhältlich seit:
30.05.2009
USA 1998
Laufzeit: 113 Min.
FSK: ab 12
Jeff Bridges
Tim Robbins
Joan Cusack
Regie: Mark Pellington
Süddeutsche Zeitung

Schon in Ed Zwicks "Ausnahmezustand" war die Erschütterung des inneren Friedens Amerikas im Grunde hausgemacht, nur scheinbar importiert. Im Thriller "Arlington Road" kommt die Bedrohung unzweifelhaft von innen, entlädt sich der Frust regierungsenttäuschter guter Amerikaner in Terrorakten, die ein Collegedozent, zwischen berechtigtem Mißtrauen und Paranoia treibend, zu verhindern versucht. Konventionell entfaltete, zur Überzeichnung neigende Kinounterhaltung, die aber Spannung zu erzeugen versteht und mit seltener Kompromißlosigkeit endet.
Nach einem das zentrale Thema Derangement illustrierenden Vorspann kommt "Arlington Road" mit seinen ersten Bildern gleich auf den Punkt - auf die Beerdigung der Utopie amerikanischer Vorstadtidylle. Ein blutender Junge stolpert durch den im Titel erfaßten Vorort von Washington, der nicht nur dem berühmten Heldenfriedhof, sondern auch subversiven Elementen eine Heimat bietet. Das glaubt zumindest Geschichtsdozent Faraday (überemotional und damit manchmal anstrengend: Jeff Bridges), der den verletzten Jungen ins Krankenhaus bringt. Dessen Eltern, die Langs (Tim Robbins, Joan Cusack), die in unmittelbarer Nähe zu Faradays Haus eingezogen sind, wirken freundlich und vertrauenswürdig, bis Oliver Lang immer größeren Einfluß auf Faradays Sohn gewinnt, und der Dozent nicht zuletzt aus verdrängter Eifersucht Unregelmäßigkeiten in der Biografie seines Nachbarn zu recherchieren beginnt. Die Gemeinsamkeit beider Väter ist augenscheinlich die Enttäuschung über ein Amerika, in dem sich niemand mehr sicher fühlen kann, genauer betrachtet aber eine Paranoia in verschiedenen Entwicklungsstadien. Fühlt sich doch Lang von der Regierung, Faraday aber, der vor kurzem seine Frau, eine FBI-Agentin, bei einem aus der Kontrolle geratenen Einsatz gegen potentielle Staatsfeinde verlor, von rechten Fanatikern und Terroristen verfolgt. Zweifel an des Lehrers Theorie, daß sein Nachbar ein gefährlicher Bombenleger sein könnte, hegt Faradays Freundin, nicht aber der Film. Von Beginn an zeichnet Regisseur Mark Pellington die nette Nachbarsfamilie mit einem Zug von Dämonie (die älteste Tochter ist besonders "creepy"), so daß Faradays Feldzug gegen sie für den Zuschauer stets begründet scheint. Der nicht gerade subtile Höhepunkt ist dabei ein ausgelassenes Verschwörer-Barbecue im Nachbarhaus, bei dem sich Faraday (wie einst Mia Farrow in "Rosemary's Baby") von dunklen Mächten umzingelt fühlt. Ernsthafte Charakterporträts von menschlichen Zeitbomben bietet "Arlington Road" somit nicht, wohl aber einen Thriller im Geiste von Alan J. Pakulas "Gewagtes Spiel", der weniger von seiner Glaubwürdigkeit als seiner Spannung lebt. Und im Finale seine Berechenbarkeit auf den Kopf stellt. kob.
