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Avatar - Aufbruch nach Pandora

In jeder Hinsicht gewaltiges Mammutprojekt von James Cameron über einen jungen Marine, der sich bei einem Krieg der Welten entscheiden muss, auf wessen Seite er steht.


Avatar - Aufbruch nach Pandora

Leihvideo

Erhältlich seit:
23.04.2010

Originaltitel: Avatar

Science Fiction/ Abenteuer

USA 2009
Laufzeit: 161 Min.
FSK: ab 12

Sam Worthington
Zoe Saldana
Sigourney Weaver

Regie: James Cameron
Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany

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Avatar - Aufbruch nach Pandora

Auf der Suche nach neuen Ressourcen stoßen die Menschen im 22. Jahrhundert auf den Planeten Pandora, der von den Na'vi bevölkert wird, drei Meter großen blauhäutigen Humanoiden. Da Menschen auf Pandora nicht atmen können, kommen Avatare zum Einsatz: Ersatzlebewesen aus der Retorte in Na'vi-Form, die von ihren Besitzern gesteuert werden. Der gelähmte Marinesoldat Jake Sully wird für das Programm ausgewählt. Er lernt die Na'vi Neytiri kennen und lieben und findet sich im Kreuzfeuer eines Krieges zwischen Menschen und Na'vi.

Zwölf Jahre nach "Titanic" kehrte James Cameron wieder zurück ins Kino, mit einem weiteren gewaltigen Unterfangen, das die Grenzen des filmisch Machbaren auslotet. Inhaltlich steht "Avatar" mit seiner kritischen Aussage über die Zerstörungswut des Militärs und der Weisheit außerirdischer Wesen dem 20 Jahre zuvor entstandenen "Abyss" am nächsten, visuell spielt der mit Sam Worthington und Zoe Saldana besetzte Film in einer völlig neuen Liga - was sich prompt in einem weltweiten Kinoeinspiel von über 2,6 Mrd. Dollar niederschlug.

Avatar - Aufbruch nach Pandora

Zwölf Jahre mussten verstreichen nach "Titanic" bis zu James Camerons Rückkehr zum Spielfilm. Viereinhalb Jahre davon hat er in "Avatar" gesteckt, ein perfektes Science-Fiction-Abenteuer, das eine neue Welt aus dem Boden stampft und wie erhofft Maßstäbe setzt.

"Avatar" beginnt mit zwei Augen, die sich öffnen. Zweieinhalb Stunden später werden sich die Augen der selben Figur erneut öffnen. Was Jake Sully, gespielt von dem charismatischen Australier Sam Worthington, dazwischen gesehen und erlebt hat, hat ihn von Grund auf verändert: Am Schluss des Films sieht er die Welt buchstäblich mit anderen Augen. Und das Publikum mit ihm, für das Jake Sully selbst die Aufgabe eines Avatars übernimmt: Seine Entdeckungsreise auf dem Planeten Pandora ist es, die einen James Cameron hautnah miterleben lässt, sein Kennenlernen der Kultur der eingeborenen Na'vi, blauhäutige und drei Meter große Wesen, die in perfekter Harmonie mit ihrer Umwelt leben, und schließlich seine Erkenntnis, dass diese Welt gegen alle Widerstände zu erhalten ist - auch wenn er sich damit gegen die Menschen stellt, die nach Pandora gekommen sind, um den Planeten rücksichtslos zu roden.

