
Der Actionfilm der Achtzigerjahre feiert eine verdiente und längst überfällige Renaissance. Nach "Doomsday" ist "Babylon A. D." nach dem Roman "Babylon Babies" von Maurice G. Dantec ein weiterer grimmiger Ritt durch die Endzeit, wie er einst eine Spezialität von Arnold Schwarzenegger war.
Unter der Regie von Mathieu Kassovitz, der dem Kunstkino in seinem ersten Film seit seinem Hollywood-Ausflug "Gothika" vor fünf Jahren endgültig den Rücken gekehrt hat, darf die Welt - oder was von ihr übrig ist - hier nicht von einem Otto Normalverbraucher oder pickligen Schreibtischtäter gerettet werden, sondern von einem echten Kerl aus Schrot und Korn. Vin Diesel erweist sich als goldrichtige Wahl: Sein vernarbter Endzeitsöldner Toroop, der mit einem ebenso coolen wie bedingungslosen Auftritt in einem kriegszerrütteten Oststaat als Mann der Tat jenseits alberner Späßchen eingeführt wird, ist eine konsequente Fortführung des Xander Cage aus "xXx - Triple X": des Kämpfens müde, ohne Idealismus und Glauben, aber alert und zupackend, wenn nötig. In "Babylon A. D." ist das schnell nötig, denn Toroop erhält den Auftrag, ein junges Mädchen und deren Aufpasserin, gespielt von Michelle Yeoh, aus einem Kloster in den Bergen nach New York zu bringen. Schnell wird klar, dass Kassovitz hier mit großem Materialaufwand die Weihnachtsgeschichte noch einmal erzählt - eine muskelbepackte Variation von "Children of Men", an den man immer wieder denken muss, wenn der Film sein Tempo drosselt. Und auch die von Milla Jovovich gespielte Leeloo aus Luc Bessons "Das fünfte Element" fällt einem immer wieder ein, wenn sich Diesel, voll und ganz in seiner Beschützerrolle aufgehend, der ihm Anvertrauten nähert, obwohl er doch kühl bleiben und Abstand wahren wollte.
"Babylon A. D." hat großartige Sets, spektakuläre Setpieces und einen dreckigen Look, der eine Welt am Rand des Abgrunds glaubhaft rüberbringt. Überhaupt ist es ein Film, in dem man sich schnell wohlfühlt und dessen Handlung man bis zum grotesken Showdown gern folgt.Was nicht heißen soll, dass die Erlösergeschichte frei wäre von Schwächen: Nicht alle Anschlüsse wollen funktionieren, ein Schnitt aus einem U-Boot hin zu Schneemobilen, die durch die Eiswüste von Alaska rasen, will keinen rechten Sinn ergeben, und gerade die Action ist nicht immer so prickelnd punktgenau, wie man sie sich wünschen würde von diesem aufrechten und legitimen Erben von Preziosen wie "Predator" und "Aliens". Mit seiner Entschlossenheit und dem besten Aussehen, das man sich für 60 Mio. Euro kaufen kann, macht der Film das aber wett. ts.