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Beginners

Wunderbar eigenwillige Tragikomödie über einen jungen Grafiker in Liebesnöten und seinen Vater, der im Alter von 75 Jahren zu seiner Homosexualität zu stehen beginnt.


Beginners

Leihvideo

Erhältlich seit:
03.11.2011

Drama/ Komödie

USA 2010
Laufzeit: 104 Min.
FSK: ab 0 (ohne Altersbeschränkung)

Ewan McGregor
Christopher Plummer
Mélanie Laurent

Regie: Mike Mills
Universal Pictures Germany

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Beginners

Der Tod seines 80-jährigen Vaters Hal wirft Oliver mehr aus der Bahn, als er es sich jemals gedacht hätte. Neuen Lebensmut fasst der junge Mann, als er die französische Schauspielerin Anna kennenlernt und sich in sie verliebt. Während er sich an Anna klammert und wieder Fuß im Leben zu fassen versucht, erinnert er sich an die letzten Jahre mit seinem Vater: Nach dem Tod seiner Frau hatte sich der damals 75-Jährige für seinen Sohn völlig überraschend zu seiner Homosexualität bekannt und noch einmal einen neuen Lebensanfang gewagt.

Inspiriert von seiner eigenen Beziehung zu seinem Vater, erzählt der Künstler Mike Mills die autobiografisch gefärbte Geschichte eines jungen Künstlers, die spielerisch zwischen zwei Zeitebenen wechselt und ihre beiden Handlungsstränge parallel zueinander vorantreibt. Immer wieder gibt es drollige Einschübe und witzige Einfälle. Ewan McGregor und "Inglourious Basterds"-Star Mélanie Laurent sind entzückend, aber die eigentliche Offenbarung ist Urgestein Christopher Plummer als Olivers Vater in einer mutigen, bewegenden Darstellung.

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Eine autobiographische Komödie, in der man vor Freude weinen will: Mike Mills' zweiter Film ist wie ein Blättern durch ein ganz persönliches Familienalbum.

Mike Mills war Anfang 30, als seine Mutter starb und sein 75-jähriger Vater sein Comingout erklärte: Nach 50 Jahren der Geheimnistuerei hatte er keine Lust mehr, im Verborgenen leben zu müssen. Bis zu seinem Tod fünf Jahre später lebte er als glücklicher schwuler Mann, der seinem Sohn in dieser Zeit näher kam als all die Jahre davor. "Beginners" könnte nicht autobiographischer sein. Mills, einer der einflussreichsten und kreativsten amerikanischen Grafikdesigner und Künstler der letzten 20 Jahre, der Albumcover für Sonic Youth entwarf und Videos für die Beastie Boys drehte, erzählt in seiner zweiten Arbeit als Filmregisseur - das Debüt war "Thumbsucker" aus dem Jahr 2005 - seine eigene Geschichte. Und er macht es auf die zutiefst persönliche Weise, die möglich erscheint. Bisweilen mutet sein Film an wie ein Blättern durch ein Tagebuch, angefüllt mit Randnotizen, abschweifenden Gedanken und absurden Ideen. Parallel erzählt der Regisseur von der Zeit nach dem Tod der Mutter - und danach dem Tod des Vaters.

Mit Hilfe seines Alter egos, des von Ewan McGregor gespielten Grafikdesigners Oliver, erzählt Mills von der eigenen Orientierungslosigkeit, seiner Trauer, seiner Schwierigkeit, wieder Fuß im Leben zu fassen nach dem Verlust, und seinen Problemen, sich auf eine Beziehung mit einer jungen französischen Schauspielerin, gespielt von "Inglourious Basterds"-Entdeckung Melanie Laurent, die er in einer wunderbaren Sequenz auf einer Party in den Hollywood Hills kennenlernt, einzulassen. Das klingt zunächst nach einem problembeladenen Drama, ist aber ein entwaffnend hinreißender Film mit einem Sinn für absolut menschlichen Humor. Mills ist frei im Einsatz der Mittel, lässt seinen traurigen Helden Gespräche mit dem Hund des Vaters führen (und den Hund in Untertiteln antworten), er fügt Einschübe ein, die im Stil eines Kalenderblattes von entscheidenden Jahren im Leben der Hauptfiguren berichten. Alles, was dazu beiträgt, ein Verständnis für die Menschen in "Beginners" und ihre Gefühlswelt zu vertiefen, ihre ganz intimen Anliegen in einen Kontext zu setzen und damit nachvollziehbar zu machen, ist erlaubt. Die Freiheit überträgt sich auf die Schauspieler.