Der Film hat keine Zeit zu verlieren, beginnt bereits mitten im Weltraum, alle nötigen Hintergrundinformationen zur Hauptfigur liefert ein hartgesottener Off-Kommentar im Stil von "Apocalypse Now". Sully ist ein desillusionierter ehemaliger Marine im Jahr 2154, der seit einem Einsatz gelähmt und seines Lebenswillens beraubt ist. Weil sein Bruder, ein ausgebildeter und gut vorbereiteter Wissenschaftler, überraschend verstorben ist, soll er dessen Stelle im Avatar-Programm der mit allen Wassern gewaschenen Dr. Grace Augustine auf Pandora einnehmen. Er besitzt das identische Genom und kann dessen Avatar, ein für viel Geld entwickeltes Wesen mit dem Äußeren eines Na'vi, aber der Seele eines Menschen, direkt übernehmen: Mit einem Avatar kann man sich frei auf dem für Menschen unbewohnbaren Planeten bewegen und atmen. Mit der Unbeschwertheit und Naivität eines Kindes tritt Sully in diese neue Welt, die sich für ihn als Wunderland entpuppt, während er hinter den Kulissen zum Spielball unterschiedlicher Interessen wird. Dem Idealismus von Dr. Augustine, die Schulen auf Pandora gebaut und zarte Bande mit den Na'vi und ihrer komplexen Kultur geknüpft hat, steht der eiskalte Kapitalismus des abgewichsten Industriellen Selfridge (sic!) und der Pragmatismus des Betonkopfs Col. Quaritch entgegen, die ihrerseits Sully instrumentalisieren wollen, um Pandora noch rücksichtsloser ausbeuten zu können.

Ob man die nun folgende Geschichte nun als simpel oder klassisch bezeichnet, spielt keine Rolle. Wer gut ist, bleibt gut, wer böse ist, bleibt böse. Die Story schlägt keine Haken, hält keinen deus ex machina bereit, ist nicht aufgeblasener als nötig. Es ist die Geschichte, die schon in "Lawrence von Arabien", "Der mit dem Wolf tanzt" oder auch "Gorillas im Nebel" (Sigourney Weaver wiederholt als Dr. Augustine ihre Rolle der Dian Fossey) als großes Kino erzählt wurde, vom Fremden im fremden Land, der sich erst selbst finden kann, nachdem er sich für die andere Welt öffnet. Die Erweckung des Jake Sully, sein von Szene zu Szene wachsender Respekt für die Lebensweise der Na'vi und seine Liebe zur stolzen Kriegerin Neytiri (Zoe Saldana als anmutige Sarah Connor in Blau) bilden den Rahmen für ein Eintauchen in Bilderwelten, die man in dieser Form noch nicht gesehen hat: Cameron, bekannt für seine monochromen, düsteren Farbpaletten, hält eine unerhörte Explosion der Farben bereit, ein bis ins letzte Detail ausgetüfteltes Ökosystem, Flora und Fauna, inspiriert von seinen zahlreichen Unterwasserreisen, die einen staunen lassen, wie man beim ersten Anblick der Dinosaurier in "Jurassic Park" staunte - verstärkt noch von der beachtlichen 3-D-Arbeit, die mit großem Feingefühl und sehr akzentuiert eingesetzt wird. Unweigerlich steuert die Handlung auf die Vertreibung aus dem Paradies zu, manifestiert in der Zerstörung des gewaltigen Lebensbaums der Na'vi. Parallelen lassen sich entdecken zu Terrence Malicks "The New World", auch wenn der sich die Perspektive der Natur zu Eigen macht, während Camerons Blick der des bekehrten Technokraten ist. Sein entscheidendes Motiv aus "Titanic" arbeitet er noch stärker heraus: die tragische Hybris des Menschen und die Fehlbarkeit des technologischen Fortschritts - eine humanistische Botschaft, eingebettet in einen Film, der selbst technologisch nicht fortgeschrittener sein könnte. Und kaum unterhaltsamer, kaum spektakulärer: Wenn die Na'vi unter Führung Sullys zum letzten Halali blasen und inmitten schwebender Berge die überlegene Flotte der Armee mit Pfeil und Bogen attackieren, zieht der Filmemacher alle Register seines Könnens als bester Actionregisseur der Welt, verdichten sich die Versatzstücke der Handlung zu einem entscheidenden Duell, das wie ein fernes Echo der finalen Konfrontation von "Aliens - Die Rückkehr" anmutet.

