
Humorvolle Komödie über Gegensätze und Gemeinsamkeiten von freigeistigen Ossis und konservativen Wessis, überzeugten Nudisten und prüden "Textilern".
Es gehört zu den Legenden, dass in Deutschlands Osten der gemeine Mensch vorwiegend "barfuss bis zum Hals" ins Wasser sprang, im Westen dagegen nur vermummt in Badehose oder Badeanzug (obgleich selbst im fernen Japan die Nackten von Münchens Englischem Garten Gazetten zierten). Im "Sportsverein zur Freiheit" im tiefsten Brandenburg hat auch nach der Wende alles noch seine Ordnung. Da ist das Adamskostüm Pflicht, ob beim Einkaufen, Joggen, Essen, Trinken oder Tanzen. Die Idylle scheint bedroht durch einen Wessi, schlimmer noch, einen konservativen und Katholizismus praktizierenden Bayern, ausgerechnet Textilfabrikant. Dieser gefürchtete Mann taucht bald ganz real im schicken Schlitten samt gelangweiltem Töchterlein auf, um sein neu erworbenes Jagdgebiet unter die Lupe zu nehmen. Und quartiert sich mangels komfortablem Hotel auf das Sports-Verein Gelände ein. Oberhaupt der Kolonie ist Helmut Steiner, sein Sohn Jacob, der wegen den Nudisten-Eltern in der Schule gehänselt wird, kündigt den ungebetenen Besuch an und flugs schlüpfen die Bewohner in ungewohnte Kleidungsstücke, um den Fremden nicht zu verstören, der soll schließlich den Vertrag verlängern. Da bleiben urkomische Situationen nicht aus. Obgleich die Geschichte leicht in eine Klamotte hätte abrutschen können, dominiert herzerfrischende Komik. Wenn einige Szenen mal gefährlich nahe an Klamauk heran kommen, kriegt Hansjörg Thurn noch die Kurve in ruhigere Humorgewässer. Dabei spielt er locker mit den Besser-Wessi und Jammer-Ossi Klischees, ohne dass seine Figuren zur Karikatur verkommen. Was auch an dem souverän aufspielenden Schauspiel-Ensemble liegt, allen voran Martin Brambach als gutmütigem Verfechter der Freikörperkultur und Christoph M. Ohrt als sexuell frustriertem Fabrikanten im Jagdfieber. Die hinreißende Love-Story zwischen dem schüchternen Jacob (Constantin von Jascheroff) und dem Münchner Mädel (Diane Willems) sollte nicht nur Romantiker erfreuen. mk.