McGregor und Laurent sind wunderbare Sympathieträger, aber die eigentliche Offenbarung ist Hollywood-Legende Christopher Plummer, der als Olivers Vater, der es sich erlaubt, die letzten Jahre seines Lebens in vollen Zügen zu genießen, die vielleicht mutigste und beste Leistung seiner an ikonischen Rollen nicht gerade armen Karriere abliefert. "Beginners" ist von der ersten bis zur letzten Sekunde pure Magie, überraschend, aufrichtig, sentimental, ein bisschen drollig, komisch, traurig, immer wahrhaftig - eine wunderbare Arbeit eines Mannes, dessen bekanntestes Kunstprojekt nicht von ungefähr den Titel "Humans" trägt: Nachhaltig erzählt er, dass wir alle in unserem Leben immer Anfänger sind, egal wie alt und erfahren wir auch sein mögen. Und das ist im ureigenen und ursprünglichen Sinne schön. ts.

Darsteller:  Ewan McGregor   als Oliver
  Christopher Plummer   als Hal
  Mélanie Laurent   als Anna
  Goran Visnjic   als Andy
  Bill Oberst Jr.   als Hal's Freund
  Mary Page Keller   als Georgia
  Jodi Long   als Dr. Flaster
  Jessica Elder   als Party girl
 
Regie:  Mike Mills  
Buch:  Mike Mills  
Musik:  Roger Neill  
  Dave Palmer  
  Brian Reitzell  
Kamera:  Kasper Tuxen  
Produzent:  Miranda de Pencier  
  Lars Knudsen  
  Leslie Urdang  
  Dean Vanech  
  Jay Van Hoy  

11 Oscar-Nominierungen für Kinderfilm "Hugo Cabret", 10 für Stummfilm "The Artist"

Völlig überraschend ist der Kritikerliebling "The Artist" bei den Oscar-Nominierungen von Martin Scorseses "Hugo Cabret" um einen Waisen im Pariser Bahnhof überholt worden.

Von der Academy am häufigsten nominiert: "Hugo Cabret" und der 3D-Schwarzweiß-Stummfilm "The Artist" (Foto: Paramount, Delphi) Großansicht

Von der Academy am häufigsten nominiert: "Hugo Cabret" und der 3D-Schwarzweiß-Stummfilm "The Artist" (Foto: Paramount, Delphi)

Hollywood hatte schon die Revolution des Kinos ausgerufen. Schließlich galt - und das in den Zeiten der Megaerfolge von Spektakeln wie "Avatar" & Co. - mit "The Artist" ein kleiner, feiner Stummfilm in Schwarzweiß über die Liebe zweier Schauspieler am Ende der Stummfilmära als Favorit bei den Oscar-Nominierungen.

Nachdem Jungstar Jennifer Lawrence und Academy-Präsident Tom Sherak nun die Nominierungen bekannt gegeben haben, steht das belgisch-französische Kunstwerk mit insgesamt zehn Nominierungen zwar auch ordentlich da, doch ein Altmeister hat den Kritikerliebling noch überholt:

Martin Scorseses in prächtigen Bildern schwelgende 3D-Kinderbuchverfilmung "Hugo Cabret" um einen Waisenjungen, der im Pariser Bahnhof Montparnasse Gare lebt, heimste insgesamt elf Oscar-Nominierungen ein. Die leidlich bekannte Vorliebe der Academy für US-Produktionen gegenüber europäischen mag dabei eine Rolle gespielt haben.