Überhaupt klingen die entscheidenden Motive und Themen aus den bisherigen Filmen Camerons an, werden variiert, zitiert, neu arrangiert. Er stellt sie in den Dienst einer beeindruckenden Arbeit, für wenigstens 250 Mio. Dollar großteils aus dem Nichts aus dem Boden gestampft, wie man sie nicht alle Tage im Kino zu sehen bekommt. Nicht jede Szene ist ein Volltreffer. Die Bilder, mit denen Cameron die tiefe Spiritualität der Na'vi verdeutlicht, schrammen haarscharf am Eso-Kitsch vorbei, an das Design der Na'vi und vor allem Sullys Avatar muss man sich gewöhnen. Aber in seiner Gesamtheit entfaltet sich "Avatar" als Werk aus einem Guss, in dem sich Bilder, Farben, Ideen und 3-D zu einem großen Ganzen formen, das die Grenzen des filmisch Machbaren noch einmal verrückt und doch nur eines sein will: große Unterhaltung, zweieinhalb Stunden lang und doch zu kurz, die ihrem Publikum die Augen öffnet. Und bei einem bleibt, auch wenn man sie geschlossen hält. ts.

Darsteller:  Sam Worthington   als Jake Sully
  Zoe Saldana   als Neytiri
  Sigourney Weaver   als Dr. Grace Augustine
  Stephen Lang   als Colonel Quaritch
  Michelle Rodriguez   als Trudy
  Giovanni Ribisi   als Selfridge
  Joel Moore   als Norm
  CCH Pounder   als Mo'at
  Wes Studi   als Eytukan
  Laz Alonso   als Tsu'Tey
 
Regie:  James Cameron  
Buch:  James Cameron  
Musik:  James Horner  
Kamera:  Mauro Fiore  
Produzent:  James Cameron  
  Jon Landau  

James Cameron ist ein brutaler Chef

Wer sich auf einen Film mit James Cameron einlässt, muss hart im Nehmen sein. Der "Titanic"- und "Avatar"-Macher kennt auch bei gestandenen Weltstars kein Pardon.

Zuckerbrot und Peitsche: James Cameron mit seinen "Titanic"-Stars Leonardo Dicaprio und Kate Winslet (Foto: Fox) Großansicht

Zuckerbrot und Peitsche: James Cameron mit seinen "Titanic"-Stars Leonardo Dicaprio und Kate Winslet (Foto: Fox)

Viele Superstars standen vor James Camerons Kamera, einige davon machen ihm schwere Vorwürfe: Der "Titanic 3D"- und "Avatar"-Macher sei ein harter und grausamer Zuchtmeister, den auch Tränenausbrüche am Set nicht berühren.

Jetzt nahm Cameron dazu Stellung, er findet seinen Führungsstil absolut in Ordnung: "Jeder, der für eine Zusammenarbeit mit mir unterschreibt, weiß, dass ich Weltklasseleistung von ihm verlange. Das muss keine unangenehme Situation sein", diktierte der Erfolgsregisseur der 'New York Times'.

Als der Reporter nachschob, Camerons Wutausbrüche bei Dreharbeiten seien legendär, schnaubte dieser zurück: "Ich kann mich an keine Tobsuchtsanfälle erinnern. Zeigen Sie mir irgendeinen Videobeweis davon! Was erzählen Sie denn, wenn Sie vom Rafting in Stromschnellen zurückkommen? Das es so kuschelig gewesen ist? Nein! Sie sagen 'Das Boot ist umgekippt und ich wäre beinahe draufgegangen'."

Ed Harris verzweifelt im "Abyss"-Tank

James Cameron war mit dem Reporter noch nicht fertig: "Fakt ist aber, dass Sie dabei nicht gestorben sind. Leute, die mit mir einen Film drehen, sagen hinterher auch: 'Mann, ich bin fast draufgegangen', weil es die Story besser macht. Das bedeutet nicht, dass sie verletzt wurden oder emotionale Brutalitäten ertragen mussten."

Und was ist mit Ed Harris, der tränenüberströmt vom "The Abyss"-Set schlich? "Das war für alle eine harte Show", kommentiert James Cameron trocken. Genau hinhören, wenn ab 5. April in den Kinos die "Titanic" in 3D sinkt. Es sind vielleicht nicht nur verzweifelte Passagiere, die um Hilfe schreien...

 

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