Es ist leicht nachzuvollziehen, warum Arlington Road fast ein Jahr in den Studioregalen lag. Nein, nicht weil es ein furchtbarer Film ist, sondern weil es sich um einen extrem verstörenden, niederschmetternden Thriller handelt, der keine klare Trennung von Held und Bösewicht anbietet. Mit anderen Worten, Hollywood war ratlos, wie Arlington Road verkauft werden sollte. Regisseur Mark Pellingtons sträflich unterbewertetes Debüt Going All The Way erlitt dasselbe Schicksal. Hauptsächlich weil der Filmemacher die amerikanischen Vorstädte in einer Weise präsentiert, die sich im Laufe eines Filmes mehrfach dramatisch verändert. Die Charaktere sind in der Regel unglücklich und stehen kurz vor einem Zusammenbruch, die Umstände in denen sich diese befinden sind selten klar strukturiert und die Dinge entwickeln sich meistens zu einem bösen Ende hin.
Arlington Road beginnt wie eine scharfsinnige Studie über paranoide Vorstadtbewohner. Michael Faraday (ein weinerlicher Jeff Bridges, der fast den ganzen Film über den Tränen nahe ist) ist ein College-Professor, der amerikanische Geschichtskurse über Terrorismus gibt. Seit seine Frau, eine FBI Agentin, bei einer vermasselten Razzia, die entfernt an die Waco-Tragödie erinnert, ums Leben kam, sind Verschwörungstheorien für Michael zur Besessenheit geworden. Nachdem er dem Nachbarsjungen das Leben rettete, freundet sich Faraday mit den Eltern des Jungen (Tim Robbins & Joan Cusack) an, hält den Ehemann aber bald für einen Terroristen.
In der ersten Hälfte des Films macht sich Faraday lächerlich mit dieser Vermutung: Er hat keine wirklichen Beweise und ist alles andere als ein beständiger Protagonist. Ungeachtet der Tatsache, dass übertriebene Paranoia der Regierung seiner Frau das Leben kostete, verhält sich Faraday ebenso paranoid. In der zweiten Hälfte verändert Pellington die Gangart, und für einen Moment sieht es so aus, als würde der Film im billigen Hollywood-Unterhaltungssumpf versinken und seinen eigenen Anspruch unterwandern. Doch Arlington Road wartet mit einem erstaunlichen Ende auf, das wie ein Schlag in die Magengrube wirkt. Es ist ratsam oder vielleicht sogar erforderlich, den Film ein zweites Mal anzusehen, um den äußerst smart in Szene gesetzten Thriller in all seinen perfekt ausgearbeiteten Details zu erfassen.
Quelle: Süddeutsche Zeitung
| Darsteller: | Jeff Bridges | als Michael Faraday | |
|---|---|---|---|
| Tim Robbins | als Oliver Lang | ||
| Joan Cusack | als Cheryl Lang | ||
| Hope Davis | als Brooke Wolfe | ||
| Robert Gossett | als Whit Carver | ||
| Mason Gamble | als Brady Lang | ||
| Spencer Treat Clark | als Grant Faraday | ||
| Stanley Anderson | als Dr. Archer Scobee | ||
| Mary Ashleigh Green | als Daphne Lang | ||
| Loyd Catlett | als Lieutenant | ||
| Jenni Tooley | als Lieutenant | ||
| Sid Hillman | als Lieutenant | ||
| Darryl Cox | als Troopmaster | ||
| Regie: | Mark Pellington | ||
| Buch: | Ehren Kruger | ||
| Musik: | Angelo Badalamenti | ||
| Kamera: | Bobby Bukowski | ||
| Produzent: | Tom Gorai | ||
| Peter Samuelson | |||
| Marc Samuelson | |||
Features
Der Titel enthält folgende Features
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bildformat: 16:9
Extras: Trailer
Star
Jeff Bridges
Jeff Bridges, Sohn des Schauspielers Lloyd Bridges, absolvierte als Achtjähriger mit seinem Vater erste TV-Auftritte, bevor er sich dem...
Star
Tim Robbins
Mit seinem stets freundlich lächelnden, beinahe fetten Kindergesicht mit dem schmalen Kinn unter wulstigen Lippen wird er von seinen Partnern im...
Registrieren