Allerdings ist "Hugo Cabret" zwar in den Hauptkategorien Bester Film und Beste Regie nominiert, ansonsten gab's die Award-Chancen aber eher in den technischen Nebenkategorien wie Visual Effects, Kamera, Schnitt, Ausstattung, Ton, Tonschnitt, Musik und Drehbuchadaption. Dagegen sind mit Jean Dujardin und Bérénice Bejo in "The Artist" auch der Haupt- und die Nebendarstellerin nominiert. Die beiden Filme werden wohl den Oscar für den besten Film unter sich ausmachen.

Clooney gesetzt

Dujardin wird sich allerdings sehr wahrscheinlich George Clooney beugen müssen, der als überforderter Vater, der in "The Descendants" erfährt, dass ihn seine im Koma liegende Frau betrogen hat, als Favorit für den Hauptrollen-Oscar gilt. Auch Clooneys Regisseur Alexander Payne ("Sideways") ist nominiert und darf sich darüberhinaus über eine Berücksichtigung als bester Film und insgesamt 5 Oscar-Chancen freuen.

Clooneys Kumpel Brad Pitt ist als Coach, der erstmals Computerstatistiken benutzt, im Baseballdrama "Moneyball" für den Hauptrollenoscar nominiert. Das Sportspektakel gehört mit insgesamt 5 Nominierungen, darunter als bester Film, ebenfalls zu den meistberücksichtigten Werken. Gefährlich könnte George Clooney vermutlich eher noch Gary Oldman werden, der in "Dame, König, As, Spion" einen Maulfwurf im Secret Service aufspüren soll. Lediglich Außenseiterchancen hat Demián Bichir, dessen Nominierung für "A Better Life" bereits eine Riesenüberraschung und -ehre darstellt.

Margaret Thatcher ist die Größte

Absolut gesetzt ist Meryl Streep für den weiblichen Hauptrollenoscar. Ihre gespenstisch gute Verkörperung der britischen Permierministerin Margaret Thatcher in "Die Eiserne Lady" brachte ihr bereits die 17. Oscar-Nominierung ein. Da wird es höchste Zeit für den dritten Sieg nach "Kramer gegen Kramer" und "Sophies Entscheidung", wie ganz Hollywood meint.

Ansonsten wäre Rooney Mara als Lisbeth Salander in der US-Neuverfilmung des ersten Teils der schwedischen Kultkrimi-Trilogie "Millennium", "Verblendung", eine starke Herausforderin, ebenso Michelle Williams als Leinwand-Legende Marilyn Monroe in "My Week with Marilyn" und Glenn Close, die sich in "Albert Nobbs" im Dublin des 19. Jahrhundert als Mann verkleidet, um in der Gesellschaft aufzusteigen. Auch Viola Davis glänzte im Südstaatendrama um die ersten afroamerikanischen Haushaltsgehilfinnen in "The Help", das insgesamt sechs Nominierungen erhielt, darunter als bester Film und für Octavia Spencer als beste Nebendarstellerin.

In jener Kategorie gilt wiederum Bérénice Bejo aus "The Artist" als leichte Favoritin. Sie glänzt als eine der ersten Tonfilm-Diven, die ausgerechnet einen alten Stummfilm-Star (Jean Dujardin) liebt, dessen Stern nun am Sinken ist. Octavia Spencer und Jessica Chastain, beide für "The Help" nominiert, werden als starke Herausforderinnen gesehen. Janet McTeer, die in "Albert Nobbs" ebenfalls einen Mann spielt, und Melissa McCarthy in der Komödie "Brautalarm" dürften eher geringe Chancen haben.

Einen glasklaren Favoriten gibt es bei den männlichen Nebendarstellern: Albert Brooks mutet in "Beginners" seinem Filmsohn Ewan McGregor ein spätes schwules Coming out zu - beeindruckend und herzerweichend. Das Nachsehen haben werden daher Max von Sydow als Holocaust-Opfer im 9/11-Drama "Extrem laut und unglaublich nah", Kenneth Branagh als Sir Laurence Olivier in "My Week with Marilyn", Jonah Hill als Sidekick von Coach Brad Pitt in "Moneyball" und Nick Nolte als versoffener Rabenvater in "Warrior".

Fünfkampf in den beiden Königsklassen und eine deutsche Hoffnung

Unter den Regisseuren dürfte es dagegen extrem spannend werden. Von den fünf Nominierten Michel Hazanavicius ("The Artist"), Alexander Payne ("The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten"), Woody Allen ("Midnight in Paris"), Terrence Malick ("The Tree of Life") und Martin Scorsese ("Hugo Cabret") kann eigentlich jeder gewinnen. Nachdem die Filme der fünf Macher auch allesamt in der Kategorie Bester Film ins Rennen gehen, könnte der gewinnen, dessen Werk auch den Königspreis abräumt. Denn die Regie wird dafür von der Academy traditionell als Schlüsselkategorie angesehen.

Aus deutscher Sicht gab es zwar nicht wie erhofft eine Chance auf den Auslandsoscar für Wim Wenders' "Pina", hier gilt der iranische Beitrag "Nader und Simin - Eine Trennung" als Favorit, der auch für das Drehbuch nominiert wurde. Dafür wurde der bildstarke deutsche Beitrag über die Choreographen-Legende Pina Bausch als beste Doku nominiert und hat hier auch berechtigte Sieg-Chancen.

Mit dem Kurzfilm "Raju" von Max Zähle und Stefan Gieren geht ein weiterer deutscher Kandidat ins Oscarrennen. Der Film wurde im Vorjahr bereits mit dem Studentenoscar ausgezeichnet. Außerdem wurde die deutsche Kostümbildnerin Lisy Christl nominiert für ihre Arbeit an Roland Emmerichs Historiendrama "Anonymus".

Bei den für die Academy immer wichtiger werdenden Animationsfilmen zeichnet sich ein Dreikampf zwischen "Rango", "Der gestiefelte Kater" und "Kung Fu Panda 2" ab. Den Spezialeffekte-Oscar dürften entweder "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2" oder "Planet der Affen: PRevolution" einheimsen.

Aushilfsmoderator beschwört die Liebe zum Film

Wer dann tatsächlich alles einen Goldjungen mit nach Hause nehmen darf, das entscheidet sich in der Nacht von Sonntag, den 26.2., auf Montag, den 27.2., im Kodak Theatre von Los Angeles. Moderieren darf den wichtigsten Abend der Traumfabrik dabei Comedy-Superstar Billy Crystal - und das bereits zum neunten Mal!

Doch Crystal ist nur ein Notnagel, denn eigentlich sollte ein anderer die Filmschaffenden mit coolen Sprüchen begeistern: Eddie Murphy! Aber der sagte ab, weil der als Regisseur der Zeremonie geplante Brett Ratner, mit dem Murphy zuletzt den Komödienhit "Aushilfsgangster" gedreht hat, abgesetzt wurde: Er hatte sich im Vorfeld zu schwulenfeindlichen Witzen hinreißen lassen.

Nun freut sich also Billy Crystal auf die Goldjungs-Gala. Und auch wenn natürlich selbst er noch keine Preisträger kennt und auch wenn sein gespannt erwarteter Eröffnungs-Monolog ebenfalls streng geheim bleibt, so hat er zumindest soviel über seine Pläne für die Verleihung verraten: "Mein großes Thema für den Abend lautet: 'Wie habt Ihr Euch eigentlich ins Kino verliebt?' Schließlich verbindet uns das alle und das müssen wir mal so richtig feiern!"

Was für ein schönes Motto für die Nacht, in der diejenigen geehrt werden, die dieser Liebe immer wieder Nahrung geben...

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